Artikel9. Mai 2019

Gebärdensprache für Säuglinge

Bringt sie die Kinder voran?

Eltern können heute ein reichhaltiges Kursangebot nutzen, um mit ihren Babys Gebärdensprache einzuüben. Das dabei erlernte „baby signing“ soll nicht nur Spaß und Freude vermitteln, sondern die Kinder auch beim Sprechenlernen unterstützen und die Kommunikation mit ihren Eltern verbessern. Was ist dran?

Auch beim Baby Signing scheiden sich die Geister. Während die einen sich erhoffen, sie könnten damit beim sprachlich noch unreifen Kind eine Kommunikationslücke schließen, vermuten die anderen die Kommunikationslücke eher bei den Erwachsenen: vielleicht bringen wir Großen den Babys unsere Erwachsenen-Zeichen ja nur deshalb bei, weil wir selbst nicht in der Lage sind, die Zeichen der Babys zu verstehen? Wieder andere sehen die Zeichensprache als Einstieg in ein gemeinsames Spaß-Programm: so wie uns das Kangatanzen mit den Babys guttut, tut uns vielleicht auch das baby signing gut?

Ein uraltes Programm

Seit es Menschen auf der Erde gibt, verwenden sie – ob bewusst oder unbewusst – Gebärden, Mimik, Gesten und Handzeichen um sich zu verständigen oder die gesprochene Sprache zu ergänzen. Und das in jedem Alter. Schon nach wenigen Tagen benutzt etwa das Neugeborene seine Gesichtmuskulatur um die Mimik anderer Menschen nachzuahmen. Und sobald der Säugling seine Extremitäten einigermaßen unter motorischer Kontrolle hat, setzt er sie auch ein, um seinen Emotionen Ausdruck zu verleihen – er strampelt wie wild und rudert mit den Armen,  wenn er sich auf etwas freut oder sonstwie erregt ist. Und sobald die Feinmotorik der Hände so weit ausgereift ist, wird auch die Hand zum Kommunikationsinstrument – etwa um auf Gegenstände zu deuten.

Formale Zeichensprache

In den 1980er Jahren begeisterten sich in den USA immer mehr Eltern (und kommerzielle Anbieter) für die Idee, mithilfe von speziell eingeübten Handzeichen die non-verbale Kommunikation zwischen Erwachsenen und Babys zu erweitern und – möglicherweise – zu verbessern. Baby sign language oder kurz baby signing wird seither weltweit in vielen Variationen praktiziert und in unterschiedlichsten Kursen gelehrt und eingeübt. Auch hierzulande interessieren sich viele Eltern für „Babyzeichen“, „Handzeichen“, „Zwergensprache“ oder „Babysignale“ und nutzen die entsprechende Infoliteratur in Büchern, dem Internet oder besuchen mit ihren Babys die Kurse einschlägiger Anbieter.

Dabei wird keine „Sprache“ im eigentlichen Sinn erlernt (also eine Kommunikationsform mit komplexen Regeln und Grammatik, was etwa die Gebärdensprache für Gehörlose auszeichnet), sondern einfach bestimmte Tätigkeiten, Dinge oder Gefühle mit bestimmten Handzeichen verbunden. Die Handzeichen werden dabei entweder im alltäglichen Miteinander frei  erfunden, oder sie werden definierten „Zeichen-Wörterbüchern“ entnommen. Die darin beschriebenen Handzeichen sind zumeist von den in der American Sign Language verwendeten Gebärden abgeleitet.

Das Zeichen für „fertig“ etwa sieht dann so aus: beide Fäuste werden vor dem Körper aneinander gehalten, die Arme seitlich nach unten bewegt  und dabei  die Fäuste geöffnet als ob jede Hand etwas nach unten wirft.

