Kommentar14. Februar 2022

Kind sein heute – Was können wir aus der Krise lernen?

Es dürfte so langsam an der Zeit sein, diese Frage zu stellen. Auch wenn mir klar ist, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist, und da noch ein Rattenschwanz an Ereignissen hinterher kommen wird.

  • Etwa die jetzt tatsächlich zum Teil noch “nachzuholenden” Infektionskrankheiten bei den Kindern, also der übliche winterliche Husten, Schnupfen, Fieber, Durchfall. Nur eben mehr davon. Mit allem, was das dann für die Kitas, Schulen und Familien bedeutet …
  • Die Pandemie wird aber auch durch die zum Teil doch erheblichen Krankheitsfolgen nachwirken. Nicht nur bei denen, die schwer an Corona erkrankt waren und sich nicht mehr davon erholen. Sondern auch bei vielen eher mild erkrankten, deren Immunsystem einfach weiter arbeitet und ihnen die Kraft zu einem normalen Leben nimmt. Ich rede von Long Covid. Ich bin überzeugt, dass diese Welle der Pandemie uns über Jahre beschäftigen wird.
  • Und natürlich wird der gesellschaftliche Stress das seine tun, der zwischen uns geraten ist. Der Zorn, das Gefühl untergebuttert zu werden, das sich bei manchen verstärkt hat. Viele sind an ihre Grenzen gekommen, nicht wenige suchen jetzt nach Schuldigen. Das wird uns noch lange beschäftigen. Denn natürlich wurden Fehler gemacht, nicht wenige. Waren die vermeidbar? Manche, ja. Gleichzeitig aber besteht so eine Krise aus einer Abfolge von Zumutungen – Entscheidungen müssen getroffen werden, oft unter Druck und in schlechter Sicht. Und egal welche man trifft, sie tun weh. Und manche stellen sich erst später als falsch heraus. Das ist schwer auszuhalten und diese Spannung wird bleiben (ich persönlich würde ja als erstes die Impfpflicht von der Agenda nehmen, um wenigestens ein bisschen für Entspannung zu sorgen – auch wenn ich weiß, dass wir objektiv betrachtet mehr Geimpfte brauchen. Aber so wie ich es sehe, lädt sich da der Frust an der falschen Stelle auf und die Aktion bringt dafür nicht genug Heu in den Stall.

Und sehr vieles mehr wird uns noch lange plagen: verlorene Sicherheit, verlorene Ausbildungszeiten, nicht ermöglichte Abschiede von Sterbenden, verlorene Existenzen, verlorenes Vertrauen, verlorene Freunde, verlorene Freude, nicht mögliche erste Küsse, ausgelassene Lebenserfahrungen, beängstigende Erfahrungen, die uns quälen, Entfremdung zu anderen, in einer Zeit in der wir uns selbst fremd wurden, zum Beispiel weil wir zu wenig “Lebensnahrung” hatten. Ja, auch traumatisierende Erfahrungen, ob zuhause oder in einem Krankenbett. Und bestimmt habe ich viele Dinge da noch vergessen.

Was bleibt, was ging verloren?

Und doch will ich auch das ansprechen. Es war eine Belastung, aber es war kein Krieg. Die allermeisten hierzulande haben den Boden unten ihren Füßen behalten können – damit meine ich unser tragendes Beziehungsnetz, unsere Lieben, die uns bedeutsamen Menschen. Ja, Traumatisierungen sind passiert, aber das war die Ausnahme (wenn man weiss, was Traumatisierung bedeutet – also der Abriss meiner sichernden Beziehungen oder die innere Überwältigung mit nicht zu verarbeitenden Lasten, nicht zu heilenden Verletzungen). Wir müssen vorsichtig sein mit diesem Begriff, wirklich – die Pandemie hat nicht eine “traumatisierte Generation” hinterlassen, auch wenn manche Menschen Traumen erlebt haben.

Es ist überhaupt schwer hier mit solchen Begriffen zu messen: “manche” Menschen, was heisst das? “Die” Gesellschaft, was heisst das? “Wir”, was heisst das? Auch in diesen Pandemiejahren gab es den Blick von oben und den Blick von unten. Und die Erfahrung von oben und die Erfahrung von unten. Gelitten wurde überall, aber unten viel, viel mehr.

Was jede einzelne schlimme Erfahrung nicht entwertet.

Trotzdem: Was diese Pandemie mit einem gemacht hat, das hatte und hat sehr viel mit den Karten zu tun, die man schon vorher auf der Hand hatte.

Was das in jedem Fall heißt: diese Pandemie hat unser soziales Gefüge, das in den Jahrzehnten der Globalisierung schon immer weiter auseinander gezogen wurde, noch stärker belastet. Die Schwachen gehen noch schwächer daraus hervor. Die Gesellschaften des Westens könnten an der Pandemie den letzte Rest Zusammenhalt verlieren – wenn sie die soziale Frage weiter unter den Teppich kehren.

Aber zu den Kindern. Mir ist ähnliches auch mit Blick auf die Kinder wichtig. Sie haben gelitten (wieder: manche mehr, manche weniger), die allermeisten haben ihren Lebensfaden dabei nicht verloren (und wieder: manche schon, und das zeigt sich jetzt auch in den Kinder- und Jugendpsychiatrien, und ich hoffe, dass wir genug Ressourcen haben um uns gut um sie zu kümmern).

Vor allem aber hat sich in der Pandemie auch bei den Kindern das gezeigt: Viele Probleme sind nicht neu entstanden, sie haben sich oft genug nur verstärkt. Sie waren schon vorher da, waren ignoriert worden, haben geschlummert. Jetzt stehen sie RIESIG vor uns.

Wie geht es den Kindern?

