Kommentar19. März 2021

Schulen offen lassen: Was Mut macht!

Und schon sind wir wieder mitten in der Schuldebatte. In der Presse ist von steigenden Infektionszahlen bei den Kindern die Rede. Mehrere Städte oder Kreise gehen dazu über, Kitas und Schulen "vorsorglich" oder aufgrund von tatsächlichen Ausbrüchen zu schließen. Und der Schließungsdruck steigt ...

Das ist deshalb bemerkenswert, weil wissenschaftlich die Rolle der Kinder in der Pandemie in den letzten Monaten viel besser ausgeleuchtet wurde. Ich will diese Entwicklungen hier kurz zusammenfassen (zumindest so „kurz“ es geht 😉 )

Denn ich mache mir mit Blick auf Deutschland einige Sorgen. Wir sind hierzulande tatsächlich in einer Sondersituation, weil die öffentliche Debatte sehr stark von Stimmen geprägt ist, die Schul- und Kita-Schliessungen von Anfang an als eines der wichtigsten Steuerungsmittel in dieser Pandemie beschrieben haben.

Nur: Wir sind heute weiter als vor 12 Monaten

Nun liegen nach über einem Jahr Pandemie allerdings Dutzende von Beobachtungsstudien zur Rolle der Kinder in der Pandemie von 2020/21 vor. Sie liefern ein reiches Datenmaterial zum Infektionsgeschehen in Bildungseinrichtungen sowohl in Pandemiephasen mit niedriger als auch mit hoher Inzidenz. Aufgrund dieser Datenbasis ist international zumindest mit Blick auf die Kita- und Grundschulkinder die Auffassung unter den Wissenschaftlern inzwischen relativ homogen: Die jüngeren Kinder spiegeln das Infektionsgeschehen zwar wider, sie treiben es aber nicht in wesentlichem Umfang an.

Auch das Robert-Koch-Institut hat sich in einer Auswertung des internationalen Datenbestands dieser Meinung angeschlossen. Mit Blick auf die unter 15-Jährigen formulieren die Autoren so:

„Entgegen des Ausbreitungsprofils bei anderen Atemwegserregern scheint also im aktuellen pandemischen Geschehen keine substanzielle treibende Kraft von diesen Altersgruppen auszugehen, obgleich auch hier Übertragungen stattfinden und Ausbruchsgeschehen wirksam verhindert werden müssen.“

Das macht Mut!

Werfen wir also einen aktuellen Blick auf die internationalen Erfahrungen mit Schulöffnungen, die nun vorliegen. Es handelt sich hierbei um tatsächlich im echten Leben gemessene  Daten (in Deutschland reden manche Virologen sehr gerne von Modellen – diese sind allerdings recht elastisch, weil sie im Grunde nur die Annahmen widerspiegeln, mit denen die Modelle gefüttert werden).

Die internationalen Erfahrungen kann man so zusammenfassen: Wenn bestimmte Vorsichtsmaßregeln beachtet werden, dann kann der Kita- und Schulbetrieb möglicherweise aufrechterhalten werden ohne nenneswert zur Pandemie beizutragen.

Erstens. Die schwedische Erfahrung

Seit Ende Januar 2021 liegt eine Auswertung der „Schwedischen Erfahrung“ in der Schulpolitik vor. Sie ist hoch interessant, weil die Schulen dort während der Pandemie zumindest teilweise durchgängig offen blieben – und zwar während in den Gemeinden eine hohe Infektionsaktivität zu verzeichnen war. Noch wichtiger: ein Teil der Schulen (nämlich die weiterführenden Klassen mit den älteren Kindern – ab der 10. Klasse) waren geschlossen, während Kitas und Grundschulen grundsätzlich offen blieben.

Die Arbeitsgruppe um Vlachos hat nun untersucht, wie sich diese Unterschiede auf die Infektions- und Krankheitszahlen ausgewirkt haben, und zwar: bei den Eltern und bei den Lehrern sowie bei deren Partnern. Es wurde also untersucht, in welchem Maß durch die geöffneten Schulen Infektionen passierten und in welchem Maß sie in die Haushalte weiter getragen wurden.

Die Ergebnisse:

  • der weiter laufende Schulbetrieb hatte auf die Infektionszahlen bei den Eltern einen allenfalls milden Einfluss: zwar lag deren Infektionsrisiko um etwa 17% höher als bei den Eltern von Schülern, deren Einrichtungen geschlossen waren. Bei ärztlich bestätigten COVID-Diagnosen, bei schweren COVID-Verläufen oder gar Todesfällen gab es dagegen keinen Unterschied. Die Autoren schätzen, dass bei den über 250 000 Eltern in ihrer Untersuchung durch komplette Schulschliessungen etwa 266 Infektionen hätten verhindert werden können, also etwa 1 Promille.
  • Anders sieht das Resultat bei den Lehrern aus. Im Vergleich zu den zuhause gebliebenen Lehrern der höheren Schulklassen hatten die LehrerInnen der unteren Klassen ein insgesamt  doppeltes Infektionsrisiko und auch doppelt so viele schwere COVID-Verläufe (das Todesfallrisiko war extrem gering, da unter den 73 000 LehrerInnen nur 1 Todesfall auftrat). Das Ansteckungsrisiko in der Schule folgte dabei einem Altersgradienten: in den Kitas und jüngeren Klassen steckten sich weniger Lehrpersonal an als in den Gymnasial/Mittelschule-Klassen.

Das spricht also dafür, dass Ansteckungen von Lehrern in den Schulen passieren können, wobei die Ansteckungsquellen in dieser Studie nicht ausgeleuchtet werden konnten. Die Autoren schätzen, dass sich durch das komplette Schliessen der „lower secondary“ Klassen (Klassenstufe 5 bis 9) etwa 33 Fälle von schweren COVID-Verläufen unter den 40 000 in der Studie eingeschlossenen LehrerInnen hätten verhindern lassen.

Dazu muss allerdings gesagt werden, dass in Schweden in den schulischen Einrichtungen allenfalls lässige Hygienekonzepte gelten („best described as mild“, wie die Autoren schreiben): Es gibt keine generelle Quarantäne von potentiell angesteckten Lehrern (eine Quarantäne wird nur angeordnet, wenn eine Person erkrankt ist), es gibt keine verkleinerten Klassen und Masken werden nur selten getragen.

Insgesamt zeigt die „schwedische“ Auswertung also das: Geöffnete Schulen tragen nur minimal zu Ansteckungen bei. Und: Lehrpersonal ist einem erhöhten Risiko ausgesetzt, zumindest wenn Schulen ohne Hygienekonzepte betrieben werden.

Zweitens. Die „spanische“ Erfahrung

Ebenso spannend: die Erfahrung in Katalonien/Spanien.

Dort wurden die Schulen am 14. September 2020 nach einem halben Jahr wieder aufgemacht, und zwar während einer Zeit hoher Infektionsaktivität (14-Tage-Inzidenz pro 100 000: 185 – das entspricht etwa der derzeitigen Inzidenz in Deutschland).

