Kommentar23. Dezember 2020

Mein Gruss zu Weihnachten

Ich will heute meinen LeserInnen auf diesem Blog eine gute Weihnachtszeit wünschen. Sie fühlt sich für mich gerade noch seltsam an, aber das wird schon. Es soll bei uns im Allgäu bald schneien. Das erste Mal an Weihnachten seit sehr vielen Jahren. Vielleicht hat sich das Klima ja wieder ein bisschen eingerenkt.

Schon gut, ich zweifle dran, aber das passt zu dem Jahr. Pandemie-Jahr. Nichts Stimmiges, nur Zwickmühlen. Wenn es Erfolge gab, dann nur verbunden mit schlimmen Kosten. Ja, man versucht die Intensivstationen vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Gut. Dafür muss man anderen die Arschkarte geben, die verlieren ihre wirtschaftliche Existenz. Immer nur Lösungen, die keine sind oder hinten und vorne nicht aufgehen. Und sich auch immer falsch anfühlen. Je nachdem, von welcher Seite man sie betrachtet. Ein Durcheinander wie in den griechischen Göttersagen. Anders als damals ist jetzt aber immer jemand schuld. Diejenigen nämlich, die die Entscheidungen treffen oder zu verantworten haben. Und die dann auch noch in einem weiteren Pandemie-Dilemma stecken: Dass sie nämlich an guten Tagen handeln müsse, um schlechte Tage zu verhindern. Die zum Beispiel die Bremse ziehen, wenn die Intensivstationen halb leer sind. Jeden Tag Steilvorlagen, um mal endlich auf den Tisch zu hauen.

Ja, ich verstehe, dass man gegen eine solche brutale Realität aufbegehrt, wirklich. Aber dass es so lief, wie es lief, das hat mich dann doch erschüttert: Nein, es gibt gar keine Pandemie. Nein, das Virus ist nicht schlimm, eine Art Grippe. Ach was, ein Schnupfen. Ausserdem sind die meisten von uns  bereits immun. Wenn Leute daran sterben, dann weil die Ärzte sie nicht richtig behandeln. Oder weil sie sowieso sterbenskrank sind. Oder zu dick. Oder weil sie durch die Pandemiemaßnahmen krank geworden sind. Niemand stirbt an COVID. Ausserdem müssen wir alle mal sterben. Und schaut doch hin, die verarschen uns: Wo sind denn die vielen Toten, von denen die Rede war?

Wirklich, ein Hauch von Mittelalter. Und er hat vor diesem Blog nicht Halt gemacht. Auf einen Beitrag zur Corona Frage (zu einer recht simplen Frage zudem, nämlich, wie schlimm COVID im Vergleich zur Grippe ist) habe ich 1000 (ja: tausend) Kommentare  bekommen. Sehr viele davon als Angriffe auf mich als Arzt oder als Person formuliert. Ich bekomme seither regelmäßig anonyme Zuschriften, teilweise mit Drohungen, wegen der ich mich schon an die Polizei wenden musste.

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Im Mai 2020 erklärt der Vordenker der Corona-Skeptiker, ein ehemaliger Mikrobiologe, allen Ernstes, die Epidemie sei jetzt „definitiv“ vorbei. Eine zweite Welle werde es nicht geben, das sei schon von unserem Immunsystem her ausgeschlossen. Die Maßnahmen gegen die Pandemie seien deshalb Freiheitsberaubung. Kein Wunder haben die Leute dann eine Wut im Bauch, wenn sie von solchen Spaßvögeln mit Professoren-Titeln gefüttert werden.

Noch mal: ich verstehe, dass man gegen eine derart beschissene Realität aufbegehrt, wie die Pandemie sie darstellt. Und ich bin der letzte, der nicht auf Fehler hinweist. Die sind passiert (für mich der schlimmste Fehler war 2020 die komplett falsche Voraussage des Pandemieverlaufs in den Entwicklungsländern). Und sie passieren weiter (etwa die undifferenzierten Empfehlungen zum Maskentragen in den Schulen oder auch die oft autoritäre Durchsetzung von Regeln und Geboten).

Aber wie verzweifelt muss man sein, wenn man meint, man könne sich dagegen wehren oder zu einer Besserung beitragen, indem man einfach alternative Fakten zusammenträgt. Solche Barrikaden halten doch nicht! Oder wenn man sich irgendwelchen Ayatollahs an die Brust wirft, die einem ein X für ein U vormachen. Und wenn man das dann auch noch bejubelt.

