Kommentar21. September 2022

Kinder wachsen in “Sprüngen” – Oje, ich zweifle!

Kaum ein Online-Portal, in dem nicht die „Entwicklungsspünge “ des Kindes erklärt werden. Die Entwicklung des Kindes verlaufe nicht linear, da seien immer wieder krisenhafte Perioden zu durchschreiten. In denen sei ein Kind besonders anhänglich, weinerlich und launisch. Anstrengend eben. Kein Wunder schauen Eltern als erstes auf den Kalender, wenn ihr Kind mehr quengelt als sonst oder schlechter schläft! Was ist dran an diesen "Sprüngen"?

Das Schöne an der Wissenschaft ist, dass sie Spaß macht. Mir jedenfalls. Und so schaue ich mir immer einmal wieder die Behauptungen an, die da den Eltern vorgesetzt werden: Wo kommen die her? Auf welche „Wissenschaft“ gründen die sich?

So zuletzt auch das Konzept der „Sprünge“. Heute ganz klar Teil der gängigen Elternschaftsfolklore. Auf Hunderten von Webseiten beschrieben und abgefeiert (die folgende Grafik habe ich hier gefunden; sie ist so lächerlich, dass ich hoffe, man kann sie nicht richtig lesen, aber angeblich geht so “baby know how”.)

Die Wissenschaft hat festgestellt

Angeblich sind zumindest die Zeitangaben in dieser Tabelle keineswegs aus der Luft gegriffen. Sie beruhen nämlich auf: wissenschaftlichen Studien! Und es gibt sogar ein Buch dazu! Die kindliche Entwicklung, so hat das niederländische Psychologen-Ehepaar Hedwig H.C. Van De Rijt-Plooij und Frans X. Plooij bei ihren Arbeiten herausgefunden, verlaufe nämlich in Sprüngen, die etwa eine Woche dauern – manchmal auch etwas länger. Und diese “Sprünge” passierten bei den Kindern alle in etwa zur gleichen Zeit! Der erste Wachstumsschub beginnt mit der 5. Woche, der zweite mit der 8. Woche, dann geht es weiter in Woche 12, 19, 26, 37, 46 und 55.

Passt das zur kindlichen Entwicklung?

Klingt wie ein sauber geschmiertes Uhrwerk, diese kindliche Entwicklung. Nur: mir persönlich scheint so ein klarer Plan zunächst einmal überraschend. Denn wenn ich eines über Kinder und Familien weiss, dann dass die Kinder sich in so ziemlich allem unterscheiden. Die Entwicklung von Mädchen etwa folgt einem anderen Drehbuch als die von Jungs (nur zur Erinnerung: das durchschnittliche Mädchen ist in allen Domänen der Sozialentwicklung – die Sprache gehört dazu – einen ganzen Zahn dem durchschnittlichen Jungen voraus). Die Entwicklungsschritte eines reizoffenen, hoch sensiblen Babys verläuft anders als die eines ausgeglichenen “einfachen” Säuglings. Zahnen alle Kinder zur gleichen Zeit? Machen sie sich zur gleichen Zeit zum Sitzen startklar? Zum Krabbeln? Zum Laufen? Da sind ganze Wochen an Unterschieden drin, ja, sogar Monate.

Auch die äußeren Einflüsse und das Leben in den Familien unterscheidet sich ja bekanntlich ganz gewaltig. Das eine Kind wird zu einem Geschwisterle geboren, im einen Elternhaus herrscht Freude und Entspannung, im anderen Stress und Verzweiflung. Einmal muss eine Mama ganz allein für ein Baby sorgen, ein ander Mal ein ganzer Clan.

Und trotzdem springen alle zur gleichen Zeit?

Hmm.

Wissenschaftliche Arbeiten – an 15 Kindern

Aber das Besondere an dem Konzept ist ja angeblich, dass es “wissenschaftlich” bewiesen ist.