Nach den hierzulande gültigen Annahmen müsste Katalonien mit der Entscheidung die Schulen zu öffnen echte Probleme bekommen haben.

Passiert ist aber etwas anderes: Die Infektionsaktivität unter den Schulkindern blieb insgesamt unter der in der Erwachsenenbevölkerung (bei den Unter-12-Jährigen deutlicher als bei den Über-12-Jährigen).  In den Weihnachtsferien dagegen stiegen die Infektionszahlen bei den Kindern stärker an als bei den Erwachsenen (womit durchaus die Frage verbunden ist, ob der Schulbesuch bei Kindern vielleicht zu weniger Infektionen führen könnte – dies könnte durchaus sein, wenn man die in Katalonien recht strengen schulischen Hygienekonzepte in Rechnung stellt).

Die Erfahrungen aus den USA, Italien und der Schweiz habe ich bereits vor einem Monat vorgestellt. Auch hier zeigt sich die immer gleiche Situation:   Die Schulöffnungen haben selbst während der Hochinzidenzphasen der zweiten Welle keine treibende Rolle in der Pandemieentwicklung gespielt.

Was ebenfalls durchgängig als Ergebnis berichtet wird: Wenn in den Einrichtungen Infektionen passieren, dann handelt es sich um eine typische Arbeitsplatzdynamik. Also: die Erwachsenen tragen Infektionen an ihrem Arbeitsplatz (hier: Kita und Schulen) ein, und geben sie dort dann auch weiter. Und zwar vor allem von Erwachsenen zu Erwachsenen. Ansteckungen von Kindern auf LehrerInnen bzw. ErzieherInnen sind dagegen selten.

Dies wurde zuletzt auch in einer Analyse der Ansteckungen in den Bildungseinrichtungen in Rheinland-Pflalz bestätigt. Hier war das Übertragungsrisiko zwischen den Kindern, aber auch von Kindern zum Lehrpersonal gering. Wenn es zu Infektionsfällen kam, gingen sie zumeist von den ErzieherInnen bzw. LehrerInnen aus. Über drei Viertel der Infektionensfälle beim Lehrpersonal liess sich auf eine Ansteckung bei einem anderen Lehrer/Erzieherin zurückführen. Kurz: das Lehrerzimmer scheint für die Infektionskontrolle ein ergiebigerer Ort zu sein als das Klassenzimmer.

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Warum ich mir (trotzdem) Sorgen mache

Schul- und Kitaschliessungen wurden in der Vergangenheit als Teil der pandemischen Bremsungsstrategie angesehen. Dies könnte sich politisch als Reflex verfestigt haben.

Zudem dürfte so mancher Politiker mit einem Nebeneffekt liebäugeln. Denn natürlich hat die Schließung von Bildungseinrichtungen auch einen generellen Effekt auf das Übertragungsgeschehen. Durch die Hintertür wird ja ein nennenswerter Teil der Arbeitsnehmer (viele Eltern nämlich) ins Homeoffice gezwungen. Durch Schulschliessungen wird also unter der Hand das erreicht, was sich politisch bisher in Deutschland (etwa im Gegensatz zu Schweden) schwer erreichen liess: dass die Arbeit wo immer es möglich ist, nach Hause verlagert wird und der Hotspot Arbeitsplatz (samt Nutzung des Nahverkehrs) dadurch besser umfahren wird.

Was mich allerdings stört ist, dass in der öffentlichen Diskussion dann mit dem Finger auf die Kinder gezeigt wird, die angeblich die Pandemie unterhalten.

Tatsächlich folgt die Berichterstattung in vielen Medien in den letzten Wochen dem immer gleichen Narrativ: jetzt wo die Schulen und Kitas wieder offen sind gehen die Infektionsfälle unter den Kindern steil nach oben – weil sich die Kinder nämlich in den Schulen anstecken. „Derweil breitet sich das Virus in den Schulen aus wie noch nie“, schreibt etwa die Süddeutsche Zeitung.

Nur: ob das stimmt, ist umstritten. Die vom RKI veröffentlichte heatmap zeigt das: Natürlich gibt es derzeit einen Anstieg der Infektionszahlen bei Kindern. Der ist aber auch bei den Erwachsenen zu sehen. Und über den Ursprung der Ansteckungen sagen diese Verläufe zunächst einmal wenig aus (denkbar sind zum Beispiel auch Ansteckungen im häuslichen Umfeld, tatsächlich fällt ja derzeit vor allem die hohe Inzidenz in der mittleren Generation der 20 bis 45-Jährigen auf).

An dieser Zuschreibung (Ausbreitung „in den Schulen“) hängt nun ein großes Gewicht in der Schuldebatte, da hätte ich mir schon eine etwas vorsichtigere Betrachtung erhofft. Natürlich kann es sein, dass die unter Kindern ansteigende Inzidenz auch etwas mit deren Schulbesuch zu tun haben. Nur: in welchem Umfang dies der Fall ist, ist eine offene Frage. Die bisherigen Messungen an Schulen sind jedenfalls keine geeignete Grundlage, um immer wieder die gleiche Geschichte von den Schulen als Seuchenherde zu erzählen. Hier empfehle ich wirklich noch einmal einen Blick auf die Zusammenfassung der wissenschaftlichen Evidenz durch das Robert-Koch-Institut.

Wie kommen wir weiter?

Die Kita- und Schulfrage ist komplex genug, Panik hilft auch diesmal nicht bei einer verantwortlichen Lösung. Anders als vor einem Jahr wissen wir heute nicht nur, was für die Kinder auf dem Spiel steht. Uns liegen inzwischen auch große und methodisch saubere Auswertungen zur Schulfrage vor. Und sie machen eindeutig Hoffnung, denn sie sagen das aus:

  • Erstens. Erfahrungen in anderen Ländern zeigen, dass Schulen und Kitas bei vernünftigen Hygienekonzepten auch in einer Hochinzidenzphase betrieben werden können, ohne dass dadurch die Pandemie aus dem Ruder läuft (inwieweit weiterführende Schulen gesondert zu betrachten sind, will ich hier nicht erörtern, es war in anderen Beiträgen ausführlich Thema).
  • Das heisst NICHT, dass es nicht auch an Kitas oder Schulen zu Infektionsclustern kommen kann, sie können überall entstehen, wo sich Menschen auf engem Raum begegnen und Hygienekonzepte nur schwer umzusetzen sind (etwa in einer Kita). Tatsächlich ist die Ansteckungsdynamik unter LehrerInnen und vor allem ErzieherInnen weiterhin problematisch. Hier könnten Schnellteststrategien (primär beim Personal, bei Kindern sind großflächige Schnellteststrategien kritisch zu diskutieren) sowie eine Priorisierung bei Impfungen zur Lösung beitragen
  • Drittens. Wenn ein am Laufen gehaltenes Bildungswesen durch indirekte Mobilitätseffekte zur Pandemie beiträgt (etwa weil der „Elternteil“ der Bevölkerung dann sozial mobiler ist und in Betrieben statt zuhause arbeitet), dann müssen Lösungen gefunden werden um diese indirekten Effekte zu begrenzen ohne das Recht der Kinder auf Bildung und Teilhabe zu beschneiden.