Ich vermute leider, dass dies nächstes Jahr noch schlimmer werden wird. Viele haben sich durch ihren Kampf Heldenstatus erworben. Die werden nicht wieder zu Horst Maiers oder Lischen Müllers werden wollen. Denn das ist mir zuletzt auch immer klarer geworden: Wir unterschätzen die tieferen Strömungen dieser Pandemie, da werden in Wirklichkeit ja auch die Leckereien des guten Lebens gehandelt: Sinn, Bedeutung, die Intensität des Lebens. Rare Dinge – unser Zeitalter wird ja nicht umsonst „postheroisch“ genannt. Da fürchte ich, dass für manchen der Entzug schlimmer sein wird als die Pandemie, wenn dieses Theater mal vorbei ist.

Jedenfalls, wenn ich die Plakate auf den Querdenken-Demos sehe, auf denen Wissenschaftler in Häftlingskleidern zu sehen sind, wird mir übel. Ich kann nur jede(n) bitten, sich aktiv von Gewaltphantasien jeder Art zu distanzieren – egal wo Ihr steht (mein Wunsch zu Weihnachten).

Und apropopo: Ich will auf keinen Fall das Positive vergessen, das diese Zeit auch enthält, und das vielleicht langfristiger wirkt als das Pandemie-Durcheinander:

  • … ohne „Corona“ wäre Donald Trump noch immer der Führer der westlichen Welt – und was in den nächsten 4 Jahren auf uns zugekommen wäre, ich will es mir gar nicht ausdenken
  • … die Pandemie hat den langsamen Marsch aus dem fossilen Zeitalter beschleunigt und wird uns vielleicht einen Impuls liefern, um der viel tiefer gehenden Bedrohung des menschlichen Lebens durch den Klimawandel mit mehr Dringlichkeit zu betrachten. Ich weiß es nicht, ob das stimmt, ich hoffe es. Beziehungsweise glaube daran 😉
  • … und ja, ich staune über den menschlichen Erfindergeist – dass wir so schnell Mittel gefunden haben, um dann vielleicht doch ohne größere Schäden aus der Pandemie herauszukommen. Wir werden das hinter uns bringen, da bin ich sicher (mit Ruckeln und Zuckeln, auch das Impfthema ist nicht gerade unterkomplex).
  • … gefreut habe ich mich dieses Jahr über das Ende der „Elternschule“. Die psychosomatische Abteilung der Kinderklinik Buer in Gelsenkirchen wurde geschlossen, die Patienten blieben weg. Isch over. So was passiert, wenn man zu viele Lügen verbreitet. Jedenfalls langfristig. Und wenn genug Leute nachbohren.

Was ich mir für 2021 wünsche? Dass wir das mit den Fehlern besser hinkriegen, dass wir da offener werden. Fehler passieren, das ist menschlich und normal. In der Wissenschaft sowieso, da liegt in jeder Erkenntnis schon wieder der nächste Fehler. Und in einer sich rasch entwickelnden Pandemie mit einem noch nie da gewesenen Virus? Da passieren keine Fehler? Ich verstehe nicht, warum Menschen, die sich selber ernst nehmen, nicht hinstehen können und zu ihren Fehlern stehen. Vielleicht ist das in einer Leistungsgesellschaft einfach nicht vorgesehen.

Aber ehrlich gesagt: Wir brauchen keine Helden. Den Alles-Checkern mit ihrem trockenen Fell zuzuhören ist vergeudete Zeit. Wir brauchen Menschen, die lernen können.

Was das neue Jahr bringen wird? Es ist viel die Rede von den Folgen der Pandemie auf die Kinder, zurecht. Anders als andere bin ich nicht der Meinung, dass jetzt pauschal eine „verlorene Generation“ entstanden ist. Oder gar eine, die nun gelernt hat ihre Bedürfnisse zu unterdrücken. Ja, manche Kinder haben schwer gelitten, und manche haben auch seelische Verletzungen erlitten. Aber die meisten Kinder haben sich in der Pandemie nicht verloren. Ja, sie haben sich an ganz Neues anpassen müssen. Aber das können Kinder. Sie werden wieder Schwung bekommen. Ich jedenfalls will Eltern ermutigen, nicht auch noch diese Angst auf sich zu laden.

Symbolisch für den nicht unterzukriegenden Schwung der Kinder steht für mich die Meldung von einem Buddelloch. Da haben Kinder auf einem Spielplatz in Oberhausen mitten in der Pandemie ein 2 Meter tiefes Loch gegraben (und bestimmt auch ein bisschen Gold gefunden oder zumindest einen Wikinger-Schatz). Ja, das steht für mich für eine Hoffung: Die Kinder werden graben, sie werden ihrem Entwicklungstrieb folgen – wenn wir sie nur lassen.