Schauen wir uns das einmal genauer an. Die ursprüngliche Studie, mit der Van De Rijt-Plooij und Frans Plooij das Konzept der “Phasen” entdeckt haben wollen, drehte sich gar nicht um “Entwicklungsphasen” sondern um Phasen der Vulnerabilität. Ausgangspunkt war die Hypothese, dass Säuglinge, wenn sie krank werden, dies möglicherweise nicht zu zufälligen Zeitpunkten tun, sondern in bestimmten Phasen der “Verletzlichkeit”. Diese Hypothese gründete sich auf Vorarbeiten, die die Autoren in den 1980er Jahren durchgeführt hatten – an Chimpanzen. Bei denen, so die Beobachtung, sei die Entwicklung charakterisiert von “größeren Reorganisationen des Verhaltens” in einem spezifischen Alter – und zwar mit 2, 5, 7, 11, and 18 Monaten. Solche Phasen der Reorganisation, so die Vermutung der Autoren, könnten auch bei menschlichen Säuglingen eine Rolle bei Krankheiten spielen. Und tatsächlich zeigte die Analyse der Krankheitstage bei 10 (!) Säuglingen, dass diese nicht gleichmäßig verteilt waren, sondern in manchen Monaten häufiger waren als in anderen. Whow.

In einer weiteren Studie ließ das Psychologenpaar dann 15 Mütter 20 Monate lang über das Verhalten ihrer Kinder Buch führen. Und dabei insbesondere beschreiben, an welchen Tagen sie ihre Babys als “schwierig” empfanden. Das waren – wenig verwunderlich – dann auch Phasen, in denen die Kinder mehr weinten oder schlecht schliefen.

Und siehe da – bei der Auswertung der gesammelten Daten zeigten sich Häufungen von “schwierigem” Verhalten zu bestimmten Zeiten. Nämlich “etwa um die Wochen 5, 8, 12, 17, 26, 36, 44, 52, 61-62 und 72-73”. Die “Regressionsphasen” des Kindes – positiv zu “Entwicklungssprüngen” gewendet – hatten jetzt ihren Stammplatz im Kalender.

Phasen der Mütter?

Wenn man die Diskussion dieser Phasen heute liest, dann lesen sich die Erklärungen wie eine Sammlung aller Theorien die zur damaligen Zeit en vogue waren: die Psychoanalyse, die Psychoneuroimmunologie, die Hirnforschung, die Soziobiologie. Aber mit keinem Wort wird auf eine nahe liegende Frage eingegangen: Beziehen sich die “schwierigen Phasen” vielleicht gar nicht auf das Baby, sondern auf die Mütter? Oder das System drumrum? Schließlich ist das Verhalten von Baby und Pflegeperson nach heutigem Verständnis miteinander verschaltet, Mutter und Baby sind schließlich ein “Entwicklungsdyade” – geht es dem einen Partner schlecht, so ist der andere gleich auch angeschlagen, und umgekehrt. Natürlich würden sich Phasen von Stress bei den Müttern dann auch bei deren Babys zeigen. Wächst vielleicht die Mutter-Kind-Beziehung in “Sprüngen”?

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Und die äußeren Einflüsse?

Auch eine andere Erkärung für die schwierigen Phasen “des Kindes” wird nicht diskutiert – die äußeren Einflüsse nämlich, die auf Kinder (und/oder ihre Eltern) einwirken. Das Ende des “Wochenbetts” etwa – in den 1980er Jahren noch eine eher reglementierte Sache. Oder die Impfungen, nach denen so manches Kind mal eine quengelige Phase hat. Oder die Vorsorgeuntersuchungen. Ja, auch das Abstillen, das Beifüttern – alles Ereigisse, die in den 1980er Jahren alle eher “nach Plan” abliefen und vielleicht für Durchhänger zu den in etwa gleichen Zeiten bei den Kindern hätten sorgen können.