Der Weg des geringsten Widerstandes mag zu den Kindern führen. Aber bevor wir ihre Einrichtungen wieder schließen, sollten wir nach anderen, mit weniger Nebenwirkungen behafteten Wegen suchen.

(Ergänzung, am 27.3.2021:)

Wie die Diskussionen in den Kommentaren zeigen, wird immer wieder auf die tatsächlich in Einrichtungen passierenden Ausbrüche verwiesen und deshalb eher der vorsorglichen Schliessung von Einrichtungen das Wort geredet. Auch mit Hinweis auf die neue, ansteckendere Virenvariante, die vielleicht tatsächlich alle gemeinschaftlichen Unternehmungen unter Menschen „gefährlicher“ macht, das will ich nicht ausschliessen. Allerdings werde ich zum Teil auch missverstanden, dass ich „auf Teufel komm raus“ für eine Offenhaltung der Einrichtungen plädiere. Das stimmt nicht. Ich plädiere auch nicht für eine „Lockerung“ an den Schulen. Vielmehr plädiere ich für eine strengere Vorbeugungsstrategie! Also dafür, dass wir zuerst unsere Möglichkeiten zur Übertragungsvermeidung voll und ganz ausschöpfen. Und ich glaube nicht, dass wir das bisher getan haben. Ja, es kann sein, dass es in den letzten Wochen zu mehr Übertragungen in Kitas und Schulen gekommen ist. Darauf kann man mit vorbeugenden Schliessungen reagieren, man kann aber auch mehr für eine pandemiegerechte Veränderung der Einrichtungen tun. Und hier will ich noch einmal auf die bestehenden Möglichkeiten verweisen: Raus mit den Kindern und den Klassen! Klassen verkleinern! Wir haben jetzt in weiten Teilen des Landes Frühling und wir haben 1 Jahr Pandemie hinter uns, in denen wir sehr wohl übertragungsarme Einrichtungen hätten schaffen können. Wir können nicht einfach alles schliessen, nur weil wir nicht in der Lage sind, zum Beispiel den Kita- oder Schulbetrieb nach draussen zu verlegen. Wir müssen in dieser Pandemie schon ein bisschen Neuland betreten, ich will jedenfalls immer wieder darauf hinweisen. Und das tue ich jetzt noch einmal:

„Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Tuberkulose durch die amerikanischen Großstädte fegte, schlugen zwei Ärzte aus Rhode Island Open-Air-Unterricht vor. Eine Schule in Provincetown setzte das kurzerhand um, nahm eine Ziegelwand raus, ersetzte sie durch Fenstertüren, die die meiste Zeit über offen standen und beschulte 25 Kinder. In den Wintermonaten saßen sie in fellgefütterten „Eskimosäcken“, zusätzlich stand in der Mitte des Raums ein Bollerofen. Am Ende des Jahres hatte kein Kind irgendwelche Krankheitssymptome. Quer durch die USA gründeten sich nach dem Modell 65 Open-Air-Schulen, einige Schulen hielten Unterricht auf dem Flachdach ab, und in New York wurde eine ausrangierte Fähre zur Schule umfunktioniert.“ (Alex Rühle, in Süddeutsche Zeitung 25.7.2020, Seite 4)).

Okay Leute, die mussten damals Eskimosäcke nähen. Wir aber haben jetzt Frühling. Und wir haben vielleicht noch 2 Monate zu überbrücken bis die Lehrerschaft durchgeimpft ist. Die Kinder werden die Wochen draußen ein Leben lang in guter Erinnerung halten. Think outside the box!

Zu diesem Beitrag will ich gerne auf mein Buch „Gesundheit für Kinder" hinweisen: "Kinderkrankheiten verhüten, erkennen, behandeln". Es hat sich im deutschsprachigen Raum als DAS umfassende Nachschlagewerk zur Kindergesundheit etabliert.
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42 Kommentare

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  • Melahat Ernst

    Danke…für diesen informativen Artikel

  • Sandra

    Ich schiebe vorweg: ich bin Laie. Meine nur auf den Nachrichten beruhende Wahrnehmung ist aber: die Betrachtung sieht zu sehr in die Vergangenheit der Rolle der Kinder in der Pandemie. Die Mutation ist aber ein game changer. Wenn sie auch ansteckender für unsere Kinder ist und wir jetzt zu 75% auf britische Variante testen, dann kann man seine Kinder doch nicht guten Gewissens in die Schulen schicken! Jetzt haben wir uns und unseren Kindern so lange Entbehrungen zugemutet. Und dann riskieren wir doch noch eine Infektion als Mitbringsel aus der Schule? Dafür fehlt mir das Verständnis. Wie gut, dass die Präsenzpflicht ausgesetzt bleibt.

    • Sara

      Vielen Dank für deinen Kommentar, dem ich zu 100% zustimme.
      Meinem Informationsstand nach, ist die aktuelle Virusvariante auch für Kinder ansteckender und in GB scheint sich das deswegen durchaus problematisch auf die Zahlen ausgewirkt zu haben.
      Noch dazu kommt die Spätfolge PIMS, das anscheinend jedes 1000ste an COVID erkrankte Kind trifft.
      Dem und möglichen noch unbekannten Covid Spätfolgen, möchte ich kein Kind aussetzen.
      Es wird mMn. Zeit für eine mutige Zero-/No-Covid Strategie.

      • Tobias

        Es ist nur nicht so, das Kinder ein, über andere Altersgruppen hinaus, erhöhtes Risiko durch die neue Variante haben. Diese erste Informationen des Forscherteams aus Oxford wurde später von ihnen auf andere Effekte zurückgeführt.

    • Herbert Renz-Polster

      Danke. Ja, es ist eine Gratwanderung zwischen wirklich nicht optimalen Lösungen. Deshalb versuche ich das Augenmerk auf das zu lenken, was wir inzwischen tun können und wissen: Übertragungen werden vor allem von den Erwachsenen in die Einrichtungen eingetragen, also lasst uns die häufig testen und impfen und richten das präventive Augenmerk auf diese Gruppe. Also ich denke die Gratwanderung gelingt durch praktisches Denken eher als durch kategorisches Denken wie etwa: es besteht ein Übertragungsrisiko, also Kitas zu und Schulen zu. Wären wir im letzten Jahr praktischer unterwegs gewesen hätten wir zum Beispiel längst Gurgel-/Speicheltests auf PCR-Basis, also mit hoher Verlässlichkeit – easy für die Kinder, leicht zu poolen und deshalb finanzierbar. Stattdessen streiten wir noch immer über Schulöffnungen.