Mein Wunsch wäre deshalb, dass wir sie darin bestärken. Dass wir in den Kitas und den Schulen eben nicht einfach wieder zum alten Programm zurückkehren: bewerten, benoten, über Stöckchen springen lassen. Toll bist Du, und raus bist Du. Die Kinder haben gut mitgemacht, sie haben Verantwortung übernommen, sie haben zum Teil auch die überzogenen Ängste der Erwachsenen ausbaden müssen. Sie brauchen jetzt Kitas und Schulen, die sie auf der Spur zurück ins Leben begleiten und dadurch die Pandemiezeiten „überwachsen“ lassen. Das geht nicht mit einem starren Blick auf den Lehrplan, sondern mit einem offenen Blick auf die Kinder, die da den Tag mit einem teilen. Mit einem Blick auf Ihre Rechte. Ihre Entwicklungsrechte.

Mit einem Blick auf die vielen Buddellöcher, die sie Sie jetzt ausheben müssen, auf ihre Art.

Ich wünsche meinen LeserInnen eine besinnliche Weihnachtszeit und ein gutes 2021

Herbert Renz-Polster

25 Kommentare

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  • Ursula Borlinghaus

    Lieber Herr Renz-Polster,

    Vielen Dank für die durchdachte Zusammenfassung dieses verrückten Jahres. Weil sie so viele richtige Einsichten und so viel selbst reflektierte Wahrheiten enthält, würde ich sie ganz gerne so manchem „leckerreienverwöhnten“ Familienmitglied zu lesen geben. Würde es ankommen? Will man solche tiefer wirkenden Wahrheiten lesen?
    Vermutlich muss man doch eine Neigung zur gezielten Persönlichkeitsentwicklung und Selbstreflexion besitzen.

    Es tut mir leid, zu lesen, dass Sie so massive negative Reaktionen erfahren müssen. Daran sieht man aber, Ihre Arbeit bewirkt etwas!

    Ich freue mich sehr über Ihre positive Beobachtung des kindlichen Verhaltens. Auch ich sehe dort Stärke und Anpassungsfähigkeit der Kinder als Grundschulehrerin. Die Kinder bringen alle so viel gutes Potential mit, diese Krise zu stemmen.

    Ich wünsche mir mehr als alles andere, dass wir als Bildungssytem die Fehler der Vergangenheit reflektieren und die guten Erlebnisse des Lockdowns nicht als Ausnahme ansehen, sondern als mögliche Besserung erkennen.

    Vielen Dank noch einmal für die positiven Ausblicke und die hoffnungsvollen Worte.
    Das ist eine wirklich gute Einstimmung auf das Weihnachtsfest.

    Alles Gute Ihnen und Ihren Liebsten.
    Ich freue mich auf Ihre Beiträge im kommenden Jahr!
    Herzliche Grüße
    Ursula Borlinghaus

  • C. Knöfel

    Lieber Herr Renz- Polster,

    ich wünsche Ihnen und ihrer Familie ein Frohes Fest! Ich danke Ihnen für die informativen und immer zugewandten, herzlichen Beiträge dieses ver-rückten Jahres.
    Besonders gefiel mir letztlich die Gegenüberstellung der Corona- Skeptiker als Bewohner unterschiedlicher „Planeten“.

  • Christine Rauck

    Lieber Herr Dr. Renz-Polster.
    Danke für Ihre Zeilen. Ich arbeite in einem Schülerhort und habe den Eindruck, dass die Kinder mit dem Virus und allem, was damit zu tun hat, recht souverän umgehen.
    Nun hoffe ich, dass die Menschen über Weihnachten vernünftig sind und die Zahlen endlich wieder sinken.
    Ihnen und Ihrer Familie ein frohes Weihnachtsfest und herzliche Grüße aus dem Westallgäu ins Oberschwäbiscche.
    Ch. Rauck

  • Thomas Döpp

    Lieber Herbert Renz-Polster,
    vielen Dank für diese sehr tollen und empathischen Worte!
    Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben ein Frohes Weihnachtsfest und ein gesundes Neues Jahr!
    LG Thomas Döpp

  • Herbert Grill

    … gut gesagt!
    … phantastisch!
    … für sie und ihre Familie ein schönes Weihnachten und ein gigantisches Jahr 2021… guten Rutsch!

