Kommentar12. Dezember 2022

Volle Kinderkliniken – was ist da nur los? 

Diese Monate sind gezeichnet von einem kaum jemals dagewesenen Infektionsgeschehen: Insbesondere die Kinder bekommen Infekt auf Infekt. Schon ist die Rede von einer „Tridemie“ – einer dreifachen Epidemie aus RS-Virus, Influenza und SARS-CoV-2. Und der Keuchhusten wartet anscheinend schon auf seinen Einsatz.

Im letzten Beitrag ging es um die Frage, ob die durch die anti-pandemischen Maßnahmen ausgefallenen Infekte vielleicht das Immunsystem der Kinder geschwächt haben könnten. Wie wir gesehen haben, ist das Immunsystem aber kein Muskel, der verkümmert, wenn er sich nicht an Infekten abarbeiten darf. Vielmehr baut das Immunsystem seine Kompetenz im Umgang mit den Trillionen von „guten“ Mikroben und mikrobiellen Bestandteilen auf, mit denen wir uns beständig auseinandersetzen.

Dennoch hat das Immunsystem sehr vieler Menschen jetzt ein Problem, weil es einige Lücken hat – und zwar gegen Krankheitserreger, die normalerweise immer wieder auf uns einwirken (und uns teils dabei auch krank machen). Diese Erreger hinterlassen ja jedes Mal eine Art Immungedächtnis, und das schützt uns in der Zukunft gegen diesen Erreger. Eine Weile zumindest.

Kleine Kinder sind doppelt betroffen

Was in dem Beitrag auch Thema war: Kleine Kinder sind von diesem fehlenden Immungedächtnis doppelt betroffen. In weiten Teilen müssen die in der Pandemie geborenen Kinder ja auch auf einen Teil ihres Nestschutzes verzichten! Also auf die schützenden Antikörper, die ihre Mutter normalerweise während der Schwangerschaft bildet, wenn sie selbst mit Krankheitserregern zu tun bekommt. Dieser von der Mutter auf das Kind übertragene Schutz sorgt in normalen Zeiten dafür, dass Säuglinge eher selten krank werden (die Schutzwirkung des Stillens kommt noch hinzu). Nur: auch die Schwangeren waren ja über 2 Jahre lang ziemlich effektiv von Infektionen abgeschirmt (aus gutem Grund, das dürfen wir hier nicht vergessen, ich sage gleich noch etwas dazu).

Schon im  letzten Sommer sagten Epidemiologen voraus, was das alles für die Kinder bedeutet. Und es ist genau das, was wir jetzt erleben: Die Kinder holen viele der von ihren Müttern und ihnen selbst in den letzten Jahren „ausgelassenen“ Infektionskrankheiten jetzt nach:

Und das in ziemlich rascher Folge. Seither türmt sich Welle auf Welle und droht sogar die Kapazitäten der Kinderkliniken zu überfordern (was aber offenbar manche politische Farbenträger nicht besonders stört, sie besuchen am Morgen eine Kinderklinik und sind „extrem besorgt“ und beschliessen am Nachmittag ein Ende der Maskenpflicht – siehe Bayern. Es könnte durchaus sein, dass ihnen die Farbe noch aus dem Gesicht weichen wird, denn manche Wellen haben uns ja noch nicht einmal wirklich erreicht, etwa Influenza. Oder der Keuchhusten. Und dann?).

Beispiel Respiratorisches-Synzytial-Virus (RS-Virus, RSV)

Infektionen mit diesem, vor allem die unteren Atemwege  (Bronchien) befallenden Virus treten in unseren Breitengraden normalerweise von November bis April auf. Bis zu ihrem zweiten Geburtstag haben über 80 Prozent der Säuglinge bzw. Kleinkinder das RS-Virus schon mindestens ein mal gehabt. Durch die anti-pandemischen Maßnahmen kam es aber zwei Winter lang kaum zu Übertragungen – jetzt, wo die Beschränkungen gelockert wurden, treffen die RSV-Infektionen also auf mehrere ungeschützte Altersgruppen. Infektionen mit dem RS-Virus betreffen jetzt nicht nur Säuglinge, sondern auch ältere Kinder, deren RSV-spezifische Grundimmunität wegen fehlender natürlicher Auffrischungen jetzt relativ schwach ist.