Und wenn wir schon bei den äußeren Einflüssen sind – von den untersuchten Kindern wissen wir wenig. Ob sie etwa gestillt wurden oder nicht – keine Information. Ob sie bei ihren Eltern im Bett schliefen – keine Information (statistisch ist eher nicht davon auszugehen, wenn man an das typische Aufwachsen von Babys damals denkt). Für ein Konzept das heute auf alle möglichen sozialen Kontexte übertragen wird jedenfalls, ist das es ein bisschen schade, dass wir nur das wissen: es handelte sich um termingeborene Babys in einem als intakt beschriebenen Umfeld.

Überprüfung an anderen Gruppen: Mit der Wünschelrute unterwegs

Immerhin: das Konzept der “Sprünge” wurde dann von anderen PsychologInnen in eigenen Studien überprüft, wie es ja sein soll. Da gab es dann zum Beispiel eine Studie in Schweden – an 17 Säuglingen. Eine Studie in Katalonien – an 18 Säuglingen. Und eine Britische Studie an immerhin 30 Säuglingen – da wurden allerdings lediglich die Mütter per Telefon angerufen und zu möglichen Verhaltensauffälligkeiten bei ihren Säuglingen zu bestimmten Zeiten befragt.

Was in diesen “Studien” herauskam, ähnelt dem Blick der heutigen Eltern in den Kalender: „Irgendetwas“ passt immer – nur,  es passt nicht immer zusammen. Die eine Phase wird dann mal von 80% der untersuchten Kinder durchlaufen, da passt das Konzept der schwierigen Tage also ganz gut. Nur: bei der nächsten Phase sind dann nur 50% mit dabei. Und wieder andere passen nicht einmal auf auf ein Drittel der Kinder. Dafür fallen dann wieder neue, bisher nicht beschriebene „Phasen“ auf. Und keine dieser Studien entspricht in irgend einer Weise den heutigen Standards für robuste, vergleichende Forschung.

Ein Mondkalender der Entwicklung

Man kann das Konzept der  “Sprünge” also so zusammenfassen: Das Konzept, dass alle menschliche Säuglinge zur gleichen Zeit in bestimmten Entwicklungsphasen stecken, ist weder plausibel noch von solider Wissenschaft gestützt.

Das heisst nicht (man soll mich hier nicht missverstehen), dass Kinder nicht in Schüben wachsen (also einmal schneller, einmal langsamer), und es heisst auch nicht, dass sie nicht einmal zwei Schritte vorwärts und einen zurück machen. Nur, diese Phasen sind individuell, sie lassen sich nicht per Kalender bestimmen. Wenn es solche für alle Kinder gültigen, universellen, evolutionsbiologisch veranlagten Phasen gibt, dann dürften sie so stark von individuellen Einflüssen überlagert sein, dass sie sich in der Praxis kaum mehr erkennen und voraussagen lassen. Um eine solche biologische Variabilität der Entwicklung zu untersuchen, müsste man Tausende von Familien in unterschiedlichen Lebenskontexten untersuchen, und zwar mit objektiven Methoden (etwa mittels Messungen der Bewegungsmustern bzw. Schlafaktivität oder Herzfrequenz-Variabilität usw.).

Das Konzept der allgemein gültigen Entwicklungssprünge ist also ein bisschen wie der Mondkalender, nach dem sich manche die Haare schneiden lassen. Ja, es gibt sicher einen Einfluss des Mondes auf das Pflanzenwachstum, und unter manchen, hoch kontrollierten Bedingungen lässt sich dieser Einfluss wohl auch zeigen (bisher allerdings nur auf das Wachstum von Karotten). Aber wie die Tomaten bei dir zu Hause im Garten oder auf dem Balkon wachsen, das hat vor allem damit zu tun, welche Sorten du hast, wie du den Boden vorbereitet hast, wie viel du gießt (oder nicht gießt), was da sonst noch an Pflanzen drum herum wächst, wo Du wohnst, ob es ein warmer Sommer ist oder nicht. Und und und.

