Kommentar17. November 2019

Original Play – Missbrauch von Kindern?

Original Play – noch vor einem Monat war das ein pädagogisches Nischen-Angebot. Jetzt ist es in aller Munde – wegen seiner angeblichen Gefahren. Ich lese manche Kommentare mit Erstaunen, manche mit Zustimmung, manche mit Verwunderung.

Interessant (und nachvollziehbar) finde ich, wie rasch und intensiv über das Missbrauchspotenzial dieser Methode geredet wird. Von Null auf Hundert in Tesla-Geschwindigkeit! Ich darf das einmal mit der Debatte um die „Elternschule“ vergleichen. Da verkündet ein Arzt einer auf seelische Leiden spezialisierten Kinderklinik, dass er die dort aufgenommenen Säuglinge und Kleinkinder jeden Tag ins Untersuchungszimmer bringen lasse, um sie dort einer Ganzkörperuntersuchung zu unterziehen. Und das nicht etwa um eine Diagnose zu finden – sondern um deren angebliche Trennungs- und Krankenhausangst zu therapieren. Deshalb erfolge die Untersuchung der Kleinen auch in Abwesenheit ihrer Mütter. Die Kleinen würden durch diese Behandlung gegen Stress „geimpft“, das helfe zum Beispiel gegen Asthma, Neurodermitis oder häufiges Schreien. Klingt seltsam? Ich finde: ja. Für mich ist das emotionale Gewalt. Eine öffentliche Empörung darüber habe ich noch nicht vernommen. In den großen Medien gibt es dazu keinen einzigen Bericht, keine einzige Frage. Und die Behandlung gibt es weiter auf Kassenschein. Im Jahr 2019, wo wir die Kinderrechte ins Grundgesetz bringen wollen.

Immerhin sind die großen Blätter jetzt mit von der Partie, auch wenn es – anders als in dem geschilderten Fall – nur um Verdachtsfälle geht. In der Süddeutschen Zeitung vom 14.11.2019 wird die in Frage stehende Methode des „Original Play“ und einige ihrer Verfechter ziemlich unverblümt in die Nähe der Pädophilie gerückt. Da bleibt dann schon von der Wucht des Vorwurfs her kaum Raum für Zwischentöne.

Weg von den pauschalen Annahmen

Vielleicht sind die aber in dieser Sache schon auch wichtig. Kurz vorweg: Ich habe mich mit „Original Play“ schon vor mehreren Jahren beschäftigt und das Buch von Fred Donaldson, dem Begründer der Methode, damals zumindest quergelesen. Ein guter Freund hatte es mir geschenkt, der die Methode erlernt hat und immer mit Begeisterung davon sprach. Mich hat das Konzept damals trotz meiner Versuche es zu verstehen nicht angesprochen. Ich habe es, wie manche andere Sachen, die an mich herangetragen werden, unter „mir nicht zugänglich“ abgehakt (derer gibt es im pädagogischen Bereich überraschend viele).

Jetzt also die Presseberichte über mögliche Missbrauchsfälle und die zum großen Teil ablehnenden Kommentare von Fachleuten. Ich kann sie nachvollziehen. Aber manche Begründungen eben auch nicht. Deshalb der Reihe nach:

  • Es gibt viele von Original Play (im folgenden schreibe ich einfach OP) begeisterte Menschen, viele von ihnen kommen aus pädagogischen Berufen. Ich würde einmal in den Raum stellen, dass 99,9 Prozent von ihnen die Methode aus lauteren (ein altes Wort für nicht verwerflichen) Gründen praktizieren und damit etwas Gutes verbinden (das ist bei anderen „pädagogischen“ Richtungen ähnlich, auch solchen die in meinen Augen ziemlich schräg daher kommen). Der Einwand, dass hier viele Männer unterwegs sind, ist für mich kein Grund für das pauschale Urteil, dass hier pädophile Motive im Spiel seien, es gibt ja durchaus Gründe, warum sich junge Männer eher für OP interessieren als für Kinderyoga (bei dem Missbrauchsfälle auch vorkommen können).
  • Ich bewerte manche Kommentare (etwa in besagtem Artikel in der SZ) als Vorverurteilung. Wenn ich an die mir aus dieser Szene bekannten Menschen denke, dann stört mich das ganz gewaltig (ich denke dann gerne an die derzeitige Anzeigenkampagne der Bundesregierung, in der das 1 x 1 des Rechtsstaats vorgestellt wird: „Wir verurteilen hier niemand auf Verdacht“, heisst es da – aber ich glaube, die Anzeigenkampagne zielt auf Migranten) 😉
  • Das heisst nicht, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass es zu Übergriffen gekommen ist, ich halte das sehr wohl für möglich. Ich finde deshalb auch die öffentliche Diskussion um eine Regulierung von OP für richtig. Und meine Erwartung an die OP-Szene ist die, dass sie das genauso sieht, denn diese Forderung ist berechtigter Teil des Kinderschutzes und der Achtsamkeit gegenüber Kindern, die OP ja auch für sich reklamiert.

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Raufen ist ein Kinderrecht

Manche Kommentare, auch aus der Fachwelt, zielen jetzt darauf, dass das Balgen, Rangeln und Raufen, also das körperlich intensive und auf engen Kontakt zielende Spielen mit Kindern allenfalls Sache der Eltern sei bzw. sein solle. Das ist für mich Unsinn. Kinder lassen sich gerne auf rauhes Körperspiel ein, solange sie sich in einem sicheren, vertrauten Umfeld bewegen. Sie nutzen dabei alle Menschen, die sich darauf einlassen und sich nicht allzu ungeschickt dabei anstellen, ob jung oder alt. Sie rangeln also nicht nur gerne mit anderen Kindern sondern auch gerne mit Erziehern und Erzieherinnen.

Denn in dieser Hinsicht hat OP Recht: Das körperliche Spiel ist für Kinder ein Entwicklungbonus. Kein Wunder gehört das Balgen (rough and tumble play) zu den kulturübergreifenden Konstanten der kindlichen Entwicklung. Der entsprechende Spieltrieb beginnt in den Toddler-Jahren und zieht sich dann durch die mittlere Kindheit bis zur Vorpubertät. Jungs sind meist begieriger darauf als Mädchen (mit den üblichen individuellen Überschneidungen zwischen den Geschlechtern). Auch wenn das Balgen oft als Kämpfen konstelliert ist, ist der Unterschied zum echten Kampf (etwa um Ressourcen oder Dominanz) eindeutig: Die Kinder „kämpfen“ in wechselnden Duos oder Clustern, sie zeigen eine positive Emotionalität, sie lächeln oder lachen, und sie wechseln sich mit Attacken und Verteidigung ab. Auch vermeiden sie übermäßigen Krafteinsatz, Beschimpfungen oder Beleidigungen und spielen danach auch in Ruhe gut gestimmt weiter zusammen.

Und natürlich profitieren die Kleinen davon in der Ausbildung ihrer Kompetenzen! Sie beüben nicht nur ihren Körper (Rangeln ist Hochleistungssport) sondern erleben sich auch als mächtig und zwar auch dann, wenn sie eigentlich schwächer sind. Andere Übungsstrecken sind Selbstkontrolle (selbst in der Hitze des Gefechts gilt es ja mit Bremsen zu arbeiten), soziale Kompetenz (beständiger Tausch der Spielrollen und Allianzen) und Regel-Lernen: Um gemeinsam Spaß zu haben müssen sich die raufenden Kinder ja von sich aus klaren inneren Gleisen unterwerfen: nicht überreagieren, zuwarten können, unbeabsichtigt zugefügte Schmerzen wegstecken können, sich Rache verkneifen, nicht beleidigt sein und eben immer den gemeinsamen Spaß im Auge behalten. Kein Wunder kommen gerade Kinder, die sich in einer Gruppe ausgeschlossen fühlen schlechter mit Raufspielen zurecht, sie greifen häufiger zu überschiessender Aggression. Normalerweise entsteht aus Tobespielen aber nur extrem selten Streit (in der Grundschule nämlich nur in etwa einem Prozent der Fälle). Erwachsene kommen sehr unterschiedlich mit dem kindlichen Raufspielen klar. Während Schulkinder in Videoaufnahmen Spielkämpfe von echten Kämpfen in 85% unterscheiden können, sind es bei den Erwachsenen nur 70%, mit einem deutlichen Nachteil bei Frauen (die erreichen den Durchschnitt der Männer nur dann, wenn sie selber mit Brüdern aufgewachsen sind).