Fangen wir mit einer Bestandsaufnahme an. Derzeit laufen weltweit immer mehr Daten ein, was sich in der Pandemie verändert hat, und die Meldungen sind – wen würde es wundern – besorgniserregend:

  • Es geht schon mit den Schwangerschaften los: fast die Hälfte der Schwangeren, das berichtet eine Studie aus Canada, leiden in der Schwangerschaft unter Ängsten, ein Drittel unter Depressionen. Diese Raten liegen etwa doppelt bis drei mal höher als in vergleichbaren Studien vor der Pandemie.
  • Und bei den Babys geht es weiter – auch deshalb, weil Stress im Mutterleib ja nicht nur für die Mutter gilt. Tatsächlich schneiden die während der Pandemie geborenen Babys in vielen Dimensionen schlechter ab als die vor-pandemischen Vergleichsgruppen – vor allem grobmotorisch und feinmotorisch, aber auch in ihren Kommunikationsfähigkeiten. Auch Messungen der “Intelligenz” zeigen deutliche Einbußen.
  • Auch bei den Kindergartenkindern werden in verschiedenen Studien Defizite in der motorischen Entwicklung gesehen, etwa in Einschulungsuntersuchungen. Und klar ist inzwischen auch, wie viel zusätzliches Gewicht die Kinder (samt ihrer Eltern) in der Pandemie zugelegt haben (bei den Kindern in den USA verdoppelte sich der BMI-Zuwachs während der Pandemie, das sind 2,3 kg extra Zunahme an Gewicht bei den 5 bis 11-Jährigen).
  • Und die seelischen Belastungen? Hier gibt die COPSY-Studie (“Corona und Psyche”-Studie) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) Auskunft (sie erfasst in regelmäßigen Abständen die Gemütslage der 7- bis 17-Jährigen in Deutschland). Ihr Ergebnis: etwa die Hälfte der deutschen Kinder gibt eine geminderte Lebensqualität an, das sind über doppelt so viele wie vor der Pandemie.
  • Und der Rückstand bei den Bildungszielen? Desaströs!

Dabei sollten allerdings gleich mehrere Dinge nicht vergessen werden. Viele der Daten gerade zu den jüngeren Kindern kommen aus den USA, wo die Pandemie besonders tiefe Spuren hinterlassen hat, auch weil die existentielle Absicherung der Familien dort so prekär ist. Und tatsächlich sind die weitaus größten Effekte bei den sowieso benachteiligten Kindern und Familien zu messen. Der Gewichtszuwachs etwa betrifft am stärksten die sowieso schon adipösen Kinder. Auch sind manche Messungen mit Vorsicht zu geniessen, weil sie eine notorisch schlechte Vorhersagekraft haben (etwa der “IQ” bei Säuglingen).

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Was heisst das alles für die Zukunft?

Trotzdem ist die Frage wichtig: Was heisst das für die Zukunft? Zum einen, dass wir vielleicht die Entwicklungskraft des ganz normalen Lebens unterschätzt haben. Babys brauchen Eltern mit einer besonderen – und leider auch flüchtigen – Gabe: gut auf die Kleinen eingehen zu können. Also, mind-minded” sein zu können, mit den kleinen Köpfchen mitschwingen zu können. Das gelingt nun einmal besser, wenn man sich selber wohl fühlt.

Und auch das haben wir unterschätzt: Kinder müssen spielen, spielen, spielen – sie sind kein Kopf mit Anhang, sie brauchen ihre Spielkameraden, ihren Auslauf, ihre Freude am Sich-Bewegen. Ohne dass sie in ihren Körper und ihre Sinne hineinwachsen dürfen, können sie nur schwer Flügel setzen.

Aber auch das will ich sagen. Was aus diesen Problemen langfristig wird, entscheidet sich daran, wie wir jetzt damit umgehen. Denn Kinder, mit ihrem „Heimweh nach der Zukunft“, sind ja auch das: unglaublich widerstandsfähig. Unglaublich flexibel. Das ist ja ihr Lebensthema: sich einstellen auf NEUES, und auch Unvorhergesehenes. Kinder können Belastungen “überwachsen” und sich neu finden.

Nehmen wir wieder die COPSY-Studie. Sie zeigt eben auch das: die psychische Belastung war in der dritten Befragungswelle im Herbst 2021 schon ein gutes Stück zurückgegangen. Ja, noch ein weiter Weg, aber die Richtung stimmt.

Die Kinder können diesen Weg weiter gehen.

Wenn sie Rückenwind haben.

Das zeigt auch ein weiteres Beispiel. Auch als die Hochwasserkatastrophe im Jahr 2011 in Queensland, Australien viele Familien obdachlos gemacht hat, liessen sich bei den danach geborenen Säuglingen der betroffenen Familien rasch Rückstände messen. Bei der Nachuntersuchung mit zweieinhalb Jahren hatten fast alle wieder komplett aufgeholt, und der Zusammenhang zwischen vorgeburtlichem Stress und dem Entwicklungsstand hatte sich komplett verflogen.

Was für Rückenwind brauchen die Kinder dazu?

Hier sind sich alle Entwicklungspsychologen einig: Gelingendes Leben!

Und das besteht aus: dass ich von Menschen begleitet werde, die gut zu mir sind, so gut es geht. Die mir ermöglichen, dass ich mich okay fühlen darf. Also, dass ich Anerkennung habe, das brauchen Kinder genauso dringend wie die Erwachsenen. Dass ich mich nicht ängstigen muss. Also, dass ich mich sicher fühle. Dass ich mit den Menschen, die mir etwas bedeuten, in einem Team lebe. Also, dass ich dazu gehöre. Und natürlich, dass ich Raum, Zeit und Gelegenheit habe um meine kindlichen Kräfte auszuleben, zu beüben und zu erweitern.

Diese Großen Vier – Sicherheit, Anerkennung, Zugehörigkeit und den gebührenden, “menschengroßen” Entwicklungsraum – das wäre es, um was sich die nächste Zeit für die Kinder jetzt ganz besonders drehen sollte. Sie haben einiges verloren, und zwar genau dort, wo es um ihre innere Heimat geht: ich bin okay, ich kann mir was zutrauen, ich komme hier nicht in Not und Stress oder werde aussortiert. Und ich darf mich erproben und SEIN.

Zurück zur Auslese-Pädagogik?

Das heisst auch: Wenn wir meinen, dass unsere Aufgabe – als Eltern und PädagogInnen – jetzt sei, die Kinder über Stöckchen springen zu lassen – dann werden wir sie verlieren. Wenn wir meinen, den “Stoff” nachholen, die “Arbeiten” schreiben, gute “Zeugnisse” zu schaffen – das sei jetzt das vordringliche Interesse der Kinder, dann verwechseln wir etwas.

