Kommentar14. Februar 2020

Elternschule – jetzt auch für Hebammen?

Die Deutsche Hebammenzeitung (die ich sehr schätze, das vorneweg) befasst sich diesen Monat schwerpunktmäßig mit dem Thema Beikost. Da darf ein Artikel zum Thema „Fütterstörungen bei Säuglingen“ natürlich nicht fehlen: Was sind Fütterstörungen und wie werden sie behandelt?

Gut, diesen Beitrag von einer Fachperson erstellen zu lassen, die dieses für Hebammen wichtige Thema umfassend und nach heutigem Wissensstand darstellen kann.

Die Wahl fiel auf Dietmar Langer, den Helden des Films „Elternschule“.

Damit klärt jetzt also ein Therapeut die deutschen Hebammen über den richtigen Umgang mit kranken Säuglingen auf, dessen therapeutischen Ansätze in den letzten Jahren einen guten Teil des Fachpublikums regelrecht beelendet haben. Ein Therapeut, der das Gelsenkirchener „Trennungstraining“ vertritt, nach dem kranke Säuglinge und Kleinkinder von ihren Müttern bewusst getrennt werden sollen, damit sie durch die Überflutung mit Stress „bis an die Belastungsgrenze“ das entwickeln, was er selbst als „Autonomie“ versteht. Ein Therapeut, der die Meinung vertritt chronisch kranke Kinder könnten nicht gesund werden, wenn sie Zuwendung bekämen. Ein Therapeut, der in seiner Klinik „Schlafstörungen“ behandelt, indem er die betroffenen Säuglinge und Kleinkinder in stockdunkle Einzelzimmer verbringen lässt, wo sie dann Nacht für Nacht im Gitterbett das „Schlafen lernen“. Ein Therapeut, der Säuglinge und Kleinkinder gegen Stress „impfen“ will, indem er ihnen ärztliche Untersuchungen verordnet: täglich, „auch wenn sie medizinisch nicht notwendig“ seien.

Und dieser Therapeut wird jetzt von der Deutschen Hebammenzeitschrift (DHZ) beauftragt, die deutsche Hebammenschaft aufklären, wie die „richtige“ Behandlung von an Fütterstörungen erkrankten Säuglingen laufen soll.

Kann man machen, muss man nicht.

Kann man machen, finde ich, wenn der Artikel dann auch wirklich das Erwartbare leistet: Hebammen sachlich richtige und aktuelle Informationen zum Thema zu bieten.

Der „adäquat regulierte“ Säugling

Schauen wir uns den Artikel also genau an.

Für mich bringt der Fachtext das Erwartbare – wer „Elternschule“ kennt, dem dürfte der Ansatz sofort bekannt vorkommen. Klar wird auch auf die „Interaktionsstörung“ eingegangen, auf die mütterliche Belastung, dass man der Mama zum Beispiel keine Schuldgefühle machen darf, dass Gelassenheit wichtig ist, dass bei psychischen Krankheiten der Mutter eine Psychotherapie zu empfehlen ist. Und es wird auf die Arbeiten der Säuglingsforscherin Mechthild Papousek verwiesen (die glaube ich die roten Flecken bekommen würde, wenn sie wüsste, für welche Methoden ihre Forschungsarbeiten herhalten müssen).

Erhalte neue Beiträge per E-Mail

Aber ganz zentral, das zeigt die auch grafisch prominent aufbereitete Fallgeschichte, steht die Behandlung des Säuglings durch eine klare zeitliche Strukturierung des Alltags (auch „Strukturtherapie“ genannt). Also: regelmäßige Fütter- und Schlafenszeiten nach der Uhr, Kind dazwischen dann auch bewusst ablegen und schreien lassen („Schreiattacken des Kindes gelassen begegnen, das Kind zeitweise ablegen“).

Und dann, das zeigt die Grafik sehr schön, kommt das Problem rasch wieder in Ordnung – der Säugling isst nach Plan und schläft als Bonus sogar durch:

Aus einer anfänglich unstrukturierten Abfolge an Fütter- und Schlafenszeiten mit Unruhezuständen und Schreiattacken des Kindes kristallisiert sich innerhalb weniger Wochen ein Rhythmus in den Alltagsroutinen mit ritualhaften Fütterzeiten und nächtlichem Durchschlafen des Kindes heraus.

Anhand von 24-Stunden-Protokollen dargestellt sieht das dann so aus:

Übersinnliches geschieht!

Schauen wir uns das, was in dem Artikel als „Aufbau einer adäquaten Selbstregulation“ beschrieben wird, einmal genauer an.

Die abgebildeten 24-Stunden-Protokolle dokumentieren in Wirklichkeit nämlich ein Wunder. Der Säugling, jetzt 8 oder 9 Monate alt und angeblich „adäquat“ selbstreguliert, hat durch die Therapie nämlich folgendes geschafft:

  • er ernährt sich von 4 Mahlzeiten. VIER Stück. Am Tag.
  • Und die bekommt er genau um 6 Uhr, um 10 Uhr, um 14 Uhr und um 18 Uhr.
  • Dann bekommt er 12 Stunden keine Nahrung. ZWÖLF Stunden lang.
  • In dieser Zeit schläft unser Säugling 10 Stunden
  • Und zwar am Stück.

Damit ist ein neuer Typ von Baby entstanden: Ein Baby, das seine körperlichen Bedürfnisse nach der Uhr reguliert. Nähert sich der Zeiger der 6 Uhr Marke, bekommt es Hunger. Und um 10 Uhr auch.

Hoffentlich läuft Mamas Uhr korrekt!

Der neue Typ von Baby ist aber vor allem eines: Ein Halbtagesbaby. Offensichtlich drosselt es seinen Stoffwechsel ab 18 Uhr. Und kommt dann einen halben Tag ohne Kalorienzufuhr aus.

Gibt es vielleicht schon ein Patent auf dieses sparsame Baby?

Aber Spaß beiseite, denn das ist nicht witzig.  Denn solche Darstellungen, wenn wir sie glauben, haben reale Konsequenzen.

Woher kommen solche Vorstellungen?

Das sparsame Baby gab es schon einmal. Es hat unsere Geschichte geprägt.