Antiquiert und trotzdem hilfreich?

Heisst das, dass das Konzept der Phasen nicht hilfreich ist? Natürlich nicht. Das Buch “Oje ich wachse” steht in vielen Familien im Regal, offenbar findet das Konzept der Sprünge also Anklang. Und verbreitet ja auch positive Botschaften, wenn es auch die immer gleiche ist: Dein Kind ist in einer Phase. Bitte durchhalten, das vergeht. Die Generation der Großeltern griff zu Arnica D6, heute werden die Tage am “Wachstumsschub-Kalender” runtergezählt:

“Im Wachstumsschub-Kalender kannst du sehen, wann eine Phase ansteht und vor allem wann die dunklen Wolken vorbei ziehen und wieder die Sonne scheint. ☀️”

So das sicherlich gut informierte “Babytipps24.de” zu seinem schönen Kalender, in dem dann tatsächlich immer wieder die Sonne scheint:

Etwas passt immer

Und dass das oft auch passt, liegt schon an der gnädigen Definition eines “Sprunges”. Denn so ein Sprung, der kündigt sich schon Tage – manchmal sogar Wochen – vorher an.Und er dauert eine Weile. Im Grunde gibt es also kaum mal einen zeitlichen Abschnitt, in den die Kinder *nicht* in einer besonderen Entwicklungsphase sein könnten.

Eigentlich genial. Wirklich? Mit Blick auf die Hunderte von Eltern-Webseiten und Apps, die den Eltern diesen Mondkalender andienen (meist um dann irgendwelches überflüssige “Babyzubehör” zu verklopfen) könnte man es auch so formulieren: Was für eine große Eltern-Verarsche.

Aus Unsinn wird noch mehr Unsinn

Inzwischen ist aus der “Wissenschaft” zu den Entwicklungssprüngen ein weltweites Geschäftsmodell geworden. Die Psychologin Xaviera Plas-Plooij ist jetzt CEO der Internet-Plattform “Oje ich wachse“ und bietet “revolutionäre” Erkenntnisse auf für andere Gesundheitsbereiche an (Geheimtipp: den ersten “Sprung” macht ein Kind – im Mutterleib!). Oje, wir wachsen!

Und wir verbreiten dabei auch ganz schön Unsinn: Das 15-Monate alte Kind wird so beschrieben, allen Ernstes:

Ich weiß nicht, aber gehen wir jetzt wieder ins Mittelalter zurück, Frau Xaviera Plas-Plooij?

Das Erfolgsrezept: Du liegst immer richtig

Aber anscheinend verkauft sich das Konzept trotzdem sprunghaft. Das mag auch daran liegen, dass immer irgendwo eine Erkärung winkt, und ein Trost dazu. Sogar dann fällt für die Eltern etwas ab, wenn ein Kind nach dem Kalender eigentlich in keiner Phase ist. Dann bereitet es sich nämlich gerade auf seine nächste Phase vor – oder erlebt noch die Nachwehen der letzten. Der zweite “Sprung” könnte also auch schon in der 7., vielleicht sogar in der 6. Lebenswoche losgehen – da ist gerade der erste Sprung zuende. Und wenn der ein bisschen länger dauert, dann ist das Kind in zwei “Phasen” gleichzeitig.

Sehr ermutigend.

Nur: das mit der “Wissenschaft” drumrum, das hätten die Autor*innen sich auch sparen können.