Wenn wir tiefer blicken, ist das vielleicht allenfalls der Versuch unser „Versagen“ wieder wett zu machen. Damit wir Großen uns besser fühlen. Der Versuch, unsere Scham – als Eltern oder Pädagogen oder Kultusminister – zu kurieren, indem wir die Kinder antreiben.

Aber wie sollen sie sich denn so wieder fangen?

Denn dafür bräuchten sie, wie gesagt: gelingendes Leben.

Dafür bräuchten sie: wieder in ihren Körper hineinwachsen.

Dafür bräuchten sie: wieder angstfrei der Welt begegnen.

Dafür bräuchten sie: sich wieder als wirksam erleben. Als Gestalter, als Teil der Welt, einer wieder normalen Welt. Als Kinder, auf die es ankommt.

Vom menschengroßen Entwicklungsraum

Sie müssten also gestalten dürfen, SEIN dürfen, kreativ sein dürfen, EIGEN-initiativ sein dürfen. Das heisst auch: ihren alten Zaubertrick anwenden dürfen, mit dem sie ihren Ängsten und Nöten begegnen: SPIELEN. Ob Theater, in der Natur oder auf dem Bolzplatz. Sie müssen jetzt SEIN dürfen.

Wenn wir sie jetzt wieder nur antreiben, vermessen, benoten, bewerten (und viele von ihnen damit: abwerten) – dann werden sie nicht wieder heile werden können!

Denn die Heilung von diesen Belastungen muss von “unten” her kommen, von ihrem Lebensfundament. Also, noch einmal: Wieder mit den anderen Kindern tolle Sachen machen! Seinen Körper spüren! Seine Möglichkeiten! Die Freude aneinander! Wieder Sachen teilen können, erfinden, entdecken. Sich nicht ducken müssen. Keine Angst mehr haben müssen. Sich bewähren dürfen, aber nicht aus Zwang. Einfach dazugehören dürfen, auch das. Jemand haben, die einem hilft, wenn man Stress hat. Konflikte nicht nur in sich reinfressen müssen.

Also, ich will damit nur sagen: wie unsere Kinder wieder zu sich finden, entscheidet sich daran, wie wir sie begleiten. Aus der Pandemie heraus, im wahrsten Sinn des Wortes.

Ich befürchte, das Ziel wird ein anderes sein

Ich fürchte nur, wir werden es genauso tun wie bisher: hilflos, als Große Auslese: Du, mach mal. Tu mal was. Dann bekommst Du eine gute Note. Du eine schlechte. Und verbringt möglichst viel Zeit mit “den Aufgaben”. Und mit der Angst, es nicht zu schaffen.

Es mag UNSERE Art als Erwachsene sein, wieder normal zu werden: Einfach wieder weitermachen wie vorher. Einfach funktionieren. Nur: das ist nicht die Art der Kinder. Sie haben das “Vorher” doch entweder vergessen. Oder noch nicht aufgebaut.

Wir müssten also innehalten und uns überlegen, was jetzt wirklich notwendig ist (not-wendend) für die Kinder. Das Zurück wird nicht funktionieren.

Wohin auch? Die alte Schule, sie hat in der Pandemie ihre Probleme nach außen gekehrt. Für alle sichtbar (ohne Vorwurf an die LehrerInnen, einfach als FAKT).

Sie wird das weiter tun, weil ihre Grundlage nicht stimmt. Sie hat nämlich einen doppelten Boden. Einerseits soll sie Bildung vermitteln. Andererseits aber soll sie Auslese betreiben. Also entscheiden, wer oben ist, und wer unten.

Dieser Ausleseauftrag kommt dem Bildungsauftrag der Schule hartnäckig in die Quere. Wirklich gebildet werden in dieser Schule nämlich die, die eine gute Startposition haben. Diejenigen, die vom Leben schon ausgezeichnet sind – weil sie das richtige Elternhaus haben. Und die hauptfächertauglichen Talente. Die anderen: ab in die Ecke!

Können wir uns diese Vergeudung denn weiter leisten? Angesichts der vielen Aufgaben, die wir als Gesellschaft haben?

Kann die Pädagogik nicht aus der Pandemie lernen?

Manche Schulen haben auch in der Pandemie ihr Potenzial gezeigt. Also wie es gehen könnte. Könnten wir nicht von ihrem Gelingen lernen, wenn es jetzt vor allem um das Gelingen geht?

Könnten wir uns jetzt nicht auch auf die Suche machen, nach dem, was pädagogisch gelungen ist und für die Kinder Gold wert war? Wirklich GOLD – aber eben für viel zu wenige?

Wir haben eine neue Regierung. Was Regierungen durch mutige Rahmensetzungen erreichen können, hat die Bildungsreform der 1970er Jahre gezeigt: der Zugang zu Bildung wurde demokratisiert. Diese Reform war ein Zeit lang mächtig und effektiv. Dann ging es zurück in den preußischen Trott. Inzwischen haben wir über 40 Jahre lang weitere Reformen verschlafen.

Jetzt wäre die Zeit. Denn anders als manche jetzt sich erträumen, wird sich die Pandemie nicht abhaken lassen. Sie wird sich nur konstruktiv und lernend umgestalten lassen.

Es gab eine Zeit in der Pandemie, da dachte ich: JEDE Kita, JEDE Schule, wird jetzt erkennen, was ihr fehlt: die Welt dort Draußen, ein Gelände im Freien. Spielraum. Lernraum. Statt dort drinnen zu verhocken, im überlauten Miteinander.

Solche Gedanken auch: Hätte jede Gemeinde, jede Kommune, jeder Statdtteil eine Kinderwildnis – also ein riesiges Gelände, das den Kindern gewidmet ist und ihnen gehört und von ihnen bespielt wird – viele Kinder hätten die Pandemie besser überstanden.

Wird sich etwas ändern?

Wird es zu einer Welle von Schulgründungen kommen? Schulen rund um heutige Kinder, heutige gesellschaftliche Aufgaben, heutige Probleme? Es sind nicht mehr die gleichen wie zu Zeiten der alten Schule, der alten Kultusministerien.

