Kommentar18. April 2020

Corona – und die Kinder

Ich will in den nächsten Wochen immer wieder etwas zum Thema COVID-19 bei Kindern schreiben. Also was bei Kindern in medizinischer Hinsicht besonders ist, aber auch wie wir mit ihnen reden könnne, wie wir sie auf unserem Slalom durch diese Krise unterstützen können, und was diese ganze Hygiene-Offensive für Kinder bedeutet.

Heute will ich mit dem Medizinischen anfangen. Dabei werde ich, zumindest hoffe ich das, vielleicht die eine oder andere Angst entspannen können.

Denn dazu gibt es genug Anlässe und Gründe. COVID-19 meint es in medizinischer Hinsicht nämlich gut mit den Kindern. Das deutete sich schon in einer der ersten Studien zu COVID-19 in China an. Da fassten Forscher den Verlauf von 72 000 an COVID-19 erkrankten Menschen in einer bestimmten Region zusammen. Unter den Erkrankten fanden sich nur 2 Prozent Kinder oder Jugendliche.

Und das ist bis heute so geblieben: Unter den COVID-19-Fällen in den USA befinden sich derzeit nur 1,7% Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren (diese Gruppe macht 22% der Bevölkerung aus).

Heisst das, dass Kinder sich seltener anstecken? Diese Frage ist bis heute nicht vollständig geklärt, da es keine verlässlichen Querschnittsuntersuchungen dazu gibt. Vieles spricht aber dafür, dass Kinder sich genauso anstecken wie Erwachsene, dann aber die Erkrankung sehr häufig ohne Krankheitszeichen oder nur mit milden Symptomen durchmachen.

Kinder erkranken aber nicht nur seltener an COVID-19. Wenn sie doch einmal krank werden, dann sind sie zudem von schweren Krankheitsverläufen eher verschont als Erwachsene. Sie müssen seltener ins Krankenhaus, und noch viel seltener auf eine Intensivstation. Wie bemerkenswert das ist, zeigt der Vergleich mit der Grippe – hier sind es gerade die Kinder, die häufiger als alle anderen Altersgruppen auf einer Intensivstation behandelt werden müssen!

Extrem geringe Sterblichkeit

Und die Sterblichkeit? Sie liegt praktisch bei Null. Selbst in Norditalien, wo an vielen Orten bis zu 10 % der COVID-19-Kranken starben, lag die Sterberate bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen (unter 30 Jahren) bei Null. Kein Wunder ist es eine regelrechte Sensation, wenn irgendwo auf der Welt ein Kind oder ein Jugendlicher durch COVID-19 zu Schaden kommt (darüber wird dann in der Presse so breit berichtet, dass viele Eltern dann doch glauben, es könnte ja auch ihr Kind treffen). Aber Fakt ist: es ist ein extrem seltenes Ereignis, dass ein Kind durch COVID-19 stirbt. Deutlich seltener als Ertrinkungsunfälle, plötzlicher Kindstod, und vielleicht sogar Blitzschlag.

Und VIEL seltener als Tod durch die jedes Jahr durch die Famiien ziehende Grippe: Während in den USA in dieser Saison etwa 180 Kinder an der Grippe verstorben sind, sind an COVID-19 bisher 2 oder 3 Kinder verstorben (Stand Ende April 2020).

Neue Komplikation Kawasaki-ähnliches Syndrom?

[Dieser Abschnitt wurde Mitte Mai 2020 ergänzt]: Wenn Kinder Komplikationen entwickeln, dann spielt am ehesten eine Immunreaktion eine Rolle, die bei manchen Kindern eine Entzündung der Blutgefäße auslöst und dann zum Beispiel das Herz schädigen kann. Diese Reaktion wird als „Kawasakiähnliches Syndrom“ bezeichnet, weil sie dem bei kleineren Kindern bekannten Kawasaki-Syndrom ähnelt, an dem in Deutschland jedes Jahr etwa 500 Kinder erkranken, zumeist Kinder unter 5 Jahren (der Auslöser des Kawasaki-Syndroms ist bis heute unbekannt, vermutlich wird es durch verschiedene Viren ausgelöst). In aller Regel ist das Kawasaki Syndrom, auch wenn es im Rahmen von COVID-19 auftritt, gut behandelbar und heilt zumeist ohne Schädigungen aus. Allerdings sind zuletzt in mehreren Ländern auch vereinzelte Todesfälle bei möglicherweise durch SARS-CoV-2 ausgelösten Kawasaki-ähnlichen Syndromen aufgetreten. Auch ist noch unklar, ob diese Form vielleicht manchmal schwerer verläuft. Insofern ist zwar keine Panik, aber Wachsamkeit angezeigt (Ich beschreibe das neue Krankheitsbild in diesem Beitrag – dort gehe ich auch darauf ein, was Eltern wissen müssen um in dem – noch immer extrem seltenen – Fall richtig zu reagieren).