Zeichensprache – die Hoffnungen

Dem Einüben von Gebärden auch bei nicht hörgeschädigten Kindern  werden mehrere positive, förderliche oder zumindest für den Alltag hilfreiche Effekte zugesprochen:

  • die Kinder würden durch das Erlernen von Gebärden kommunikationsfreudiger. Auch erweitere die Gebärdensprache die Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Eltern und Kind, da das Kind nun zum Beispiel auf Dinge hinweisen könne, die es gerne hätte, die aber nicht in seinem Blickfeld seien. Oder über die es Freude empfinde – die es nun mithilfe von Gebärden mit anderen teilen könne
  • Babys und vor allem Kleinkinder könnten sich durch die Verwendung von Handzeichen besser ausdrücken, sie seien durch die effektivere Kommunikation emotional ausgeglichener, selbstsicherer und weniger frustriert. Dadurch werde zum Beispiel die Trotzphase gelindert.
  • zumindest wenn Eltern mit ihren Babys universelle Zeichen einüben, könnten auch Menschen, die die Babys weniger gut kennen, mit ihnen effektiv kommunizieren (sofern sie selbst die Zeichen kennen)
  • die Zeichenübungen könnten das Kind beim Spracherwerb unterstützen, da dieses schon früh lerne, sich auf symbolische Kommunikation einzustellen. Dadurch lerne es sowohl Sprache besser zu verstehen als auch sich differenzierter auszudrücken.
  • Die Hoffnungen richten sich aber auch auf die Förderung der Eltern-Kind-Beziehung und auf ein besseres Verständnis des Kindes und seines Denkens und Empfindens: „Nutze Baby-Handzeichen, und dein Baby zeigt dir was es denkt“ – so der an diese Hoffnung angelehnte Werbespruch eines Anbieters.

Was ist dran an den Hoffnungen?

Fragt man Eltern, so reichen die Antworten von „bin begeistert“ bis „hat sich für uns nicht gelohnt“. Was wäre auch anders zu erwarten, schließlich vollzieht sich alles, was wir Menschen miteinander tun, in einem Tauchbad von Gefühlen und Wahrnehmungen – und die sind nun einmal subjektiv.

Was sagt die Wissenschaft? Auch die Forschung kann in diesem Tauchbad nicht Spreu von Weizen trennen. Bis heute liegen keine methodisch hochwertigen Studien zu möglichen Vor- oder Nachteilen des Einübens spezieller Gebärden mit gesunden, normal entwickelten  Säuglingen oder Kleinkindern vor.

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Vor diesem Hintergrund wundert nicht, dass sich die verfügbaren Studien selbst in Kernaussagen widersprechen. So glaubt etwa Goodwyn einen positiven Effekt des signings auf die Sprachentwicklung nachweisen zu können, Kirk dagegen kann keine Auswirkungen auf die Sprachentwicklung feststellen, und Puccini nimmt aufgrund seiner Studie sogar eine Sprachentwicklungsverzögerung bei den mit Handzeichen aufwachsenden Kindern an.

Auch die verfügbaren systematischen Übersichtsarbeiten zur Frage möglicher Einflüsse der Verwendung von Handzeichen auf die kindlichen Entwicklung spiegeln dieses Qualitätsproblem wider. Es lässt sich nämlich bis heute keine einzige Studie identifizieren, die eine wissenschaftlich verlässliche Aussage zum Nutzen oder Schaden des baby signings erlauben würde. Alle angeblich „wissenschaftlich bewiesenen“ Aussagen über positive oder negative Effekte der Gebärdensprache sind deshalb nichts anderes als in „Wissenschaft“ verpackte Behauptungen.

Die Versprechungen auf dem Prüfstand

Ich will im Folgenden versuchen, die im Raum stehenden Versprechungen mit einem Blick auf die kindliche Entwicklung zu kommentieren. Ich erhebe damit keinen Anspruch auf eine abschließende oder gar evidenzbasierte Bewertung der Zeichensprache für Säuglinge (wie gesagt, die gibt es nicht). Ich glaube aber, dass  einige Gründe dafür sprechen, die zum Teil weit reichenden Versprechungen zum Thema Zeichensprache kritisch  zu hinterfragen.

Es geht mir dabei – das ist mir wichtig – NICHT darum, die baby signing Kurse selbst zu  bewerten.  Dafür ist das Angebot und die Motive seiner Nutzung viel zu unterschiedlich. Und dafür sind auch die Vorteile solcher Kurse zu eindeutig: jeder freudvolle Austausch mit unseren Kindern kann ein Plus für die Familie bedeuten und die gemeinsamen Beziehungen stärken. Dies allerdings gelingt umso besser, je mehr wir sie von Ballast frei halten. Und überspannte Erwartungen oder zu weitgehende Versprechungen gehören dazu. DIESE will ich kritisch bewerten, das Angebot selbst kann nur jede(r) selber einschätzen.

