FAQ

Was ist anders am Kinderschlaf?

Das Menschen­junge steht vor einem Di­lem­ma. Denn ver­glich­en mit den anderen Men­schen­af­fen muss es den Mut­ter­leib in einem noch sehr unreifen Sta­di­um verlassen. Aufholen heisst die Devise. Vor allem sein wichtigstes Organ, das Gehirn, muss jetzt schnell auf Vordermann kommen − schließlich will das Kind porentief in die Welt eintauchen, ihren Menschen begegnen und dabei lernen!

Das Gehirnvolumen des Neugeborenen wird sich deshalb in nur einem Jahr verdoppeln. Und dann bis zum dritten Geburtstag noch einmal − jetzt ist es fast auf Erwachsenengröße angekommen.

Kein Wunder macht gerade das Gehirn bei diesem Entwicklungsspurt Überstunden. Und das sogar im Schlaf. Denn anders als Erwachsene schalten die Kleinen ihr Gehirn im Schlaf nur ungern auf Schonbetrieb. Sie verbringen vielmehr große Teile ihres Schlummers in einer Art »Reifungsschlaf«, in dem das Gehirn sozusagen seinen Hausputz macht. Es ordnet und sortiert Erlebnisse, Eindrücke und Gefühle und »verfestigt« damit das Gelernte. Der ganze Körper bleibt dabei aktiv, was sich auch daran zeigt, dass die Augen hinter den Lidern oft hin- und her springen (ein Teil dieses aktiven Schlafs wird deshalb auch als REM-Schlaf bezeichnet, von rapid eye movement).

Dieser aktive »Entwicklungsschlaf« zeichnet sich aber durch eine Gemeinheit aus, die Eltern vertraut ist: er ist leichter als die anderen Anteile des Schlafs, das heisst, die Kleinen sind während dieser Schlafphasen leicht erweckbar.

Aber noch eine Gemeinheit ist mit diesem Entwicklungsspurt verbunden: er kostet sehr viel Energie. Denn Nervenzellen sind die hungrigsten Zellen überhaupt. Zudem sind die Hirnzellen auch noch besonders wählerisch: anders als normale Körperzellen nutzen sie fast ausschließlich Zucker als Energielieferant − kein Wunder enthält Muttermilch fast doppelt so viel Milchzucker wie Kuhmilch!

Dass das Menschenjunge in dieser Aufholphase auf einen hohen Zuckeranteil setzt, hat übrigens mehr mit dem Schlaf zu tun als Eltern lieb ist. Denn der Milchzucker wird nun einmal rasch ins Blut aufgenommen und verwertet, entsprechend häufig melden sich die Kleinen zum Nachtanken. Und das leider auch im Schlaf.

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