  • Hans Brügelmann

    Danke,
    Ihr ermutigenden Worte tun gut.
    Auch Ihnen wünsche ich einige erholsame Tage
    hans brügelmann

  • Kerstin D.

    Lieber Herr Renz-Polster,
    vielen Dank für Ihre Zusammenfassung dieses turbulenten Jahres. Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich ruhige Weihnachtstage, einen guten Rutsch ins neue Jahr und uns allen ein hoffentlich weniger kinderfeindliches 2021.
    Besonders die Familien haben dieses Jahr oft herausragendes geleistet. Danke, dass Sie immer wieder daran erinnern.
    Herzliche Grüße
    Kerstin D.

  • Conny Richter

    Lieber Herbert Renz-Polster,

    vielen Dank für Ihre weitere so wunderbar bereichernde Arbeit wie mit diesem Blogeintrag! Durch Ihre Beiträge war die Pandemie bislang erträglicher. Mir hilft ihre Einschätzung der Lage in Bezug auf die Kinder auch in meiner Arbeit (Fachberatung für Kindertageseinrichtungen) sehr. Ich wünsche Ihnen so schöne Feiertage, wie es zur Zeit eben geht. Alles Gute, Gesundheit und weiterhin soviel Freude an Ihrer Arbeit und der Bereitschaft diese so warm und humorvoll zu teilen! Sie sind wirklich eine sehr wertvolle Bereicherung! Beste Grüße Conny

  • Patrizia Küber

    Vielen Dank für ihren Gruß zu Weihnachten.

    Wir immer sachlich und kompetent.

    Es tut mir sehr leid für ihre Familie das sie Drohungen erhalten haben. Tragisch das wir ach so fortschrittliche Menschen manchmal sehr weit zurück fallen.

    Und ich bin sehr gespannt wann der Regen zu Schnee wird.
    Grüße aus wangen

  • Katja

    Herzlichen Dank für Ihre wertvolle Arbeit, lieber Herr Renz-Polster. Ihnen und Ihrer Familie fröhliche Weihnachten und alles Gute für 2021.

  • Marie

    Genau das meinte ich. Die Leute drehen durch, auf beiden Seiten. Und das ist wirklich nicht in Ordnung. Wie soll die Gesellschaft unter diesen Umständen sinnvolle Lösungen finden? Es tut mir sehr Leid für Sie u Ihre Familie u ich hoffe Sie haben trotzdem frohe Feiertage.

  • Friedrich Pagel

    Danke!
    Ihnen und allen Lesern hier ein Frohes Fest und einen Guten Rutsch.

  • Beatrix Schumacher

    Lieber Herr Renz-Polster,

    Danke Ihnen für Ihre Beiträge – diese waren für mich in diesem Jahr so hilfreich und unterstützend!

    Auch Ihnen und Ihrer Familie eine gute Zeit und Zuversicht für das neue Jahr.
    Herzlich grüßt Beatrix Schumacher

  • Andreas Baumann

    Lieber Herr Renz-Polster,

    wie immer sprechen Sie mir mit diesem Artikel aus der Seele.
    Danke für Ihre Lebenszeit und -energie, die Sie einsetzen um diese Einsichten mit uns zu teilen.
    Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie besinnliche und ruhige Weihnachtstage.

    „Was keiner wagt, das sollt ihr wagen
    Was keiner sagt, das sagt heraus
    Was keiner denkt, das wagt zu denken
    Was keiner anfängt, das führt aus!
    Wenn keiner ja sagt, sollt ihr`s sagen
    Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein
    Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben
    Wenn alle mittun, steht allein!
    Wo alle loben habt Bedenken
    Wo alle spotten, spottet nicht
    Wo alle geizen, wagt zu schenken
    Wo alles dunkel ist, macht Licht!“ Reinhard Mey

  • Uwe Reisenauer

    Vielen Dank für diesen sehr versöhnlichen Jahresausklang. Ich freue mich, im Neuen Jahr weiter von Ihnen zu lesen, und wünsche Ihnen alles Gute.

  • alexandra köbele

    lieber herbert renz-polster,
    ich danke ihnen, sehr angerührt und wie so oft in so vielem das gleiche denkend
    eine gute zeit ihnen, jetzt und für 2021!
    liebste grüße
    alexandra köbele

  • Steffi T.

    Sehr geehrter Herr Renz-Polster,

    ein besinnliches Weihnachtsfest wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie und dass Sie gerade heuer den wahren Geist der Weihnachten ganz intensiv spüren.