Kann die begleitende Verwendung von Gebärden die Sprachentwicklung verbessern?

Manche Befürworter der Zeichensprache nähren bei den Eltern die Hoffnung, dass damit eine verbesserte Sprachentwicklung oder eine erweiterte Sprachkompetenz zu erreichen sei.

Ich halte dies nicht für plausibel, und zwar aus mehreren Gründen. Der Spracherwerb ist ein hoch abgesicherter, vielgleisiger und extrem robuster Beziehungsprozess, was sich auch darin zeigt, dass Eltern rund um die Erde die Kommunikation mit ihren Babys sehr unterschiedlich ausgestalten, und die Kinder trotzdem zu kompetenten Sprechern werden – solange die arttypischen Erwartungen nach einem sozial reichhaltigen und bedeutsamen Beziehungssystem erfüllt sind. Selbst von Geburt an blinde Kinder  erwerben (solange ihnen sonst nichts  fehlt) in einem solchen Rahmen dasselbe Sprach- und Sprechvermögen wie sehende Kinder – und das, obwohl sie zumindest von der visuellen Wahrnehmung von Gebärden ausgeschlossen sind. Auch aus evolutionärer Sicht ist für einen so überlebensvorteiligen und deshalb tief kanalisierten Prozess wie die Sprachentwicklung nicht anzunehmen, dass sein Gelingen von kulturellen Sonderbedingungen abhinge – etwa davon, dass die Eltern die Kommunikation mit ihren Babys durch das bewusste Einüben bestimmter Handzeichen anreichern.

Verbessert sich durch die Verwendung von Gebärdensprache die Eltern-Kind-Kommunikation?

Diese These ist nicht aus der Luft gegriffen, schließlich besteht Kommunikation gerade zwischen Babys und Erwachsenen oft aus der Klärung von Missverständnissen. Die prompte oder klarere Äußerung von Bedürfnissen könnte solchen Missverständnissen (und der damit verbundenen Frustration)  möglicherweise vorbeugen.

Allerdings stellt sich die Frage, wie viel das Einüben eines doch recht überschaubaren Gebärdenrepertoires dazu überhaupt beitragen kann. Ein paar Handzeichen sind im Vergleich zu den Myriaden an Signalen, die wir mit unseren Babys tagtäglich austauschen, tatsächlich kein großes Ding. Die Entwicklungspsychologie  beschreibt ja, dass die Eltern-Kind-Kommunikation ein nur teilweise  bewusstes, filigranes Geschehen ist, bei dem Feinfühligkeit, gelungene Stressregulation und Einfühlungsvermögen in die Binnenwelt des Babys (Feinfühligkeit bzw. „mind-mindedness“) entscheidende Rollen spielen. Dies legt nahe, dass der Flaschenhals des Kommunikationsgeschehens zwischen Eltern und Kind in der Regel eher in der emotionalen Verfügbarkeit der Eltern zu suchen ist als in der Verfügbarkeit eines gemeinsamen Zeichen-Wortschatzes. Menschenbabys nutzen in der Interaktion mit ihren Versorgern so vielfältige Kanäle und Kommunikationswege, dass durchaus auch die umgekehrte Frage ihre Berechtigung hat: was muss in diesem Beziehungsgeschehen alles schief laufen, wenn ein Baby sich darauf verlassen muss, dass es in seinen physiologischen Bedürfnissen wie „will schlafen“ oder „bin hungrig“ nur verstanden wird, wenn es die richtigen Handzeichen kennt?

Sind Babys durch die Verwendung von Gebärdensprache emotional ausgeglichener?

Es gibt aus evolutionsbiologischer Sicht viele Gründe, warum kleine Kinder frustriert, traurig oder „zornig“ sind. Eine nicht gelingende Kommunikation gehört dazu. Nun kann man sicherlich behaupten, Frustration sei allein schon dadurch vorprogrammiert, dass Kindern im vorsprachlichen Alter ein effektiver Kommunikationskanal fehle. Und dieser fehlende (Sprach-)Kanal ließe sich vielleicht durch die Einübung einer Zeichensprache installieren.