Vielleicht müssen wir uns immer wieder an diesen Gedanken erinnern, der über die Pandemie hinausweist. Ja, ich weiß, das war schon Thema. Aber den Grund benenne ich noch einmal gerne: In ihrer Wurzel waren unsere jetzigen Probleme alle schon da:

Mindestens ein Drittel unserer Kinder geht ohne Freude, dafür mit Angst und unter Stress in die Schule, das war schon VOR der Pandemie so. Bei den Kita-Kindern dürften es nicht weniger sein, Jesper Juul hat darauf schon vor 10 Jahren hingewiesen. Bei den Krippen-Kindern, da will ich gar nicht fragen.

An 25% der Kinder, das zeigt die Bildungsforschung seit Jahren, geht die Schule komplett vorbei: lahm rein – lahm raus. Sie bekommen de facto KEINE Bildung. Weil sie nicht so gut über Stöckchen springen können wie die anderen Kinder. Das war schon VOR der Pandemie so.

Dass Kinder an der täglichen Erfahrung der Auslese  verzweifeln: das war schon Fakt VOR der Pandemie. Dass sich das Leben viel zu vieler Kinder vor allem um Fragen dreht, die sie nicht interessieren, ebenso.

Leute, wir werden doch in der Lage sein, eine Schule zu schaffen, für die Kinder nicht mit 10 Jahren auseinandergerissen werden und ab ihrem sechten Geburtstag mit ihren Eltern auf diesen Zeitpunkt zuzittern. Wir werden doch in der Lage sein, eine Schule zu schaffen, die nicht alle Kinder über den Kamm der binomischen Formeln schert, sondern ihren Talenten und Entfaltung Raum gibt. Wäre das denn so schwierig?

Was ich damit sagen will: Wenn wir in der Pandemie nicht genug Gründe gefunden haben, um tiefer zu denken, wann dann?

Einfach zurück in die alte Spur – das ist das, was wir am meisten fürchten sollten.

Der Autor: Dr. med. Herbert Renz-Polster, geb. 1960, beschäftigt sich als Kinderarzt und Wissenschaftler seit langem mit der kindlichen Entwicklung und Gesundheit. Forschungstätigkeit im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung zunächst in den USA, dann am Mannheimer Institut für Public Health der Universität Heidelberg. Herausgeber und Autor diverser studentischer und ärztlicher Lehr- und Fachbücher. Einem breiten Publikum bekannt durch mehrere Sachbücher, u.a. das Standardwerk „Gesundheit für Kinder" und „Kinder verstehen - born to be wild!". Er hat 4 Kinder und lebt mit seiner Frau in der Nähe von Ravensburg.

33 Kommentare

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  • Eva

    Vielen Dank für den Artikel!
    Ich befürchte nur, dass sich nichts ändern wird. Zumindest nicht in BY. 😕 Kinder haben keine Lobby. Die Politik denkt nur von Wahljahr zu Wahljahr. Geld wird in andere Bereiche gesteckt. Auslese scheint das oberste Ziel zu sein. Echt frustrierend. Ich bin seit Anfang 2019 in Elternzeit. Mir graut es wenn ich im Februar 23 wieder zurück in den Schuldienst muss. Wegen der Folgen von Corona, aber auch weil ich während der Elternzeit gelernt habe, wie Kinder wirklich sind und dass das System Schule ihnen nicht gerecht werden kann.

    • Inga

      Liebe Eva, du sprichst mir aus der Seele. Ich habe quasi die gleiche Biografie wie du. Ich für meinen Teil versuche, mein neues Wissen zu integrieren und mich noch mehr gegen das System und für die Kinder die ich begleite einzusetzen. Der Weg wird bestimmt steinig, aber es braucht Lehrkräfte die aufwachen und den Mut haben, etwas verändern zu wollen. Ich glaube fest daran, dass auch viele kleine Samenkörner etwas verändern können (selbst in Bayern 😉).

  • Antje

    Vielen Dank für diesen Artikel. Er spricht mir aus der Seele. Unser Kind wird zum Glück erst nächstes Jahr eingeschult (und ich hoffe, dass die Kinder bis dahin wieder „normal“ in die Schule gehen können) und ich finde es so schade, dass sie schon in so jungen Jahren ins tägliche Hamsterrad geworfen und „in Form gepresst“ werden.
    Ich wünsche mir eine Schule, die die Bedürfnisse von Kindern in den Blick nimmt. LehrerInnen, die vertrauensvolle Beziehungen zu Kindern knüpfen und dadurch überhaupt erst Lernen ermöglichen. Bildungsinhalte, die sich am täglichen Leben orientieren, ohne Druck und Stress und ohne bewertet zu werden. LehrerInnen, die den Unterricht so gestalten, dass die Kinder die Inhalte begreifen, erfahren und Spaß am Lernen haben. LehrerInnen, die Kinder ermutigen, fördern und Talente entdecken. Und keine Bewertungen für Dinge, die einem nicht gut liegen (Sport, Musik, Kunst usw.). Nicht nur in der Pandemie, aber jetzt umso mehr!
    Warum gibt es so eine Schule nicht? Warum macht man sich nicht auf den Weg das Bildungssystem zu reformieren und auf unsere Kinder abzustimmen? Lernen kann auch anders gut funktionieren! Oder sogar noch besser!

    • Welli

      Absolut liebe Antje, diese neue Schule bildet sich bereits an vielen Orten… Herzlich, Welli

  • Bernhard

    Danke für diesen Appell! Ja! Und nochmals ja! Schule muss ein Ort des „Erlebens“ werden, wo Alltagserfahrungen aufgegriffen werden und Erfahrung mit Lernen vernüpft ist. Und außerhalb von Schule muss wieder gespielt werden! Auf der Straße, im Wald auf dem Bolzplatz. Und zwar frei und kreativ- nicht als Sklaven unserer digitalen Medienangebote, die die Kinder selbst im Freien in ihren Bann ziehen und wie „Hans guck in das Handy“ die Welt drum herum nicht mehr sehen lassen.
    Es gibt sie noch, die 10-Jährigen, die eine Bude im Wald bauen. Aber sie sind selten geworden. Die 9-jährigen Mädchen sieht man eher beim Tik-tok Tanz als beim Bäumeklettern. Aber es gibt sie noch. Bevor wir vergessen, dass eine andere Welt möglich ist- lasst uns unsere Kinder spielen lassen. Draußen und mit Freunden, frei und kreativ. Und wenn sie verschmutzt nach Hause kommen, dann wissen wir, es war ein erfolgreicher Tag.

