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Schlafstörungen – was sie sind und was sie nicht sind!

Angeblich leiden immer mehr Kin­der unter »Schlafstörungen«. Manche Ex­per­ten (wie etwa die Psy­cho­lo­gin An­net­te Kast-Zahn) at­test­ier­en sogar fast der Hälfte der Babys und Klei­nkin­der in Deutsch­land "ernsthafte Schlafprobleme"!

Nun können Schlafprobleme oder -störungen auf sehr verschiedene Arten definiert werden, zum Beispiel:

  • ein Kind schläft weniger als Kinder das normalerweise tun
  • ein Kind schläft nicht alleine ein oder es schläft nicht alleine durch
  • ein Kind schläft so schlecht, dass das Kind oder die darunter leiden.

Alle diese Definitionen sind recht subjektiv und von grundsätzlichen Annahmen über den Kinderschlaf abhängig. Etwa: wie lange Kinder normalerweise? Gehen wir hier von falschen Annahmen aus, so erscheinen uns viele Kinder als »gestört«, die eigentlich alles richtig machen (ich gehe auf dieses Problem hier ein).

Tatsächlich schwingen bei diesem Thema immer zwei weitere Fragen mit: was ist eigentlich normal? Und: was empfinden wir als »richtig«? Diese Frage machen die Definition von Schlafproblemen zu einem ganz eigenen Problem.

  • … Gehen wir zum Beispiel davon aus, dass kleine Kinder normalerweise alleine einschlafen (oder durchschlafen…), so erscheinen uns diejenigen Kinder als gestört, die das eben nicht tun (und das vielleicht aus keinem anderen Grund als dem, dass sie − ganz normal sind…).
  • … Gehen wir davon aus, dass Kinder im Verlauf einer normalen lernen, in einem bestimmten Altern alleine einzuschlafen (oder durchzuschlafen), so erscheinen uns diejenigen Kinder als entwicklungsverzögert, die noch nicht so »weit« sind.
  • … Und gehen wir davon aus, dass es für die Entwicklung, den Charakter oder den späteren Lebensweg eines Kindes wichtig ist, dass es lernt, alleine einzuschlafen, dann erscheint uns ein nicht alleine schlafendes Kind aus einem anderen Grund als problematisch: es macht nicht das, was eigentlich gut und richtig wäre. Ja, vielleicht gehen unsere Probleme jetzt noch weiter, und wir zweifeln entweder an dem Kind (widersetzt es sich unserer ?) oder an uns selbst (was machen wir nur falsch?).

Die Beispiele zeigen eines: es ist gar nicht so einfach eine Schlafstörung genau zu definieren. Da immer auch unsere eigenen Annahmen und Vorstellungen mit hinein − von »ein normales sollte doch eigentlich…« bis »ein gut erzogenes Kind sollte doch eigentlich…«

Aber das ist noch nicht alles. Auch das WIE steht da im Raum: wie schlafen Kinder eigentlich − oder: wie sollen sie schlafen? Wie leicht auch diese Frage letzten Endes »Schlafstörungen« begründen kann, erklärt der spanische Kinderarzt Carlos Gonzales bildhaft so: »Wenn man mir die Matratze wegnimmt und mich zwingt, auf dem Boden zu schlafen, wird mir das Einschlafen sehr schwer fallen. Heißt das, ich leide unter Schlaflosigkeit? Natürlich nicht! Geben Sie mir die Matratze zurück, und Sie werden sehen, wie gut ich schlafen kann! Wenn man ein Kind von seiner trennt und ihm das Einschlafen schwer fällt, leidet es dann unter Schlaflosigkeit? Sie werden sehen, wie gut es schläft, wenn Sie ihm seine Mutter zurückgeben!«

Wie wichtig es ist, unsere eigenen Annahmen mit zu berücksichtigen, wenn es um die Einschätzung von »Störungen« geht, zeigt die Geschichte: bis weit in die 1950er Jahre hinein gingen die meisten davon aus, dass schon Babys und Kleinkinder »sauber« sein sollten. Sie hielten dies entweder für normal oder eben wichtig für die Entwicklung des kleinen Kindes, das auf diese Weise Selbstbeherrschung erlernen sollte. Die Folge war, dass es in diesen Zeiten vor »ausscheidungsgestörten« Babys und Kleinkindern geradezu wimmelte. Und die Folge war auch, dass die Ausscheidungen zu einer Kampfzone wurden, in der so manche Beziehung zwischen Eltern und Kind dann zum eigentlichen Problem wurde.

Dieser Beitrag beruht auf dem Buch des Kinderarztes und Wissenschaftlers Dr. Herbert Renz-Polster: „Schlaf gut, Baby! Der sanfte Weg zu ruhigen Nächten" (zusammen mit Nora Imlau). Es stellt dar, wie Eltern ihre kleinen Kinder (von 0 bis 6 Jahren) bei dem Dauerthema Schlaf unterstützen und begleiten können, ohne dass daraus Kampf und Krampf entstehen.
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