Warum sind Kinder relativ geschützt?

Warum Kinder so gut mit dieser Erkrankung klar kommen, darüber streiten sich die Experten. Zum einen sind schwer wiegende Begleiterkrankungen bei Kindern seltener. Vielleicht besitzen Kinder an ihren Zellen in den tiefen Atemwegen aber auch seltener die für den „Einstieg“ des Virus in die Zelle erforderlichen Haftstrukturen. Nach einer Theorie könnte auch die Masernimpfung den Kindern einen unspezifischen Schutz verleihen – zumindest liess sich ähnliches für das frühere SARS-Coronavirus vermuten (also für SARS-CoV-1, den Erreger des 2002 erstmals aufgetretenen SARS).. Vielleicht neigt das kindliche Immunsystem aber auch weniger zu der bei schweren COVID-Verläufen oft zu beobachtenden Überreaktion. Bekannt ist etwa, dass bei kindlichen COVID-19-Erkrankungen die Entzündungswerte (etwa das C-reaktive Protein, CRP) einen geringeren Ansteig aufweist als bei Erwachsenen – ein Hinweis auf eine besser kontrollierte Immunreaktion. Dass das Immunsystem aber auch bei Kindern mit milden oder sogar unerkannten Verläufen reagiert (und dabei auch einen Schutz vor späteren Infektionen aufbaut), das glauben inzwischen die meisten Forscher – ob dies allerdings für alle Kinder zutrifft, ist bisher unbekannt.

Wie sieht die Krankheit bei Kindern aus?

Wenn Kinder und Jugendliche erkranken, dann haben sie in etwa die gleichen Symptome wie Erwachsene, oft allerdings nur in milderer Ausprägung. Jeweils etwas über die Hälfte der Kinder haben entweder Fieber oder Husten (meist trocken, aber nicht immer). Kurzatmigkeit, Gliederschmerzen und Kopfschmerzen sind seltener als bei Erwachsenen, kommen aber auch vor. Ein Viertel der Kinder klagt über Halsweh, manchmal kommt auch Erbrechen oder Durchfall vor (in aller Regel treten dann allerdings bald schon weitere Krankheitszeichen wie Husten hinzu). Eine laufende Nase ist selten (ca 7%).

Schwerere Verläufe – wenn sie vorkommen – erinnern an die Grippe. Selbst erfahrene Ärzte haben Mühe, die beiden Krankheiten ohne einen Erregernachweis zu unterscheiden.

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Kinder aus allen Altersgruppen können an COVID-19 erkranken, mit einer Häufung im frühen Grundschulalter. Manche Studien legen nahe, dass Säuglinge möglicherweise stärkere Symptome entwickeln können. Allerdings ist dies noch nicht gesichert. Aber auch bei Säuglingen sind bedrohliche Verläufe Raritäten.

Während bei den Erwachsenen die Männer doppelt so oft von schweren Verläufen betroffen sind (und drei mal so oft von tödlichen Verläufen), sind bei den Kindern die Jungs nur leicht im Nachteil: 56% der Kinder mit schwereren Verläufen sind Jungs.

Stecken sich Kinder genauso an wie Erwachsene?