 

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16 Kommentare

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  • Laura Zeiser

    Lieber Herbert Renz-Polster

    vielen Dank für die wunderbare Zusammenfassung der Hintergründe zu diesem Buch. Oje ich staune, sage ich da nur.
    Wie wenig validiert die Vermengung der “Forschungsergebnisse” ist, das ist mir nun auch klar geworden. Und ich muss ehrlich zugeben, auch bei mir steht das Buch.
    Geschenkt bekommen mit gutem Willen einer Freundin, die dachte, ich “stehe” auf so was. Ich bin selbst Pädagogin, war aber wenig versiert in Bindung und Co, als ich unser erstes Kind bekam. Und habe den Klassiker der Bücher auch als “Halt” für mich genutzt. Eigentlich ging es mir auch nicht um die Wochen und Co. Es ging mir darum, dass jemand “Drittes” mich beruhigt. es geht vorbei es ist eine Phase.

    Heute sehe ich es ganz anders, dahinter kiegen fund Jahre effektive Selbsterkenntnis, wie Kinder wachsen und was wichtig ist, zumindest subjektiv gesehen. Und das Wissen, dass solche Bücher vielleicht beurhigen können, sie uns aber nicht die Absolution liefern.

    Danke für Ihre Arbeit!
    ich werde das Buch übrigens im Regal stehen lassen, für meine Beratungsarbeit finde ich es immer wieder schön, einen Einstieg o.Ä. darüber zu schaffen. vielleicht lege ich Ihren Text noch als Ergänzung mit rein 🙂

  • Deborah

    Danke, danke, danke! Ich habe dieses Buch geschenkt bekommen und trotz der Umbauten in meinem Mutter-Hirn schien es mir Quatsch zu sein, mit den Begründungen, die Sie hier abgesichert auch anführen: Kinder sind individuell in der Entwicklung, irgendetwas ist immer, Flasifizierung quasi unmöglich. Das Buch ist schnell woanders gelandet, und das Mantra: Das ist nur eine Phase!, sollte nicht so viel Geld kosten. Wieder einmal vielen Dank für die unermüdliche Aufklärung Ihrerseits!

  • ama

    Das zieht Einem ja die Schuhe aus! Die Website mit der Tabelle ist eine unlesbare Reklamemüllhalde. Im Impressum steht es: “Content-Marketing”. Das ist die Pest des Internets und gehört per Gesetz verboten.

    Die Macher solcher Sites betreiben Webfarmen, die die Suchmaschinen betrügen, über die sie Surfer anlocken und dann abzocken.
    Teilweise überfallen sie auch Foren und Blogs, um dort Reklame und Links zu verbreiten. Unser Krebsforum wurde vor 10 Jahren von so einem Burschen heimgesucht. Das Echo war entsprechend hart:

    “J’accuse:
    Christopher Lacharite Mueller, clm314@hotmail.com, is an international fraudster”

    Aribert Deckers hat sich bei seiner Universität beschwert und der Täter ist dort deswegen anscheinend rausgeflogen. Wir machen uns seitdem hin und wieder eine Kerbe in die Tastatur. 🙂

    Das Buch der beiden Oberspezis wird laut Google so beworben:

    [*quote*]
    Das Standardwerk – komplett überarbeitet und erweitert! Mit einer Million verkauften Exemplaren im deutschsprachigen Raum und der zugehörigen Nr.-1-App ist »Oje, ich wachse!« einer der erfolgreichsten Elternratgeber.
    [*/quote*]

    Ob die Webseite vor 4 Jahren für die Reklame zu dem Buch gemacht wurde, kann ich nicht erkennen. Im Web-Archive ist von 2018 kein Fundstück. Erst 2020, und das ist für eine Analyse viel zu spät.

    Die Macher der Webfarmen verwursten alles, was sie kriegen können, und machen zum Beispiel Websites über Borreliose oder andere Krankheiten, stopfen dort irgendwelche für Suchmaschinen präparierten Texte rein, und füllen die Seiten mit Reklame. SINVOLLE Inhalte findet man dort nicht. Man stolpert höchstens von einer Katastrophe in die nächste. Das bedeutet:

    Sobald man merkt, was für eine Art Website das ist, am besten fluchtartig die Szene verlassen.
    .
    Der Inhalt des Buchs ist Blödsinn. Es gibt keine Sprünge, und schon gar nicht in der beschriebenen Art und Weise. Kinder entwickeln sich kontinuierlich. Bloß merkt man das nicht, weil dieser oder jene Vorfall, an dem man etwas sehen kann, nicht ununterbrochen rund um die Uhr passiert. Und dann ist es eben dann und wann, DASS man etwas bemerkt, was sich INZWISCHEN IRGENDWANN entwickelt HATTE.

