Kommentar25. März 2021

Die Wand des Schweigens

Gerade ist ein neues Buch zu einem immer noch wenig bekannten Thema erschienen: "Die Akte Verschickungskinder" von Hilke Lorenz. Oder: Wie Kurheime für Generationen zum Albtraum wurden. Hier mein Vorwort zu dieser lesenswerten Aufarbeitung.

Nach der (teilweisen) Aufarbeitung der Missbrauchskultur in Kirchen und der Heimerziehung liegt nun endlich ein Buch zur Missbrauchskultur in „Erholungs“-Einrichtungen vor, in die Kinder in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts massenhaft verschickt wurden. Danke für diese umfassende Arbeit!

Viele von uns verorten die kinderfeindliche Praxis der Verschickung weit im Nebel der Geschichte. Dass Kinder von ihren Eltern, Freunden und dem häuslichen Umfeld getrennt wurden, um in der Fremde bei fremden Menschen zu leben, das war so im Mittelalter, wo Kinder zur Ausbildung in fremde Haushalte gegeben oder zu Lehrmeistern geschickt wurden. Oder in Kriegszeiten, wo Kinder zu ihrem eigenen Schutz zu Fremden aufs Land gegeben wurden.

Dass die Verschickungen keineswegs von „damals“ sind, weiß ich aus meinem eigenen Leben mit einem „Verschickungskind“.

Meine Frau Dorothea wuchs in den späteren 1960er-Jahren in Indien als Tochter von Missionaren auf. Als sie fünf Jahre alt war galt es, den Koffer zu packen. Die Reise ging über 2000 Kilometer in ein Internat in Südindien, in dem sie keine Menschenseele kannte, geschweige denn jemand ihre indische Gassensprache oder ihre Familiensprache sprach. Mit 20 anderen kleinen Kindern aus aller Herren Länder, mit denen sie einen Schlafsaal teilte, lebte sie ab da unter der Obhut einer englischen Matrone. Um eine „gute Schule“ besuchen zu können. Ferien zuhause gab es zweimal im Jahr, jedes Mal hieß es danach wieder: Koffer packen. Das war, natürlich, alles zu ihrem eigenen „Guten“.

Auch die Verschickungen der Kinder zur Erholung, von denen in diesem Buch die Rede ist, waren, natürlich, zu deren „Guten“ – die Ferien von zuhause sollten den Kindern einen Vorteil bringen, ob gesundheitlicher oder pädagogischer Art.

Dachten damals alle Eltern so? Das wird manchmal pauschal so behauptet. Früher, so wird dann vermutet, kannten die Eltern einfach das mit der „Bindung“ noch nicht.

Das stimmt in dieser Pauschalität nicht. Zu allen Zeiten gab es Ethnotheorien oder Alltagskonzepte von Bindung, denen Eltern, Großeltern oder ErzieherInnen aus dem Herzen heraus folgten. Zu allen Zeiten gab es Eltern, die um die Gefahren und Folgen von Trennungen von Kindern und ihren Bezugspersonen intuitiv wussten. Und die ihre Kinder weniger leicht fortgaben als andere. Oder solche Trennungen sogar als inakzeptabel ansahen und ihre Kinder davor bewahrten so gut sie konnten. Nein, „das mit der Bindung“, das gab es längst, bevor die Bindung zum Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung wurde. Tatsächlich kam das Bindungsmotiv ja auch in der Wissenschaft schon vor der Formulierung der klassischen Bindungstheorie in sehr unterschiedlichen Schulen immer wieder an die Oberfläche. Man erinnere sich an die Arbeiten von Wilhelm Reich, René Spitz, oder Harry Harlow. Oder an die wunderbare Arbeit von Anna Freud, die sie ausgerechnet an Säuglingen durchführte, die zu ihrem eigenen Schutz im Zweiten Weltkrieg aufs Land „verschickt“ wurden. Sie stellte darin zusammen mit Dorothy Burlingham fest, dass die Säuglinge, die die Bombenangriffe mit ihren Müttern erlebt hatten, emotional ausgeglichener und besser entwickelt waren als diejenigen Säuglinge, die die Kriegsmonate in ruhigen ländlichen Gebieten, aber getrennt von ihren Müttern verbrachten. Natürlich war das für viele Menschen damals eine Überraschung. Aber allein, dass die Fragestellung verfolgt wurde, zeigt, dass bindungsgeleitete Hypothesen keineswegs von einem anderen Stern waren.