Weil Kinder so selten krank werden dachte man am Anfang, dass sie sich vielleicht einfach seltener anstecken. Das ist noch immer offen. Manche Forscher glauben, dass Kinder sich genauso anstecken können, dann aber einfach von dem Virus seltener krank werden als Erwachsene. Das könnte dann im Umkehrschluss bedeuten, dass Kinder heimliche „Treiber der Epidemie“ sein könnten (wie sie es etwa bei der Verbreitung der Influenza sind) – schliesslich können unerkannt infizierte Kinder das Virus lange Zeit verbreiten, während sie ihren ganz normalen Alltag abspielen – und dabei auch die Großeltern besuchen oder den kranken Onkel im Krankenhaus …
Andere Forscher gehen davon aus, dass sich insbesondere die Kinder unter 10 Jahren tatsächlich seltener mit dem neuen Virus anstecken. Sie stützen sich dabei zum Beispiel auf Untersuchungen in Island, wo ein repräsentativer Teil der Bevölkerung auf das SARS-CoV-2-Virus getestet wurde – dabei liessen sich bei Kinder unter 10 Jahren keine Virenträger entdecken. Das würde auch zu der Beobachtung passen, dass Kinder sich mit SARS-CoV-2 eher bei Erwachsenen anstecken als umgekehrt (bei vielen anderen Viruserkrankungen ist es anders herum). (Mehr zur Frage der Ansteckungsfähigkeit von Kindern in diesem Beitrag).

Können Kinder andere Menschen infizieren?

Das ist die derzeit wohl spannendste Frage. Einerseits gibt es kaum einen dokumentierten Fall, in dem das sicher nachgewiesen ist. Allerdings weisen manche Epidemiologen darauf hin, dass ein solcher Nachweis auch schwer zu führen ist. Tatsächlich ist die Frage, welche Rolle Kinder in der Übertragungskette spielen, wissenschaftlich noch nicht abschließend zu beurteilen (ich gehe auf diese Diskussion hier ein). Die Frage muss so rasch wie möglich geklärt werden, weil sie entscheidend dafür ist, wann und unter welchen Bedingungen Kitas und Schulen ihren Betrieb wieder aufnehmen können. Immerhin lässt sich diese Frage jetzt in den Ländern, in denen die Kitas wieder offen (oder zumindest teilweise offen) sind, durch Studien besser klären.

Hat sich mein Kind angesteckt?

Diese Frage ist bei Kindern noch schwerer zu beantworten als bei Erwachsenen, weil gerade Klein- und Kindergartenkinder sowieso häufig Infektionen durchmachen. Und viele dieser normalen Kinder-Infekte überschneiden sich in ihren Symptomen munter mit COVID-19. Rechne also einfach einmal damit, dass Dein Kind auch in den nächsten Monaten krank werden wird – selbst wenn die warme Jahreszeit und die vielfach geschlossenen KiTas und Schulen für ein bisschen Frieden an der Infektionsfront sorgen. Dein Kind wird Durchfall bekommen, Schnupfen, Husten, Ausschläge, eben das ganze Was-blüht-denn-da.

Bestimmt wirst Du dann als erstes an COVID-19 denken, und das vielleicht auch bei einem Ausschlag. Denn bei dem könnte es sich ja um ein noch nie beschriebenes, aber dafür umso ernsteres Zeichen einer COVID-19- Erkrankung handeln!?

Die Sorge ist verständlich. Aber nüchtern betrachtet gilt eher das: Am ehesten handelt es sich um eine Feld-Wald-Wiesen-Erkrankung.

Muss ich zum Kinderarzt?

Ob Du deshalb zum Kinderarzt musst, entscheidest Du wie Du es vor der COVID-19-Welle getan hättest (mein Elternratgeber „Gesundheit für Kinder“ gibt zu jeder Krankheit und zu jedem Symptom die entsprechenden Hinweise).

Eine weitere Diagnostik zur Feststellung des Erregers braucht Dein Kind nur (Stand 14.4.2020 – die Kriterien können sich jederzeit ändern)

  • wenn der Kinderarzt oder das Gesundheitsamt dazu rät
  • Wenn Dein Kind Symptome hat, die in das Raster der COVID-19-Erkrankung passen UND es Kontakt zu einem nachgewiesenermaßen SARS-CoV-2-positiven Patienten hatte (ob Erwachsener oder Kind).