    Die am meisten unterschätzten Lebewesen im Universum: kleine Kinder und Ameisen. 🙂

  • Laura

    Ich habe diese Buch geschenkt bekommen und sogar die App gekauft, aber es war für mich sehr unbefriedigend bei meinem eigentlich zufriedenen Baby immer nach hinweisen für einen Sprung zu suchen. Hab mir alles mögliche eingebildet und irgendwann für quatsch befunden. Buch verkauft und app gelöscht. Danke für diesen tollen Artikel. In meinem Umfeld wird er wohl kaum auf gehör stoßen, aber probieren kann ich es ja mal 😉

  • Daniela

    Danke dafür!! Jahrelang hab ich in meinen Rückbildungskursen für junge Mütter dafür geworben, dieses Buch einfach ungelesen in den Schrank zu legen und selbst sein Kind einfach nur zu beobachten. Ich fand auch unglaublich wie man mit einer so seichten These über Wachstumsschübe so einen Bestseller landen kann? Jetzt hab ich meine Zweifel fundiert untermauert durch Ihren Artikel. Danke!!

    • Daniela

      Danke dafür!! Jahrelang hab ich in meinen Rückbildungskursen für junge Mütter dafür geworben, dieses Buch einfach ungelesen in den Schrank zu legen und selbst sein Kind einfach nur zu beobachten. Ich fand auch unglaublich wie man mit einer so seichten These über Wachstumsschübe so einen Bestseller landen kann? Jetzt hab ich meine Zweifel fundiert untermauert durch Ihren Artikel. Danke!!

  • Martina

    Danke für die deutliche Kritik an einem meines Erachtens viel zu populären Buch, das es mittlerweile glaube ich auch als App und in anderen Varianten gibt. Selbst geschenkt bekommen, selbst angelesen, haben mich die negativen Beschreibungen kindlichen Verhaltens zutiefst schockiert. Dieser negative, unreflektierte, verallgemeinernde, scheinbar vereinfachende Blick auf Kinder erschwert den so unbedingt notwendigen wertschätzenden Blick auf die Individuen, die wir begleiten dürfen,.

  • Christina

    Lieber Herr Renz-Polster,

    vielen Dank für den Beitrag, ich habe ihn interessiert gelesen und bin froh zu lesen, dass nicht ich oder mein Kind “falsch” waren. Ich hatte das Buch vor drei Jahren nach der Geburt meiner Tochter gekauft. Nachdem meine Tochter aber über viele Monate ausschließlich “unzufrieden” war und geschrien hat und wir leider überhaupt keine Sonnen-Phasen hatten und sich auch die Entwicklung kaum bis gar nicht wie im Buch beschrieben verhielt, habe ich das Buch frustriert verkauft…mit dem Gefühl das zurückblieb, dass bei uns irgendwas falsch lief. Meine Tochter hat sich in den vergangenen drei Jahren trotzdem ganz wundervoll entwickelt 😀

    Liebe Grüße, Christina

  • Franziska K

    Vielen lieben Dank Herbert Renz-Polster,

    abgesehen davon, dass das Buch mMn fürchterlich geschrieben ist (geht das nur mir so?) ist es inhaltlich fragwürdig. Sie sind gefühlt die erste Quelle die ich kenne, die diese Buch kritisch betrachtet.
    Traurig am Buch finde ich, dass das Baby/Kind als schwierig bezeichnet wird – hat es doch oft “nur” ein Bedürfnis nach Liebe, Nähe und Geborgenheit.
    Aus Erfahrung kann ich sagen: bei unserem Sohn stimmt der Kalender hinten und vorne nicht. Er schlief mal besser, mal schlechter, lernte Krabbeln, Laufen, verlegte seinen Schlafrhytmus. Das Zahnen war und ist besonders schlimm und macht ihm zu schaffen. Aber all das ohne sich an den Kalender zu halten – tja, gibts denn so was?
    Vielen Dank für Ihre schöne Aufklärung!