Man erinnere sich an die nächtliche Nahrungspause, die dem Baby ab dem preußischen Reich verordnet wurden. Der damals tonangebende Kinderarzt Adalbert Czerny begründete sie so:

Bei der Durchführung der Nahrungspausen handelt es sich nicht bloß um eine für die Ernährung wichtige Maßregel, sondern tatsächlich um die erste Erziehung zur Beherrschung der Triebe.

Im Dritten Reich, wo dann wirklich alles seine Ordnung haben musste, wurde dann vom »Amt für Volkswohlfahrt« die genauen Zeiten für die Fütterung des deutschen Babys festgelegt.

Nämlich um 6, 10, 14, 18 und 22 Uhr (und zwar: »stets pünktlich«).

Johanna Haarer, die im Dritten Reich prägende Fachperson, hat den Plan in ihrem Werk für „die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ dann so aufbereitet:

 Auch hier also: Nahrungszufuhr nach der Uhr, im 4-Stunden-Takt. Beginnend um 6 Uhr.

Wurde das Kind der deutschen Mutter damals vielleicht verzärtelt?

Wie seltsam: Auch der „adäquat regulierte“ Säugling des Jahres 2020 reguliert seine körperlichen Bedürfnisse nach der Uhr. Und zwar nach einer offenbar vor vielen Jahrzehnten aufgezogenen Uhr – welche  Mutter oder Vater stehen denn heute um 5:30 auf um den ersten Brei für ihr Baby zu richten?

Und trotzdem verbleibt da ein Rätsel. Der gut regulierte Säugling des Jahres 2020 kommt offenbar OHNE die auf 22 Uhr angesetzte Fütterzeit aus. Er hält länger durch. ZWÖLF Stunden.

Ach Leute. Wenn es nicht so traurig wäre würde ich lachen. Aber Fakt ist: Tausende von Hebammen bekommen nun solche Schulungen. Schulungen, die in entscheidenden Teilen nicht faktenbasiertes, aktuelles Wissen über das normale Verhalten von Säuglingen wiedergeben (eine aktuelle Übersicht zur Nahrungsaufnahme des Säuglings zum Beispiel hier), sondern die aus Mythen aus grauer Vorzeit schöpfen. Das schockiert mich vor allem vor dem Hintergrund, dass Herr Dietmar Langer in manchen Kreisen als DER Babyexperte gilt – unter anderem schult er z.B. für die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“ den Nachwuchs. Also das Fachpersonal, das später einmal die Eltern dort draußen beraten wird. Und sich dabei auf ihre Ausbildung und dabei erworbene Expertise berufen wird. Puuh.

Wie damit umgehen?

Ich nehme an, dass die Deutsche Hebammenzeitschrift (DHZ) hier einfach geschlafen hat. Das nehme ich deshalb an, weil ich die DHZ als qualitativ hochwertige, umfassend informierende Zeitschrift kenne und schätze. Ich finde: so etwas kann passieren. Ich nehme deshalb an, dass die DHZ den Artikel einfach zurückrufen wird. Das machen auch andere Zeitschriften, einfach um zu vermeiden, dass solche Artikel dann weiterhin als „state of the art“ gelten, und in Archiven mit dem Qualitätssiegel der Zeitschrift aufzufinden sind. Das gehört zum Selbstreinigungsprozess der Wissenschaft, an ihm beteiligen sich selbst große Zeitschriften wie etwa Nature oder Science. Hätte mir selbst auch passieren können, ehrlich, wer ärgert sich nicht manchmal über das, was er einmal für richtig hielt?

Und sonst? Wir können nur immer wieder, hartnäckig, die Frage stellen: Was ist eigentlich normales Verhalten – für einen Säugling, für ein Kleinkind, für ein älteres Kind? Diese Frage sind wir den Kindern und den Familien schuldig.  Von dieser Herangehensweise können alle profitieren, auch bei dem Versuch, gute Therapien für Regulationsstörungen zu finden, die ja doch in ihrem Kern zumeist Beziehungsstörungen sind. Jede Therapie, die sich um regulationsgestörte Säuglinge kümmert, müsste deshalb auch dieses zum Ziel haben: Dass es der Familie wieder gelingt, die Bedürfnisse des Säuglings zu erkennen und kompetent zu beantworten.

Nur, wie soll ihr das gelingen, wenn selbst von Experten über die Bedürfnisse von Säuglingen Mythen verbreitet werden?

Von der äußeren und von der inneren Struktur

Vor allem, wie soll das gelingen, wenn wir entscheidende Begriffe nicht kritisch betrachten. Das Wort „Strukturtherapie“ etwa: die Eltern sollen eine „Strukturierung des Tagesablaufs“ nach der Uhr vornehmen, Fütter-, Schlaf- und sogar Spielzeiten (!) festlegen – das sei ein entscheidender Hebel, durch den Babys ihre „Regulation“ erlernen.

Ich will dazu nur das sagen:  Ja, es gibt für Säuglinge eine „Struktur“ die sie brauchen. Sogar eine, auf die sie auf Gedeih und Verderb angewiesen sind! Nur, das ist nicht die Uhr, das ist nicht die willkürliche Festlegung von Aktivitätsmustern, das ist nicht die physikalische Ordnung.

Sondern die innere Ordnung. Und diese Ordnung  gründet sich auf die Verlässlichkeit und Tragfähigkeit von Beziehungen. Sie ergibt sich aus der resonanten Antwort der Bezugspersonen auf die Bedürfnisse des Kindes. Auf seinen Tanz zwischen den beiden Flügeln, die seine Entwicklung antreiben: der Suche nach Schutz, Nähe und Entspannung auf der einen Seite – und der Suche nach Wirksamkeit, Exploration und Gestaltungslust auf der anderen Seite.

Dieser Tanz geht nicht nach der Uhr, er verläuft manchmal in kleinen, raschen Kreisen, manchmal in langsamen, großen Kreisen, manchmal sprunghaft, manchmal träge. Ermöglicht wird er von den immer gleichen Signalen: ich erkenne Dich, ich verstehe Dich, ich freue mich mit Dir, ich freue mich an Dir. Dieser Kreis der Sicherheit verleiht dem Säugling die innere Struktur, mit dem er dem Chaos der Welt begegnet.

Kurz, es gibt keine automatisierte Sicherheit, es gibt keine verordnete Selbstregulation. Warum ist von diesem sichernden Kreis in dem Artikel nicht die Rede? Sein Verständnis hat die Säuglingstherapien in den letzten Jahren befruchtet, vertieft und erweitert.