Aber noch einmal: das für COVID-19 typische „Raster“ ist bei bei Kindern noch weniger aussagekräftig als bei Erwachsenen, so dass sich streiten lässt, welche Symptome denn genau einen „Anfangsverdacht“ auf COVID-19 begründen. Die meisten Kinderärzte werten hierzu nur Fieber, Abgeschlagenheit und trockenen Husten. Wenn ein Kind lediglich Schnupfen hat oder lediglich Halsweh oder lediglich Durchfall, so raten die meisten KinderärztInnen gegen einen Test und stattdessen zur weiteren Beobachtung. Die Behandlung ist ja sowieso unabhängig von der Ursache. Tritt nach einem Schnupfen ein produktiver (also schleimiger) Husten auf, so ist dies typisch für eine normale Erkältungskrankheit und für sich allein auch kein Grund für einen Test. Kommt jedoch Fieber, Müdigkeit, Atemnot oder eine Verschlechterung des Allgemeinzustands hinzu, so kann ein Test sinnvoll sein.

Ist mein Kind ein „Risikokind“?

Bei den Erwachsenen ist viel die Rede davon, dass der Krankheitsverlauf bei COVID-19 bei Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen schwerer sein kann. Dies gilt auch für Kinder. Bevor Du aber jetzt die Liste an Erkrankungen Deines Kindes mit Schrecken vor Dein inneres Auge hältst ein paar grundsätzliche Informationen. Gefährdet bei den Erwachsenen sind Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sowie solche mit Krankheiten, die den Körper stark schwächen. Die ihn so stark schwächen, dass er die zusätzliche Belastung durch den Abwehrkampf gegen das Virus nicht aufbringen kann. Etwa, weil die Lunge sowieso schon schlecht arbeitet. Oder weil das Herz sowieso schon schlecht pumpt. Oder weil die Blutgefäße sowieso schon verengt sind und durch den zusätzlichen Stress dann gar nicht mehr funktionieren.

Das gilt auch für die Kinder. Gegenüber schwereren Verläufen gefährdet sind

  • Kinder mit einer Immunschwäche, ob sie nun angeboren oder durch eine Krankheit wie etwa eine Leukämie erworben ist. Oder ob sie durch die Behandlung einer Krankheit mit bestimmten Medikamenten bedingt ist.
  • Auch vorbestehende Krankheiten, welche die lebenswichtigen Funktionen des Körpers (also seine Vitalfunktionen) beeinträchtigen, stellen bei Kindern ein Risiko für schwerere Verläufe dar. Also etwa schwere Herzfehler oder schwere Erkankungen der Lunge, wie etwa Mukoviszidose oder bestimmte Formen von chronischen Lungenentzündungen – allesamt bei Kindern sehr seltene Erkrankungen.

Und was ist mit Asthma, chronischer oder obstruktiver Bronchitis?

Nun wirst Du Dich sicher fragen, ob nicht auch schwache Bronchien, Asthma, obstruktive Bronchitis, Pseudokrupp oder allergische Erkrankungen der Atemwege dazu gehören und Dein Kind zu einem „Risikokind“ machen (Dir werden dann bestimmt noch ein paar mehr Erkrankungen einfallen, die vielleicht einmal festgestellt worden sind – von einem Herzgeräusch bis zu Fieberkrämpfen).

Die Antwort heisst eindeutig: NEIN. Denn all diese Erkrankungen beeinträchtigen nicht die Abwehrbereitschaft des Immunsystems gegenüber Infektionen. Auch Kinder mit Allergien haben eine normale Erregerabwehr (auch wenn ihr Immunsystem an anderer Stelle überreagiert).

Du wirst nun einwenden, dass Dein Kind zum Beispiel wegen einer verengenden (obstruktiven) Bronchitis oder wegen seines Asthmas schon einmal fast eine Lungenentzündung hatte. Oder sogar schon eimal wegen einer echten Lungenentzündung ins Krankenhaus musste und Sauerstoff gebraucht hat. Und tatsächlich: Dass die immer wiederkehrende Bronchitis oder das Asthma Deines Kinder auch durch dieses Virus verschlimmert werden kann, damit kannst Du rechnen – falls Dein Kind nicht zu den über 90% der Kinder gehört, die dieses Virus unbemerkt durchmachen. Du musst damit genauso rechnen, wie wenn Dein Kind sich mit einem anderen Virus ansteckt. Auch dass Dein Kind dann behandelt werden muss wie es sonst auch behandelt werden muss – also zum Beispiel mit bronchienerweiternden Sprays oder auch Kortisonpräparaten – auch damit musst Du rechnen. Aber das heisst nicht, dass Dein Kind deshalb gleich auf einen gefährlichen COVID-19-Krankheitsverlauf einschwenkt oder durch COVID-19 langfristig zu Schaden kommt. Denn Kinder mit anfälligen Bronchien haben trotzdem in aller Regel  NORMALE Lungen (Mediziner treffen hier eine klare Unterscheidung zwischen den luftleitenden Bronchien und dem die Luft „verarbeitenden“ Lungengewebe). Natürlich ist es nicht ausgeschlossen, dass Kinder mit besonders anfälligen Bronchien dann mehr Unterstützung brauchen, wenn sie gleichzeitig von einem besonders schweren COVID-19-Verlauf betroffen sind, aber das gilt auch für die Influenza, bei der Du Dir ja auch keine besonders lästigen Sorgen machst.