    Ihr Beitrag hat mich tief berührt, v.a. was Sie zum Schluss über die tollen Fähigkeiten unserer Kinder geschrieben haben.
    Auch ich habe das bei all den Kindern beobachtet, mit denen ich zu tun habe. Sie lassen sich nicht unterkriegen, wacker stiefeln sie weiter mit einem ungebrochenen Optimismus und dem großen Spaß daran, die Welt zu entdecken und sich diese zu erobern.

    An Tagen an denen mich diese Pandemie sehr bedrückt oder ich mir Sorgen mache, wie es nun für uns als Familie weitergeht, da schaue ich meinen beiden Kindern zu. Ich schaue zu, wie sie draußen an der Feuerschale unbezwingbare Zauberschwerter „schmieden“, sich ohne Angst magischen Mächten entgegenstellen und trotz Meinungsverschiedenheiten immer wieder Wege finden, ein gemeinsames Spiel zu spielen. Das ist fantastisch und da können wir Erwachsene doch etwas dabei lernen. Wir müssen aber auch aufpassen, dass wir unseren Kindern diesen Optimismus und Entdeckerwillen nicht abtrainieren.

    Ich bin fest überzeugt, dass wir keine verlorene Generation haben. Wieviele Kinder sind in die Wirren des 2. Weltkriegs hineingeboren worden und haben danach ihr Land wieder mit aufgebaut? All diese Kinder haben viel schrecklichere Dinge ausgehalten, als diese Pandemie für uns hier in Europa bereithält.

    So blicke ich voll Zuversicht nach vorne und wünsche Ihnen allen ein sich positiv entwickelndes Jahr 2021.

    • H. Schmitt

      Liebe Steffi,

      ich finde es großartig, dass Sie so an das Positive glauben. Ich denke, dass ist auch sehr wichtig derzeit. Und wir Menschen sind in der Lage, uns ans schier Unglaubliche anzupassen.

      Dennoch möchte ich auch sagen, dass gerade die Kriegskinder Traumen erlebt haben, die unsere Gesellschaft noch heute beschäftigen. Ich habe mich mit dem Thema intensiv beschäftigt, viele Bücher dazu gelesen und komme selbst aus einer Familie, in der mein Opa aus russischer Gefangenschaft nach dem Krieg als gebrochener Mensch zurückgekommen ist. Er wurde Alkoholiker und hatte schreckliche Alpträume. Was das für die Generationen danach bedeutet, ist sehr vielschichtig, bringt so viel Leid und darf man nach meinem Empfinden auf keinen Fall verklären.

      Auch bin ich persönlich nicht so ganz davon überzeugt, dass die Kinder durch Corna nicht auch andere Traumen erleben, die wir im Moment noch gar nicht greifen können. Mich hat sehr die Dokumentation von Arte erschüttert:

      https://www.arte.tv/de/videos/098118-000-A/corona-sicherheit-kontra-freiheit/

      Hier werden die Länder Frankreich, Schweden und Deutschland bezüglich Corona miteinander verglichen und was dort die Kinder aus Deutschland mitteilen, hat mich sehr traurig gemacht. Ich persönlich sehe immer wieder auch Kinder ganz allein auf dem Weg nach Hause von der Schule eine Maske tragen, das finde ich sehr verstörend. Und letztens auf dem Spielplatz kamen zwei Grundschulkinder, die Ball spielten und dabei nur am Flitzen waren. Sie beide trugen dabei Masken und stöhnten und schnauften mit roten Gesichtern. Der Anblick hat mich schockiert, wie sie so sicht- und hörbar nach Luft rangen.

      Ich wünsche uns allen, dass wir gute Lösungen finden werden, die unsere Kinder schützen und dass auch die Menschen für die Kinder aufstehen. Denn weitere längere Schließungen von Schulen wären aus meiner Sicht nicht gesund für unsere Gesellschaft, doch auch darüber kann man unterschiedlicher Ansicht sein. Kleinere Klassen, Belüftungsanlagen, Plexiglaswände, es muss doch Möglichkeiten geben, unseren Kindern ihren Alltag so weit es geht, aufrechtzuerhalten.

      Dafür hoffe ich auf das nächste Jahr, dass hier die Stimmen lauter werden, die nach Lösungen rufen!

  • Steffi T.

