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Meine Tochter ist 2,5 Jahre alt. Einschlafen fiel ihr schon immer schwer. Ich habe den Eindruck, sie liebt einfach das Leben und möchte nichts verpassen…
Doch mich fordert das oft heraus. Sie will einfach nicht einschlafen, nicht am Mittag und auch nicht am Abend. Wir versuchen schon spätestens um 18 Uhr zu essen, uns vorher viel mit ihr draußen zu bewegen und den Abend dann mit Baden und ruhigem Spiel zu verbringen. Dann bringe ich oder mein Partner sie ins Bett, wir lesen noch 1-2 Bücher, ich schalte das Licht aus und sie fängt an neben mir im Bett zu hüpfen und zu zappeln. Irgendwann sagt sie dann: „ich kann nicht einschlafen“. Also nehme ich sie in die Trage und wir gehen draußen eine Runde. Dabei ist es ihr total wichtig zu sagen, dass sie dabei nicht einschlafen möchte. Dann schläft sie meistens doch recht zügig während des Spaziergangs ein und ich oder mein Partner können sie ablegen.
Lange Zeit habe ich sie in den Schlaf gestillt, seit 2 Monaten stillt sie sich langsam selber ab. Sie trinkt oft nur noch früh morgens etwas Milch bei mir.
Ich würde mir wünschen, dass sie auch mal im Bett einschläft, das passiert meist nur, wenn wir den Mittagsschlaf weglassen und sie so richtig müde ist, doch dann sind die Nächte unruhiger.
Hast du noch Ideen, wie ich ihr helfen kann in die Entspannung zu kommen?
Das ist so eine spannende Frage, Danke!
Seit etwa 20 Jahren berate ich Eltern zum Thema Schlaf. Am Anfang dieser Zeit entstanden viele Schlafprobleme (oder auch „Schlafstörungen“) dadurch, dass die Eltern den kleinen Kindern durch Schlaftrainings das vorenthielten, was sie für den Weg in den Schlaf unbedingt brauchen: das Gefühl von Sicherheit. Und das entsteht bei kleinen Kindern nun einmal dadurch, dass ihre Eltern ihnen beim Einschlafen Nähe geben.
Auch wenn Eltern dies heute beherzigen, geht bei manchen die Gleichung: Nähe = kuscheliges, problemloses Einschlafen nicht auf. Tatsächlich klagen überraschend viele Eltern über genau dasselbe Problem wie du: ich gebe meinem Kind Nähe, Schutz und Hülle, das volle Programm – und doch verbringe ich gefühlte Ewigkeiten mit – meist vergeblicher – Einschlafbegleitung. Irgendwie scheint all das meinem Kind auf der letzten Strecke in den Schlaf nicht viel zu helfen.
Ich will dir diese Frage auf zwei Arten beantworten – und es dir überlassen, was du davon mitnimmst. Denn ihr müsst euren Weg finden, also den Weg, der zu euerem „Familienuniversum“ samt seinen Abläufen und den Bedürfnissen der dort kreisenden „Planeten“ passt.
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Lass mich mit den „klassischen“ Antworten beginnen, zu dieser Schiene gibt es es ja einiges „im Netz“ (kein Wunder sagen mir Eltern häufig dann: das habe ich alles schon ausprobiert 😉).
Trotzdem. Du könntest zum Beispiel den ganzen Einschlafprozess später starten (insbesondere an den Tagen, an denen deine Tochter Mittagschlaf hatte). Ich meine, wenn deine Tochter dann sowieso schlaflos im Bett liegt, warum den ganzen Prozess nicht einfach später beginnen, dann hättet ihr noch einen Teil vom Abend für andere Dinge. Manche Eltern berichten aber: mein Kind kämpft dann trotzdem gegen den Schlaf, irgendwie scheint die „letzte Strecke“ wie verhext. Manche Eltern verlegen ihre Routine dann darauf, dass sie gleich zusammen mit dem Kind ins Bett gehen, das kann dann manchmal den Knoten lösen, passt aber manchmal nicht in die sonstigen Familienabläufe.