Die Idee ist deshalb naheliegend, das Balgen auch „therapeutisch“ oder pädagogisch zu nutzen. Tatsächlich dürfte es wenige Gelegenheiten geben, bei denen gleichzeitig wertvolle Erfahrungen in exekutiver Kontrolle als auch sozialer Kompetenz gemacht werden können. So vermutet der bekannte Hirnforscher Jaak Panksepp aufgrund von Vorarbeiten an Tiermodellen, dass Kinder mit ADHS durch häufiges Spielkämpfen lernen können, ihre überschießende Impulsivität in den Griff zu bekommen.

Hat Original Play also doch Recht?

In einer wichtigen Hinsicht gebe ich den Ansätzen von OP Recht. Nämlich dass Balgen etwas Tolles für Kinder ist, das ihrer Entwicklung gut tut. Sie wachsen daran. Und einige der Grundsätze, auf die sich das OP-Konzept stützt sind korrekt: Das gemeinsame Tollen hilft bei der Konfliktlösung, ermöglicht Begegnungen jenseits von Konkurrenz und Dominanz und macht einfach Freude. Absolut, wir sollten Balgen zulassen, und wir sollten es fördern! Und ja, ich finde es tatsächlich unangemessen, dass das Balgen jetzt auf einmal unter Generalverdacht rutscht. Etwa, weil da auch Männer mitmachen. Während wir gleichzeitig beklagen, dass den Kindern die „männlichen“ Rollenmodelle fehlen. Also bitte, Balgen muss sein!

Die Frage ist nur, in welchen Kontext das Raufen gehört. Und da sind wir wieder beim OP. Denn neben den nachvollziehbaren Begründungen sammeln sich insbesondere in Fred Donaldsons Werk zu OP ein geballtes Maß an mir unverständlichen (also zumindest missverständlichen) und auch falschen Annahmen über das kindliche Balgen. Etwa dass OP angeblich für alle Altersklassen hilfreich sei – von Säuglingen bis Greisen. Das passt für mich nicht in die jeweils spezifische Agenda der einzelnen Entwicklungsabschnitte.

Auch finde ich die Herleitung des OP-Konzepts aus dem Tierreich nicht hilfreich. Ja, es stimmt, dass rough and tumble play ein universelles Säugetierprogramm ist (schon mal jungen Hunden zugeschaut?). Aber der von OP implizit erhobene Anspruch, man könne das richtige Balgen durch das spielen mit Tieren LERNEN (gerne von Wölfen oder Schmetterlingen) stimmt einfach nicht – wir Menschen kriegen auch das Balgen mit unseren Bordmitteln hin, auch wenn ich zugeben muss, dass das mit den Wölfen schon ziemlich gut klingt („der mit den Wölfen tanzt“  usw… vielleicht hilft dieser Narrativ ja, die recht steile innere Hierarchie von OP und damit das Geschäftsmodell der dortigen Leitwölfe abzusichern) 😉

Original Play und innere Erleuchtung

Was OP aber wirklich problematisch macht, ist das damit verbundene esoterische Konzept. Es setzt OP nämlich eindeutig in Widerspruch zum „normalen“, kindgerechten Balgen. OP sei eine Art einem Kind „Liebe zu schenken“. Oder gar ein Weg, um selbst der Liebe teilhaftig zu werden. Gerne wird vom Gründer der Methode auch die göttliche Erleuchtung zitiert.

OP is not about fun…(..) It is about giving and receiving love. It´s really fun to give and receive love.