Aus evolutionsbiologischer Sicht ist die Annahme eines entwicklungsbedingten Kommunikations- und Frustrationsproblems allerdings wenig plausibel. Gesunde Kinder sollten aus evolutionärer Sicht in jedem Entwicklungsabschnitt alle Möglichkeiten haben um so effektiv zu kommunizieren, dass sie unter arttypischen Bedingungen damit zumindest ihre überlebenswichtigen Bedürfnisse gestillt bekommen – und das ohne dass dabei entwicklungshemmende Kosten wie Frust, Depression und Selbstzweifel anfallen.

Mögliche Vorteile

In dem Gesagten liegt aber gleichzeitig auch der Grund, warum das Erlernen von Gebärden für manche Familien eben doch hilfreich sein kann.  Denn noch einmal: was ist denn der Motor des Beziehungsverhaltens in den Familien? Dass sich die Beteiligten wohl fühlen. Dass sie sich kennen lernen. Dass sie gelungene  Interaktionen feiern und teilen können. Dass sie sich aneinander freuen – wer ein Strahlen in den Augen hat, wird sein Baby auf seinem Weg begleiten können, egal wohin der führt. Und warum sollten nicht auch Gebärden-Kurse  diesen Motor stärken können? Sie können es, so wie  alle möglichen Kurse dies tun können, solange sie bei den Eltern ein Kribbeln auslösen oder ein Staunen über das Kind. Insofern würde ich bei der Bewertung des baby signing tatsächlich die geteilte Freude in den Mittelpunkt rücken, nicht den möglichen Gewinn. Und auch nicht das erreichte oder zu erreichende Resultat. Alles, was Kinder und Eltern in eine gemeinsame Kribbelzone transportiert und was ihre Augen zum Leuchten bringt, ist entwicklungsförderlich, für beide Seiten.

Die Risiken nicht aus den Augen verlieren

Und genau deshalb sollten wir die möglichen Risiken und Nebenwirkungen des „Gebärdens“ nicht vergessen:

  • ob und in welchem Ausmaß ein Baby Handgebärden anwendet, kann bei manchen Eltern auch zum Gradmesser der eigenen Erziehungskompetenz werden: mein Baby kann übrigens auch Gebärdensprache, und zwar schon ziemlich gut! Eltern landen dann mit ihrem gut gemeinten Engagement leicht in der Selbstbestätigungs-Falle:  man bewertet seine eigene Leistung als Eltern über den fiktiven „Fortschritt“ des Kindes. Und landet dann schnell dabei, dass man miteinander für den „Fortschritt“  übt, statt einfach das Gegebene zu teilen.
  • Kommunikation beruht auf einem kontingenten (kontext-, persönlichkeits- und situationsabhängigen) Austausch. Diese Matrix kann durch eine bewusste, gewollte und damit „künstliche“ Ausgestaltung der Kommunikation leicht beschädigt werden. Das Kommunizieren verengt sich dann zum Beispiel – ob bewusst oder unbewusst – auf die Zeichen die das Baby gibt (oder nicht gibt):  ob mein Baby wohl schon das Zeichen für „bin fertig“ anwenden wird? Das kann für das spontane, authentische Miteinander wie eine Milchglasscheibe wirken: man sieht nicht mehr das (ganze) Kind, sondern eher die Zeichen, die es gibt.
  • Natürlich wollen Eltern einen „Draht“ zu ihrem Baby finden. Allerdings sollten sich Eltern immer wieder fragen, ob dieser „Draht“ wirklich durch das Erlernen von Babyzeichen entsteht. Hier gehen die Versprechungen mancher Anbieter – finde ich – zu weit: Babyzeichen sind keine echte „Sprache“, und eine Herzenssprache erst recht nicht. Sie sind im besten Falle ein zusätzliches Verständnismittel in bestimmten Situationen. Ob Eltern ihr Baby wirklich verstehen, hängt gewiss nicht davon ab, dass man ein paar gemeinsame Gebärden benutzt.

Wie geht noch mal das Handzeichen für Entspannung?

Als Fazit würde ich deshalb das nennen: noch so ein Ding, bei dem es weniger auf die Noten als auf die Musik ankommt. Noch so ein Ding, das Freude machen, aber auch Stress machen kann. Noch so ein Ding, bei dem die Frage, ob es denn etwas „bringt“ gleich alles kaputt macht.