Hilfreich ist immer, wenn es dir gelingt, bei der Einschlafbegleitung selbst so gut es geht in die Entspannung zu kommen. Denn die kleinen Kinder spüren ja, dass dich der lange Weg stresst – und sie werden dadurch auch nicht gerade entspannter. In Sachen Anspannung sind Eltern und Kinder ja sozusagen kommunizierende Röhren. Wie genau du in die Entspannung kommen kannst, ist sehr individuell – deine Wahl. Vielleicht tust du dir selbst etwas Gutes während du „begleitest“, sei es, dass du im Netz unterwegs bist, einen Podcast hörst, was Holzhaltiges liest, Socken strickst oder sogar arbeitest, sagen wir als Lehrerin Klassenarbeiten korrigierst (hab ich alles schon erlebt). Oder ihr Eltern macht gemeinsam Sachen – und aus der Einschlafbegleitung wird ein (Erwachsenen-)Vorlesestündchen. Das Prinzip ist immer ähnlich: Wenn es dir/euch gut geht, können die Kinder gut entspannen, und selbst Geräusche wie etwa das Geklapper einer Nähmaschine stören sie da nicht.
Manche Eltern berichten allerdings: aber mein Kind will meine körperliche Nähe! Gleichzeitig stimmt auch das: Viele Kinder können mit zwei schon nach und nach dazu gebracht werden, dass sie sich auch sicher fühlen, wenn du nicht direkt an ihrer Seite bist. Das lässt sich mit einiger Geduld üben – auch wenn der Übergang nicht von heute auf morgen klappt. Er klappt umso besser, je wichtiger dir das Ziel ist. Aus entwicklungstheoretischer Sicht jedenfalls ist das, was für die Kinder letzten Endes zählt, das Gefühl von Sicherheit: alles gut hier, meine Erwachsenen halten die Tiger fern, ich kann entspannen.
Welchen Weg ihr dann findet, damit dein Kind dieses Gefühl von Sicherheit hat, hat viel mit Gewohnheiten zu tun. Du musst kein schlechtes Gewissen haben, wenn du da auch deine Interessen mit reinbringst. Und der Hebel kann da durchaus auch mal beim Kind selbst ansetzen, etwa indem du ihm ein Hörbuch anmachst, dann dreht sich das Ganze vielleicht weniger ums Schlafen als ums Hörbuch hören. Und ihr Großen könnt nebenher etwas für euch machen. Oder dein Kind gewöhnt sich daran, dass abends seine Kuscheltiere müde sind und von ihm ins Bett gebracht werden wollen… Die letzte Strecke klappt manchmal besser, wenn die Kinder die Augen dann auch wirklich zumachen (das vergessen manche Kinder nämlich und können dann nicht gut abschalten). In deinem Fall könntest du das auch versuchen, um vom “Schlafthema” abzulenken: Du musst nicht schlafen, aber die Augen zumachen, denn dann werden die Geschichten vom Tag zu richtig schönen Träumen.
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Und die zweite Antwort? Die wird klar, wenn wir die Einschlafsituation einmal gemeinsam durch die Augen deines Kindes betrachten: Es soll sich in ein Bett legen, um dort, naja, einzuschlafen. Also diesen super spannenden Zustand des Wachseins zu verlassen. Hat es da positive Vorbilder? Also konnte es in seinem Alltag immer wieder andere Kinder oder Eltern beobachten, wie die das machen und wie fein das ist, sich einzukuscheln und einzuschlafen? Für viele Kinder ist das Einschlafen im Bett eher eine Art Blackbox, das Kind ist immer die erste Person, die schlafen geht – und dann auch noch das spannende Familienleben „verpasst“. Das macht es schwieriger. Schwierig für das Kind oft auch: es erlebt den Abend oft als einen Ablauf mit einem nicht gerade spannenden Endziel. Eine Art „Muss“ mit Schleifchen. Wobei die oft nicht wirklich gut sitzen, denn häufig spürt das Kind eben doch den Stress dieser ganzen Affaire, siehe oben. Die Eltern verfolgen ja tatsächlich eine “Lösung”, die sie selbst stört. Und so wird der Weg dann eben doch ein Seilziehen – um den „Absprung“, um das Zähneputzen, um noch eine Geschichte… Und wie leicht speichert das kleine Kind da schon mal ab: Schlafen – bitte vermeiden. Und vor allem: Schlafen, das ist das Projekt meiner Eltern, von denen geht die Initiative aus, sie sind es die mich da reinbugsieren und die dazu schieben und ziehen… Und das Kind selbst? Lernt dabei im Grunde nicht Schlafen – sondern das Schlafen zu vermeiden: Lass mal schauen, wie ich aus dieser Nummer rauskomme oder sie rauszögere so gut es geht! Da kann es dann schon sein, dass das Kind sich daran gewöhnt, seine eigenen Signale (bin müde) eher zu überhören. Kein Wunder schläft deine Tochter dann da ein, wo es eigentlich gar nicht ums Schlafen geht – beim Spazierengehen von A nach B.