„Do you have the courage to love me back“ – DAS sei die Frage des Kindes, die es mit seinem Körper im „original play“ stelle. An Fremde! Was für ein Unsinn! Nein, Balgen ist Entwicklungslust, und sie gehört dem Kind. Sie ist eine Form intensiver Wirksamkeit, und wer glaubt, dass er als Fremder einem Kind sicheren Boden unter die Füße zaubern könne hat das menschliche Bindungssystem nicht verstanden. Das ist für mich das eigentliche Missverständnis und auch der eigentliche, und in diesem Sinne tatsächlich „missbräuchliche“ Aspekt von OP (auch wenn er vielen Anhängern von Fred Donaldson wahrscheinlich gar nicht bewusst ist): Dass Erwachsene meinen, sie müssten, dürften oder sollten mit Kindern spielen, um Gott zu finden oder die Liebe. Ein solches Konzept instrumentalisiert das Kind (und noch einmal: das heisst nicht, dass diejenigen die OP toll finden oder praktizieren, diese Absicht haben oder dies befürworten würden).

Ich jedenfalls würde jeder Einrichtung, die sich für Original Play als pädagogisches Angebot interessiert, empfehlen, einmal eine der Schriften Fred Donaldsons in die Hand zu nehmen. In dem Gerede von „göttlichen Einladungen“, dem bei der Wölfin Sybil erlebten „tiefen Einssein höchster Freundlichkeit“ und den mit Kindern besuchten „geheimen Orten“ wird sich die Begeisterung schnell legen. Überhaupt habe ich das bestimmte Gefühl, dass in der OP-Bewegung sehr viele gut gläubige Menschen einem charismatischen Guru aufgesessen sind, der mit einem ansprechenden und wichtigen Thema, dem kindlichen Spiel, seine eigene Agenda pflegt.

Die Rolle von Experten

Was in diese Diskussion auch hineingehört, ist die Rolle von Experten. Also die Frage, ob OP deshalb falsch liegt, weil da fremde Leute (hier dann gerne: „fremde Männer“…) in die Kita kommen um die Kinder anzustupsen und zu „fördern“. Wirklich, eine sehr zeitgemäße Frage. Denn eigentlich ist das doch ein recht gängiges, gerne genommenes und meist ohne große Fragen akzeptiertes Konzept – ich erinnere an viele Interventionen, Förderprogramme und Angebote an Kitas, in denen Fachkräfte von außen große Rollen spielen. Da tummeln sich Ernährungs“experten“ und gerne auch Übungsleiter und -leiterinnen, die die Kinder beturnen oder mit ihnen sonstwie irgendwelche Faxen machen, von Kinderyoga bis Atemübungen. Gut, wenn wir jetzt auch ein bisschen breiter über die Expertenrolle reden.

Im Kontext von OP heisst es da jetzt zuweilen: OP sei ja gar nicht wissenschaftlich untersucht. Als sei das das eigentliche Problem. Welche pädagogische Methode ist denn wissenschaftlich wirklich abgesichert? Die Reggio-Pädagogik? Die Pikler-Pädagogik? Die Montessori-Pädagogik? Die Sprachförderung nach xy oder yz? Das Ernährungskonzept der Krankenkasse xy? Die Bewegungsprogramme für Kitas? Sind Waldorfschulen evaluiert? Sind Staatsschulen evaluiert? Im Vergleich zu was denn? Wirklich, wir reden hier von Fehlanzeigen. Nicht weil Wissenschaft in der Pädagogik nichts zu suchen hätte, sondern weil Wissenschaft im freien pädagogischen Feld eine Herkulesarbeit ist. Da müssen Kinder durch Zufall auf bestimmte Methoden verteilt werden (nicht unmöglich, aber schwierig), da müssen Effekte über Jahre gemessen werden (nicht unmöglich, aber schwierig) und da müssen große Zahlen von Probanden untersucht werden (nicht unmöglich, aber teuer). Und da müssen teilweise Fortschritte gemessen werden, die sich nur schwer messen lassen (etwa Persönlichkeitsdimensionen). Wir haben vor ein paar Jahren einmal ein großes Bewegungsprogramm an Kitas mit größtem methodischem Aufwand evaluiert, das hat drei Jahre gedauert und eine halbe Million Euro gekostet. Herausgekommen ist, je nach Blickwinkel, nach links oder nach rechts gerührter Kaffeesatz. Also OP mag viel vorzuwerfen sein, aber die mangelde wissenschaftliche Grundierung teilt es auch mit großmächtigen Projekten, die tagtäglich an tausenden von deutschen Kitas laufen. Vielleicht sind für die Bewertung von pädagogischen Dingen ein paar Grundregeln akkurater (und billiger):