Nicht nur negativ

Das RS-Virus führt vor allem an den kleinen Bronchien zu Entzündungen und ist deshalb vor allem für die Kinder mit den feinsten Luftwegen gefährlich, den Säuglingen also. Dass jetzt viele Erstinfektionen erst bei älteren Kindern auftreten, hat deshalb zumindest für diese Kinder insgesamt eher positive Effekte, da diese weniger zu Komplikationen neigen als die Säuglinge. Tatsächlich ist jede aufgeschobene RSV-Infektion für das einzelne Kind ein Gewinn. Andererseits fehlt derzeit vielen ganz jungen Säuglingen der Nestschutz, so dass diese teils früher und teils auch schwerer erkranken. Welche Effekte dann am Ende des Tages – bzw. der pandemischen Ausnahmezeit – überwiegen, ist schwer zu sagen und hängt auch davon ab, wie die Aufnahmekapazitäten der Kinderkliniken dem deutlich erhöhten Infektionsdruck standhalten werden. Und das wiederum hängt auch von den anderen Viren ab, die  jetzt ihren Nachholbedarf anmelden.

Tridemie? Quadridemie?

Denn was für das RS-Virus gilt, gilt ähnlich auch für viele andere Erreger: Die Fallzahlen sind während der Pandemie extrem zurückgegangen. Jetzt treffen die Erreger auf die entsprechenden Immunlücken. Erwartet wird, dass die Influenza-Welle, die in anderen Ländern bereits bisher nicht dagewesene Häufigkeitsgipfel erreicht, auch hier bald noch stärker wütet. Und dann könnte sich nach ersten Anzeichen der Keuchhusten dazumischen.

Das sind keine guten Aussichten. Auch deshalb nicht, weil nach manchen starken Virusausbrüchen auch bestimmte bakterielle Erkrankungen häufiger werden können. So lässt sich zum Beispiel ein Zusammenhang von Influenzawellen und einem nachfolgenden Anstieg von durch Pneumokokken oder Meningokokken ausgelösten Infektionen zeigen. Dieser Zusammenhang könnte auch für RSV gelten; tatsächlich kam es in Großbritannien zuletzt zu einer Häufung von invasiven Streptokokken-Erkrankungen unter Kindern.

Nein, das muss nicht auch hierzulande zu einem Problem werden, ich will niemandem Angst machen. Ich will nur das sagen: Es wäre gut, wenn unsere Kinderkliniken funktionsfähig bleiben. Ich hätte deshalb mit dem generellen Absetzen der Masken noch zugewartet. Und vielleicht wäre es auch gut, wenn unsere gute STIKO jetzt rasch mit angepassten Impfempfehlungen reagieren würde – dazu gleich mehr.

Tragen wir jetzt also eine „Immunschuld“ ab?

Es kommt drauf an, was man darunter versteht. Das was derzeit oft mit dem Begriff der „Immunschuld“ gemeint ist (nämlich ein mangels Auseinandersetzung mit den üblichen Krankheitserregern während der Pandemie generell angeschlagenes Immunsystem) ist nicht haltbar  – das war Thema des letzten Beitrags. Dass der Begriff trotzdem gerne von Schwurblern verwendet wird um damit zu „beweisen“, dass Masken Unsinn waren, und wir die Pandemie am besten hätten frei laufen lassen sollen, versteht sich von selbst.

Was allerdings korrekt ist, ist, dass dem Immunsystem sehr vieler Kinder durch die Pandemie und die dadurch unterbrochenen Infektionsketten etwas fehlt. Nämlich die spezifische Immunität gegen die üblichen Erreger, die jedes Jahr durch die Krippen und Kitas laufen – siehe oben.

