»Auf die Flügel kommt es an!«
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Kommentar30. Januar 2026

Die Wissenschaft hat festgestellt… “Kinder die von Oma und Opa betreut werden, sind weniger gesund”

“ZEIT: Weiß man denn überhaupt, was Kinder in Deutschland bei ihren Großeltern machen?

Ziege: Nein, leider weiß man im Prinzip gar nichts darüber.”

“ZEIT: Was heißt das konkret – Kinder, die häufiger bei den Großeltern sind, leiden öfter unter Übergewicht, Konzentrations-schwierigkeiten oder Karies?

Ziege: Dazu können wir leider gar nichts sagen. Auch, ob es mehr mentale oder physische Probleme gibt, wissen wir nicht.”

Und dann auch noch das:

„Die Effekte, die wir gemessen haben, sind nicht sehr stark…“

Avanti dilletanti!

Die Studie   zeigt, wie leicht Wissenschaft, aber auch die Berichterstattung darüber , Eltern an der Nase herumführt (meist ungewollt, einfach aus einem fehlenden Verständnis der Methoden heraus).

Kurz: Bei der Studie handelt es sich um die Auswertung von Befragungsdaten, in denen Eltern verschiedene Fragen zum eigenen Wohlbefinden und zur Gesundheit ihrer Kinder beantworten. Dieser Datenbestand wird nun mit Blick auf die räumliche Entfernung der Großeltern analysiert.

Heraus kommt …

  • … je näher die Großeltern wohnen, desto zufriedener sind die Eltern (vor allem die Mütter) mit der Betreuungs- und auch ihrer eigenen Freizeit-Situation.
  • … Und: desto eher berichten die Eltern auch von gesundheitlichen Problemen bei ihren Kindern…

Und genau daraus wird nun der Aufhänger als Klick-Köder für die Presse:

“Wenn Enkel oft bei ihren Großeltern sind, ist das nicht unbedingt förderlich für die Gesundheit der Kinder.”

Da ist nur ein Problem. Genau das zeigt diese Studie eben nicht.

Schauen wir genauer hin, dann zeigt sich zuerst, dass die Aussage nur mit Einschränkungen gilt:

  • … der angeblich nachteilige Effekt auf die Gesundheit war klein.
  • … und er betraf nur die Altersgruppe der GrundschülerInnen
  • … und er betraf nur Jungs

Vor allem aber: die Studie lässt keinerlei Aussage zu, ob es sich hier um einen ursächlichen Zusammenhang handelt.

Die Nähe zu den Großeltern könnte ja für alle möglichen anderen Einflüsse stehen…

… sie könnte auch in die gegenteilige Richtung interpretiert werden. Was, wenn Jungs im Schulalter vielleicht die mögliche “Ressource Großeltern” weniger intensiv nutzen als z.B. Mädchen – etwa weil sie dort dann lieber Youtube gucken als mit Omaopa rausgehen?

Besonders heikel: Der Zusammenhang könnte auch komplett umgekehrt sein (“reverse causation”).

Die Nähe zu den Großeltern könnte z.B. auch ein Marker für die soziale Mobilität der Eltern sein – die sozial mobileren Eltern ziehen eher weg, die weniger Mobilen bleiben in ihren Ursprungsgemeinden. Geringere soziale Mobilität steht aber auch für insgesamt höhere gesundheitliche Risiken…

Schwer auch das genau herauszurechnen: Vielleicht steigt die “Großelternnutzung” ja auch dann an, wenn schon Probleme bei den Kindern da sind? Das wurde zwar versucht zu berücksichtigen, aber das klappt oft nicht wirklich gut.

Nehmen wir nur mal an, dass da auch Eltern mit dabei sind, die vielleicht WEGEN gesundheitlicher Probleme ihrer Kinder wieder in die Nähe der Grrosseltern gezogen sind… Natürlich steht die Nähe zu den Großeltern dann auch für die Gesundheitsprobleme der Kinder, hat mit denen aber rein gar nichts zu tun….

Kurz: wieder einmal eine dieser Studien, die leicht überinterpretiert werden – bei denen es dann so erscheint, als hätten die Forschenden einen wahnsinnig interessanten Zusammenhang entdeckt – den die verwendete Methodik aber gar nicht belegen kann.

Und so werden wir von Aufreger zu Aufreger gejagt, und die Substanz dahinter: Fehlanzeige.

Das heißt nicht, dass solche Querschnitts-studien nicht ihren Wert haben – aber er liegt vor allem darin, Hypothesen zu generieren, auffällige Muster zu erkennen, die dann mit anderen Methoden näher und verlässlicher untersucht werden können.

Aber so ist es unbefriedigend: es werden Vermutungen aufgebauscht, aber sie bleiben eben: Vermutungen.

Wer hat davon denn was?

 

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4 Kommentare

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  • Jale

    Spitze , vielmals Danke 🙏!!!
    Ich habe auf die Headline hin gleich die Originalstudie gelesen (und da bereits über etlichen Dingen gestutzt – wie grob und subjektiv zB der Gesundheitszustand von Kindern erhoben wurde ) und auch eine Einordnung von einer professionellen Stelle, die ua das Korrelations-Kausalitätsproblem benannte.
    Unglaublich, auf welchen Zug der Journalismus so aufspringt…

  • Hans Brügelmann

    Danke für die Mühe der Entzauberung – ich hatte mich beim Lesen auch schon aufgeregt über die naive Lesart der Studie. Wann lernen Journalisten (und auch manche Kollegen aus der Wissenschaftlerzunft…) endlich, Forschungsbefunde methodisch sauber zu interpretieren? Solche Beiträge tragen leider dazu bei, dass Wissenschaft GENERELL nicht mehr ernst genommen wird.

    • Jutta Pipper

      Es gilt doch noch immer der Grundsatz: Trau keiner Studie die du nicht selbst gefälscht (resp. interpretiert) hast…

  • Ralf

    ich habs im Radio gehört:
    “Schaden Großeltern den Enkelkinder?”
    Und hab über soviel Diletantismus leider nicht nur lachen müssen.
    Es ist schlicht wirr und unwissenschaftlich was Frau Ziege da erzählt. und sie suggeriert, dass man die Enkelkinder möglichst fern von Großeltern aufziehen sollte.
    Das es die Gefühlslage der Eltern ist, die man befragt hat, nicht die Kinder und keine belastbaren Gesundheitsdaten, macht es besonders problematisch.
    Da das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in ihrer Person beteiligt war, öffnet noch mehr Fragezeichen. Problematisch ist schon der Untersuchungsansatz: These Schaden Großeltern. Im Fokus liest es sich dann so:
    “Eine neue Studie (The Generational Gift: The Effects of Grandparental Care on the Next Generations’ Health and Well‐Being) zeigt jetzt allerdings, dass es nicht förderlich für die Gesundheit von Grundschülern ist, von Oma und Opa betreut zu werden. Woran das liegen könnte und was fraglich ist.”
    Sind das die wirklichen Probleme unserer Gesellschaft? Und wovon möchte man ablenken?
    Das Schlimme ist, sie setzen eine These frei die in Köpfen hängen bleibt und nicht bewiesen wird und nebulös erklärt wird. Das ist hart am Rande der der Manipulation.