Und deshalb widerspreche ich auch der Behauptung, diese Art der Behandlung sei ja nicht „autoritär“. Ich wünsche mir diejenigen, die das behaupten, einmal in die Haut des in dem Fallbeispiel gezeigten 7 Monate alten Babys schlüpfen. Welche Wahl hat es denn als sich zu unterwerfen? Welche Wahl hat es, wenn es auf seine eigenen Impulse und Signale nicht ankommt? Wenn sein Hunger um 8 Uhr nicht zählt, weil erst um 10 die äußere Ordnung eine Fütterung vorsieht? Nein, auch wer mit einem Baby nicht brüllt und nicht zetert kann autoritär sein. Und kann ein Baby zu einem Geschöpf machen, das nichts anderes als Hörigkeit kennt.

 

[Dies ist ein Meinungsbeitrag auf meinem Blog kinder verstehen. Sollte dessen Inhalt Rechte Dritter oder gesetzliche Bestimmungen verletzen, so bitte ich  um eine entsprechende Nachricht ohne Kostennote. Ich werde die zu Recht beanstandeten Passagen bzw. Inhalte unverzüglich entfernen, ohne dass von Seiten der Beschwerdeführenden die Einschaltung eines Rechtsbeistandes erforderlich ist. Ohne vorherige Kontaktaufnahme ausgelöste Kosten, etwa durch Abmahnungen, werde ich vollumfänglich zurückweisen.]

 

Der Autor: Dr. Herbert Renz-Polster, geb. 1960, beschäftigt sich als Kinderarzt und Wissenschaftler seit langem mit der kindlichen Entwicklung. Forschungstätigkeit im Bereich Kinderheilkunde, Prävention und Gesundheitsförderung zunächst in den USA, dann am Mannheimer Institut für Public Health der Universität Heidelberg. Bekannt durch mehrere Sachbücher, u.a. „Kinder verstehen - born to be wild!" und „Wie Kinder heute wachsen". Er hat 4 Kinder und lebt mit seiner Frau in der Nähe von Ravensburg.

46 Kommentare

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass bestimmte Kommentare erst manuell freigeschaltet werden müssen (z. B. wenn Sie einen Link teilen).

  • Ana

    Um Himmelswillen, so unbedacht kann doch die Redaktion nicht sein – sollte man denken…
    DANKE für Ihre klare Stellungnahme, einmal mehr…
    Alles Gute!

  • Kathi

    Ich kann das kaum mehr aushalten 😥 Es macht mich so traurig, dass trotz aller Erkenntnisse und Aufklärung darüber, wie unglaublich falsch und schädlich diese Herangehensweise ist, dieser Herr immer noch als Experte gesehen wird. Es ist mir so unverständlich, dass ich keine Worte dafür finde. Herr Rent-Polster, wie immer ein herzlicher Dank für ihre Mühen und ihren Kampfgeist und auch für ihre Bücher „Gesundheit für Kinder“ und „Kinder verstehen „, die mir im Alltag so oft helfen und mich dabei unterstützen, in Beziehung mit meinem Kind zu sein!!!

    • Helga Anzinger

      Schön, dass es auch solche empathische
      Experten wie sie gibt!! Wichtig für alle Ratsuchenden Eltern und ihre Kinder
      Danke

  • Nat

    Vielen Dank für den tollen Artikel. Ich wohne in den USA und verzweifle / zweifle manchmal an mir. Hier ist zumindest in Bezug auf Schlaf alles nach der Uhr getrimmt. Mein 17 Monate alter Sohn schläft immer noch nicht durch und daran bin natürlich ich schuld, weil ich ihm kein Sleep Training unterzogen habe. Ich brauche manchmal solche Artikel um wieder klar sehen zu können… denn manchmal frage ich mich, ob die anderen nicht doch recht haben – wenn ich mal wieder völlig fertig bin nach einer Nacht. Aber wenn man sich anschaut auf was dieses Land zusteuert bzw. wo es schon längst drin steckt – nämlich in einem autoritären – fast faschistischen System, dann braucht man sich nicht mehr zu wundern…

    • AlexandrA

      oh je, mein Beileid! Und viel Kraft dort! Gerne melden, Wenn Sie mal wieder Zuspruch brauchen, Ich kenn das!

    • Kathrin

      Hi, mein Sohn hat mit 6 Jahren das erste mal richtig durchgeschlafen (wie andere die Schlafenszeit von 19 bis 6 Uhr morgens bezeichnen). Jeder hat eben seinen Rhythmus. Lass dich nicht beirren.

    • Sarah Ellis

      Wir leben zwar in Deutschland aber mein Mann ist US Amerikaner und unser Freundeskreis komplett mit. Mein Mann ist genau wie ich absolut von einer Bedürfnisorientierten Erziehung überzeugt. Unsere Freunde können das nicht nachvollziehen wie wir unsere Kinder so verwöhnen können! Bleib stark! Du bist die Expertin deines Kindes!

    • Alexandra

      Alleine die Begrifflichkeit ist doch schon falsch. „Durchschlafen“, das machen selbst wir Erwachsenen nicht, denn jeder wacht Nachts mal mehr mal weniger auf. Nur das wir Erwachsenen uns selbst regulieren können und direkt wieder einschlafen (zumindest meistens). Diese Regulation müssen Babys und Kleinkinder erst einmal lernen. Sei stark, das kommt alles irgendwann. Mein Sohn hat lange gebraucht bis er mit vereinzelten Nächten durchschlafen angefangen hat. Jetzt habe ich wieder eine 14 Monate alte Tochter, bei der gerade ein nächtlicher Rhythmus von 1-2 Stunden stattfindet, aber irgendwann pendelt sich das auch wieder ein 🙂