Man könnte also sagen: Wir haben Schulden gemacht, jetzt müssen wir sie zurückzahlen. Manche folgern dann daraus: Es wäre besser gewesen keine Schulden zu machen. Nur: die Argumentation leuchtet nicht ein, so ätzend jetzt diese vielen Nachbeben an der Infektionsfront sind. Denn wir haben die „Schulden“ ja aus gutem Grund gemacht – nämlich um eine schwere Infektionskrankheit, nämlich COVID, so lange auf Sparflamme zu halten bis wir gegen deren schwerste Folgen einigermaßen gewappnet waren – vor allem durch Impfungen. Nein, die Impfungen waren und sind nicht perfekt (und einzelnen haben sie auch Schaden zugefügt). Aber insgesamt ist die Strategie aufgegangen und hat unsägliches Leid verhindert. Das wird einem vielleicht noch einmal ganz konkret klar, wenn man Länder mit einer guten Pandemiekontrolle und solche mit einer schlechten Pandemiekontrolle vergleicht: So lag die Lebenserwartung in Bulgarien Ende 2021 um 43 Monate niedriger als 2019, in Norwegen dagegen stieg sie fast entlang des langjährigen Trends um 1,7 Monate.

Eine andere Form von „Immunschuld“?

Trotzdem könnte sich durch die Pandemie eine andere Art von „Immunschuld“ entwickelt haben. Eine, die tatsächlich mit einem zumindest zeitweilig „schlechteren“ Immunsystem verbunden ist. Dieses Thema führt uns zu der dunklen Seite mancher Infektionskrankheiten. Denn während das populäre Narrativ die Infektionen pauschal zu einem Gewinn für die Gesundheit stilisiert („Infektionen trainieren das Immunsystem“) sieht die Realität ganz anders aus. Manche Erreger hinterlassen nämlich tatsächlich ein geschwächtes, und damit für andere Erkrankungen anfälligeres Immunsystem.

Nehmen wir etwa das Epstein-Barr-Virus (EBV), den Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers (Mononukleose, „Mono“). Dieses Virus aus der – auch anderweitig nicht unbescholtenen – Gruppe der humanen Herpesviren kann das Immunsystem über Wochen und Monate in eine Art Dämmerzustand versetzen, und das betroffene Kind dazu. Und bei einigen wenigen bleibt die schwere Erschöpfung sogar über Jahre und Jahrzehnte bestehen und sorgt dafür, dass die Kinder und Jugendlichen nach jeder Anstrengung einen regelrechten Crash erleben. Ein solches Chronisches Fatigue Syndrom gehört zu den schlimmsten Erkrankungen überhaupt.

Ähnlich die Masern. Dieses Virus kann die Gedächtniszellen des Immunsystems regelrecht auslöschen und somit die Tür für weitere, auch bakterielle Infektionen öffnen. Das erklärt, warum der gesundheitliche Nutzen einer Masernimpfung so überaus breit ist – in Entwicklungsländern etwa lassen sich bei den geimpften Kindern überraschend starke unspezifische Vorteile messen, von einem besseren Gedeihen bis zu einer Zunahme der Lebenserwartung.

SARS-CoV-2 als “dirty player”

Auch für SARS-CoV-2 ist inzwischen klar, dass dieses Virus in einer besonderen Liga spielt. Zum einen hinterlässt COVID nicht selten schwelende Entzündungen an den Blutgefäßen und ein überaktives Gerinnungssystem – beides Risikofaktoren für Schlaganfälle, Herzinfarkt und andere Herzerkrankungen. Diese verzögert auftretenden Komplikationen – die überraschend oft auch jüngere Menschen betreffen – könnten zumindest einen Teil der anhaltend hohen Übersterblichkeit erklären. Einen Teil, wohlgemerkt, denn das Phänomen wird noch immer heftig diskutiert.