Kinder lernen, indem sie bedeutsame Beziehungen ausgestalten. Ob zu Großen oder Kleinen. Sie lernen, wenn es ihnen gut geht – wenn sie sich also sicher, anerkannt und zugehörig fühlen. Sie lernen, wenn sie nicht überfordert und nicht unterfordert sind. Sie lernen, wenn sie leuchtende Augen haben.

Also wäre diese Diskussion doch eigentlich ein guter Anlass um noch ein paar weitere Fragen zu stellen: Die jetzt oft pauschal vom Missbrauchsverdacht her argumentierenden Kritiker von OP könnten sich fragen, wie Kinder dann trotzdem zu ihrem Recht aufs Balgen kommen. Und die Anhänger von OP könnten sich fragen, ob sie dieses Konzept nicht zuerst von den vielen Schichten von Esoterik und Hoffnungen auf die eigene Entwicklung erlösen müssen bevor sie ernsthaft damit weiter machen.

Dieser Beitrag beruht auf dem Buch des Kinderarztes und Wissenschaftlers Dr. Herbert Renz-Polster: „Kinder verstehen. Born to be wild - wie die Evolution unsere Kinder prägt". Es beschreibt die Entwicklung der Kinder aus dem Blickwinkel der evolutionären Verhaltensforschung.
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10 Kommentare

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  • Florence Holzner

    Ich finde die gesamte debatte erschreckend. In der katholischen kirche verbringen auch ältere, rundliche, nicht pädagogisch ausgebildete menschen zeit alleine mit kindern. Manchmal mit bedenklichem vorfällen. Und trotzdem würden wir nie die jungschar oder das ministrieren verbieten! Hilfe, wozu diese grausame hetze, frage ich mich!

  • Hans Brügelmann

    Danke für diesen wieder mal hilfreich differenzierenden Beitrag – statt Schwarz vs. Weiß.

  • Christian

    Ganz herzlichen Dank für diesen gut durchdachten und nachvollziehbaren, strukturierten Blog-Artikel!

  • Anna Wesener

    Danke für Ihren erfahrungs- und wissensreichen Beitrag, Danke für Ihr differenzierendes Denken und Betrachten und dafür, das Thema „Balgen und Raufen“ (= Bewegung, Ausprobieren, Kontakt, Experimentieren, Respekt, Unterschiede, Gleichwürdigkeit, Resilienz lernen…) in den Rahmen kindlicher Entwicklung und in den gesellschaftlichen Zusammenhang von Erziehung und Beziehung von Kindern und Erwachsenen zu rücken – und Danke für Ihre herzerwärmende, lebenserfahrene Menschlichkeit! (Jemanden mit solcher Herangehensweise und mit solchem Wissen wünsche ich mir an einer Schaltstelle im bundesdeutschen Bildungsbereich)

    • Welli

      Dem kann ich mich nur anschließen.

  • Uwe Reisenauet

    Vielen Dank für ihre differenzierte Sichtweise, ein Lichtblick in der Wüste von Vorverurteilungen. Ich bin kein Esoteriker und praktiziere Original Play seit 15 Jahren in unterschiedlichsten pädagogischen Zusammenhängen. Und meine Erfahrung entspricht genau ihren Worten. In einem sicheren Raum und in einer gewachsenen Beziehung lernen Kinder spielend und nachhaltig. Meine professionelle Sicherheit im Umgang mit dem eigenen Körper durch die langjährige Erfahrung als spielender Erwachsener ermöglicht dabei eine schnellere Sicherheit und Vertrautheit mit Kindern, was von aussen als befremdlich wahrgenommen werden kann.