Glücklicherweise sehen viele der kommerziellen Anbieter von Baby-„Zeichen-Kursen“ zumindest in Deutschland das genauso. Ja, manche überschlagen sich nach wie vor mit Heils- und Beschleunigungsversprechen, aber die meisten stellen nicht das Ziel, sondern  das Geschehen in den Mittelpunkt. Und solange man dabei nicht verkrampft – was kann schon passieren?

Dieser Beitrag beruht auf dem Buch des Kinderarztes und Wissenschaftlers Dr. Herbert Renz-Polster: „Kinder verstehen. Born to be wild - wie die Evolution unsere Kinder prägt". Es beschreibt die Entwicklung der Kinder aus dem Blickwinkel der evolutionären Verhaltensforschung.
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5 Kommentare

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  • Claudia Thur

    Danke für den schönen Text.
    Mein großer hat auch fleißig gebärdet. Bei uns war das ein großer Spaß. Was man schon an den gewählten Gebärden erkennt.
    Katze und nochmal hab ich gut in Erinnerung.
    Essen oder Klo war ihm nicht wichtig genug, um es zu lernen. Da würde er auch ohne Zeichen gut verstanden.

    • Carolina

      Genau so ist es bei uns auch. Vogel und Fahrrad wird den ganzen Tag gebärdet. Essen/trinken/schlafen (also fie eigentlich wichtigen Sachen) kann auch anders kommuniziert werden also gibt es für ihn anscheinend keinen Grund das zu lernen. Ist halt so 🙂

  • Birgit Butz

    Insgesamt 100 Wichtel-Gebärden findet Ihr auf der Seite ###vom webmaster entfernt, da kommerzielles Werbeangebot###. Dort könnt Ihr auch Spiel- und Spaß-Ideen entdecken, damit Ihr und Euer Kind viel Freude mit Gebärden habt. Abgerundet wird die Seite von weiteren wissenschaftliche n Artikeln.
    Viel Spaß beim Stöbern!

  • Eva

    Die Babygebärden haben uns einen großen Spaß bereitet. Es war eine Freude, als unsere, damals, einjährige Tochter das Zeichen für „Vogel“ machte. Man konnte ihr anmerken, dass es schön für sie war auch über das Zeigen zu kommunizieren. Es folgten viele weitere (knapp 100) Gebärden, die sie nutzte (und manchmal mir Freude immernoch einsetzt, obwohl sie mittlerweile toll und viel spricht). Zu keiner Zeit hatte ich das Gefühl, dass unter dem Einsatz der Babygebärden unsere Kommunikation leidet oder eingeschränkt ist. Nonverbales, Körpersprache und all die anderen Möglichkeiten der Kommunikation bleiben ja bestehen. Für uns war es die Möglichkeit zur Erweiterung und Stärkung der Selbstkompetenz. Wie so oft kein „Nur“ sondern ein „auch“. Die Babygebärden würden fehlen, hätten wir es nicht versucht!

  • Kristin Lehmann

    Unsere Kinder sind mit Muttersprache Deutsche Lautsprache und Vatersprache Deutsche Gebärdensprache aufgewachsen und ich kann bestätigen, daß Gebärdenzeichen Kindern helfen, Dinge zu benennen, für die sie noch kein Wort aussprechen können. Gleichzeitig scheinen sich die Wörter besser merken zu lassen, wenn man sie „anfaßt“. Das wird ja auch in einigen pädagogischen Richtungen genutzt, daß Buchstaben zum Anfassen und Einprägen aus verschiedenen Materialien hergestellt und verwendet werden. Da, wo Tagesmütter Babyzeichen verwenden, kommunizieren die Babys auch untereinander mit den Zeichen. Die Erwachsenen haben es leichter, zu verstehen, was die Kinder wollen. Außerdem profitieren die Kinder von der direkten Aufmerksamkeit, einer Kommunikation mit Anschauen. Es findet eine Entschleunigung und bewußtere Kommunikation statt. Die Methode nutzen aber sowieso eher Eltern, die eine bewußtere bedürfnisorientierte Kommunikation haben.
    Negative Nebenwirkungen hat die Methode nicht mehr oder weniger als andere Methoden, die Eltern künstlich einführen, mit allen Verkrampfungen oder Erwartungen. Aber daß sie Vorteile bringt, steht für mich außer Frage.

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