[Quelle]

Eigentlich war ja erwartet worden, dass die populationsbezogene Sterblichkeit mit den milderen Virusvarianten und höherem Immunschutz in der Bevölkerung rasch wieder auf Normalmaß absinkt. (Die beste und datenbasierte Diskussion zur Frage der nicht absinken wollenden Übersterblichkeit fand ich übrigens hier – sie widerlegt auch die Behauptung, dass etwa die Impfungen schuld an der Misere wären – tatsächlich haben diejenigen Länder die höchste Übersterblichkeit, in denen am wenigsten geimpft wurde.

Folgen am Immunsystem

Es gibt aber einen zweiten Grund, warum dieses Virus ein übler Genosse ist: SARS-CoV-2 kann selbst bei nur mild Erkrankten tief und nachhaltig in das Immunsystem eingreifen und dieses in eine Art Erschöpfungszustand versetzen. Dies erklärt die oft Monate langen Rekonvaleszenzverläufe, aber auch das Auftreten von Fehlreaktionen des autonomen Nervensystems (insbesondere der Kreislaufsteuerung) oder gar in der Entwicklung eines Chronischen Fatigue Syndroms äußern können. Und dies erklärt auch, weshalb wiederholte Infektionen mit dem SARS-CoV2-Virus ein erhebliches zusätzliches Risiko für Gesundheitsschädigungen mit sich bringen  – offenbar baut sich mit der Infektion eben nicht nur kein verlässliches Schutzschild auf, es entsteht auch eine neue Anfälligkeit – und sie kumuliert offenbar mit jeder neuen Infektion.

Und genau dieser tiefe Eingriff in das Immunsystem durch SARS-CoV-2 könnte auch erklären, warum nun auch die Abwehr gegen andere Erreger schlechter funktioniert. Nach (bisher allerdings erst im preprint veröffentlichten) Daten könnte eine vorausgegangene SARS-CoV-2-Infektion bei Kindern tatsächlich ein Risikofaktor auch für eine Infektion mit dem RS-Virus sein. Und dies würde auch zu den immunologischen Befunden passen, nach denen noch 7 Monate nach auch nur mildem COVID bestimmte Immunzellen praktisch ausgelöscht sind, die normalerweise einen wichtigen Interferon-Botenstoff produzieren, der kritisch ist, um RSV-Infektionen zu begrenzen.

Immunerschöpft?

Es steht also tatsächlich im Raum, dass dieses Jahr vielleicht auch deshalb so viele Kinder mit Atemwegsinfekten in Krankenhäuser müssen, weil die Infektionen wegen eines teilweise schon von COVID angeknacksten Immunsystem schwerer verlaufen.

Und tatsächlich spielen sich seit der weitgehenden Durchseuchung der Kinder mit SARS-CoV-2 einige auffällige Entwicklungen ab, die Infektiologen bisher nicht klar einordnen können: ein weiterhin rätselhafter Ausbruch von schweren Hepatitis-Infektionen unter Kindern im Jahr 2021, und jetzt eine Häufung von Fällen von invasiven Streptokokken-Erkrankungen in Großbrittanien, aber auch in den USA. Schon vorher hatte sich gezeigt, dass sich bei Kindern selbst nach über einem Jahr nach relativ milden COVID-Verläufen Schädigungen an den Lungen nachweisen liessen. Kurz: von wegen: Infekte trainieren das Immunsystem. Sie können es auch ganz schön verletzlich machen. Das Hohelied, das insbesondere meine Kollegen vom Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte auf die SARS-CoV-2 Infektionen bei Kindern singen, will mir jedenfalls nicht von den Lippen gehen. Und dass deren Präsident, Thomas Fischbach, nun einerseits laut über die prekären Zustände in den Kinderkliniken klagt, gleichzeitig aber vehement das Ende der Maskenpflicht fordert, erscheint mir unlogisch. Und seine Begründung halte ich für komplett daneben:

Der Schrei nach Masken ist der übliche Reflex der Politik. Dabei ist die Maskenpflicht der zurückliegenden zwei Jahre ja ein wichtiger Grund für die aktuelle Krise.

