Kommentar15. April 2019

In eigener Sache: mein neues Buch

Vor zwei Jahren hat sich für mich etwas Entscheidendes verändert. Mit Donald Trump ist klar geworden, auf welch morschem Grund wir stehen. Und Trump war nur der Anfang.

Vor unseren Augen vollzieht sich eine gesellschaftliche und menschliche Entblößung, die wir uns noch vor wenigen Jahren nicht einmal hätten ausmalen können. In keinem Traum. Und diese Entblößung ist öffentlich und demonstrativ.

Und nein, da wurde niemand mit falschen Versprechungen verführt. Trump hat von Anfang an den brutalen, gnadenlosen Triumphator gegeben – und für genau diese Rolle wurde er gewählt. Er hat gesagt, was er denkt und welche Gesellschaft er aufbauen will, in klaren und seiner Natur gemäßen simplen Worten. Auch dass er einen an der Waffel hat – er hat es nicht verborgen, im Gegenteil. Er hat sich nie anders gebärdet als das Mobber-Kind im Sandkasten: niederträchtig, mitleidslos, gemein. Entweder ich gewinne, oder ich greife dich an.  Im ganzen Wahlkampf kein Wort der Güte, des Ausgleichs, kein Wort der Würde. Er hat gepöbelt, gehetzt, gelogen, Frauen begrapscht und damit öffentlich geprahlt, er hat sich lustig gemacht über Behinderte und praktisch jede ethnische Minderheit.

Und natürlich lässt sich einwerfen, dass das »ungefähr in allem das Gegenteil ist von dem, was sich Eltern von ihren Kindern gemeinhin erhoffen.« Aber so und nicht anders hat er in Wirklichkeit die Macht erlangt.

Und wer noch vor wenigen Jahren mit Blick auf dieses Szenario den Kopf geschüttelt hat – was in den USA alles möglich ist! – der hätte nie mit einem Matteo Salvini gerechnet, nie mit einem Heinz-Christian Strache, nie damit, dass ein deutscher Bundestagsabgeordneter das Dritte Reich einmal als bloßen »Vogelschiss der Geschichte« bezeichnen würde.

Dies ist ein Ausschnitt aus meinem neuen Buch, das am Montag erscheinen wird. Es heisst:

Erziehung prägt Gesinnung: Wie der weltweite Rechtsruck entstehen konnte
– und wie wir ihn aufhalten können.

Wie wir ihn aufhalten können? Da will ich bewusst zurückblenden in die ersten Wochen nach Trumps „Krönungsfeier“ – auch sie verlogen und missraten, wie alles, was dann kam. Ich hatte damals einen Blogeintrag verfasst. Er hieß: Wir schliefen – ein Gedicht für Donald Trump.

Darin lege ich mein Grundmotiv aus: Ob wir widerstehen können entscheidet sich in der Kindheit. In der Kindheit bildet sich der seelische Maßstab, der entscheidet, ob wir mündig sein können – oder hörig sind.  In der Kindheit erfahren wir, ob es im menschlichen Miteinander um Macht und Überlegenheit geht – oder aber um Vertrauen und Zusammenarbeit. In der Kindheit bilden wir das soziale Vermögen aus, mit dem wir der Welt und ihren Krisen begegnen.

Kurz: Erziehung prägt Gesinnung.

Dieses Kindheitsvermächtnis habe ich in diesem Buch beschrieben.

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13 Kommentare

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  • Andrea

    Spannend! Seit langem mal wieder ein Buch, das ich kaufen werde😊 bin sehr gespannt!

  • Doro Michel

    Ja, mir ging es genauso. Ich hatte es zwar für möglich gehalten, war aber nachhaltig geschockt über das Wahlergebnis und die Entwicklungen bisher. Ich bin sehr gespannt auf das Buch, vielen Dank!

  • fraudoktorkind

    Das klingt sehr interessant! Mit diesem Thema setze ich mich auch schon eine Weile auseinander und habe gedacht, dass es dazu doch ein gescheites Buch geben müsste.. 😉 Danke! Ich freu mich drauf!

  • Sandra

    Ich möchte mich aufrichtig dafür bedanken, dass du mit diesem Buch ein Zeichen setzt. Allgemein lese ich gerne deine Bücher, die mit so offen ehrlichen Worten geschrieben sind! Ich habe immer das Gefühl, Herr Renz-Polster sitzt mir gerade gegenüber.

    Als Österreicherin bin ich dir noch dankbarer und freue mich schon sehr darauf das Buch in meiner Hand halten zu können. Vielleicht finde ich dann auch eine Möglichkeit, wie ich mein politisches Engagement in die Elternbildung einbauen kann.

  • Judith

    Ich freue mich schon sehr auf dieses Buch und bin froh, dass es Menschen und Autoren mit diesem umfassenden Blick gibt, wie Du es bist. Danke

  • Cabral

    Ein richtige Einschätzung. Sehr klare Worte, so etwa hörte sich Borwin Bandelow an, kurz nach der Wahl.
    Wir leben in einer Zeitenwende, ähnlich 1919/1920. Vetunsicherung macht sich breit, noch nicht in Wintethude oder Bogenhausen, aber wer viel per DB in D umgerwegs ist, der spürt das deutlich. Gut, das wir eine starke Demokratie haben und doch auch azf einigen Gebieten deutlich weiter sind als vor 100 Jahren.
    Eine Frage habe ich: Wenn alles so in die falsche Richtung läuft, dann müssen wir es ändern oder stoppen.
    Oder laufen wir wie Schlafwandler durch die Tage?
    Prioritäten wären gut. Wo anfangen? Wie kann unsere auseinanderfallende Gesellschaft zusammengehalten werden?
    Das gemeinsame Werk mit G. Hüther werde ich auf jeden Fall lesen. Ich bewundere ihn, gerade auch, weil mein Chef (Neurobiologe) ihn wegen Nichtwissenschaftlichkeit ablehnt.