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Die Frage nach dem Warum

Liest man dieses Buch, so stellt sich einem immer wieder die bohrende Frage: Warum nur fiel es den an diesem System der Verschickungen Beteiligten – den Eltern, den Kinderärzten, dem pädagogischen Personal – nicht früher auf, dass das, was sie da machten, eben NICHT zum Guten der Kinder war? Warum etwa haben sie die Signale ignoriert, die von den Kindern selber kamen, die Verhaltens“störungen“, der Rückzug, die Ängstlichkeit? Kurz, warum konnte dieses System über Jahrzehnte Kinder traumatisieren?

Ich sehe den Grund darin: Über diesem System hing ein Schweigegelübde – eine Art Omertà, durch die sich die Mafia schützt. Natürlich war sich dieses Gelübdes niemand bewusst, die Wand des Schweigens entstand vielmehr auf dem Boden schadhafter Beziehungen.

Vor kurzem erzählte mir meine 93-jährige Mutter von einer Verwandten, die ihr als Kind sehr nahestand. Diese Verwandte ging als Jugendliche nach dem Krieg zur Lehre in eine andere Stadt ging, sie wollte in einem Haushaltswarengeschäft Verkäuferin lernen. „Und Knall auf Fall kam sie wieder zurück. Und seither war sie irgendwie verändert. Wo sie vorher eine strahlende, fröhliche junge Frau war, war sie ab da in sich gekehrt und misstrauisch.“ Was wohl passiert war, dass ein Lehrmädchen in den Nachkriegsjahren „Knall auf Fall“ wieder ins Elternhaus zurückkam, mit dem Stigma einer abgebrochenen Lehre? Das blieb allen ein Geheimnis: „Sie hat nie etwas dazu gesagt.“

Wie denn auch – wenn Offenheit doch auf Vertrauen beruht? Auf das Vertrauen, gehört und verstanden zu werden?

Warum verschlossen die Eltern ihre Ohren vor ihren Kindern? Oft aus Scham. Das, was sie vernommen hätten, hätte in ihnen Scham ausgelöst. Scham begleitet den Marsch ins Schweigen.

Die Wand des Schweigens stand aber auch deshalb undurchdringlich da, weil das, was den Kindern in den Einrichtungen widerfuhr, gang und gäbe war. Oft genug wurden die Kinder ja auch zuhause hart bestraft, entwertet und gedemütigt. Mussten den Teller leer essen. Wurden eingesperrt. Hätten sie ausgerechnet ihren Eltern gegenüber nun Klage wegen gewaltsamer Behandlung durch fremde Erwachsene führen können? Diese Wand sollte erst in den 1970er-Jahren allmählich zu bröckeln beginnen.

Zwischen den Geburtsjahrgängen 1970 und 1985 verdoppelt sich in Deutschland der Anteil der Kinder, die in ihrem Elternhaus nie körperliche Gewalt erfahren haben, von etwa 25 auf etwa 50 Prozent. Heute liegt dieser Anteil bei etwa 63 Prozent. 1997 wird die Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt – gegen den Widerstand von immerhin zehn Abgeordneten aus CDU/CSU und FDP (einer von ihnen ist heute Bundesinnenminister, eine andere unterstützt inzwischen die AfD als Wahlkampfhelferin). Erst im Jahr 2000 sichert Deutschland mit seinem Gesetz zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung allen Kindern das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung zu (und auch das gegen den Widerstand der damals größten Bundestagsfraktion).

Aber da war noch eine dritte Ebene der Omertà. Die Wand des Schweigens stand auch auf dem Fundament eines tief in die Erwachsenen eingegrabenen Glaubens an die Autoritäten. Was die Experten anordneten, war richtig. Was Ärzte zu sagen hatten, galt. Widerspruch gestand man sich nicht zu – und er wurde auch nicht zugelassen. Wenn ein Heimleiter oder ein Arzt einem Kind eine Störung attestierte, dann war das Kind gestört, basta. Kurz, das Schweigen hatte auch eine Herrschaftsdimension. Die Wand bestand auch aus institutionalisierter Gewalt.

Meine Schwester kam im Jahr 1956 als leicht frühgeborenes Kind auf die Welt, meine Mutter durfte sie die ganzen drei Monate ihres Aufenthalts in der Klinik nicht besuchen. Im Alter von zwei bis vier Jahren musste meine Schwester mehrere Schieloperationen über sich ergehen lassen. Jedes Mal war sie wochenlang allein unter fremden Schwestern und Ärzten (Ärztinnen waren damals selten). Wenn sie mit ihren verbundenen Augen den Brei verkleckerte, wurde sie ausgeschimpft. Zum Frühstück gab es am Tisch Kuchen – für die „Klassepatienten„. Die anderen Kinder bekamen Brot.