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Was können wir jetzt tun?

Mit Blick auf die Situation in den Kinderkliniken und die in den Startlöchern stehenden Influenza-, aber auch Keuchhusten-Wellen scheint ein plötzliches Zurückfahren aller Schutzmaßnahmen als übereilt – ich will das noch einmal sagen. Denn was heute in den Kinderkliniken passiert, könnte morgen dort noch schlimmer sein – und übermorgen Realität in der Erwachsenenmedizin. Ein paar Wochen werden wir uns jetzt ja schon noch mit Masken in besonders exponierten Situationen arrangieren können, oder?

Und dann scheint mir eine Impfkampagne überfällig. Und zwar ganz vorneweg für Influenza-Impfungen – in allen Altersgruppen, für die der Impfstoff zugelassen ist (6 Monate bis 100+ Jahre). Nach 2 Jahren Influenzapause ist jeder per Spritze gebildete Antikörper willkommen. Influenza-Impfungen schützen zwar nicht besonders stark aber gegen schwere Verläufe eben doch ganz gut, und das nicht nur ein paar Wochen lang. Die nur kurze Schutzwirkung ist leider gerade das Problem der SARS-CoV-2 Impfungen, die aus diesem Grund vergleichsweise wenig Umpf für die Prävention bringen werden. Aber gerade für die Säuglinge und Kleinkinder, die bisher noch keinen Kontakt mit SARS-CoV-2 hatten, kann die Impfung Vorteile bringen. Und das gilt auch für Keuchhusten-Impfungen: jetzt ist die Zeit für Auffrischungen (auch und gerade in der Schwangerschaft).

Und noch mal ein Wort zur „Immunschuld“

In meinem letzten Beitrag habe ich versucht, einen ganz kleinen Einblick in die Entwicklung des Immunsystems zu geben. In dieses fein abgestimmte Wechselspiel zwischen Innen und Außen, an dem tausende von Mikroben-Spezies, aber auch anderer Einflüsse aus der belebten und unbelebten Umwelt – dem „Exposom“ des Kindes – teilnehmen. Deshalb sollten wir zum Schluss noch einmal auf das große Bild zurückkommen. Könnten die Jahre der Pandemie nicht doch auch einen Einfluss auf das werdende Immunsystem der Kinder gehabt haben? Dass ihnen nicht die Infekte gefehlt haben – sondern die vielen alltäglichen Begegnungen mit den „guten“ Mikroben dort draußen? Der belebten Welt im Dreck, im Laub, im Sand, im Fell der Tiere und der anderen Kinder? Das wiederum halte ich für durchaus plausibel. Zwei Jahre, in denen die Kinder weniger draußen waren, weniger vielfältige Kontakte hatten, weniger Tuchfühlung mit Lebewesen jeder Art, ja, vielleicht hat das Immunsystem hier in manchen Fällen tatsächlich „Schulden“ gemacht, die es nun auszugleichen gilt. Nicht durch mehr Infekte, sondern indem wir alles tun, dass unsere Kinder an der Vielfalt des Lebens teilhaben können, dass sie draußen sein können, sich verausgaben können, sich begegnen können und in die natürliche Welt eintauchen können.


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16 Kommentare

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  • Lenina

    Danke für den Beitrag.
    Der allergrößte Teil ist schlüssig und gut verständlich.

    Allerdings: wenn ich nachschaue, wie oft der Kiga bereits im letzten Winter bat, Kinder daheim zu lassen wegen Krankenstand und Kindergartenkinder zudem quasi 100% maskenlos waren, dann erschließt sich mir der Teil des Nachholens spezifischer Erreger doch nicht ganz.

    Und: meine Kinder (und viele in meinem Umfeld) waren so viel draussen in der Natur wie nie.
    Man versuchte doch, Innenräume zu meiden?

    Danke für den Absatz darüber, was Covid mit dem Immunsystem macht! Darüber sollten alle (Eltern) dringend informiert werden.