Wenn Du Dich jetzt mit Deinem Kind am Liebsten im Haus verschanzen willst weil es Asthma hat, dann müsstest Du das jeden Winter tun, wenn die Influenza durchs Land zieht.

Deshalb sehe ich auch keinen Grund, Kinder wegen ihrer obstruktiven Bronchits oder ihres Asthmas nicht mehr in die Krippe oder KiTa (oder Schule) zu lassen. Nach allem was wir über den Verlauf dieser Epidemie wissen müsstest Du sie vielleicht über Jahre unter eine Glasglocke stellen.

Wenn Du etwas gegen Deine Angst tun kannst, dann vielleicht das: dass Du (mit der Kinderärztin) dafür sorgst, dass das Asthma gut behandelt ist.

Welche Vorsichtsmaßnahmen Du mit wirklich immunschwachen Kindern oder mit Kindern mit einer chonischen Lungenerkrankung (z.B. interstitielle Lungenerkrankungen, Mukovizidose, Lungenhochdruck), Herzerkrankung oder anderen schweren Gebrechen triffst, besprichst Du am Besten mit dem Kinderarzt.

Kortison etc. – macht das mein Kind anfällig?

Was sollst Du tun, wenn Dein Kind wegen seines Asthmas, seiner chronischen Bronchitis oder wegen Pseudokrupp ein Kortisonpräparat einnimmt?

Die Antwort heisst: Dein Kind soll seine Medikamente weiter einnehmen. Das gilt unbedingt auch, wenn es Kortison als Tabletten, Saft oder Zäpfchen einnimmt. Denn die Gefahr durch das Absetzen der Medikamente wäre viel größer als die theoretische Gefahr, dass Dein Kind wegen der Medikamente schlechter mit COVID-19 zurechtkommt (zu einer Einschränkung der Abwehrkräfte kommt es sowieso erst, wenn die Kortisonpräparate mehrere Tage hintereinander in hoher Dosis eingenommen werden).

Dasselbe gilt auch für die bei Kindern recht häufig verordneten Kortison-Sprays. Hier wurde die Sorge geäußert, dass es den Viren bei einer Kortison-Behandlung der Atemwege möglicherweise leichter fällt, auch die unteren Luftwege zu befallen und so einer der möglichen Komplikationen wie etwa einer Lungenentzündung den Weg zu bereiten. Allerdings konnte das bisher nicht nachgewiesen werden. Und Dein Kind kommt auch mit einem durch SARS-CoV-2 ausgelösten Infekt besser klar, wenn seine Bronchien nicht überreagieren.

Fassen wir zusammen: COVID-19 kann eine gemeine Krankheit sein, vor der wir viel Respekt haben sollten – sie beschert den Erwachsenen ab dem mittleren Lebensalter eine nicht zu unterschätzende Krankheitslast, insbesondere den Männern, den Vorerkrankten und natürlich gerade den älteren Menschen. Aber mit den Kindern meint SARS-CoV-2 es gut – aus welchen Gründen auch immer.

Wir sollten das nutzen um uns wenigstens an dieser Front gegen die Angst zu stemmen.

Jetzt neu im Corona-Theater!