Dieser Aspekt ist unglaublich spannend, weil er an das Rätsel der kulturvergleichenden Forschung rührt: warum werden Schlafprobleme etwa in indigenen Kulturen überhaupt nicht thematisiert? Nun kann ich das hier nicht alles reinbringen (wir machen das an einem unserer „live“-Abende, hier dem Themenabend zum kulturvergleichenden Blick auf den kindlichen Schlaf, “Müde bin ich, geh zur Ruh?” Aber so viel im Vorbeifliegen: Die Kinder schlafen dort bei dem ein, was ihre Bezugspersonen eben so machen. Die Mit-Regulation erfolgt sozusagen en passant, während die Großen ihr Ding tun. Als Teil von deren Abläufen.
Man sitzt etwa abends am Feuer, kocht, isst, plant, singt, streitet, diskutiert, wärmt sich und so weiter – und die Kinder schlafen dabei ein. Ein kleines Kind vielleicht an der Brust seiner Mutter oder es nickt auf ihrem Schoß weg, oder dem seines Onkels. Die größeren vielleicht auf ihren Fellen. Niemand fährt dort Sonderschichten namens “Einschlafbegleitung”, steht auf und „bringt sein Kind ins Bett“ – was würde man alles verpassen, wie gefährlich wäre das auch! Kurz, der Schlaf passiert mitten im Alltag, manchmal so, manchmal so. Die Kinder lernen dabei: Schlafen ist etwas Feines, er hat etwas mit Entspannung in einer guten Atmosphäre zu tun, mit Zusammensein, alles gut. Sie lernen dabei auch immer wieder kleine Stückchen in Sachen Selbstregulation: der Schlaf kommt einfach, ich kann den Müdigkeitssignalen meines Körpers vertrauen – und ihnen folgen.
Das also als „doppelte Antwort“ – eine klassische und eine „think-outside-the-box-Antwort“ – die wir hier bei @kinderverstehen.de tatsächlich auch sehr mögen… Und gleichzeitig anerkennen, dass die Übertragung gar nicht so einfach ist – zum Beispiel, weil woanders morgens eben kein Wecker klingelt, wo hier schon der Gedanke daran oft abends Stress reinbringt. Und doch kann der Blick stärken, insbesondere wenn es uns gelingt, die eine oder andere „Denkvorschrift“ zu kappen oder unsere „Haltung“ zu verändern.
Warum etwa sollte ein Kind sich bei Müdigkeit nicht einfach auf eine Matratze in eurer Nähe oder aufs Sofa legen, und somit weiterhin „dabei“ sein, während ihr euer Ding macht? Manche Eltern lernen tatsächlich als erstes beim Mittagschlaf, den Schlaf zum Non-Thema zu machen – und damit sozusagen dem weltweit wahrscheinlich noch immer gängigsten Standard zu folgen. Entweder das Kind zeigt deutlich an, dass es schlafen möchte (und schläft dann, wo es für euch gerade passt). Oder es schläft eben nicht. Was uns beim Mittagschlaf geholfen hat: Es zum Non-Thema zu machen. Entweder das Kind zeigt deutlich an, dass es schlafen möchte, oder es schläft im Anhänger, in der Trage ein; oder auch nicht. Aber wir versuchen das Kind nicht aktiv in den Schlaf zu „ziehen“. Dadurch waren wir mittags entspannter.

Nämlich zu unseren Live-Themenabenden, sie startet morgen!
In den kommenden sechs Monaten nehmen wir uns alle zwei Wochen ein Thema genauer vor: Die Bindung und die Bindungstheorie, die Autonomiephase, „Orientierung geben“ als Eltern, den Schlaf der Kleinen, Erziehungsansätze aus indigenen Gemeinschaften, und vieles mehr.
Ich freue mich sehr auf alle, die dabei sein möchten!











Quellen
1 Kommentar 










j
Danke für die Frage und die Antwort. Unserer schläft langsam weniger und dann, wenn er nachmittags übermüdet einschläft, nicht mehr unbedingt durch und hält mich dann zwischen 11 und 1 nachts wach. Wecken muss jetzt mal mein Mann versuchen nachmittags. Bei mir schläft er weiter (stillen). Mir fehlt irgendwann die me-time, wenn er ewig stillt, um einzuschlafen oder auch nicht. Dieses nette Kombinieren von Alltag und schlafen – wie geht das mit Zähne putzen etc in ein Ritual? Ich lese viel (und gerne) beim Stillen, aber irgendwann reicht es mir. Abstillen dauert noch, er stillt noch viel und ist lang in der Kita und kompensiert auch vieles mit dem Stillen.