  • Mailee

    Hallo Herr Renz-Polster, herzlichen Dank für Ihren wie immer sehr differenzierten und aufschlussreichen Beitrag! Wie stehen Sie den zu Meningokokken B Impfungen? Würden Sie diese für Kleinkinder empfehlen? Wenn ein Anstieg evtl zu erwarten ist? Vielen Dank für eine Antwort!

  • Joan

    Kann die Angst (vor Krankheit, vor Einsamkeit,…..) bzw. meine psychische Gesundheit mein Immunsystem beeinflussen?

    Brauche ich im Leben nicht viel mehr, als nur Masken und Impfungen um gesund zu sein?

    Zahlen, Daten, Fakten und fachliche Perspektiven sind wichtig und interessant.

    Ich hör aber auch auf mein Herz und Vertraue auf mein Gefühl!
    Denn keine Studie, Publikation, etc. aus Norwegen, Bulgarien, Amerika…..spiegelt mich als Mensch/uns als Familie:
    Trotz Covid-Infektion barfuß durch den frischen Schnee laufen, Schneeengerl machen, Tiere versorgen, Schneeschaufeln ….der heutige Tag mit ganz viel Freude und Spaß.

    Impfung, Maske, Folgewirkungen, Krankheiten stelle ich nicht infrage.

    Meine Erfahrung aus dem engstem Kreis sind leider durchwachsen mit Impfnebenwirkungen, Long Covid, schweren Krankheitsverläufe, Suizid eines Kindes.
    Ich weiß die Übersterblichkeit in Ländern mit niedriger Impfquote ist höher…..
    Mehr Platz in meinem Inneren nehmen aber Erlebnisse und Erfahrungen geliebter Menschen ein und die sprechen eine andere Sprache…..

    • Tina

      sehr gut geschrieben! ❤

  • Andrea

    Danke für diese ausführliche Darstellung!

  • Birgit

    Lieber Herr Renz-Polster! Ich habe Ihre Bücher in den vergangenen Jahren sehr gern gelesen. Sie haben mit immer Mut gemacht – auf das Leben, die Vielfalt, die Familie und dass es möglich ist, mit Kindern in dieser Welt ein gutes Leben zu führen.
    Die Texte, die ich jetzt von Ihnen lese, fühlen sich schwer an.
    Als jemand dessen Meinung und Know-how ich sehr schätze wünsche ich mir wieder den einen oder anderen „Mut-mach-Satz“. Danke für Ihr wertvolle Arbeit!

  • Tobi

    Danke für den Artikel. Hierzulande wurde ja von der Schwurblerfraktion immer Aber-Schweden in den Himmel gelobt. Ein Land, das de facto kaum Schutz für Kinder beschloss.
    Laut der Idee mit Immunschuld müssten Schwedens Kinder also keine Probleme haben, doch das Gegenteil ist der Fall: auch Schwedens Pädiatrien sind heillos überlastet.
    Für mich als Laie deutet dies auf den rosa Elefanten im Bundestag hin: SARS Cov2 ist eine Krankheit, die bis dato weitestgehend (danke für die Bsp!) unerforscht unser Immunsystem schwächt. Es ist mehr als traurig, dass dies keine einzige Partei im Bundestag offen ausspricht und endlich wieder präventive Maßnahmen fordert.

    • Tanja

      Danke, das sehe ich genauso

  • Anne

    Lieber Herr Renz-Polster,
    Sie schreiben:
    Denn was für das RS-Virus gilt, gilt ähnlich auch für viele andere Erreger: Die Fallzahlen sind während der Pandemie extrem zurückgegangen. Jetzt treffen die Erreger auf die entsprechenden Immunlücken.