Ich habe die wichtigsten Fakten zu „Corona“ übrigens in einem kompakten eBook zusammengefasst. Der obige Text ist ein Auszug daraus. In dem eBook findest Du weitere Themen, die Dich als Eltern oder Fachkraft interessieren könnten:

  • Was mache ich, wenn mein Kind sich mit SARS-CoV-2 angesteckt hat?
  • Wann muss ich zum Arzt?
  • Wie sollen wir zuhause die Pflege und Quarantäne gestalten?
  • Welche Hygienemaßnahmen sollen wir zuhause einhalten?
  • Was ist mit den Impfungen?
  • Wie rede ich mit Kindern über Corona?
  • Was bedeutet COVID-19 für die Schwangerschaft?
  • Und so weiter

Hier kannst Du reinschauen :

 

[Nachtrag 15.05.2020: Inzwischen gibt es Meldungen einer „Rätselhaften neuen Krankheit“ bei Kindern, ausgelöst durch Sars-Cov-2. Dazu nehme ich hier Stellung.]

Der Autor: Dr. med. Herbert Renz-Polster, geb. 1960, beschäftigt sich als Kinderarzt und Wissenschaftler seit langem mit der kindlichen Entwicklung und Gesundheit. Forschungstätigkeit im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung zunächst in den USA, dann am Mannheimer Institut für Public Health der Universität Heidelberg. Herausgeber und Autor diverser studentischer und ärztlicher Lehr- und Fachbücher. Einem breiten Publikum bekannt durch mehrere Sachbücher, u.a. das Standardwerk „Gesundheit für Kinder" und „Kinder verstehen - born to be wild!". Er hat 4 Kinder und lebt mit seiner Frau in der Nähe von Ravensburg.

27 Kommentare

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  • Maria

    Sehr geehrter Herr Renz-Polster,

    vielen Dank für diesen Beitrag und die geplante Themenreihe. Einen Aspekt, der nur indirekt zu Corona gehört aber für viele Eltern ein Problem ist, würde ich mir sehr wünschen:

    Was bedeutet die Isolation von Gleichaltrigen über vermutlich 5 Monate für Kleinkinder?

    Bei meinem 2jährigen und im Umfeld beobachte bzw. höre ich von Dingen wie Nahrungsverweigerung, nächtlichen Weinkrämpfen, sprachlicher Rückentwicklung, extremen Klammern, untypischer Aggression…viele Kinder beginnen schon jetzt, nach nur 5 Wochen, Verhaltensauffälligkeiten zu zeigen. Ich frage mich ob die Kinder das später wegstecken oder ab wann Eltern sich ernsthaft Sorgen machen müssen.
    Auf politischer Ebene wird über Kitas nur im Zusammenhang mit der Arbeitsfähigkeit der Eltern diskutiert aber welche psychologische Bedeutung hat deren Schließung für die Kinder? Zumal ja auch Vereine, Spielplätze, auch der Kontakt zu Großeltern…und alle anderen Kontaktmöglichkeiten ausgeschlossen sind.

    Ich würde mich sehr über Ihre Sichtweise auf dieses Thema freuen.

    Herzliche Grüße und lieben Dank,
    Maria

    • Johanna

      Oh, sehr gut!! Daran hätte ich auch großes Interesse!

    • Sandra

      Das von Maria angesprochene Thema brennt mir auch unter den Nägeln. Ich habe mir da auch schon viele Gedanken gemacht welche Folgen das für mein Kind hat…

    • Irene

      Das ist auch bei weitem meine größere Sorge, als die Krankheit an sich, wenn es um die Kinder geht. Erwachsene in Isolation kommen teilweise schon schwer klar, sind aber theoretisch in der Lage, Selbsthilfestrategien für sich zu entwickeln (durch Meditation, Bewegung an der frischen Luft, kreativer Arbeit etc.). Aber den Kindern fehlt es doch offensichtlich an essentiellen Entwicklungsfaktoren. Sie können nicht alleine raus gehen, vielerorts ist die Situation daheim angespannt und v.a. der im Kommentar angesprochene Kontakt zu den gleichaltrigen fehlt komplett. Einzelkinder haben überhaupt keinen Kontakt mehr zu Kindern.
      Ich finde es schade, dass es derzeit in erster Linie immer nur um die Abwägung physische Gesundheit versus wirtschaftliche Vereinbarkeit geht. Der Verweis auf psychisches Leid wird in der öffentlichen Debatte als Nun einmal notwendige Begleiterscheinung viel zu wenig beachtet.
      Und dabei meine ich nicht in erster Linie Menschen, die jetzt plötzlich nicht wissen, was sie machen sollen. Ich meine die Kinder (aus o.g. Gründen), ältere Menschen, die jetzt völlig isoliert leben und oft gar nicht gefragt werden, ob sie eine Paläativbehandlung einer Intensivbehandlung vorziehen würden, natürlich auch die Zunahme häuslicher Gewalt. Existenzängste wurden jetzt (ich denke weil sie eine wirtschaftliche Komponente haben) in die politische Debatte eingebracht.
      Dieses nicht so wichtig nehmen der psychischen Gesundheit zeigte sich
      auch vor Corona schon, u.a. durch viel zu wenig Therapieplätze.
      Dabei spielt die psychische Gesundheit eigentlich eine ganz wichtige Rolle, ist sie doch quasi die Software einer Gesellschaft.