  • S.

    Ich kann dem Artikel voll und ganz zu stimmen. Leider sieht die Umsetzung der Hygienekonzepte in der Realität anders aus. Ich unterrichte derzeit eine Abschlussklasse und die SchülerInnen dürfen natürlich in den Pausen im Klassenzimmer bleiben und zum Essen und Trinken ihre Masken abnehmen, was im Prinzip dazu führt, dass ständig Masken auf und ab gezogen werden oder vergessen wird, sie wieder aufzusetzen. Hinzu kommt, dass bei einzelnen Schülern die Masken in der 5. Stunde auch schon feuchte Flecken aufweisen. Darüber hinaus ist die Akkustik vor allem im Fremdsprachenunterricht ein Problem. Und die Heizung läuft natürlich auch nicht, was bei den derzeitigen Temperaturen nicht gerade angenehm. Insbesondere bei den älteren Schülern habe ich jedoch wirklich gute Erfahrungen mit dem Online-Unterricht gemacht, wobei mir persönlich der Unterricht wie er vor Corona war immer noch am liebsten ist.

  • A.O.

    So langsam weiß ich echt nicht mehr, was ich glauben soll. Bsp. Schweden mit laxen Hygieneregeln – keine höheren Ansteckungsraten trotz geöffneter Schulen. Und dort gibt es wohl auch weniger infizierte Lehrer bei den jüngeren Kindern. Wenn ich es richtig weiß, ist bei uns in D. Allerdings die Gruppe der Erzieher*innen , die am stärksten betroffene Berufsgruppe… bei vermutlich ebenfalls laxen Hygieneregeln, denn in Kitas gibt es keine Abstands- oder Maskenregelungen. Ist das nun vergleichbar? Zweites Bsp. Katalonien: keine stärkeren Ansteckungsraten trotz geöffneter Schulen, aber eben sehr strenge Hygieneregeln – also genau das Gegenteil von Schweden? Was soll ich mir jetzt da für einen Reim darauf machen? Ist es nun besser, strenge Regeln in Schulen/Kitas einzuführen oder eben nicht, weil in Schweden funktioniert es doch auch ohne viel Brimborium? Die machen nicht mal Quarantäne??? Ich hab gerade am ehesten Sorge, von einer Quarantäne in die nächste zu rutschen ohne jemals selber infiziert gewesen zu sein! So schnell werden Schulen und Kita-Gruppen einfach dich gemacht und man kommt dann auch trotz negativem PCR-Test nicht aus der Quarantäne raus! 🙁

    • A. B.

      In Schweden war meines Wissens der Besuch von Schule oder Kita nur kerngesunden Kindern erlaubt, bzw erkältete Erwachsene haben grundsätzlich Home-Office gemacht. In D gibt es komplexe Konzepte, ab wann Husten/Schnupfen/erhöhte Temperatur ein Grund zum zu Hause bleiben/Arztbesuch sind. Mit Diagramm, mit welchen Symptomen darf mein Kind in die Kita. Magen/Darm-Beschwerden (die bei Kindern ein häufiges Symptom sind) völlig außen vor. Vielleicht ist eben auch der hier weit verbreitete Präsentismus ein Problem.

      • Julia

        Richtig. Ich bin Erzieherin und wir bekommen unsre 1-3jährigen mit gelben Rotznasen und teilweise Husten gebracht. Mit den Worten „zu Hause war nix“. Nach dem sog. „Schnupfenpapier“ müssen die Kinder 24 Std zu Hause bleiben, verschlimmern sich die Symptome nicht, dürfen sie wieder kommen.
        Meine Kolleginnen und ich sind geimpft, eine Kollegin und ich hatten schwere Impfreaktionen. Ich führe das darauf zurück, dass unser Immunsystem schon angeschlagen war… Rücksichtnahme und Eigenverantwortung ist leider für die meisten unserer Eltern ein Fremdwort!
        Noch kurz zu der Studie aus RLP: Erzieher werden darin quasi selbst verantwortlich gemacht für eine Infektion, sie stecken sich untereinander an. Ich persönlich kenne keine Kollegin, die noch irgendwelche privaten Kontakte pflegt geschweige denn „Party macht“, wie es manchmal dargestellt wurde.

        • AucheineMama

          Das „Schnupfenpapier“ gilt in Bayern seit dieser Woche nicht mehr. Jedes kranke Kind und auch alle mit Schnupfen/laufender Nase usw MÜSSEN einen negativen Test vorweisen, bevor sie in die KiTa dürfen. Hier gilt Buchstäblich: Für jeden Schnupfen ab zum Coronatest… Und für Erzieher und Eltern gilt selbstverständlich Maskenpflicht – Alltagsmaske genügt nicht.

  • Friedo Pagel

    Leider ist es so, dass immer wenn man denkt, dass sich jetzt ein rundes Bild ergibt, wieder ein Artikel oder gar eine Veröffentlichung kommt, wo alles wieder in Frage gestellt wird.

    In diesem Fall ist es der Alleingang des Landkreises Greiz https://www.tagesspiegel.de/politik/greiz-hat-550er-inzidenz-wegen-schnelltestoffensive-die-zahlen-werden-noch-weiter-steigen/27018598.html , indem die Landrätin so zitiert wird:
    „Wir haben bislang 935 Kontaktpersonen ohne Symptome getestet, auch Kinder – von diesen waren 306 positiv. Allein 151 von diesen waren jünger als 18 Jahre. Fünf positiv Getestete waren sogar erst zwei Jahre alt. Wir sind in Kitas und Schulen mit positiven Erziehern und Lehrern gegangen und haben getestet. In einem Kindergarten waren alle 17 Kinder einer Gruppe infiziert.“

    Auch nach einem Jahr bleibt man oft einfach nur ratlos. Aber dass jene 17 Kinder sich alle separat zu hause angesteckt haben und ein jeder seine Infektion mit in den Kindergarten gebracht hat, dass wäre schon ziemlich unwahrscheinlich.

    Ich finde, etwas ganz anderes wurde sträflich versäumt. Warum muss es eigentlich immer heißen „die Schulen“? Kontaktbeschränkung heißt doch: Was ich dem einen an mehr gestatte, muss ich einem anderen dafür nehmen. Denn es kommt doch allein auf die Summe der Kontakte an, die man damit einspart.

    M.E. hätte man die ersten beiden Jahrgänge der Grundschule, sowie die 5. Klasse keinen einzigen Tag lang zu Hause lassen dürfen. Und im Gegensatz dazu hätte man obere Klassen ganz Online unterrichten können.

    Für eine paar wenige Jahrgänge hätte es doch möglich sein müssen, professionelles Videomaterial für Lernen über TV und/oder Internet zentral zu produzieren und diese Kinder dann individuell durch ihre Lehrer per Online-Kontakte betreuen zu lassen. Die Flexibilität in Sachen Schule war von allen Beteiligten leider gleich Null.