    Warum trifft das RS-Virus auf so große Immunlücken? Ich zitiere mal ein paar Quellen:
    “Kaum ein Kind hat sich im letzten Winter mit dem RS-Virus angesteckt. Nun machen gleich zwei Jahrgänge die Infektion zum ersten Mal durch. Die Folge: volle Kinderkliniken.” https://www.spektrum.de/news/rsv-warum-gerade-viele-kinder-in-die-klinik-muessen/1951681
    “Im Klinikum Stuttgart mussten in den vergangenen sechs Wochen mehr Kinder mit RSV behandelt werden als sonst in fünf Monaten. Das hängt mit der Corona-Pandemie zusammen. Denn die strikten AHA-Regeln, flächendeckenden Lockdowns und Schulschließungen haben fast alle Atemwegserkrankungen in Schach gehalten, erklärt Jan Steffen Jürgensen. Viele Kleinkinder haben die Infektion daher noch nicht durchgemacht und keine Immunität aufbauen können. Der starke Anstieg der Fallzahlen aufgrund der Rücknahme von Corona-Maßnahmen sei also als eine Art Nachholeffekt zu verstehen, so Jürgensen.” https://www.swr.de/wissen/atemwegserkrankung-rsv-fuellt-kinderkliniken-100.html
    “Laut RKI wurden in den Jahren vor der Pandemie im Monat September rund 60 bis 70 Ein- bis Vierjährige pro Woche mit schweren Atemwegsinfekten in Kliniken eingewiesen, aktuell seien es doppelt so viele. Das RKI rechnet mit einem weiteren Anstieg.” https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Schwere-Atemwegsinfekte-bei-Kindern-nehmen-auffaellig-zu-423319.html
    “„Wir sehen einen im Vergleich zu den Vorjahren deutlich stärkeren Anstieg an kleinen Patienten, die bereits so früh im Jahr am Respiratorischen Synzytial-Virus erkrankt sind“, sagte Martin Andree Berghäuser, Chefarzt der Klinik für Kinderheilkunde am Florence-Nightingale-Krankenhaus in Düsseldorf” https://www.ruhrnachrichten.de/regionales/ungewoehnlich-viele-rsv-erkrankungen-kinderkliniken-im-ganzen-ruhrgebiet-am-anschlag-w1686216-2000346100/

    ALLE diese Artikel stammen aus dem Herbst 2021. Das ist ein Jahr her. Zu diesem Zeitpunkt war die Aussage, dass jetzt zwei immunnaive Jahrgänge betroffen sind, noch irgendwie nachvollziehbar. Aber jetzt? Und die ganzen anderen Erkältungen? Ich habe im Mai 2021 (also vor anderthalb Jahren!) von einer Erzieherin gehört “Es sind viele Kinder krank, die holen die Infekte aus dem Winter nach.” Auch das war da noch nachvollziehbar. Jetzt immer noch? Nachdem wir in 15 Monaten netto Kitazeit 30 Infekte hatten, irritiert mich die Immunlücke wirklich.
    Ging es anderen so viel anders?

    • Renate

      Ich kann Ihre Schilderung bestätigen. Nachdem unsere Kitakinder während des 1. Lockdowns für winterliche Verhältnisse sehr gesund, also fast infektfrei, waren, holten wir alle seit Frühjahr 2021 regelmäßig viele Infekte „nach“ … Es gab kaum Zeiten ohne Magen-Darm, Hand-Mund-Fuß und laufende Nase dank Kita. Wir schafften es bis Herbst 2022 ohne nachgewiesene Corona-Infektion, dann traf es auch uns. Seitdem liegen wir nun alle ständig wochenlang krank im Bett mit hohem Fieber, kommen nicht mehr auf die Beine. Ich hab das so vorher weder bei Infekten der Kinder noch bei mir erlebt.

  • Mimi

    Es hätte durchaus der Hinweis darüber hinaus nicht geschadet, dass auch das System schuld ist, dass seit Jahren massenhaft Betten in den Kinderkliniken abgebaut werden und eine Überlastung nicht erst seit gestern und nicht erst durch Corona besteht. Aber ansonsten ein informativer Artikel.