  • Michaela

    Vielen Dank für diesen Beitrag! Ich habe das Buch geschenkt bekommen und hab schon beim Blick in diesen Kalender gedacht, dass demnach das gesamte erste Jahr ein einziger Sprung ist. 😀

  • Nina

    Ich finde an dem Buch etwas Anderes noch viel schlimmer: die Eltern-Kommentare. Sie reichen über gereizt, beleidigend bis hin zu gewaltverherrlichend. Dass der wissenschaftliche Hintergrund nur dünn ist, kann ich verschmerzen. Die Kommentare finde ich aber wirklich bedenklich.

  • Mia

    Hab das Buch “geerbt” und nach einigen wenigen Seiten in die Tonne getreten. Sowas wollte ich nicht mal weitergeben.

  • Verena

    Vielen Dank auch von mir für diesen erhellenden Beitrag!

    Im Wochenbett bekommen diente mir das Buch einige ‚Sprünge‘ lang als emotionale Stütze an schwierigen Tagen. Bis ich selbst stutzig wurde, weil ich merkte dass das kleine Wesen an meiner Seite kein isolierter Roboter ist, sondern 1:1 meine Stimmungen und die aus dem weiteren Umfeld aufsaugt und spiegelt. Das Buch wollte ich trotzdem lange in eine Verschenkekiste legen – nun landet es im Papiermüll und erfüllt da hoffentlich noch einen letzten Zweck für die nachfolgende Generation.

  • Dunja

    Ich finde es sehr interessant wie Sie hier ein Buch zerpflücken, um am Ende des Artikels gleich das eigene zu vermarkten. Die ganze (zum Teil durchaus gerechtfertigte) Kritik geht bei mir leider auf Grund des Marketing-Gags unter. Das hinterlässt doch einen negativen Beigeschmack bei all dem Hinterfragen der Studien zu den Entwicklungsschüben. Mir hat die “Oje, ich wachse!” App bei beiden Kindern geholfen, auch wenn ich beim ersten Kind schon bemerkt habe dass die Sprünge nicht genau so passen wie sie angekündigt werden, da eben Kinder sich nicht 1:1 linear entwickeln. Ich möchte sie aber auf keinen Fall missen, die <2 Euro war es definitiv wert und hat mir gezeigt wie die Wahrnehmung und Hirnentwicklung im ersten Lebensjahr ablaufen und was sich alles tut – was bei mir für mehr Verständnis und mehr Geduld den Kindern gegenüber gesorgt hat. Deshalb würde ich die App auch nach wie vor jeder neo-Mama weiterempfehlen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dunja

    • Johannes P

      Die Artikel auf kinder-verstehen.de sind kostenlos. Als Einnahmequelle haben wir den Shop wo Renz-Polsters Bücher verkauft werden. Bei jedem Artikel verlinken wir auf ein passendes Buch.

  • Tabea

    Danke. Sie sprechen mir aus der Seele. Habe das Buch bei fast allen Müttern dir ich kenne rumliegen sehen und fand es schon mit dem ersten Kind mehr als befremdlich.
    Selbst wenn es gestimmt hätte: warum wollen so viele schon vorher wissen, wann die nächste schlimme Phase kommt? Da ist es doch vorprogrammiert, dass das Kind sich so verhält,man wartet ja schon förmlich darauf,es steht ja in dem Buch.

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