    Und es wäre auch nicht schlimm gewesen, den Abschlussjahrgängen mit einem leicht erniedrigten Prüfungsniveau entgegenzukommen. Nach der Schule wird 80% von dem im Abi oder Quali abgefragten Stoff ohnehin nicht mehr gebraucht. Aber ausgerechnet die mussten hin. Eine regelrechte Verschwendung von Kontakten, die man viel besser in den Erstlese- und Schreiblern-Unterricht der Kleinen hätte investieren sollen.

    Dann die Ferien. Müssen die in einer solchen Zeit wirklich ganz starr einem vor Jahren festgelegten Plan folgen? Warum nicht Ferien in den krassesten Lockdown-Zeiten? Und Unterricht in der eigentlich geplanten Ferienzeit, als die Inzidenzen so niedrig waren, dass es ohnehin unwahrscheinlich war, überhaupt auf einen Infektiösen zu stoßen. Und wegfahren durfte oder sollte man ja eh nicht.

    Wenn man sich Schule aber nur so vorstellen kann, wie sie seit vielen Jahrzehnten war, dann ist es einfach schwierig, sie so durch die Zeiten einer Pandemie zu führen.

    Wenn wir in der Elektronik so unflexibel und änderungsunfreundlich gewesen wären, dann würden wir heute noch Zyklen zählen und in Assembler programmieren. Wir tun uns als Gesellschaft keinen Gefallen mit dieser Starrheit. Nur sind viele einflussreiche Eltern happy damit, weil das für sie DER WEG ist, um ihren eigenen, durch Bildung und Ausbildung besser gestellten, sozialen Rang auf ihre Kinder zu übertragen.

    • Steffi T.

      Danke Herr Friedo Pagel,

      heute haben Sie mir aus der Seele gesprochen!

      Bei uns in der Oberpfalz gibt es mittlerweile eine Initiative einiger Kinderärzte. Sie sehen mit großem Bedenken die psychischen und sozialen Auswirkungen der Pandemie auf unsere Kinder. Sie fordern, wie Sie, mehr Flexibilität und v.a., dass für die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie endlich auch die seelische Gesundheit der Kinder mit bedacht wird. Ich fürchte, sie stoßen auf taube Ohren. Wer die Berater der Regierung im Falle einer Pandemie sind, stand seit Jahren fest und wird sicher nicht geändert werden.

      Über den Ernst der Lage läßt sich nicht streiten, aber über die Maßnahmen, um die Lage im Griff zu behalten, bestimmt sehr.

  • Thomas Döpp

    Lieber Herr Renz-Polster,
    Sie haben natürlich in Bezug auf die Entwicklungen bis zum vermehrten Auftreten von Virus-Mutationen völlig Recht, glaube ich.
    Allerdings haben wir seit ein paar Wochen in Deutschland eine leider exponentielle Ausbreitung der sog. britischen Variante (B.1.1.7), deren Auswirkungen sich offensichtlich deutlich anders darstellen als der bisher vorherrschende „Wildtyp“. Es zeigt sich in den epidemiologischen Daten recht klar eine viel stärkere Inzidenz bei jüngeren bis hin zu ganz jungen Menschen (was bisher nicht beobachtet wurde), und wahrscheinlich auch eine größere Wahrscheinlichkeit, in der Folge auch ältere Menschen damit anzustecken.
    Daher kann ich Ihren Optimismus bzgl. der „Ungefährlichkeit“ der weiteren Öffnung von Schulen und Kitas überhaupt nicht teilen, obwohl diese natürlich v.a. unter psychologischen und gesellschaftspolitischen Aspekten absolut wünschenswert sind.
    Ich hoffe, wir haben bald eine neue Situation, aber ich befürchte, wir sind mitten in einer -aktuell nur wenig bis nicht beherrschbaren- 3. Welle.
    Ich verlinke dazu mal dies hier:
    https://www.tagesschau.de/faktenfinder/britische-mutante-b117-101.html
    LG und alles Gute, Thomas

  • Andy

    Ich kann diese Relativierungen nicht mehr hören. Kita – und Lehrkräfte sind signifikant häufiger an Covid erkrankt. Was das bedeutet ist überhaupt noch nicht abzusehen, weil es nicht „nur“ um Leben und Tod geht , sondern um lebenszeitverkürzende und lebensqualitätmindernde Folgeschäden – selbst bei leichten Verläufen. Alle im Erziehungs- und Bildungssystem wurden und werden an die Front geschickt. Z.g.T. ohne effektive Schutzmaßnahmen. Ein Freund von mir arbeitet mit einer Hirnanomalie als Erzieher – ohne FFP2 und Impfung. Da ist täglich die Angst dabei, weil man keine AHA Regeln befolgen kann. Und es ist das Gegenteil von dem was Sie behaupten der Fall. Kitas und Schulen sollen mit aller Gewalt offengehalten werden. Schließungen werden verboten. Selbst in Lockdownzeiten waren die Kitas voll, weil Appelle ignoriert wurden. Es gibt viele ältere und vorerkrankte MitarbeiterInnen und Angehörige der Risikogruppen die betroffen sind. Das interessiert niemanden. Es wurde sogar indirekt Zwang ausgeübt auf seinen Eigenschutz zu verzichten. Mit den Falschinformationen, dass Kinder nicht ansteckend wären oder in den Schulen einfach nichts passieren würde, ist man hausieren gegangen, indem man sich irgendwas an Statistik raussuchte, dass irgendwie passt. Gern wird auch zitiert, dass Kinder keine Pandemietreiber sind – der Rest wird unterschlagen. Als ob das die einzige Gefahr wäre.
    SchülerInnen wurden sogar ohne Maske , Abstand und Konzepte zusammengewürfelt, weil es angeblich nichts brächte und überflüssig sei. Ganz zu schweigen von vollen Schulbussen , Bahnen usw.
    Ehrlich gesagt lagen auch Sie immer wieder falsch, was keine Schande ist aber ich bin schon erstaunt, dass Sie sich erneut derart weit und einseitig bagatellisierend aus dem Fenster lehnen, obwohl wir nach wie vor nur wenig zuverlässig wissen und sich die Lage durch neue Mutanten ständig ändert. Eine Freundin wurde übrigens mit ihrem Mann vom eigenen Schulkind mit Corona angesteckt – ebenso wie das Geschwisterkind. Virtuelles Lernen war dagegen ein Kinderspiel…Die Großeltern blieben verschont, weil man sich bewusst nicht getroffen hat. Stattdessen unkten einige destruktiv von angeblichen unauslöschlichen Bildungsdefiziten, was ich wiederum für hanebüchen halte…Man sollte an vielen Baustellen dringend arbeiten. Kinder während der 3. Welle in Schulen und Kitas zu trommeln, erscheint mir wenig hilfreich und ist Symbolpolitik…