  • Anna Giovanella

    Vielen Dank für den sehr interessanten Beitrag! Ich bin gerade ganz froh drüber, dass wir hier alle kürzlich eine Auffrischimpfung gegen Keuchhusten bekommen haben. Spannend finde ich, dass hier das einzige Kind (von 3 Kindern plus zwei Eltern), das nachweislich einmal COVID hatte, bisher infektfrei durch den Herbst/Winter gekommen ist, während alle anderen wechselweise mit Influenza oder RSV schon durch sind. Wahrscheinlich sind wir einfach die Ausnahme, die die Regel bestätigt 😅

  • Tanja

    Danke für den sehr informativen, differenzierten Beitrag!

  • Johannes

    Mit welchem Argument wenden Sie sich gegen eine Beendigung der Maskenpflicht? Mittlerweile ist doch klar, dass wir uns alle früher oder später infizieren werden, vermutlich mehrmals – trotz Maskenpflicht und Impfung. Was haben wir davon, das Problem um einige Wochen oder Monate hinauszuschieben?

    Sie halten es “für durchaus plausibel”, dass sich die Immunsysteme unserer Kinder trotz Masken etc. ausreichend entwickelt haben. Kann es sein, dass sie hier mit wohlklingender poetischer Sprache fundierte Evidenz und Theorie ersetzen?

  • Johannes

    Seit Beginn der Corona-Pandemie sehe ich Sie in einem Kampf gegen die Verharmloser der Pandemie, finde ich nur noch Warnungen vor der Gefährlichkeit von SARS-Cov2. Sogar jetzt warnen Sie noch vor dem Zurückfahren von Maßnahmen. Das ist durch die empirische Literatur einfach nicht gedeckt. Einer vertrauenswürdigen Metastudie zufolge (https://doi.org/10.1016/j.envres.2022.114655) lag die Infektionssterblichkeit der Altersgruppe 0-19 Jahre VOR der Verfügbarkeit der Impfstoffe im Median UNTER einem tausendstel Prozent!!! Weniger als ein Kind von einer Million, die sich mit SARS-Cov2 infiziert haben, ist daran gestorben. Es ist sehr plausibel, davon auszugehen, dass die wenigen Kinder, die an SARS-Cov2 gestorben sind, schwer vorerkrankt waren.
    Auch die zahlreichen Studien, die Belege für Long Covid finden, bleiben einer seriösen Metastudie zufolge weit weit hinter absolut grundlegenden methodischen Standards zurück (z.B. hier: http://d​ x.​doi.​org/1​ 0.​1136/a​rchdischild-2022-​324455). Ich wundere mich, dass diese ‘Belege’ für Long Covid überhaupt ohne deutliche Hinweise auf ihre Schwächen veröffentlicht wurden.
    Kennen Sie die beiden hier zitierten Arbeiten nicht oder sehen Sie stichhaltige Argumente gegen ihre Ergebnisse?

    • Herbert Renz-Polster

      Sie haben mich missverstanden: Ich habe vor dem jetzigen Zurückfahren der Maßnahmen mit Blick auf die dramatische Lage in den Kinderkliniken gewarnt – diese ist nicht nur SARS-CoV-2 geschuldet.
      Die “vertrauenswürdige Metastudie” die Sie zitieren stammt von John Ioannidis, dessen Arbeit ich persönlich nicht für vertrauenswürdig halte (ein Beitrag dazu hier: https://sciencebasedmedicine.org/what-the-heck-happened-to-john-ioannidis/). Hier bringt er seinen alten Taschenspielertrick, dass er Daten aus vielen Ländern zusammenrührt, vor allem aus solchen, in denen eine exrem niedrige IFR berichtet wird (wie Oman oder Afghanistan mit ihrer sehr guten Datenerfassung 😉 – und daraus einen Mittelwert bildet, der dann aber für die Länder mit hoher IFR leider nichts aussagt. Hier seine Arbeit im Bild: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S001393512201982X?via%3Dihub#fig1 – good try…

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