    • Caroline

      Ich kenn das zu gut. Diese ach so gut gemeinten RatSchläge!
      Ja klar, die Nächte sind manchmal extrem kräftezehrend, aber was noch viel mehr Kraft kostet sind die ganzen Leute, die sich zu selbsternannten Experten einem kritisch gegenüber äußern. Ich frage mich immer, warum es so viele Leute interessiert wie, wo und wann mein Kind schläft, isst oder das Windelgeschäft macht??! 🤔 haben die einen Vorteil, wenn mein Kind plötzlich durchschlafen sollte oder nicht mehr stillt??! NEIN! Es ist einzig allein die Situation in der Familie und NIEMAND sonst hat das Recht darüber zu urteilen! Jedes Kind ist verschieden. Mein Sohn hat irgendwann zwischen dem 1. und 2. Geburtstag das erste mal durchgeschlafen, braucht aber auch heute mit knapp 3 weiterhin Einschlafbegleitung und schläft vorwiegend im Familienbett. Unsere Tochter jetzt 7 Monate hat innerhalb der ersten Monate durchgeschlafen und jetzt wieder nicht. Es sind Phasen… Entwicklungsphasen und schaut man sich das Ganze aus evolutionärer Sich mal an, dann sind Babies/Kinder gar nicht dazu ausgelegt durchzuschlafen, nach Zeit gefüttert zu werden oder gar nach Zeit ne neue Windel zu bekommen. Wir wollen doch keine strammen Soldaten züchten, die Zeiten sind hoffentlich vorbei. Lasst die Kinder Kinder sein und vertraut dem mütterlichen Instinkten. Mutter Natur hat uns alles gegeben, was wir brauchen. Wir müssen nur aufhören alles zu verindustrialisieren.

  • Melanie

    Mir wird schlecht, wenn ich mir vorstelle, wie viele Hebammen mit diesem „neuen Wissen“ nun beratend für Wöchnerinnen tätig werden!!! Dass ausgerechnet die Hebammenzeitschrift einen solchen Typen (das ist jetzt der nette Ausdruck für den Mann) zu Wort kommen lässt, wo es in Deutschland genug echte ExpertInnen zu diesem Thema gibt, ist unfassbar. Egal ob eine Petition oder Leserbriefe – nur wir können die HerausgeberInnen wachrütteln und klarmachen, dass sie mit der Auswahl ihres Experten völlig falsch lagen…

  • Patrycja

    Danke danke danke! Ich konnte kaum glauben als ich den Namen in der Zeitschrift las und vor allem diese Beispielhafte Tabelle!!! Ich habe ihre Rezension direkt genutzt um die Redaktion anzuschreiben!

    • Dr. med. LJ

      Habe ebenfalls direkt unter Verweis an HRPs Artikel an die Redaktion geschrieben…
      Es ist ja auch total grotesk. Unsere Geschichte: Wir haben 28 Monate stillen dürfen und noch mit 2J hat das Kind sicherlich bis zu 40Mal getrunken und davon auch ein paar Male in der Nacht (habe ich aber quasi verschlafen) 😉
      Völlig unwissenschaftlich, da nur meine eigene Erfahrung: Aber jedenfalls ist es ein super verständiges, top selbst reguliertes Kind geworden (das btw auch alles mögliche isst, egal ob Rotkohl oder Linsen und auch klasse schläft).
      Jedes Kind hat halt seinen eigenen Rhythmus, wie traurig, dass es nicht selbstverständlich ist, dass man Kindern diesen Rhythmus auch lassen kann.
      Wie HRP ja häufig schrieb: Nur zu häufig haben die Eltern einfach zu viele Zwänge und zu wenig Unterstützung. Und die Zwänge werden an die Kinder durchgereicht und die fehlende Zuwendung führt zu problematischen Beziehungen.

  • Anke Sacher

    Ich bin fassungslos und mir laufen Tränen übers Gesicht …als Mama von 4 Kindern ,Kinderkrankenschwester aus dem neonatologischen Intensivbereich und IBCLC Stillberaterin habe ich regelrecht Angst vor den Folgen dieses Artikels für viele Babys und Kleinkinder…

  • AlexandrA

    Bitte mehr von diesen Artikeln, sachlich und am Kindeswohl orientiert!! Danke, Herr Dr. Renz-Polster, einmal mehr Danke, dass Sie das nicht unkommentiert lassen!

  • Kerstin Etzold

    Vielen Dank für die Stellungnahme. Es wäre toll, wenn Sie sie der DHZ zukommen lassen würden, ich fand den Beitrag von Herrn Langer völlig deplatziert und die Beiträge zur Beikost auch schlecht. Ich kann nur hoffen, dass die Hebammenkolleginnen sich nicht von solchen Gedanken beeindrucken lassen.

  • Katharina

    Im zuge meiner Kündigung des dhz Abos habe ich auch eine Information des Warums mitgesendet. Ich bin gespannt, ob der dhz sich nochmals neu positionieren wird. Ich bekam auch einen Antwort, für mich eine nicht zufriedenstellende bzw. Keinex die ich mir erwartet hätte. Daher bin ich sehr gespannt ob vielleicht eine Meinungsänderung folgen wird.

    Danke für Ihren Beitrag hierzu!

  • Barbara

    Wieso ist ein Psychologe qualifiziert, Oekotrophologen oder Kinderärzten etwas über Ernährung von Kindern zu erzählen? Was hat er diesen voraus an Wissen?
    Womit qualifiziert sich dieser Mann als „Besserwisser“?
    Wer entscheidet, dass ausgerechnet er einen Artikel schreiben oder einen Vortrag halten soll? Wer weist ihn als Experten aus?

  • Barbara Titz

    Warum um Gottes Willen wird in der Hebammenzeitschrift so etwas veröffentlicht?
    Ich bin darüber wirklich entsetzt, da ich ansonsten ein Befürworter der Zeitschrift bin, schockiert es mich um so mehr.
    Ich hoffe wirklich sehr, dass dieses „Wissen“ nicht an werdende Hebammen weiter gegeben wird. Damit werden die Urinstinkte komplett verkrüppelt und gerade von Hebammen sollten genau diese Instinkte bestärkt und nicht verteufelt werden.
    Vielen Dank dafür dass Sie in Ihrem Blogbeitrag darauf aufmerksam machen.

  • NehmtDieKinderErnst

    Ich habe als Säugling auch so eine tolles Programm absolvieren dürfen.
    Chronisch wiederkehrende Depressionen begleiten mich schon mein ganzes Leben. Durch mehrfache EMDR-Therapie hoffe ich, nun das stärkste Trauma aufgelöst zu haben. 37 Jahre später.
    Danke “Jedes Kind kann schlafen lernen“.
    Hoffentlich müssen nicht in dreißig Jahren weitere Opfer ähnliches berichten “dank“ Elternschule oder Hebammenzeitung.

