Beratungsfrage21. November 2023

Wie kann ich die Papa-Fixierung meines Sohnes überwinden?

Mein Sohn Finn (2,5 J.) ist schon immer sehr auf seinen Papa fixiert. Der Papa soll alles machen: ihn Wickeln, ins Bett bringen, Anziehen, Trösten … Bei mir gibt es fast immer lautstarken Protest. Wenn mein Mann auf der Arbeit ist schreit Finn öfters mal 30 Minuten nach seinem Papa, während ich ihn nicht anfassen oder beruhigen darf. Das gleiche gilt, wenn ich ihm etwas verbiete – dann dröhnt das „Papa“-Geschrei durchs Haus. Mein Mann und ich wollen nun versuchen, die Situation zu ändern, weil es für uns beide so anstrengend und für mich auch sehr verletzend ist. Hast du Ideen dazu?

Ich verstehe deinen Frust voll und ganz. Niemand will von seinem Kind abgelehnt werden! Und doch ist das ein normales Verhalten deines Kindes (kein Wunder gibt es dafür die stehenden Begriffe „Mamakind“ oder „Papakind“). Und gerade die Kleinkinder unterlegen ihre Wahl ja gerne mit ziemlich krasser Filmmusik: Entweder Du oder Du!

Hier meine survival-Tipps

  • Erstens: daran, dass sich das mit der Bevorzugung manchmal so einspielt (und auch so extrem einspielt), hat niemand Schuld oder etwas falsch gemacht. Das ist mir wichtig, weil man mit einem Rabenblick nur sich selber schwächt und entwertet. Oder dem Kind gegenüber ein schlechtes Gewissen hat („was habe ich nur falsch gemacht?“). Beides macht euer Miteinander nur noch komplizierter.
  • Zweitens: Du bist auch für dein Papakind in Wirklichkeit eine ganze Mama! Äußerlich mag dein Kind dir die rote Karte zeigen, das heißt aber nicht, dass dein Sohn innerlich nichts von dir hält. Denn innen drin läuft eure Bindung weiter, und du bist weiterhin der Garant seines Lebens und Wohlbefindens. Mehr noch: dein Sohn braucht dich trotzdem voll und ganz! Selbst wenn er dich anbrüllt! Verwechsele also nicht Form und Inhalt.
  • Drittens: Ja, das nervt und kränkt, und ich bin froh, dass du das thematisierst, auch mit deinem Mann. Und Du wirst auch immer wieder Rückzugsmomente brauchen, in denen du dir das eingestehst, um mit einem Seufzer dann doch immer wieder zu verzeihen und wieder in Beziehung zu gehen. Dein Sohn will dich nicht kränken und kann für deinen Schmerz auch keine Verantwortung übernehmen. Das könnt nur ihr beiden Eltern, gemeinsam. Denn die Gefahr liegt nicht darin, dass du die Beziehung zu deinem Kind verlierst (die kommt wieder, auch äußerlich), sondern, dass ihr Eltern in Stress geratet und euch voneinander entfremdet.

Deshalb heißt die Grundregel in diesen Fällen: Nicht abwenden und nicht ausnutzen!

Nicht abwenden heißt: Nimm es deinem Kind nicht persönlich. Und zeige das deinem Kind auch, indem du es nicht verurteilst. Gerade Kleinkinder machen aus einer Mücke schnell einen Elefanten, und du solltest darauf nicht einsteigen. Weiterleben, weiterlieben, heißt die Devise.

Und das gilt auch für deinen Mann. Bleibt im Gespräch, zeige dabei auch deine Emotionen, gebt euch Rückhalt!

Nicht ausnutzen heißt: der bevorzugte Elternteil darf die größere Zuwendung des Kindes nicht ausnutzen um sich Bestätigung zu holen, sondern muss echt und ehrlich bleiben. Also zum Beispiel nicht mehr erlauben nur um sich die „Gunst“ des Kindes zu sichern. Ihr müsst also als Eltern solidarisch bleiben (was nicht heißt, dass jeder nicht seinen eigenen Stil haben darf!). Alles was auch nur nach Konkurrenzkampf riecht, solltet ihr gleich abschalten. Der Schlüssel liegt im „echt“ sein – auch dem Kind gegenüber. Auch wenn das manchmal bedeutet, dass der Bevorzugte sich der Bevorzugung entzieht und auf den Partner verweist: Du, ich will, dass Du Dich heute von Mama ins Bett bringen lässt, denn ich muss noch arbeiten. Nur als ein Beispiel für gelebte Solidarität.

Und noch einmal: Alle an diesem Stück Beteiligten haben Recht, niemand ist schuld. Wir kriegen das hin, wenn wir uns offen und ehrlich begegnen.

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4 Kommentare

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  • Elli

    Mir half in “angespannten Situationen” mit meinen Kindern (anderer Art als hier) manchmal, einfach laut loszulachen.
    Die waren dann so verdutzt – und dann ging es weiter….. . Auch für mich.

  • Anna

    Danke! Auch für Ihren Kommentar, das nicht „persönlich“ zu nehmen. So ein kleines Wesen ist ja noch völlig dabei, sich zu entwickeln, sich zu entfalten. Eltern begehen einen fatalen Fehler, Erwachsene überhaupt, wenn sie einem Kind dann „Absicht“ oä unterstellen oder sich gar „verletzt“ fühlen. Da braucht es noch viel Arbeit am eigenen Selbstwertgefühl, sollte mensch das „persönlich“ nehmen. Ein Kind probiert aus, und manche Kinder sind sehr orientiert gerade auf denjenigen, der heiss geliebt, ebenso wie der Alltagsmensch, aber selten da ist. Das kenne ich noch vom eigenen Kind. (Diejenigen, die selten da sind, sind dann auch häufig weniger „genervt“, sondern einfach unverbrauchter und frischer).

  • Ralf

    Was würde passieren, wenn das betroffene Elternteil anhaltend beleidigt sein würde und sein Kind seinerseits mit Schmollen oder Ablehnung behandeln würde?

    • Melibea

      Kinder suchen bei uns Sicherheit durch Führung und Regulation. Antwort auf gleicher Ebene führt deshalb nur zu noch mehr Verunsicherung, wenn es mehr ist, als mal ein kurzer Moment, um für Überraschung zu sorgen.

      Aus der Erfahrung in meiner Erziehungspartnerschaft für eine solches Verhalten zu eine Rückzugsspirale. Das Kind sucht nach Sicherheit und Halt – durch noch stärkere Hinwendung zum bevorzugten Elternteil und noch anstrengenderes Verhalten gegenüber dem anderen Elternteil. Das nagt dann noch stärker am angekratzten Selbstvertrauen des “abgelehnten” Elternteils, bedingt das Gefühl von Machtlosigkeit und Unwirksamkeit gegenüber dem Kind.

      Es ist unfair gegenüber dem Kind und dem scheinbar bevorzugten Elternteil. Denn dieser wird ja mit einer Dynamik konfrontiert, in der er*sie dem Kind fehlende Sicherheit geben und gleichzeitig mit dem*der Partner*in emotional Verbunden und solidarisch sein soll.