    • Martina Rohrbach

      Auch ich danke für diesen Diskurs mit vielen differenzierten Perspektiven der Betrachtung. Zwei Aspekte fehlen mir noch. Wann immer eine Methode, für die ausgebildet und die eingekauft werden muss, als Geschäftsmodell daher kommt, bin ich skeptisch, insbesondere, wenn sie esoterisch verbrämt ist und quasi eine universelle Richtigkeit für sich beansprucht.
      Der andere ist, dass Kinder, wenn sie nicht in gewachsenen, vertrauten Beziehungen herumtollen, im nahen Kontakt mit Fremden, für eventuell spätere missbräuchliche Situationen vorbereitet werden. Wenn sich eine Einrichtung für OP entscheidet, werden dann wirklich alle Grenzen der Kinder beachtet? Dürfen sie STOPP sagen oder wird eine Verführbarkeit, sich mit Fremden einzulassen, angelegt, die alle anderen Präventionsmaßnahmen für Übergriffigkeit konterkariert?

  • Steve Heitzer

    Ich integriere OP selbst seit 15Jahren in meine pädagogische Praxis und biete es auch in Einrichtungen an. Danke für die vielen Richtigstellungen und Einordnungen etwa hinsichtlich Wissenschaftlichkeit etc.!! Dennoch gibt es mindestens 3 Dinge, die weiterhin unsere Arbeit unnötig diskreditieren:
    1.Es gibt kein „Geschäftsmodell“ in der Art, dass wir oder Fred Donaldson sich hier eine goldene Nase verdienen würden. Bei unserem Stundlohn ist dieser Begriff ein Witz. Auch bekommt Fred davon keinen Cent, sollte das mitgemeint sein, etwa auch bei dem leidigen „Sekten“-Vorwurf.
    2.“Esoterisch“ ist auch so ein wunderbarer Begriff, eine Arbeit oder Erfahrung zu diskreditieren. Freds Buch ist weit weniger „esoterisch“ als etwa Rudolf Steiner und die Waldorfpädagogik. Eher halte ich es vergleichbar mit Maria Montessori, die auch ihre spirituelle Haltung hinter ihrer Arbeit nicht verborgen hat.
    3. Mystische Erfahrungen hat es immer gegeben, wie sie immer auch in Frage gestellt werden können. Das ist in Freds Fall nicht anders. Dennoch kann man mit OP wunderbar „nüchtern“ und boden(!)ständig arbeiten.
    Lieber Herbert Renz-Polster, wer so viel Zeit wie wir auf dem Boden verbringt, hebt nur selten ab, keine Sorge. Ich sehe keine esoterischen Schichten, die ich abtragen müsste, und nicht mehr „Hoffnung auf meine eigene Entwicklung“ als es in dem Motto „Mit Kindern wachsen“ beinhaltet ist. Wenn mit Kindern leben und arbeiten kein Übungsweg ist, an dem wir selbst reifen, was dann? Schade, dass hier immer noch so viel Eigennutz und unlautere Motive hineininterpretiert werden.

  • Barbara Titz

    Vielen Dank für diesen Beitrag.
    Wieder einmal sehr hilfreich, um im allgemeinen Medien Informationschaos differenziert und objektiv ein Trendthema neutral zu erklären und zu durchleuchten.

  • Theresa

    Herzlichen Dank für Ihren Artikel, HRP! Mich macht es sehr wütend, dass bzgl. des Filmes „Elternschule“ die psychische Gewalt gegen Kinder von der breiten Öffentlichkeit nicht als solche bewertet wird, aber bei OP pauschal das Kindeswohl in Gefahr gesehen wird. Da frage ich mich, worum es den Bewertenden eigentlich geht? Wirklich um die Kinder?

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