Die Verschickungen waren zum Wohl des Kindes

Ja, wir haben viel gewonnen. Unsere Beziehungen untereinander, auch die zu unseren Kindern, sind menschlicher geworden, gleichwürdiger. Der Bund des Schweigens hat ein Stück seiner Grundlage verloren – die Distanzierung, das mangelnde Vertrauen. Wir sind freier geworden und auch kritischer.

Und doch sollten wir hellhörig werden, wenn wir dieses eine Motiv bedenken, das Eltern damals dazu brachte, ihre Kinder einem faulen System anzuvertrauen: Sie taten es für ihr Kind. Zu seinem Wohle. Wie oft hören wir heute ähnliche Begründungen?

Im Jahr 2018 machte ein Kinofilm über eine psychosomatische Abteilung einer Kinderklinik in Deutschland Furore, der eindeutig therapeutische Gewalt gegen kleine Kinder zeigte, die dort „behandelt“ wurden. Sie wurden in Gitterbetten in dunkle Räume eingesperrt – um das Alleine-Schlafen zu lernen. Sie wurden täglich nach einem Plan von ihren Müttern getrennt – angeblich damit sie so ein „Trennungstrauma“ überwinden, das sie sich zum Beispiel vorgeburtlich zugezogen hätten. Die Reaktion der bürgerlichen Presse war überwiegend positiv. Kinder, so schrieb die seriöse ZEIT, durchliefen auf diese Art einen „Zivilisations-Crashkurs“. Ja, die Therapie sei hart – aber letztendlich doch zum Guten des Kindes.

Und wo begegnet uns sonst überall dieses „Es ist zum Guten der Kinder“? Kritisieren wir unser Bildungssystem, von dem wir doch wissen, dass es durch seinen Ausleseauftrag gerade den bildungsbedürftigsten Kindern dieses „Gute“ sehr häufig schuldig bleibt? Von dem wir wissen, dass dort gerade diejenigen Kinder, die vom Leben sowieso schon benachteiligt sind, weiter benachteiligt werden? Kritisieren wir die Abwertung, die Ausgrenzung, die Beschämung, die dort gerade diejenigen Kinder erleben, die Aufwertung, Ermutigung und Zuspruch am dringendsten benötigen? Ich sehe das nicht. Wir rechtfertigen dieses System auf Schritt und Tritt.

Kritisieren wir die nach Auskunft aller Wissenschaftler eindeutig überforderte Kleinkindpädagogik? Ich sehe das nicht. Wir stimmen immer wieder in das Lamento ein: Hauptsache Plätze. Und was will man denn machen, es gibt nun einmal zu wenig Fachkräfte, bei dieser Bezahlung, Sie wissen schon. Aber frühe Bildung muss nun einmal sein. Sie ist zum Guten des Kindes. Dafür lassen wir uns gerne eine Geschichte einfallen. Wir wissen, dass da irgendwo ein Haken drin ist, aber wir lauschen gebannt.

Und kritisieren wir das komplett überforderte Geburtssystem? Die dort tagtäglich – meist entgegen den Intentionen des Personals – ausgeübte Gewalt, Beschämung, Fremdbestimmung, ja, teilweise auch Gefährdung der Gebärenden? Wirklich? Ich sehe das nicht. Allein die Sektion Oberland des Deutschen Alpenvereins hat etwa 20-mal mehr Mitglieder als alle gegenüber der real existierenden Geburtshilfe kritischen Vereine und Interessensgruppen zusammen – deutschlandweit.

Und von dem System der Altenpflege will ich gar nicht erst anfangen.

In vielerlei Hinsicht leben wir weiterhin die Omertà. Mit Blick auf die Schweigeopfer, von denen in den folgenden Kapiteln die Rede ist, können wir von diesem Buch etwas Wichtiges lernen: Wir sollten mutiger werden, vor allem als Gesellschaft.