  • Kinderärztin cornelius

    Herzlichen Dank fuer diese inspirierende bindungsnahe Stellungnahme – leider hat sich die deutsche Hebammenzeitung vor einiger Zeit auch sehr kritisch zu der bindungsorientierten EEH-Begleitung nach Thomas Harms geäussert, was ebenfalls zu einer Stellungnahme seinerseits führen musste. Da dies nun der 2. bindungskritische Artikel ist, frage ich mich systemisch schon, von welchen Köpfen diese Zeitschrift betrieben wird…….

    • Antje Pukari

      Das ist äußerst bedenklich. Ich bin zutiefst erschüttert, und frage mich was da eigentlich grade passiert. Eigentlich müsste das zu einer massenhaften Kündigungswelle des dhz Abos führen. Wo ist der große Hebammen- Aufschrei???

  • Amelie

    Vielen lieben Dank für Ihre unermüdliche Aufklärungsarbeit!!!
    Mir macht eine deutlich bindungsfeindliche Bewegung unter meinen Kolleginnnen schon länger Sorgen, denn Haarer und Co sind wirklich auf dem Weg zurück ins „Kinderzimmer“. Eine momentan sehr populäre Hebammenfortbildung, die angeblich jahrhundertealtes Hebammenwissen vermittelt, propagiert ebenso das Stillen im 4 (!) Stunden-Rhythmus sowie die berühmte Nachtruhe von 8 Stunden. Und das am Besten ab Geburt. (Ich habe die Fortbildung nicht selbst besucht, mir wurde nur von Kolleginnen davon berichtet).
    Ich frage mich tatsächlich, ob der von Ihnen rezensierte Artikel nicht sogar als Anstiftung zur Vernachlässigung zu verstehen ist, die ja gemäß § 225 Strafgesetzbuch (StGB) strafbar ist. Die Verweigerung von Nahrung gehört jedenfalls definitiv zur Vernachlässigung, ebenso wie die fehlende emotionale Zuwendung.
    Erschütternd, wie Menschen, die ihre eigenen Wunden permanent auf ihre Schutzbefohlenen projizieren, derart schalten und walten dürfen. Bindung macht eben genau jenen Menschen Angst, die „Probleme“ damit haben. Und da ist es einfach bequemer jedes Kind im Außen genauso schlecht zu behandeln, wie man das eben selbst von zu Hause kennt. Abgesehen davon, wissen wir ja, was bei der Generation „Haarer“ herausgekommen ist.
    Ich hoffe, dass bei meinen Kolleginnen und vor allem bei den frischgebackenen Eltern sich einfach das Herz und der „gesunde Menschenverstand“ meldet.
    Ich habe mich auch gegenüber der Redaktion per Email geäußert.
    Danke für Ihre Stellungnahme, Inspiration und vor allem – für Ihre Unterstützung für alle, die spüren, was im Leben wirklich wichtig ist: Bindung.

    • Melanie

      Hallo,
      ich hatte bei unserem ersten Kind das Glück, dass unsere Hebamme sich nicht großartig eingemischt hat, weshalb wir eine sehr enge und bedürfnisorientierte Bindung aufbauen konnten. Ich hatte immer das Gefühl bei den wesentlichen Punkten alles richtig gemacht zu haben. Was mich an der Hebamme störte war, dass ich sie telefonisch nie erreichen konnte.
      Deshalb fiel meine Wahl beim 2. Kind auf eine andere Hebamme, die deutlich älter war und auf mich auch sehr kompetent wirkte. Sie hat uns auch in vielen Sachen geholfen, wo die erste Hebamme kein Wort drüber verloren hat (Blockade im Atlaswirbel und Nahrungsmittelunverträglichkeiten z.B.). Daher war ich ihr schonmal sehr dankbar. Die großen Probleme begannen, als sie mir riet unser Baby nur noch alle 3h zu stillen, weil alles andere angeblich Bauchschmerzen verursachen würde (warum eigentlich? Ich höre immer das Argument, dass es Bauchschmerzen gäbe, wenn frische Milch auf alte Milch trifft. Gibt es da irgendwo einen Beleg für? Mir stellt sich inzwischen die Frage, warum das überhaupt ein Problem sein soll??). Von da an ging es stetig bergab. Der Schlaf wurde schlechter, dann hieß es das Baby wird nicht mehr richtig satt. Also zufüttern (Warum nicht öfter anlegen, frage ich mich heute?). Irgendwann war meine Milch dann komplett weg und ich konnte nur noch die Flasche geben (ich habe wirklich alles versucht, aber es war einfach zu spät…). Von Flaschegeben hatte ich keine Ahnung, da ich unser erstes Kind fast 14 Monate gestillt hatte. Meine Hebamme vertrat energisch den Standpunkt, dass die Flasche nur alle 4 bis 5 h zu geben sein, sonst wäre Übergewicht die Folge…. das will man ja auf keinen Fall…. ich hatte das Gefühl, dass ich nur noch vertröstete: Von einer Mahlzeit zur nächsten. Natürlich habe ich nicht schreien lassen. Das war mir von vorneherein wichtig. Ich habe abgelenkt und getragen und und und. Und jedes Mal war ich froh, wenn die dämlichen 4h wieder um waren. Und mein Kind endlich wieder zufrieden war….
      Mir tat das damals schon leid. Ich hatte das Gefühl, dass etwas falsch lief. Als die Hebamme nicht mehr kam, weil die von der Krankenkasse übernommene Zeit abgelaufen war, besprach ich mich mit anderen „Flaschenmüttern“, von denen eine meinte „Hör mal, ich esse doch auch nicht nur alle 4h“…. von da an haben wir die Flasche dann nach Bedarf gegeben.
      Ich mache mir solche Vorwürfe, dass ich mich so von dieser Hebamme habe bequatschen lassen….. sie hat ihre „Methode“ als die einzig richtige verkauft und eigentlich auf eine wohlwollende Art und Weise. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie uns etwas Schlechtes wollte. Sie hat im Rückbildungskurs einmal selbst gesagt, dass Frauen nach der Geburt „leicht zu bequatschen seien“ (da ging es um ein anderes Thema: Besuch im Krankenhaus). Ich fürchte, dass ich genau in diese Falle getappt bin… Ich habe eine solche Angst, dass mir das noch ein zweites Mal passieren könnte, dass ich erstnhaft überlege, ob ich für unser drittes Kind, das wir nun planen, überhaupt noch eine Hebamme in Anspruch nehmen soll. Beim ersten Kind hat mir keiner reingequatscht und alles war prima. Beim zweiten Kind habe ich rückwirkend das Gefühl alles falschgemacht zu haben, was man nur falsch machen konnte.
      Jedenfalls halte ich einen solchen Artikel vor dem Hintergrund meiner eigenen bitteren Erfahrung für sehr gefährlich.