    • Herbert Renz-Polster

      @Andy. Ich denke es gibt einigen Raum zwischen Ja und Nein, und ich glaube schon dass ich den immer wieder beschreibe. Nämlich: was können wir tun, um beim Besuch der Einrichtungen Infektionen so gut es geht zu verhindern? Ja, Ansteckungen passieren, aber es ist auch vieles dazu bekannt, wie wir Ansteckungen verhindern können, ich war hier in der Anfangsphase der Pandemie auch sehr optimisitsch, etwa was den Aufbau von „Draußen-Kita“ oder „Draußen-Schulen“ angeht, jetzt bin ich optimistisch, was kluge Test-Strategien angeht… Und ich glaube nach wie vor, dass wir von den Erfahrungen anderer Länder lernen können. Auch glaube ich, dass wir durch kluge Regelungen viele Probleme verhindern können (z.B. Befreiung von Risikogruppen von der Dienstpflicht). Jedenfalls stimmt mich zum Beispiel die Erfahrung in Schweden eher positiv, ich finde es rational und richtig, diese Daten zu berücksichtigen (natürlich dürfen Sie mir trotzdem Fehler vorhalten, und Sie dürfen auch weiterhin von „Front“ schreiben an die man die Lehrkräfte angeblich schickt), klar muss man diese „Front“ dann auch immer wieder anschauen, und ich finde gut, wenn Wissenschaftler das tun. Ich habe versucht in diesem Beitrag davon zu berichten.

  • Carmen Kommer

    Herzlichen Dank für den sehr informativen Beitrag. Ihre Veröffentlichungen helfen mir immer sehr weiter.
    Was ich mich frage: Wie lässt es sich bzgl. der neuen britischen Mutante einschätzen? Über Ihre Einschätzung würde ich mich sehr freuen.

  • Silke

    Ich soll also einen Massenversuch der Durchseuchung meiner Kinder mitmachen? Ohhe mich. Zum Glück ist hier diePräsenzpflicht ausgesetzt.
    Der Autor unterschlägt die hohen Ansteckungraten in den Schulen in Österreich. Und über die Folgen einer Corona Erkrankung bei Kindern wird auch nichts geschrieben. Stichwort LongCovidKids.

    • Maria

      In Österreich werden alle Schüler jede Woche getestet. In keinem anderen Bereich gibt es derart viele Testungen und dementsprechend keine Dunkelziffer mehr. Klar, dass da die Inzidenzen höher sind.
      Das spricht natürlich nicht gegen das Testen, aber man sollte das zur Einordnung der Inzidenzen schon berücksichtigen.

      • Andy

        Und inwiefern macht das Coronaverläufe bei Kindern jetzt ungefährlicher?

        • Ralf Papendieck

          Sind Kinder eine Risikogruppe?

        • Mirjam

          Wie beurteilt ihr denn ob eine Coronainfektion für Kinder „gefährlich“ ist? Und woher stammen die Informationen? Hat dir ein Kinderarzt gesagt, das Risiko durch eine Covid-19 Infektion wäre für dein Kind groß, da in relevanter Anzahl mit Spätfolgen gerechnet wird? Sprecht mit euren Kinderärzten! Ich glaube kaum einer würde das bestätigen. Oder doch?

        • Ralf Papendieck

          Genau das wollte ich mit meiner rhetorisch Frage betonen: Kinder sind keine Risikogruppe! Leider ist die Impfstrategie so schlecht, dass die Lehrer und Erzieher außen vor sind. Leider nicht der einzige Dilettantismus, aber in der Krise wird deutlich wie schlecht die wichtigen Stellen besetzt sind. Das fängt bei den Gesundheitsämter an. Leider handelt es sich im Nachhinein nicht nur um 1-2 verlorene Jahre für die Kinder -da spielt psychisch noch viel mehr mit- es geht insgesamt um mindestens 15 Jahrgänge die massiv betroffen sind und kein Ende abzusehen. Risikogruppen schützen und impfen? einfach mal schauen wie dass so rechts und links „gelingt“. Wie „einfach“ es den älteren Bürgern gemacht wird einen Impftermin zu bekommen und wie „genial“ und „einfach“ erreichbar die Impfzentren konzipiert sind. Schlappe 1,5 h Fahrt mit Öffentlichen, obwohl wir in einer Stadt größer 30.000 Einwohnern leben und das ist auch woanders so….

    • Andy

      Ich stimme Ihnen umfassend zu. Eine Kollegin hat mir erzählt, dass in der Kita ihres Kindes von 15 Kindern 10 infiziert waren, als man sich für eine Durchtestung entschied nachdem eine Erzieherin erkrankte. Ich habe auch kein Verständnis für Kita – und Schulöffnungen auf geschätzter Risikobasis.

  • Britta S.

    Vielen Dank für den wieder mal aufschlussreichen Artikel. Ich habe aber eine Frage: Sie schreiben:
    „Dort wurden die Schulen am 14. September 2020 nach einem halben Jahr wieder aufgemacht, und zwar während einer Zeit hoher Infektionsaktivität (14-Tage-Inzidenz pro 100 000: 185 ! Zum Vergleich: Deutschland liegt derzeit bei der Hälfte)“
    Ist die 14-Tage Inzidenz nicht kumulativ zu sehen? Dh wenn Deutschland im Moment eine 7-Tage Inzidenz von ca 95 hat, dann entspricht das doch nicht der Hälfte, sondern ziemlich genau der gleichen 14-Tage Inzidenz, oder?
    Das würde dann heißen, dass die Schulen in Katalonien etwa bei unserer derzeitigen Inzidenz geöffnet wurden – vermutlich, aber das weiß ich nicht – bei tendenziell sinkender statt wie bei uns steigender Inzidenz?
    Ich bin durchaus für Schulöffnungen unter vorsichtigen Bedingungen und in kleinen Kohorten, insbesondere wenn wirksame Maßnahmen in anderen Teilen der Gesellschaft mMn noch lange nicht voll ausgeschöpft sind. (Dass Menschen jetzt wieder in den Urlaub fliegen während manche Kinder noch immer zuhause festsitzen, finde ich zB unerträglich.)
    Trotzdem bin ich mir nicht ganz sicher, ob an dieser Stelle des Artikels die Argumentation konsistent ist. Vielleicht liege ich aber auch falsch. Bin keine Expertin.

    • Herbert Renz-Polster

      Nein Sie leigen richtig, ich hab das nochmal gelesen – es ist tatsächlich wie von Ihnen beschrieben, ich werde das ändern, Danke!

  • Maria

    Sehr schöner Beitrag, vielen Dank!