Schätzungsweise acht Millionen Kinder wurden zwischen den 1950er- und 1980er-Jahren auf Anweisung von Ärzten in sogenannte Kindererholungsheime verschickt und kamen verstört oder traumatisiert zurück. Was viele Verschickungskinder dort erleben mussten, prägt sie bis heute: Heimweh, Einsamkeit, Zwang und Gewalt.
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6 Kommentare

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  • Ingrid

    Nicht nur die Kinder hat das damals traumatisiert. Auch die Mütter/Eltern! Meine Mutter (78a) ist heute noch traumatisiert, weil sie meinen Bruder (geb. 1969) kurz nach der Geburt aufgrund einer Pylorusstenose wochenlang im KH nur durch eine Glasscheibe sehen durfte! Immer wieder spricht sie davon und wie schlimm das für sie war.

  • Eva

    Gerade auch jetzt zur Zeit der Pandemie finden auch in den Kinderkliniken wieder Trennungen von den Eltern statt. Aus Ansteckungsgründenwird Eltern der Besuch ihrer Kinder verwehrt oder stark zeitlich begrenzt. Dabei ist gerade der Klinikaufenhalt z.Bsp. bei Operationen wie in der Kinderchirurgie extrem beängstigend und belastend , selbst für Jugendliche. Und – ich habe es letzten Sommer selbst miterlebt- der Umgangston des Pflegepersonals den Kindern gegenüber ist ohne Anwesenheit der Eltern deutlich rüder.

    • Ana

      Genau, ich hatte gerade eine Mutter in der Stillberatung, die ihr vor 5 Tagen geborenes Kind nicht in die Klinik mitbringen durfte, um ihren Milchstau zu untersuchen!! Unfassbar. Der Mutter wurde nicht mal eine Beratung angeboten sondern gleich Abstillpillen verschrieben…

    • Steffi

      Es gibt ja unzählige, die jetzt ambulant gebähren, weil sonst das Geschwisterkind die Mutter während des Klinikaufenthalts gar nicht sehen dürfte..

  • Ana

    Schön und gut, ich stimme mit fast allem überein. In der Schweiz fand übringens die letzten Jahre mit den den ‚Verdingkindern‘ ein ähnlicher Prozess statt; Betroffenheit, Wiedergutmachungen… wenn denn das je gehen sollte… Wirklich tragisch…<

    Das absolut Unfassbare ist, das eigentlich heute genau das gleiche stattfindet; Kinder werden Eltern, oder einem Teil davon, immer noch entrissen. Das Jugendamt, in der CH die KESB, 'amten' in ganz vielen Fällen gegen das Wohl des Kindes, und unter eingen Aspekten die Sie auch nennen. Alles scheint besser als die Familie. Und es gibt Leute die daran verdienen. Und wo Geld im Spiel ist, geht oft die Etik über Bord.
    Anstatt einen Einheitsbrei und Chancengleichheit (was ist denn das überhaupt, wenn man es genau betrachtet?!!) sollte man doch die Vielfallt fördern. Es gibt nicht nur EIN Weg. Nur, das ist dann halt nicht mehr so lukrativ. Wenn Studien belegen, dass Kinder in einem 'familieänlichen' Umfeld (Mind. eine konstante Bezugsperson an die sich die Kinder langfristig binden können) am besten gedeihen, und dann genau das Gegenteil gemacht wird (Grossgruppen und wechselnde BetreuerInnen und Zeiten) drängt sich die Frage auf, ob das ggf. einen Grund hat, dieses Gegenteil…. Und dass es nicht nur um den Kostenmehraufwand für Personal geht, sondern ggf. auch um eine grundlegende Einkommensquelle die entwurzelte Kinder ohne Frage sind.

    Ihr Worte also in den Ohren der Verantwortlichen ….

    Sie haben die Wand des Schweigens angesprochen. Das ist ein wichtiger Punkt und er wird auch bleiben. Denn unsere 'Ursoftware' sagt uns immer noch, dass wir die Gemeinschaft brauchen um zu überleben und Verstösse gegen sie, eben eine andere Meinung, ggf. lebensgefärlich sind. Das sind sie tatsächlich. Man nehme z.B. nur die Meinung, dass die C-Massnahmen, die ja ein ganzes Jahr jetzt immer wieder angewendet werden, nichts nützen, denn sonst wäre das alls ja schon 'vorbei'. Wenn man so was äussert, ist man bei vielen Leuten unten durch. Obwohl es Fachleute, die jahrzehnte lange Erfahrung haben auf dem Fachgebiet, genau das bestätigen. Die Hörigkeit ist immer noch da, so unsinnig etwas bei nüchterner Betrachtung ist. Einstein meinte dazu; iImer das selbe zu machen und ein anderes Reslutat zu erwarten ist schlicht dumm.) Genau das tun wir aber. Weil wir so 'programmiert' sind. Es wäre Sache der Verantwortlichen (Wir sind Herdentiere), zum Wohle der Menschen zu handeln. Wenn die aber andere Gründe haben als Achtsamkeit und Verantwortungsgefühle wirds schwierig. Wenn ein PCR-Test Geld bring, oder Kinderunterbringung weg von Familien und die Kinder dann noch via Medikamentenverarbreichung lebenslange 'Kunden' sind… auweia… da ist der Salat perfekt… Unsere Wirklichkeit…