  • Antje Pukari

    Danke 🙏🏻
    Ich hoffe die DHZ Redaktion überdenkt diesen Artikel noch mal, ruft ihn wirklich zurück UND entlässt dessen Autor aus ihren Diensten.

  • Wolfgang Klosterhalfen

    Schon In der Bibel des Gelsenkirchener Misshandlungsverfahrens (Ernst August Stemmann und Sibylle Stemmann (2002): Selbstheilung (Spontanheilung) der Neurodermitis. Das Gelsenkirchener Behandlungsverfahren. Auslieferung: AuK, Westerholter Straße 143, 45892 Gelsenkirchen) steht auf Seite 215 geschrieben:
    „Die Mahlzeiten Ihres Säuglings sollten mit einem Jahr wie folgt verteilt sein:
    8.00 Uhr Brei (oder kurzfristig noch Flaschenkost)
    12.00 Uhr Gemüsemahlzeit
    15.30 Brei
    19.00 Gemüsemahlzeit“
    Lesetipps:
    http://www.reimbibel.de/GBV-Kinderklinik-Gelsenkirchen.pdf oder .htm
    http://www.reimbibel.de/Chronik-des-Gelsenkirchener-Klinikskandals.pdf oder .htm

    • Herbert Renz-Polster

      @Prof. Klosterhalfen: ich glaube nicht, dass es als „Misshandlungsverfahren“ intendiert ist, Herr Langer meint wirklich, dass seine Therapie gut für die Kinder und Familien ist. Dahinter stehen sicherlich viele Probleme, schier unglaubliche Wissenslücken über das normale kindliche Verhalten sind eines davon, das wollte ich mit diesem Artikel zeigen.

      • Wolfgang Klosterhalfen

        Dass Misshandlungen intendiert sind, glaube ich auch nicht. Habe ich auch nie behauptet. Aber Langer und Lion haben viel Unsinn von Hamer und Stemmann übernommen und schädigen dadurch Mütter und deren allergiekranke Kinder. Ihre psychologischen „Diagnosen“ (Trennungsangst, Revierangst) und die Trennungen von Müttern und Kindern unter 3 Jahren sowie die radikale Umstellung der Ernährung sind leitlinienwidrig.
        Den provozierenden Begriff „Misshandlungsverfahren“ habe ich gewählt, weil die Bergmannsheil und Kinderklinik Buer seit 2004 auch berechtigte Kritik am GBV grundsätzlich zurückweist, Aufsichtsbehörden wegschauen, und kaum ein Hochschullehrer, Journalist oder Politiker willens und in der Lage ist, sich diesen Skandal einmal genauer anzusehen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Klinik seit Jahren vortäuscht, Allergien in mindestens 87% der Fälle zu heilen.

  • Mirjam

    Ich bin wirklich entsetzt, dass solche Ansichten von einem angeblichen Experten kommen und dann auch noch in einer Hebammenzeitschrift abgedruckt werden. Wie viele Hebammen werden sich an diesen Ansichten orientieren und wie viele Mütter werden sich zwingen gegen ihren mütterlichen Instinkt zu handeln, weil ja ein angeblicher Experte ziemlich deutlich zu verstehen gibt, dass dieser falsch sei und man dem Kind damit schade.Die armen Kinder, die so aufwachsen müssen… mir blutet das Herz. Es ist so traurig, dass dieser Herr so veraltete Naziansichten als neu und richtig verkauft.

    Vielen Dank Herr Renz-Polster für diesen sehr klaren Artikel und ihr tolles Buch „Kinder verstehen „. Es zeigt mir u.a. deutlich, dass mein Mamainstinkt richtig und das Beste für unser kleines Wunder ist.

  • Barbara Lackner

    DANKE🙏 für Ihre heilsamen Worte!

  • Tabea

    Danke für so viel Erklärung und fundierte Wissenschaft. Ihre Stimme braucht noch viel mehr Gehör und hat mir/uns in unserer eigenen Elternschaft oft bestärkt.

  • Sabine Ndukwu

    Es gibt zum Glück auch viele Hebammen die ihr Empfinden und ihren Verstand benutzen um Eltern in ihrer Intuition, Liebe und Fürsorge für ihre Kinder zu bestärken.
    Danke für die wunderbar kritischen Worte die wir so sehr brauchen.
    Sabine Ndukwu, Hebamme

  • Marion s.

    Das macht mich so fassungslos und traurig. Ich selbst habe unter diesem 3-Std Stillrythmus und jede Seite 6 Minuten- Krampf gelitten. Und mein Kind erst! Was konnte es denn haben? Hunger konnte es nicht sein, Windel auch trocken, warm… Stress durch Hilflosigkeit für alle. Ach, wär das schön gewesen, hätten mir die Hebammen gezeigt, wie ich stille und das nach Bedarf. Und statt dass es besser wird und aufgeklärter, wird es auf diesem Wege noch schlimmer.
    Danke für diese Stellungnahme!

  • Caroline Brandes

    Lieber Herr Dr. Renz-Polster,
    vielen Dank dafür, dass Sie sich erneut klar und deutlich zur Elternschule und zu Herrn Dietmar Langers Handlungen äußern.

    Es wird schon Gründe geben, warum in den letzten Jahren derart krude, nicht Kindeswohl dienliche Praktiken als normal dargestellt werden.

    Immerhin wird seit Jahren auch immer mehr dazu beigetragen, dass Mütter durch entsprechende politische Instrumente frühzeitig arbeiten gehen und somit aus rein finanziellen Gründen ihre Kinder gar nicht mehr so lange stillen können.