    Ergänzend zum Thema steigende Inzidenz: diese ist zu großen Teilen durch vermehrtes Testen unter Kindern erklärbar. (~110% mehr Tests, ~110% mehr Fälle).
    Die Positivrate ist unter Kindern sogar leicht zurückgegangen (und weiterhin niedriger als die der älteren Altersgruppen)

    Dazu der Wochenbericht des RKI vom 16.3.21 bzw. hier ein Blog-Artikel:
    https://www.jmwiarda.de/2021/03/17/bitte-nicht-die-kinder/

    • Andy

      Und ich habe gelesen, dass Kinder und Jugendliche vermehrt von den neuen Virusmutationen betroffen sind…

  • Caroline Keeling

    ‚A French exception‘: Experts call for rethink of open-schools policy amid pandemic

    https://www.france24.com/en/europe/20210317-a-french-exception-pride-and-regret-over-france-s-open-schools-amid-pandemic

    „I think our government’s desire has always been to keep schools open purely for economic purposes; with children at school, parents can work,“ David said. She says the ministry’s „nothing to see here“ attitude resulted in a lack of prevention and mitigation measures, like the CO2 detectors and additional recruitment her union has lobbied for.

    (Guislaine David, spokesperson for the SNUipp-FSU union representing kindergarten and primary school staff)

    „We saw that it was difficult for people to work remotely with children underfoot, etc., for weeks and weeks during the first lockdown, which lasted two months…“ Dr. Jérôme Marty, a general practitioner in southwestern France who heads the UFML doctors‘ union

  • Michaela

    Jetzt sollte dieser Artikel nur noch vor Montag bei den Ministerpräsidenten ankommen…

    • Herbert Renz-Polster

      Soviel ich weiss handelt es sich um Krankschreibungen im Zusammenhang mit SARS-CoV-2, das ist also keine Statistik der Covid-Erkrankungen. Gründe könnten sein, dass in erzieherischen Berufen häufiger Quarantänefälle auftreten. Eine genaue Statistik nach gesicherten Covid-Fällen kenne ich nicht. Lg
      hrp

      • Elena Wiese

        Vielen Dank für die Antwort.
        Herzliche Grüße
        Elena Wiese

      • A. B.

        Laut AOK handelt es sich um Krankschreibungen (https://www.aok.de/fk/aktuelles/erzieher-besonders-oft-wegen-covid-19-krankgeschrieben/), in etwas mehr als den Fällen mit Nachweis, ansonsten klinische Diagnose, und ausdrücklich nicht um Quarantäne. Jetzt habe ich eine Frage: darf ein Arzt eine meldepflichtige Erkrankung auf den gelben Schein schreiben, ohne dass er diese melden muss? Einfach so? Und die klinische Diagnose, kann das eine Erkrankung nach nachgewiesenem Kontakt mit einem Infizierten, aber ohne Virusnachweis sein? Oder ist damit das CT der Covid-Lunge gemeint?

        • Herbert Renz-Polster

          Mir erscheint dies als typische „Meldestatistik“ – vielleicht verständlich vom Procedere beim Arzt her: Patient kommt, hat Husten, Schnupfen, Fieber – wird als Verdacht auf COVID 19 gemeldet, Patient krankgeschrieben und zum Testzentrum geschickt oder in der Praxis getestet. Andere wurden im Testzentrum oder Gesundheitsamt getestet und kommen also mit der Diagnose und fragen nach einer Krankschreibung.
          Wie häufig COVID bei bestimmten Berufsgruppen ist, hängt von deren Kontakthäufigkeiten ab, also dass „Menschenberufe“ häufiger betroffen sind, ist eigentlich nicht überraschend. Auch Influenza und Co sind bei Erzieherinnen viel häufiger.

  • Hans

    Zum falschen! Berechnungsprinzip der Inzidenzien noch eine Anmerkung (PCR Test etc lasse ich mal beiseite):

    Die Inzidenzwertberechnung folgt der Formel: Inzidenz = Summe positive in 7 Tagen / Einwohner * 100.000.
    Dazu ein kleines Rechenbeispiel/Gedankenspiel:
    Nehmen wir eine Gesamtmenge von 10000 Personen bzw. Einwohnern an, in der sich 100 zufällig verteilte PCR-Positive befinden.
    Testet man von dieser Gesamtmenge in 7 Tagen 1000 zufällige Personen, so haben wir einen Erwartungswert für die Positiven von 10, und für die 7-Tage Inzidenz von 100.
    Beide Erwartungswerte sind (bei identische Infektionslage) doppelt so hoch, wenn ich 2000 Personen in 7 Tagen teste – ich erhalte eine Inzidenz von 200 bei 20 Positiven.

    Das ist im Grunde ein Taschenspielertrick oder wissenschaftlicher formuliert ein „Modellfehler“.
    Damit kann man bei gleichbleibender wahrer Infektionsrate einfach durch Erhöhung der Testanzahl in etwa die Inzidenzen herbeitesten, die man haben will.
    Und das passiert aktuell wieder u.a. mit den gerade anlaufenden Massentestungen der Schulkinder.

    Aus meiner Sicht ist damit jeder Inzidenzwert schon vom Prinzip her komplett unbrauchbar/unwissenschaftlich und eben nicht evidenzbasiert.
    Auch die oft sehr unterschiedlichen Inzidenzien nahe beieinanderliegender Landkreise lassen sich so leicht erklären.
    Solange man die Anzahl der Tests pro Landkreis nicht berücksichtigt, kann man im Grunde alle diese bunten Karten in die Tonne treten. Da kann das RKI sagen was es will.

    Ich bin mir im Übringen sicher, dass die Verantwortlichen das genau wissen. So dumm kann kein Statistiker sein.

    Seriös wäre eine Art Kohortenstudie als Referenz, zu deren Ergebnissen man die aktuelle Anzahl der Getesteten und der positiv Getesteten in Relation setzt.
    Mit einer gut angelegten Kohortenstudie erfährt man dann auch etwas über Altersverteilung, Krankheitsverlauf etc. der Probanden.
    Und wenn man das nicht hinbekommt, so kann man zumindest die Inzidenzwerte normieren, zB auf 100 Tests pro 1000 Bewohner.

    Und dass man aufgrund dieser falschen Inzidenzien die Kinder mit Masken etc. gängelt, halte ich im Grunde für Kindesmisshandlung.
    Auch dass man bei Kindern Schuldgefühle erzeugt (Du willst doch Oma/Opa nicht gefährden/töten), halte ich für unverantwortlich.

  • Anna

    Danke zunächst für die immer wieder angenehm abwägenden, rationalen Artikel!