    • Myriam

      Ich denke ja Spielen IST Lernen. Und das sollte genauso in der Schule stattfinden wie außerhalb.

      • ama

        Spielen ist Lernen. Genau! Dafür brauchen die Kinder aber Zeit. Wenn die den ganzen Tag in ihrer Schulkaserne sitzen müssen, fehlt diese Zeit. Früher hatten die Kinder nur am Vormittag Unterricht. Und heute? Zwang, Zwang und nochmal Zwang. Das muß endlich aufhören. Wieder zurück zur Schule der 60er Jahre.
        Unterricht wird durch Lehrer gemacht. Aber das sind heute grauenhafte Jammergestalten, die in Zwangsjacken aus Psychologiemist und Bergen von Verordnungen und Regeln hängen.
        Ich habe noch das Glück, einen echten GELERNTEN Lehrer getroffen zu haben. Das war zu dem Zeitpunkt schon ein alter Herr, der mir ein bißchen von seiner Ausbildungszeit in der Lehrerschule in Süddeutschland erzählt hat. Damals, am Anfang des letzten Jahrhunderts, gab es das nicht als Studium, sondern als eine Art Lehre. Bis 1960 hat sich dann einiges geändert. Aber ab da ging es bergab.

  • Ramona

    „ Nur: das ist nicht die Art der Kinder. Sie haben das “Vorher” doch entweder vergessen. Oder noch nicht aufgebaut.“ – DAS ist so ein wichtiger Punkt, den viele von uns Erwachsenen gar nicht auf dem Schirm haben. Wir selbst fühlen uns eingeschränkt, unseren Kindern wurde einfach ein wesentlicher Teil ihrer Entwicklung rausgeschnitten. Wie bei einer Filmrolle. Und auch da macht es wenig Sinn, die beiden Enden aneinander zu kleben und zu hoffen, dass die Geschichte noch nachvollziehbar ist.
    Danke für diesen berührenden Text!💗

  • Johanna

    Meine Tochter geht auf so eine Traumschule, staatlich in Bayern, mit Traumlehrerin gleich dazu, Kombiklasse und dann mitten in der Pandemie haben sie ihr grünes Klassenzimmer mit Bäumen bepflanzt. Ich staune, wieviel im System möglich ist, wieviel Engagement es gibt. Sportunterricht findet seit September nur draußen statt, anderer Unterricht teilweise auch. Es wird sich bewegt, gesungen gelacht und gelebt. Im Klassenzimmer alles mit Abstand und Maske, aber draußen ist Freiheit und das Kind kommt heim, seelisch ganz genährt. Ich bin dankbar.

    • JusTus

      Hört sich echt gut an:
      Bäume pflanzen statt Luftfiltergeräte!
      Sehr geil!

    • Monika Kindler

      Das klingt ja wie ein Wunder. Möge es so bleiben.
      Die Lehrer tun mir sehr wohl sehr leid, was die alles stemmen müssen, neben ihrer Hauptaufgabe: Lesen, Schreiben, Rechnen zu lehren und einzuüben. Alles andere sollte eigentlich im Elternhaus gestaltet werden, VORHER, was natürlich heutzutage auch nicht mehr so einfach ist, neben der Arbeit, und neben dem Home-Office.
      Aber: Kinder saugen alles auf wie ein Schwamm. Je kleiner das Kind, desto leichter die Erziehung. Einfach freundlich sagen, was man will. „Bitte wirf nicht alles auf den Fußboden. Heb das jetzt auf und räume es ordentlich auf, bitte.“ oder „Bitte iss ordentlich ohne zu krümeln.“ Und: Wenn man die Bedürfnisse der Kinder erfüllt, ich meine nicht die Wünsche, und die schon gar nicht sofort, dann erfüllen sie einem jede Bitte und freundliche Forderung, wenn sie Sinn-voll ist.

    • Judith

      Mein Kind geht auch auf so eine wunderbare Schule! Staatlich ! Ganz verschieden sozialisiert…. Ich stimme allem zu aber ich möchte auch darauf aufmerksam machen das sich hier und da schon Dinge verändern – und wie ich finde auch zum positiven.
      Die Kinder kriegen alles mit im Bezug auf die Pandemie, aber es geht ihnen gut und wirklich leiden tun die Eltern.
      An dieser Schule gibt es guten Rückenwind durch die Schule und den bringen die Kinder mit nach Hause und das hilft den Eltern – Rückenwind für die Eltern inklusive.

  • ama

    Wer gestorben ist, der ist tot. Der hat sein Leben verloren. Wer überlebt hat, hat einen Teil seines Lebens verloren.