    Auffallend ist auch hier, dass Menschen als Mutterkreuz-Ideologen gebrandmarkt werden, wenn sie sich dafür einsetzen, dass für Mütter die Möglichkeit (!!!) / die Wahlfreiheit (!!!) bestehen soll, ihr Kind auch bis zu 3 Jahre stillen zu können, ohne finanziell in den Seilen hängen zu müssen. Hierbei tun sie genau das Gegenteil von dem, was in der Nazizeit getan wurde. Sie stellen sich auf die Bedürfnisse ihres Kindes ein. Dieses Umdeuten von Begriffen in den letzten Jahren fällt immer mehr Menschen auf.

    Mütter, die natürlich stillen, also nach Bedarf stillen wollen,
    a) haben angeblich etwas gegen die Gleichberechtigung bzw. Gleichstellung von Vätern, immerhin gäbe es ja Flaschennahrung, sie würden hiermit die Möglichkeit eines frühzeitigen Wechselmodells hintertreiben
    b) belasten hiermit Dritte, weil sie nicht zeitnah vollschichtig arbeiten gehen würden. Sie seien zudem selbst an ihrer zukünftigen Armut schuld.

    Warum hypen die Methoden der Elternschule tatsächlich?

    Derart gedrillte Babys können viel einfacher in Babykrippen und Kleinkindgruppen ab 1 Jahr in entsprechenden Gruppen versorgt werden, derweil die Ökonomisierung von Müttern kleiner Kinder besser vorangetrieben werden kann.

    Die „Deutsche Gesellschaft für ERNÄHRUNG“ (DGE) hat offenbar nicht nur „Babyexperten“ wie diesen Psychologen an der Hand (Wecker und Waage). Es gibt ja auch weitere Themenfelder, wo es bei der DGE hakt.

    Mich würde mal interessieren, wie sich unser Gesundheitsminister Spahn hierzu positioniert und der sogenannte „Kinderpabst“ Prof. Dr. Koletzko (http://www.food-detektiv.de/exklusiv.php?action=detail&id=194,), der auch auf den Seiten der DGE immer wieder zum Thema Stillen bzw. Säuglingsnahrung zitiert wird. Er wurde deutschlandweit auch als Gutachter in einem umstrittenen Sorgerechtsfall bekannt (https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Eine-Familie-kaempft-um-ihr-Kind-und-gegen-den-Krebs-id50930621.html, https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Vater-verliert-vor-Gericht-sein-Kind-dann-stirbt-seine-Frau-id51288311.html, http://www.wfs-rating.de/pdfs/R-V_2018-1.pdf) , in dem er sich unter anderem zu Vitamin D und Rachitis äußerte.

    Mir selbst fällt aktuell nur ein passender Titel für eine offensichtlich notwendige Petition ein, damit nicht weitere Kinder der Kinderklinik zugeführt und nicht weitere Hebammen mit Unterstützung der DGE zum Schaden der Menschheit derart ausgebildet werden:

    Kindeswohlgefährdung auf Rezept? Nein danke!

  • Natascha Durst

    Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel! Ich wundere mich schon lange, wie hartnäckig sich das Gerücht hält, dass ein Neugeborenes nur alle 4 Std. gestillt bzw gefüttert werden muss und am liebsten ab dem 4. Lebenstag wenigstens sechs Stunden am Stück in der Nacht schläft…im eigenen Bettchen.
    Und tatsächlich kamen wohl zu Zeiten der Säuglingszimmer, wo die Neugeborenen alle 4 Std. für 1 Std. zu ihren Müttern durften, die Eltern mit einem Kind nach Hause, nach stat.Aufenthalten von 7 -14 Tagen, welches schon auf die 4-Std.-Regel trainiert war. Natürlich nachgefüttert im Säuglingszimmer und der Lärm der schreienden Kinder war oft ohrenbetäubend…als Krankenpflegeschülerin war ich dort eingesetzt.
    Danke nochmal Herr Dr. Renz-Polster für Ihre Arbeit und Ihre Bücher, in denen jeder Leser endlich das nötige Einfühlungsvermögen gegenüber diesen kleinen Menschen entwickeln kann.

  • Nati

    Lieber Herr Dr. Renz-Polster,
    ich selbst bin Hebamme und habe die DHZ einige Jahre gelesen, musste sie aber leider aufgrund von Zeitmangel zum Ende des Jahres 2019 kündigen. Auch ich schätze sie sehr und bin bestürzt darüber, dass die Redaktion sich an solche Autoren wendet. Ich würde es sehr begrüßen, wenn Sie der DHZ einen Leserbrief schreiben, ich werde dies auch tun!

  • Elena

    Lieber Herr Renz-Polster,
    bitte machen Sie noch viele viele Vorträge für uns Hebammen. Dann kommen die gewissen Kolleginnen vielleicht nicht auf die Idee, ihren betreuten Familien irgend etwas von 4-Stunden-Rhythmen und Schreienlassen zu erzählen.

  • Simone

    Aus meiner Erfahrung möchte ich berichten: zwei Säuglinge, bis auf zwei Wochen gleich alt, der selbe Haushalt, der selbe Tagesablauf, die selben Menschen, verschiedene Eltern, einer gestillt, einer nicht.
    Das Flaschenbaby schlief von 19.00 – 7.00 durch und mittags von 12.00 – 15.00. mein gestilltes Monster 2x 30 Minuten am Tag wann es wollte und nachts von 19.00 – 5.30 mit ca 5 trinkpausen. Lag es am Stillen? war ich inkonsequent? War ich gestresst? Ja! War ich! Bis ich wirklich kapiert habe, dass jedes Kind anders ist. Ein Artikel, der erklärt, wie man sich Hilfe holt um ein halbes Stündchen zu schlafen am Tag und dass man gelassen sein kann und alles gut ist, das wäre hilfreich. Und ich stehe selbst nachts auf, wenn ich Hunger habe!

  • Magdalena Habrik

    Lieber Herr Renz-Polster,
    Wieder einmal bin ich einfach nur froh und dankbar, dass Sie Ihre Stimme erheben, dass Sie Position beziehen, dass Sie eintreten für die Kinder!
    Als Hebamme arbeite und als Frau und Mensch lebe ich nach bindungsorientiertem und salutophysiologischem Ansatz — und bin immer wieder traurig und frustriert, wie sehr Eltern aus allen Richtungen immer wieder verunsichert werden, wenn sie intuitiv als richtig empfundene Ansätze aus meiner Begleitung mit ihren Kindern umsetzen…
    Danke dafür, dass dann von Ihnen immer was gut recherchiertes zu lesen Zu empfehlen ist!