    • ARi

      Also wenn ich richtig verstehe sagt der Chef und Neurobiologe, Hüther sei unwissenschaftlich in Vielem, was er vorbringt oder wie er es tut. Er, der Neurobiologe, mag Gründe dafür haben. Aber Sie finden den Herrn Hüther bewundernswert, weil Wissenschaftler des Fachgebiets ihn wegen fachlicher Mä gel ablehnen? Da regt sich kein innerer Widerspruch? Kritik wäre doch eine Möglichkeit die eigenen Glaubenssätze zu überprüfen.

  • Heuer

    Die These allein ist doch schon Humbug. Es gibt durchaus rationale Gründe „rechts“ zu sein. Im Handelsblatt lese ich „Länder rechnen mit 50 Milliarden Euro Flüchtlingskosten bis 2025“. Was hätte man nicht mit 50 Milliarden Euro in den Herkunftsländern Gutes bewirken können? Stattdessen laden wir Wildfremde („Refugees Welcome“) ein, befördern das Schleppergeschäft und sorgen in unserer Heimat für sozialen Brennstoff (recherchieren Sie bitte selbst unter dem Stichwort Politikversagen). All das ist ist objektiv belegbar und hat rein gar nichts mit Ihrer, meiner oder irgendeiner Kindheit zu tun.

    • Kai

      … und dann rettet ihnen ein syrischer, eingewanderter Arzt das Leben, nachdem sie einen Herzinfarkt erlitten haben, weil sie sich in ihrer verdrehten Welt ständig über Dinge aufregen die sie nicht verstehen … und schon sieht die Sache anders aus!

    • Dr. Philipp Bornschlegl

      ach mensch,
      die Kostenfalle. Da kann man noch ganz andere Kosten-Keulen auspacken. Was ist mit all den Kosten für die medizinische Versorgung von Drogenabhängigen? Von Alkoholikern? Von Rauchern?
      Was ist mit Leute, die sich bei Risiko-Sportarten verletzten? Warum muss das die Solidargemeinschaft zahlen?
      Und „in den Herkunftsländern Gutes bewirken“, wie stellen Sie sich das vor? Ich bin selbst seit 2 Jahren in Tansania als Kinderarzt und Entwicklungshelfer und sehe, was es bedeutet, wenn ein Land wirtschaftlich über die Jahre von „Entwicklungshilfe“ abhängig gemacht wurde: Frust, Fremdsteuerung, keine Chance auf selbstbestimmtes Wachstum.

      Fluchtursachen bekämpfen fängt immer bei uns selbst an: was ist denn mit unserem Fleischkonsum? Woher kommt unser billiges Pflanzenöl? Wer baut die Edelmetalle für unsere jährlich wechselnden Handys ab? Was machen die Landwirtschafts-Subventionen mit der Weltwirtschaft? Wo gehen unsere Hähnchen-„Abfälle“ hin? usw. usw.

      Bitte investieren Sie doch mal 5 Minuten Ihres Lebens und hören Sie den Erzählungen von Hagen Rether zu (falls der nicht zu links für Ihre Wahrnehmung ist, und selbst wenn, drücken Sie ein Auge zu): https://www1.wdr.de/mediathek/video/radio/wdr5/unterhaltung-am-wochenende/kabarett-a-bis-zett/video-hagen-rether-102.html

      Und dann überlegen Sie nochmal, was es auf sich hat mit dem 50 Milliarden und ob Sie morgen anders leben?
      Meine These: rechts ist, wer sein aktuell bequemes Leben im „Luxus“ auf Kosten anderer in dieser Welt nicht ändern will.

      Beste Grüße aus Tansania,
      Dr. Philipp Bornschlegl

      PS: Das heißt nicht, dass ich das Buch unvoreingenommen gut finde. Siehe Kommentar unter dem Artikel „12 Thesen“

    • Dr. B.

      schon vergessen, dass der Staat mit Cum-Ex-Geschäften mindestens 31 Milliarden Euro verloren hat bzw. bestohlen wurde? Innerhalb kurzer Zeit und nicht bis 2025?
      Aber das wird nicht thematisiert, nicht wahr? Ein Schelm, wer Arges dabei denkt…

  • Chrissy

    Ich bin Ihnen persönlich richtig dankbar, wie Sie die Dinge klar und verständlich vermitteln.😉👍Folgenden Dialog habe ich mit einem Jungen(2.10J) in einer Kita geführt als ich im frisch wickeln musste, da er Durchfall hatte.
    Erz:“ Jetzt mache ich dir mal eine neue Windel und ziehe dir frische Sachen an..“ Kind:“ ist ja ein bisschen ekelig, oder…?“ Erz.:“ Ach, ist doch nicht so schlimm und außerdem, wenn ich mal alt bin, dann brauche ich auch wieder eine Windel..!“ Der Junge überlegt und sagt dann:“ Und dann mache ich dir eine frische Windel …..!“ Ich muss zugeben ich hatte da schon „Pippi in den Augen…“, so hat mich diese Empathiefähgkeit erstaunt👍😉!

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