      • Irene

        Deswegen meine ich übrigens nicht, dass gleich alle Kleinkinder wieder in die Krippe gehen sollten. Viel logischer erscheint mir, dass sich kleine Kreise junger Familien bilden könnten. Wenn ich es richtig verstanden habe,
        breitet sich die Krankheit weniger aus, wenn immer die gleichen (zb max.5 Kinder) miteinander spielen, als wenn ich mich jetzt jeden Tag mit einer anderen Freundin treffen würde und wir jeweils beide unsere kleinen Kinder zum Treffen mitbringen. Aber genau letzteres Szenario wurde ja nun erlaubt.

    • Larissa

      Auch mich beschäftigt dieses Thema im Moment extrem. Unsere 2 1/2 Jährige hat keine Geschwister! Ich denke wir sind uns einig „Kinder brauchen andere Kinder“. Ein paar Wochen steht man so durch. Aber ich habe Angst wie das weiter gehen soll. Wird mein Kind Defizite bekommen? Ihr fehlt jetzt jeglicher Kontakt zu anderen Kindern!

  • B. Stoffels

    Auch hier noch einmal ganz herzlichen Dank für Ihre Ausführungen und für Ihre Arbeit, Herr Renz-Polster! B. Stoffels

  • Tim

    Vielen Dank für diesen ausführlichen Artikel!
    Unsere Familie wohnt mit 3 Generationen (teils über 80) in einer Wohnung. Ich frage mich nun, ob ich mein Kind ruhigen Gewissens wieder in die Schule schicken kann, wenn es doch meine Eltern unbemerkt anstecken könnte.

    • Herbert Renz-Polster

      Danke, nein, er bestätigt das was ich sage:
      – Kinder können sich anstecken, aber wenn, dann verläuft die Krankheit zumeist mild.
      – Das heisst NICHT, dass Kinder nicht auch einmal ins Krankenhaus müssen, das sage ich ja auch nicht, das müssen Kinder auch wegen Rotaviren, Noroviren, RS-Viren, Influenza-Viren usw. ABER SARS-CoV-2 spielt da in keiner besonderen Liga, im Gegenteil, verglichen mit Influenza spielt er in der zweiten Liga, denn, und das beschreibt auch dieser Artikel:
      – Bleibedne Schädigungen sind extrem selten, auch hier: „6 Kinder erhielten Sauerstoff, obwohl nur eines über Luftnot geklagt hatte. Eine mechanische Beatmung war bei keinem Kind erforderlich. Alle erholten sich von COVID-19 und konnten nach im Mittel 14 Tagen aus der Klinik entlassen werden.“
      Lg
      HRP

  • Welli

    Haben Sie vielen Dank lieber Dr. Renz-Polster.

    Folgende Frage:

    Wird sich die monatelange Abschottung negativ auf das kindliche Immunsystem auswirken?
    Wäre es allein schon deshalb ratsam, für Kinder peue a peue die soziale Distanz abzubauen?

    Ich freue mich über eine Antwort, wenn Sie Zeit dazu finden.