    Bei der DHZ werde ich laut sein! Ich hoffe, viele andere Hebammen auch!
    Und Konsequenzen ziehen!

    Vielen Dank!
    Magdalena Habrik

  • Katharina

    Ich könnte nur noch weinen, wenn ich sehe, dass diese Klinik Ungestört weiter machen darf/ die Presse sich nicht korrigiert bzgl. Ihrer unfassbaren positiven Kritik und nun auch eine Hebammenzeitschrift Ideen vertritt, die unmenschlich und herzlos sind. Was ist hier eigentlich los.

  • Ricarda

    Vielen Dank für diesen Hinweis Herr Renz-Polster. Ich habe mich bereits beim Lesen des Artikels über die fragwürdigen Inhalte gewundert. An alle Mütter da draußen, wir Hebammen sind einfühlsam und beim Lesen von Empfehlungen stets kritisch. Wir werden weiterhin die Beziehung von Mutter und Kind in den Mittelpunkt unserer Beratung stellen, also keine Sorge. Lasst euch auf eure Kinder ein, dann wird alles gut.

  • Alexandra

    Wie traurig ist das denn bitte?
    Was ist denn nur los, dass einem solch unempathischen Menschen dermaßen viel Gehör und Bühne gegeben wird?
    Das ist mir unbegreiflich.
    Ist schon schlimm genug, wenn Hebammen sowieso schon mit ihrer Ausbildung auf veraltetem Stand sind, aber das dann noch dazu? Furchtbar!
    Und mit meiner Aussage will ich nicht Hebammen per se schlecht machen. Ich bin unheimlich dankbar für meine Hebammen, ich hatte zwei Traumgeburten. Trotzdem kamen von ihr Aussagen wie, ich soll mein Kind nicht in den Schlaf stillen. Habe ich trotzdem gemacht. Und oh Wunder, sie geht jetzt mit 14 Monaten in die KiTa, ich stille zu Hause immer noch, trotzdem kommt sie dort sehr gut zurecht und schläft auch dort und das ohne Geschrei.
    Gerade bei so sensiblen Themen wie Schlaf oder auch Nahrungsaufnahme kann es nie zu viel Zuwendung oder Zeit nehmen für das Kind geben, nie!

  • Regina Masaracchia

    Ich bin so froh, dass es Sie gibt, Dr. RENZ-POLSTER!!

  • Ingrid Ellensohn

    Danke, danke Herr Renz-Polster,dass sie sich die Zeit genommen haben um diesen hervorragend,treffendenden Text zuschreiben.Ich hoffe,sie werden gehört!!!
    Wie kann das nur immernoch passieren? 2020!!!

  • Mascha

    Oh mann, mir fehlen da einfach nur noch die Worte und ich halte es kaum noch aus, wie unbedacht und vermeintlich unreflektiert solche „Expertisen“ (z.B. von Herrn Langer) noch zu Rat gezogen werden können, wo doch so viel mehr „neues“ fundiertes Wissen und Forschung in den letzten 20 Jahren vorliegt. Ich danke Dir so sehr, Herbert, für Dein unermüdliches Kämpfen und Widerlegen dieser Meinungen und Fürsprechen für unsere Kinder!!!

  • Ingrid Löbner

    Lieber Herbert,
    vielen vielen Dank, dass Du ein weiteres Mal so ausführlich und prompt widersprichst. Wenn man Eltern und Kind gut zuhört und beide mit ihren inneren Bedürfnissen versteht, finden sich gute Wege und wunderbare Kooperationen, die Eltern und Kind bestens und ohne Stress zu gemeinsamer Ruhe kommen lassen. Es freut mich immer wieder von Neuem, wie fein Wege aussehen, wenn man Babys klein und bedürftig sein lässt und man Eltern behilflich ist, ihre Kinder zu verstehen wie sie sind; und sie sich selbst auch besser verstehen in ihrer großen elterlichen Bereitschaft, fürsorglich und rundum liebevoll sein zu wollen. Dann finden sich immer Wege, die allen Entspannung und mehr Loslassen und Laufenlassen bringen. Leider erzählen auch mir viele Eltern, wenn sie Hilfe brauchen und zur Beratung kommen, dass sie bezüglich Füttern oder Schlafen so ähnliche Ratschläge von Fachleuten bekommen haben, wie jene des Autors Langer, mit dieser exakten Vorstellung, wie ein „richtig“ reguliertes Kind funktionieren würde und was zu tun sei, dass Eltern es auf diesen eindeutigen Weg bringen. Die Vorstellung, dass Kinder funktionieren sollen und sie einem sonst unweigerlich und ausschließlich auf der Nase herum tanzen, ist leider (nicht nur im medizinischen Bereich) doch noch sehr verbreitet. Danke Dir sehr, dass Du so oft, so schnell, immer fundiert widerlegst, dass dieser Unsinn nicht stimmt.
    Herzliche Grüße aus Tübingen
    Ingrid Löbner

  • Mutterherz

    Es ist leider ja Realität den Eltern füttern nach Plan zu empfehlen. Zumindest bekomme ich jedesmal das Gefühl wir sind ja selber Schuld das wir ein Mädchen von 15 Monaten haben. Die nicht dran denkt nach Plan Brei zu essen und nicht durchschläft. Weil kein Training und kein Zwang. Was für einen Sinn macht es nach Bedarf zu Stillen und dann beikost nach Plan einzuführen. Ich soll meinem Kind abends was richtig sättigendes geben und wenn sie in der Nacht Hunger hat schläft sie auch irgendwann ohne Brust ein. (Rat einer Kinderärztin). Und das Umfeld ist auch nicht besser: Das Kind wird noch gestillt und ist noch nicht aus dem Elternzimmer ausquartiert die tanzt euch ja auf der Nase rum. Da ich psychische Störungen habe wird gleich behauptet ich könne wohl nicht loslassen? Sie hat alles von alleine sehr früh gelernt krabbeln laufen sprechen ist sehr selbstbestimmt und neugierig auf alles. Klingt das nach klammern meinerseits?Um meinem Kind die seelischen Schäden einer sehr strengen und einengenden Erziehung zu ersparen möchte ich weiterhin bedürfnissorientiert und liebevoll erziehen. Jeder Mensch ist anders , auch mit den Kleinsten sollten alle mit Respekt und Toleranz umgehen.

Kommentar verfassen