    Weg ist weg. Vorbei ist vorbei. Wir können die Zeit nicht anhalten.
    Und wir können nicht einfach sagen, daß der Kinderproduktionsbetrieb mit Zeitstempel 16 Jahre einen Hauptschulabgänger fertigzustellen hat. Wer vor 2 Jahren in die Schule kam, dem fehlen 2 Jahre. Die können wir nicht einfach löschen und lassen die 9 Jahre zusammenpressen auf das Enddatum 16. Lebensjahr. Das geht nicht. Dann sind die Kinder eben erst mit 18 statt mit 16 mit der Schule fertig. Wo ist denn das Problem dabei? Daß Industrie und Handel Arbeitsroboter mundgerecht serviert bekommen wollen?
    Produzieren wir Kinder für den Verbrauch in Industrie und Handel? NEIN !!!!!
    Sind wir Sklaven von Industrie und Handel? NEIN !!!!!
    Kinder sind Menschen und kein Verbrauchsmaterial. Wir leben, um zu leben. Wir leben doch nicht, um zeitgestempelte Produktionsvorgaben zu erfüllen.
    Wir sind jetzt in der gleichen Situation wie die Saurier vor 66 Millionen Jahren. Die Bombe kam heruntergekracht. Peng! Sie ist ist da. Es ist passiert. Versuchen wir, das beste draus zu machen und überhaupt erst einmal ZU ÜBERLEBEN. DAS ist die schwerste aller Aufgaben, und bei der wir stehen erst ganz am Anfang. Die Erde ist nicht mehr so, wie sie bis Ende 2019 war.
    Der ganze alte Quatsch ist zuende. Vorbei. Aus. Feierabend. Wir müssen ganz neu anfangen. Das ist jetzt nicht ein Unfall und alle Anderen sind davongekommen. Wir, JEDER EINZELNE VON UNS, hat einen Einschlag einer Bombe zu überstehen. Das ist kein Autounfall, das ist kein Fahrradunfall, das ist kein Flugzeugabsturz, sondern eine alle Menschen nahezu gleichzeitig heimsuchende Bombe. Es hat PENG gemacht und wir müssen damit fertig werden. Das ist nun einmal so.
    Kann man nicht endlich die Politiker wegsperren in ihre geistigen Bedürfnisanstalten? Die haben schon mehr als genug Schaden angerichtet. Warum müssen wir uns weiterhin irgendwelchen Geisteskranken und Korrupten unterwerfen? Seien wir froh, daß wir (bis jetzt) überhaupt überlebt haben.
    Die Schulabgängerproduktionsanstalten wurden mit jeder Reform ein bißchen reformierter und moderner – und mit jeder Reform noch schlechter für die Kinder. Vor 60 Jahren war die Durchschnittsnote beim Hauptschulabschluß eine „3“ und die Kinder konnten lesen schreiben und rechnen. Und sie hatten nur halbtags Schule. Heute haben wir eine PERRFEKT durchgestylte Ganztagsschule nach allermodernsten psychologischen Erkenntnissen. Und? Die Schüler erleben eine Folter, haben nur noch allerschlechteste Noten, und werden in Kasernen-Ghettos gefügig gemacht. Der blanke Terrorismus herrscht. Extremer Gruppendruck.
    Wozu das alles? Warum nicht endlich zugeben, daß die ganze Psychologisiererei eine Idiotie ist? Daß die Ganztagskasernen Folter sind. Dieser Irrsinn muß endlich aufhören. Wozu Kinder in die Vorschule schicken, gleich nach der Kita, damit die Kinder auch ja in der Schule zahnradgenau weiterticken wie die oberste Heeresleitung befiehlt? WOZU DAS ALLES!? Wir sind doch keine Roboter. Wir haben ein Leben!

    • JusTus

      Es sind nicht alle Politiker geisteskrank und korrupt, sondern in genau dem Schulsystem groß geworden.
      Ihre ganze Aufregung nützt ja nichts, außer, dass Sie Ihre Wut mal loswerden.
      Wie wäre es, dies mal als Chance zu sehen, um etwas Neues anzutreiben,
      Vorschläge zu machen, selbst aktiv zu werden, etwas in die Wege zu leiten…?

      Man kann sicher nicht das komplette (Schul-) System von heute auf morgen umkrempeln, aber in kleinen Schritten, neue Ziele anstreben und Veränderungen herbeiführen, wäre doch schon mal ein guter Anfang.

      • ama

        „Man kann sicher nicht das komplette (Schul-) System von heute auf morgen umkrempeln, aber in kleinen Schritten, neue Ziele anstreben und Veränderungen herbeiführen, wäre doch schon mal ein guter Anfang.“
        OH DOCH! MAN KANN! Man braucht lediglich die vielen schönen Reformen wieder rückgängig zu machen. Schule hat ja einmal funktioniert. Die Kinder haben ja früher gelernt. Schule hat früher funktioniert. Bis die Psychologisiererei sie vernichtet hat.

        • Herbert Renz-Polster

          „Schule hat früher funktioniert.“

          Auch die Geschichte der Schule ist leider komplex. Da helfen auch Großbuchstaben nichts.
          Leider.

    • Herbert Renz-Polster

      „Wir sind jetzt in der gleichen Situation wie die Saurier vor 66 Millionen Jahren. Die Bombe kam heruntergekracht. Peng!“

      Gottseidank geht mein Blog noch.

      😉

  • barbara lucke

    leider sind von den schulen, die neues wagen, nicht wenige Querdenker-unterwandert, da sitze ich dann dumm zwischen den stühlen.

    • JusTus

      Und da muss man dann leider auch sehr aufpassen, dass nicht rechte Gesinnung dahinter steckt. Echt schwierig!

    • Myriam

      Auf dem letzten Seminartag vom Bund für freie Alternativschulen ging es unter anderem genau um das Thema, wie Schulen da klar Stellung beziehen und sich schützen können. Es ist wichtig, dass Schulen das auf dem Schirm haben und sich da auch Unterstützung holen wenn nötig. Ich hab nun schon einige freie Schulen gesehen und ich denke, wenn man genau hinguckt, sieht man auch schnell, wie der Hase läuft.
      Aufpassen auf jeden Fall, aber nicht den Kopf in den Sand stecken sondern klar eine Position einnehmen 🙂

    • Butterkeks

      Es ist eine leere Behauptung, alternative Schulsysteme seien von Querdenkern und Rechtsradikalen unterwandert. Fakten, die solche Aussagen belegen gibt es hingegen nicht. Viel mehr handelt es sich um Einzelfälle die durch die Medien gezerrt wurden und diesen negativen Eindruck hinterließen.
      Es handelt sich dabei im Übrigen um ein völlig „übliches“ massenpsychologisches Phänomen, dass sich eine Gesellschaft in Krisenzeiten auf „Altbewährtes“ rückbesinnt und alternativen Konzepten und Vielfalt eher ablehnend gegenüber steht. Solche unbewussten Mechanismen nun zu erkennen und bewusst zu durchbrechen, halte ich für eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, die wir nun angehen sollten…sonst verharren wir im krisenbedingten Schwarzweissdenken und so wird das dann ganz bestimmt nichts mit den „besseren Verhältnissen“ für Kinder….

      • ama

        Ein Faktum:
        Die Häufung von Masern-Infektionen in Waldorf-Schulen und deren Umfeld sind erstens eindeutig und zweitens von dem Personenkreis an/in Waldorf-Schulen ausgelöst.
        Ein Faktum:
        Die „Alternativen“ ziehen sich nicht nur in ihre Wahnkonstrukte zurück, sondern betreiben ganz intensiv die Indoktrinierung ihrer Kinder in ihren eigenen Kreisen. Das konnte man gerade in den letzten beiden Jahren beobachten, wo Kinder aus Regelschulen abgemeldet und in eigenen „Schulen“ „unterrichtet“ wurden. Über mehrere dieser Fälle wurde in der Medien berichtet, weil die „Schulen“ illegale Klüngel ohne jegliche Zulassung waren.
        Ein Faktum:
        Während die „68“ den Marsch durch die Instanzen machten und die Regelschulen unterwanderten und übernahmen, haben sich die Rechten immer mehr in eigene „geschützte Zonen“ zurückgezogen. Die Berichte des Verfassungschutzes, aber auch die der evangelischen bzw. katholischen Zentralstellen für Weltanschauung sollte man lesen.