    Ach und zu Trump fällt mir noch eine Anekdote ein im Sinne von „Kindermund tut Wahrheit kund“:

    Da mein Mann Amerikaner ist, haben wir uns in den letzten Jahren häufig über dessen Politik den Kopf zerbrochen. Auch unsere Kinder bekamen das wohl mit. Eines Tages fragte mich meine Tochter: „Mama, der Name Trump kommt der von Tramp’l?“ Tramp’l ist in meiner Oberpfälzer Heimat ein Begriff für einen lauten, unhöflichen und groben Menschen.

  • Marissa

    Danke für alles und bleiben Sie gesund!

  • Johanna

    Ich hatte die Spiegel-Schlagzeile über das große Loch auch gelesen und war dann etwas enttäuscht, dass nur von Gefahr die Rede war. Heimlich war ich voll Bewunderung für den Teamgeist,die Energie und die Fantasie, die zu so einem riesen Loch geführt hat.

  • Tobias Martinez

    Vielen Dank Herr Renz-Polster für Ihre (positive und konstruktive) Energie, die Sie in Ihr Herzensanliegen stecken. Mich begleiten Ihre Blogs und Bücher nun schon eine Weile.
    Was mir etwas fehlt bzw. was ich mir bzgl. der Corona(-Maßnahmen)-Einschätzungen von Ihnen wünsche wäre, dass ich auch von Fehleinschätzungen von Ihnen lesen könnte (da ich mir nicht vorsellen kann, dass alle Ihrer Einschätzungen richtig waren). Dies würde Ihre Glaubwürdigkeit in meinen Augen erhöhen und mir helfen, in dieser Vielfalt an Einschätzungen den richtigen zu folgen.
    Haben Sie ein tolles Neues Jahr mit Ihrer Familie und Ihren Enkeln!

  • Julia

    Schön formuliert. Da fühle ich mich verstanden.
    An allem Negativen kann man oder sollte man versuchen etwas Positives zu finden
    oder es ins Positive wandeln zu können.
    Auch wenn es schwer erscheint.
    Wer Krisen übersteht, wächst daran und wird resilienter.
    Auch Kinder können das (von ihren Eltern) lernen.
    Bei allem Negativen durch Corona, gibt es so viel Positives zu entdecken:
    Nicht nur die Natur hat sich erholt…
    Menschen müssen sich besinnen und zur Ruhe kommen.
    Sie müssen sich mit sich selbst beschäftigen.
    Sie müssen sich mit ihren Kindern beschäftigen.
    Sie müssen kreativ sein und flexibel.
    Sie müssen in die Natur gehen (weil alles andere geschlossen hat).
    Sie müssen verzichten und sich über kleine Dinge freuen können.
    Sie müssen sich selbst versorgen und kochen lernen,
    weil Kantinen und Restaurants geschlossen haben.
    Sie müssen sich auf wenige Sozialkontakte beschränken,
    vielleicht sind es die, die ihnen wirklich gut tuen.
    Sie fahren nicht in den Urlaub, sondern lernen die eigene Umgebung kennen.
    Mir fällt dazu noch Vieles ein und eins ist mir ganz besonders aufgefallen:
    Seit über 30 Jahren gehe ich regelmäßig an unterschiedlichen Wegen in Wald und Feld mit Hund spazieren. Noch nie habe ich so viele Spaziergänger, Radfahrer und Jogger gesehen! Und:
    Noch nie habe ich so viele Familien mit Kindern
    im Wald gesehen!
    Väter die mit Kindern joggen, wandern, Drachen steigen lassen. Kinder mit Fahrrad, Roller, Drohnen, ferngesteuerten Fahrzeugen. Jede Menge Kinderwagen und Eltern, die ihre Säuglinge umgebunden haben und wandern gehen.
    Familien, die Pinick machen oder sapnnende Suchspiele im Wald organisieren, selbst in der Kälte.
    Mein Eindruck ist, dass ganz viele Kinder einen Teil der Natur kennenlernen, in deren Genuss sie ohne Corona niemals gekommen wären, weil viele Eltern mit ihren Kindern entweder keinen Zugang dazu haben oder schlicht und einfach ansonsten genügend anderes Programm für ihre Kinder haben.
    Das freut mich wirklich sehr für diese Kinder, obwohl die Spaziergänge für mich persönlich, längst nicht mehr so entspannt sind, wie vor Corona.
    Julia

  • H. Schmitt

    Und wir schliefen, als unsere Kinder
    träumten im allerletzten Traum:
    ein Lächeln von uns und ein mutiger Schritt
    würde die Welt verändern.

    Aus „Wir schliefen“ von HEDWIG SAUTTER

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