    Es gilt also, wie eigentlich immer: Nicht sich über ein Thema echauffieren sondern grundlegend alles zu ändern, was dahinführen könnte. Z.B. wird sexueller Missbrauch nicht durch Vermitteln von (technischem) Wissen verhindert, sondern in dem Kinder unangetastete bindingunslose Geborgenheit erfahren, Achtsamkeit für Gesundheit nicht durch Maskenpflicht erreicht und Kreativität und Bildung nicht durch Druck zum Lernen erzeugt.

    Machen wir es besser, wenn wir unseren Kinder geben was sie brauchen – Konstanz, emotionale Wärme und Freiheit zu denken und zu sein – dann kommt der Rest von alleine und es wird nie mehr nötig sein, solche Bücher zu schreiben….

  • Caroline Keeling

    Ich finde tatsächlich so wenige Möglichkeiten sich zu organisieren. Hier ein von Eltern gegründeter gemeinnütziger Verein im Saarland:

    https://www.eltern-fuer-bildung.de/

    Hier der Link zum Flyer:

    https://www.eltern-fuer-bildung.de/fileadmin/downloads/pdf/Verschiedenes/Flyer_LI_neu_2020-02.pdf

    Hier ein Auszug:

    – Schulen, in denen Kinder und Jugendliche alle wichtigen Bildungserfahrungen machen, alle ihre Fähigkeiten und Begabungen entwickeln können

    – Schulen, in denen Kinder und Jugendliche erfahren, dass ihr Lernen hilfreich begleitet, ihre Arbeit wertgeschätzt, ihre Leistung gesehen und gewürdigt wird

    – Schulen, die an sich selbst hohe Anforderungen stellen, sich an den eigenen Maßstäben orientie­ren und an ihnen ihre Arbeit selbstkritisch prüfen

    – Schulen, in denen Kinder lernen, mit Unterschieden zu leben, und in denen sie so angenommen werden, wie sie sind, ohne beschämt oder für ihr Anderssein „bestraft“ zu werden

    – Schulen, in denen die – nach wie vor große – Ungleichheit der Bildungschancen so weit wie möglich abgebaut wird

    – Schulen, die demokratisches Bewusstsein und Verantwortung befördern, Solidarität und Hilfsbereitschaft, Empathie und Zuwendung, Mitwirkung und demokratisches Engagement, Eigeninitiative und Gemeinsinn

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    Wer sich ausserdem noch „Gute Bildung statt sozialer Auslese“ auf die Fahnen schreibt ist Die Linke (https://die-linke-nuernberg.de/2018/05/gleichstellung/).

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    Und hier noch die Seite von Roses Revolution (Initiative für eine gerechte Geburtshilfe in Deutschland)

    https://www.gerechte-geburt.de/home/roses-revolution/

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    Ich weiss nicht, bei mir persönlich ist es nicht so sehr die Scham, die mich zum Schweigen bringt. Es ist eher eine Art Resignation und Erschöpfung. Nicht in Schweigen zu verfallen kostet Kraft, wenn man nicht gerade Nonkonformismus als Sinn-stiftendes-Element und Hobby hat. Ich mache auch immer wieder den Fehler im persönlichen Umfeld zu „missionieren“, stattdessen sollte ich mehr koordinierte Bündelung der Kräfte mit Gleichgesinnten suchen.

    Ich denke ausserdem, dass die Banalisierung des Leidens bei Frauen und Kindern eine Rolle spielt (also dass es vielleicht nicht gerade „zum Guten“ geschieht, aber bereitwillig in Kauf genommen wird). Als hätten sie keine Folgen („Ist doch nichts passiert!“). Vielleicht können wir uns einfach noch nicht vorstellen, was uns als Individuen und als Gesellschaft entgeht bzw. was uns unter Umständen blüht, wenn wir diese emotionalen Leiden und die verlorenen Potenziale nicht Ernst nehmen und endlich richtig Kohle investieren! Wir sind doch jetzt so Fans von Computermodellen, modelliere das doch mal Einer ;-).

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