  • Pet Baumi

    Wie wahr. Ich befürchte, dass die meisten Kinder und FAMILIEN mit Kindern die Verlierer einer fehlgeleiteten Angstpolitik (mindestens der letzten 12 Monate) sein werden. Man hat kaum dazu gelernt. Immer noch haben z. B. Diskussionen zu Besucherzahlen in Fußballstadien mehr Stellenwert als Öffnungsschritte in Schulen oder anderen Kindereinrichtungen. Auch den schlechten Bedingungen wie SANITÄRANLAGEN, Sportangebot, Freiräume, Digitalisierung, Lernangebote an frischer Luft. Alles Fehlanzeige. Hinzu kommt häufiger Vertretungsunterricht durch Krankenstand (wenn man denn Glück hat). Auch hier keine ausreichende Personalkapazität. Aber eigentlich alles nichts Neues. In der Politik geht es nur um Wählerstimmen, Machterhalt. Lobbyismus im Schulbereich ist kaum möglich, da dies zunächst ein „Zuschussgeschäft“ ist. Ehrlich, mir ist nicht ganz klar, wie eigentlich mit dieser jungen Generation der „Generationsvertrag“ weiter eingehalten werden kann. Dumme, Kranke, gestörte, dicke Menschen. Was für Zukunftsaussichten….

    • ama

      „fehlgeleiteten Angstpolitik“, oh, oh, das läßt tief blicken.
      Tatsache ist, daß die Kinder dem Virus geopfert wurden und werden.
      Gerade die Bildungsminister haben Blut an ihren Händen.
      http://www.transgallaxys.com/~kanzlerzwo/index.php?topic=11591.msg33396#msg33396
      Anstatt die Kinder zu schützen, werden sie von den Bundesländern und Kirchenorganisationen dem Virus verstärkt ausgesetzt. Zum Beispiel JETZT in Niedersachsen:
      http://www.transgallaxys.com/~kanzlerzwo/index.php?topic=11591.msg33393#msg33393
      Mindestens 50 Prozent der Infizierten erleiden Hirnschäden. Jedes zweite Kind behält Hirnschäden. Und die Sache ist damit noch nicht vorbei, denn weitere Infektionen verstärken die Schäden.
      Vor allem ist das Virus bei den Wildtieren angekommen und wird dort endemisch. Dort KÖNNEN wir es nicht ausrotten.
      Vor einigen Jahren hat das Usutu-Virus einen großen Teil der Singvögel getötet, teilweise die Hälfte der jeweiligen Bestände.
      Jetzt droht uns Menschen das Gleiche. Es ist alles nur eine Frage der Zeit. Aber die haben wir nicht.

      • Herbert Renz-Polster

        „Blut an den Händen“, der große Teil der Singvögel getötet, „jedes zweite Kind behält Hirnschäden“, Kinder werden dem Virus geopfert.

        Na denn.

        Ich bemühe mich hier um eine differenzierte Einordnung und frage mich bei solchen Beiträgen, warum es manchmal in einen solchen Panikmodus abgleitet. Wissenschaftliche Befunde geben ein Spektrum wieder, es ist unbedingt anzuraten abzuwägen um ein Gesamtbild zu bekommen. Es hilft niemandem, hier mit seinen „besten“ Katastrophenmeldungen anzutreten.

        • ama

          In der Zeit vom 30. Januar bis zum 13. Februar sind laut RKI 2.726.416 Personen infiziert worden. Das ist eine Tatsache.
          Davon wird geschätzt die Hälfte Hirnschäden davontragen. Auch das ist eine Tatsache.
          Tatsachen zu benennen ist kein Panikmodus, sondern der nüchterne Umgang mit der Realität.
          Mein Vergleich mit dem Usutu-Virus ist völlig korrekt, weil die jetzige Ausbreitung des SarsCoV2 bei den Wildtieren in zweierlei Hinsicht verheerend ist:
          Erstens ist das Virus neu und breitet sich sehr schnell aus. Das ist bereits aus den USA bekannt.
          Zweitens wird es bei den Tieren sehr schnell neue Mutationen geben, die dann, unter anderem über die Haustiere, auf den Menschen überspringen können.
          Wenn man das alles weiß, was tut man dann? Man schützt die Kinder – und setzt sie nicht absichtlich der Gefahr von Infektionen aus, wie es beispielsweise in Niedersachsen geschieht.

  • Eva

    Das ist ein guter Beitrag. Vielen Dnak dafür!
    Jedoch muss sich mein Kind immer noch 3 x die Woche testen und trotzdem viele Stunden eine Maske tragen. Selbst beim Sport. Absehbar wird sich das auch nicht ändern. Aber das macht den Kindern ja gar nichts, da haben nur die Eltern ein Problem mit 😉 Wen sie genau damit gerade schützen muss, kann ich ihr auch nicht erklären, da ja in Schulen nun jeder geimpft sein kann. Aber es ist auch egal, es wird schon einen Sinn haben!

    • Fritzi

      Der Beitrag ist wesentlich differenzierter. Man kann ihn m.E. nicht einfach auffassen als ein Aufruf, die Kinder von Masken und Testpflichten zu befreien.
      Es ist ja gerade das seit 2 Jahren bestehende Dilemma in Bezug auf die Konzeption von Schulunterricht und Freizeitangeboten für Kinder, dass beides schädliche, unangenehme, unerwünschte und belastende Folgen haben kann:
      – der (leichtfertige) Verzicht auf Ansteckungsschutz in Kindergruppen, der als Folge haben kann, dass ein Kind die Infektion nach Hause trägt und ein Familienangehöriger oder es selbst schwer oder an LongCovid erkrankt,
      – aber auch die vielen, Unbeschwertheit erschwerenden Maßnahmen wie Masken, Tests und Abstandsregeln.
      Da gibt es keine einfache Lösung nach dem Motto „Wir lassen die Kindern wieder ohne Masken unbeschwert Kinder sein“ und die negativen Folgen der C-Epidemie für Kinder sind behoben.