    Mir fehlt tatsächlich in der gesamten Corona-Diskussion das, was Herr Renz-Polster in seinem letzten Satz der Ergänzung fordert: Think outside the box!
    Warum haben wir nicht längst allen Lehramtsstudenten Deutschlands ein Praxissemester verordnet, alle (ohnehin leer stehenden) Räume der Hotels, Veranstaltungsorte etc. gemietet, feste 5er-Gruppen der Kinder gebildet und seit dem Sommer Intensivunterricht in Deutsch, Mathe und Englisch mit 1-2 festen (studentischen) Lehrkräften je Gruppe gemacht? Am besten noch unterbrochen von täglichen Bewegungsstunden an der frischen Luft? Zumindest für die Nicht-Abschlussklassen?
    Das hätte nicht nur schulisch die Chance geboten, fehlende Basiskompetenzen tatsächlich AUFZUHOLEN, sondern Kontakte mit wirklich genügend Abstand, regelmäßige Betreuung usw. usf. ermöglicht. Gleichzeitig wären vielleicht Lehrkräfte frei geworden, die dann die Abschlussklassen in allen Fächern hätten unterrichten können – aber eben auch wieder in kleineren Gruppen – denn nein, diese Verkleinerung der Gruppen ist nicht immer gegeben. Während ich das hier schreibe, sitze ich in der Aufsicht einer Klausur der Oberstufe (immerhin haben wir hier in jedem Raum W-Lan): 22 Haushalte in einem Raum, bei sperrangelweit geöffneten Fenstern (bei derzeit 4 Grad draußen) und mit (großteils) FFP2-Masken während einer 3stündigen geistigen Hochleistung (auch das zumindest großteils (-; ) – ob das ein „vernünftiges“ Hygienekonzept ist, sei dahingestellt.
    Ich glaube tatsächlich, dass diese Pandemie eine historische Chance geboten hätte – für die Schulen, aber auch für die Gesellschaft insgesamt. Dafür hätte man aber konstruktiv denken müssen, man hätte Gemeinschaftsgefühl nicht nur fordern, sondern stiften müssen, man hätte neben Verboten auch Angebote machen müssen. Warum kann man nicht Schwimmbäder/ Rodelhänge/ Museen, ja sogar Kinos und Restaurants… für 2/3/4 Familien (oder Paare oder Haushalte) pro 2 Stunden öffnen? Ja, das ist kein kostendeckender Betrieb – aber wäre es nicht sinnvoller, einige Millionen Euro in Zufriedenheit und Miteinander zu stecken, anstatt sie völlig ohne Effekt zu verpulvern? Wäre es nicht vielleicht denkbar, dass solche kontrollierten Angebote dazu beitrügen, dass es eben WENIGER Ansteckungen gäbe – weil die Menschen ihrem Bedürfnis nach Gemeinschaft in einem gesetzten Rahmen nachgehen können, anstatt sich völlig unkontrolliert und mit einer gewissen Protesthaltung im privaten Bereich zu treffen? Warum können nicht die vielen derzeit zur Untätigkeit verdammten Menschen oder auch die jetzt zunehmend geimpften Rentner Outdoor-Angebote für kleine Kindergruppen (z.B. die oben angedachten festen 5er-Gruppen) anbieten, um Familien zu entlasten? Oder Spaziergänge/ Unterhaltungen mit Menschen, die derzeit völlig vereinsamen?
    Mir ist bewusst, dass Kontakte eine Ansteckungsgefahr bergen.
    Aber ich finde, es hat sich im letzten Jahr gezeigt, dass eine völlige Isolierung (nur unterbrochen durch Arbeiten und Geld im Super- oder Baumarkt ausgeben) nicht dauerhaft mitgetragen wird und wahrscheinlich auch einfach nicht möglich ist. Und ich glaube, eine Selbstdisziplinierung gelingt leichter, wenn man auf der anderen Seite erlaubte Angebote erhält, die so gestaltet sind, dass das Ansteckungsrisiko weitestgehend minimiert ist.
    Und deshalb frustriert mich diese Situation so – meinem Empfinden nach wird nicht mehr mit Verständnis auf menschliche Bedürfnisse und auch Fehler reagiert und es werden nicht mehr Möglichkeiten gesucht, es wird aber auch nicht mehr in die Kreativität und die Übersicht der Einzelnen (Städte/ Institutionen) vertraut – das merken Sie spätestens, wenn Sie als Schule einmal versuchen, einen eigenen, den Gegebenheiten vor Ort angepassten Weg zu gehen.
    Stattdessen wird gestritten und immer weiter polarisiert, es werden Schuldige gesucht und Vorwürfe gemacht – und das hat noch nie dazu beigetragen, Chancen zu nutzen.

    In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund und haben Sie (hoffentlich) sonnige, entspannte, kreative Ostern!

    • Michaela

      Sie sprechen mit aus der Seele!
      Ich fürchte sie sind sehr gerne Lehrerin – ansonsten würde ich sie gerne als Kanzlerkandidatin vorschlagen!

      • Anna

        Das ist aber ein nettes Kompliment!
        Tatsächlich mache ich meinen Job sehr gerne und bin schon bei kleinen Veränderungen in der Schule so oft am System gescheitert, dass ich keine Aussicht in einer politischen Ochsentour sehen kann….
        Da versuche ich doch lieber, meinen Schüler*innen etwas mitzugeben.
        Frohe Ostern Ihnen!

    • Caroline Keeling

      @Anna
      Das mit dem Extrasemester für Lehramtsstudenten finde ich ne tolle Idee!
      Aber ich kann mir vorstellen, dass das den Bürokratieapparat vor gewaltige aufgaben stellt z.b. was versicherungen angeht….
      Ich hab ja auch gedacht, die Coronakrise könnte dazu führen, dass dauerhaft mehr Gelder in Räume und Lehrpersonal investiert werden um langfristig kleinere Klassen zu schaffen. Was wäre das für ein Gewinn geswesen! Nicht nur hätte man ein System geschaffen dass resilienter ist gegenüber zukünftigen Pandemien, man hätte gleichzeitig soziale Ungleichheit angehen können. Bessere Arbeitsbedingungen für Lehrer und Schüler. Weniger Burnout bei Lehrern usw. usw….

      Meine Schwägerin unterrichtet nun immer halbe Klasse im Wechselunterricht und sagt, es ist eine ganz andere Arbeit, mit nur 15 statt 30 Kindern und dass sie am liebsten nie wieder zurückkehren würde zur vollen Klassenstärke.

  • Conny

    Bitte bei den steigenden Inzidenzen in bestimmten Altersgruppen die erweiterte Vergügbarkeit von Tests berücksichtigen. Wir sind gerade dabei die vorige Dunkelziffer offen zu legen – die registrierten Fälle gehen hoch, schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle runter. Im Verhältnis aber auch dank besseren Schutzes von Risikogruppen, da mehr menschen mit bekannter Infektion diese meiden können. (Wäre es möglich dass gerade die Altersgruppe junger Eltern sich nun vermehrt testet, da sie Kontakte ermöglichen wollen?) Dieser Effekt wird überlagert von der höheren Ansteckung des Mutanten – dies könnte aber von den Datenanalysten quantifiziert werden und damit ein klareres Bild für die Entscheidungsträger schaffen.
    Wir traumatisieren gerade eine ganze Kindergeneration – ohne tatsächlichen, signifikanten Mehrwert.
    Bitte sprechen sie lauter herr Renz-Polster, es ist so zum verzweifeln.

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