      Für Kinder kann es auch enorm belastend sein, wenn z.B. die Mutter nach einer (auch sehr mild verlaufenden) Corona-Infektion durch LongCovid-Probleme nicht mehr fit genug ist, um mit den Kindern Radfahren oder Schwimmen zu gehen, oder auch nur den Haushalt zu bewältigen.
      Selbst wenn die Eltern inzwischen geimpft sind: Dadurch dass die Impfung bei Omikron nicht mehr so toll gegen Durchbruchsinfektionen wirkt, bleibt das LondCovid-Problem auch bei einer 99%-Impfquote bestehen.

  • Monika Haffner

    Schon von Beginn der Pandemie an, mache ich mir sehr viele Gedanken um unsere Kinder. Es geht bei den Informationen in den Medien immer wieder um Schule. Dabei werden meistens Familien dargestellt, die in privilegierten Situationen leben (Haus, Garten ,,,) andere Familien kommen nur selten zu Wort. Bei Jugendlichen geht es häufig um Feiern, Freunde treffen. Beides hat seine Berechtigung, ist wichtig. Aber ist diese Generation die erste der das passiert? Können wir vielleicht mal von vorherigen Generationen lernen? Unsere Eltern bzw. Großeltern haben doch ähnliches erlebt, keine langfristige Pandemie aber einen langen Krieg. Kinder und Jugendliche konnten nicht zur Schule gehen, weil es nur wenige LehrerInnen gab, weil Schulen zerstört waren, weil Jugendliche Kriegsdienst leisten mussten, statt Schule zu besuchen. Oder schlimmer noch, weil sie in Konzentrationslagern waren. Familien wurden zerrissen, Sozialkontakte abgebrochen. Trotzdem haben es die Menschen geschafft, wieder ein funktionierendes Sozialsystem aufzubauen. Wir sollten mal darauf schauen, wie haben sie das geschafft? Was können wir daraus lernen? Sie haben häufig innerhalb kürzester Zeit Schulabschlüsse geschafft, Ausbildungen nachgeholt. Oft waren sie auf sich selbst gestellt, weil die Erwachsenen, wenn sie überhaupt noch da waren, mit sich selbst beschäftigt waren, ihre eigenen Traumata verarbeiten mussten und das Land wieder aufgebaut haben. Es lohnt sich sicher das genauer zu untersuchen und aus den Erfahrungen zu lernen.

    • ama

      Genau das ist es! Die haben damals durchgehalten und nicht gejammert wie die heutigen Waschlappen. Die sind damals nicht beim Fliegeralarm rausgelaufen, weil sie keine Lust mehr hatten, im Bunker zu sitzen.
      Was ist denn so schlimm daran, mehrere Monate auf irgendwelche Feiern zu verzichten? Gar nichts. Und? Trotzdem wird ganz groß Fasching/Karneval gefeiert. Wie irre muß man sein, um diese Idiotie zu begehen?
      Vor allem: Die vielen Cremchen und Pülverchen und Pillchen für die Gesuuuundheit. Wozu die nehmen, wenn man seine Gesundheit mit einer schlecht sitzenden Maske – oder erst recht gar keiner – radikal beendet?
      Hierzu ein aktuelles Beispiel aus einer Filiale von N*: Das Personal im Supermarkt rennt mit OP-Masken herum. Diese Leute dürfen ihre eigene Firma gar nicht mehr betreten. Warum? Weil das Betreten des Ladens laut Aushang nur mit FFP2-Masken erlaubt ist.
      Erstaunlicherweise sind diese Leute aber doch da. Warum? Weil die Firmenleitung das so sagt. Das Personal darf mit einer unzureichenden OP-Maske im Laden sein. Angeblich sind die FFP2-Masken für 8 Stunden Arbeit ungeeignet.
      Fragt man nach, versteht man das sofort: Die OP-Masken werden von der Firma gestellt – und OP-Masken sind billiger als FFP2-Masken. So wird das Personal verheizt. Aus Geldgier.
      Die Verblödung der Kinder hat eine Ursache: die Verblödung der Eltern.

  • Ulrich Bartenbach

    LIeber Herbert Renz-Polster,
    als alter „Fan“ von Ihnen ein Dank und Glückwunsch zu Ihren Beiträgen und speziell zu diesem hier.
    Schön, dass die „weichen“ Aspekte auch mal wieder bedacht werden. Die Lebenswelten.
    Ich möchte Ihnen das neue Buch von Michael Hirsch ans Herz legen: „Kulturarbeit“ Er spricht von der „Kolonisierung der Lebenswelten durch Systemwelten“. Ja. genau und das auch hier bei Corona, bei den Kindern.
    Sie haben natürlich Recht mit ihrer Forderung, den Kindern zu helfen, sie zu begleiten, für sie da zu sein. Das ist ja eigentlich nicht schwer. Aber, Sie können sicher sein: das Gegentiel wird der Fall sein. Gerade jetzt bei Klimakrise, steigenden Energiepreisen (Ukraine-Krise). Krise, Krise, Krise: Da muss dagegen“geschafft“ werden. Noch weniger Zeit für die Kinder.
    Hirsch bezieht sich auf Francois Julienn (Ein zweites Leben), hier geht es um Klarheit (Luzidität) durch Erfahrung, Weglassen, Desillusionierung, also Zusichkommen. Was wir leider erleben ist Entfremdung, Angst vor der Freiheit, wie Sie es nennen: Die Große Auslese. Das ist doch furchtbar !
    Meine Frau reduziert ihre schon sehr geringe geringfügige Tätigkeit (Musikunterrricht), ich bleibe bei meinem 80%-Job (montags immer frei), denn unsere drei Mädels (13,11,5) brauchen uns mehr denn je. Und: es ist mega-hart, aber: der einzige Weg ! und es läuft, auch mit Hilfe „sich selbst verstärkender Engelskreise“
    Ist das so schwer zu kapieren ?

    Alles Gute
    Ulrich Bartenbach

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