    Herzlich,
    Welli

  • Sonja

    Vielen Dank für den Artikel!
    Die Angst, dass Kinder unter Covid 19 schwer erkranken hatte ich bisher kaum, obwohl unser Kleinster gerade 8 Wochen ist.
    Täglich mehr Sorgen mache ich mir um die Große (fast 4) – wie oben schon mal angesprochen – habe ich hier Nahrungsverweigerung, tägliche Heulkrämpfe, mehrmaliges Einnässen, Stimmungsschwankungen usw. Bei einem sonst sehr fröhlichen Kind ist das sehr beängstigend. Der große Bruder hat vermehrt Aggressionen. Eine ganze Palette an „Nebenwirkungen“ von Corona…
    Ich hoffe, dass die Kinder bald wieder raus dürfen und Freunde sehen können. Wir Eltern können das nicht ersetzen…
    Und vielen vielen Dank für ihre Artikel!!
    Herzliche Grüße

  • Bertl

    Sehr geehrter Herr Renz-Polster,
    Mit grossen Interesse verfolge ich Ihre Beiträge.
    Was mir bislang jedoch nicht klar ist, ist nach wie vor :
    Wie hoch ist denn der Prozentsatz an asymptomatischen + corona positiv getesteten Kindern?
    Und wie hoch ist der Prozentsatz am
    Symptomatisch en + corona positiv getesteten Kindern?

    Haben sie solche Zahlen zur Hand?
    Herzlichen dsnk

    Dr Bertl

  • Marissa

    Lieber Dr. Renz-Polster,
    vielen Dank für diesen Beitrag, das klingt doch recht positiv im Hinblick auf die Kleinen. Mich würde sehr interessieren, ob es zurzeit überhaupt ratsam ist, eine Schwangerschaft zu planen, gerade wenn man schon ein Kleinkind hat? Würden Sie das als vertretbar für das Kind im Mutterleib und später den Säugling halten?
    LG und herzlichen Dank für alles!

  • Aleksandra Hilt

    Vielen Dank für diesen Kommentar! Seit Wochen bin ich schlaflos vor Sorge um meinen fünfjährigen Sohn, der Asthmatiker ist. Ich kann Ihnen nicht genug danken, denn dieser Kommentar lässt Hoffnung aufkeimen! Herzliche Grüße

  • Susanne

    Die Kontaktsperre belastet Kinder besonders. Gerade die Kleinen brauchen direkten Kontakt, echte Spielkameraden! Da ist ein Videochat doch noch viel weniger Ersatz als bei älteren!
    Da die Politik die Bedürfnisse von Familien und ganz besonders von Kindern so sehr ignoriert: Wie wäre es, wenn wir Eltern uns zusammenschließen und versuchen, mit einer Verfassungsbeschwerde für die Rechte unserer Kinder einzutreten?

    • Andrea

      Unter openPetition wird je Bundesland eine Debatte zur Öffnung der Kindergärten geführt.

  • Mick

    Wie ist Ihre Meinung zu Masken? Für Kinder oder nicht, und evtl ab welchem Alter?

  • Caroline Keeling

    Mehrere Kinder in Großbritannien haben eine neue Krankheit, die womöglich mit Covid-19 zusammenhängt.

    https://www.deutschlandfunk.de/covid-19-neue-infektionskrankheit-bei-kindern-experten.1939.de.html?drn:news_id=1125723

    „Der französische Gesundheitsminister Véran sagte, dass es noch nicht ausreichend Beweise gebe, um einen Zusammenhang zwischen den Entzündungsprozessen und dem Coronavirus herzustellen. Der Minister rief die Ärzte und Wissenschaftler in Frankreich und allen anderen Ländern auf, auf derartige Fälle zu achten und so viele Informationen wie möglich zusammenzutragen.“

    More cases of rare syndrome in children reported globally

    https://www.theguardian.com/society/2020/apr/29/more-cases-of-rare-syndrome-in-children-reported-globally

    • Herbert Renz-Polster

      Danke, es scheint sich um eine Kawasaki-ähnliche Erraknung zu handeln. Bitte daran denken: selten 😉

  • Andy

    Bereiten Ihnen die Meldungen aus Uppsala Sorgen, die diese Woche in Stern TV thematisiert wurden?

  • Jil

    Danke für die klärenden Worte. Meine Kinder sind wegen der Kindergartenschließungen eigentlich nie krank gewesen in den letzten Monaten. Einmal gab es einen leichten Schnupfen, bei dem ich mitgemacht habe. Nun kurz vor dem errechneten Termin eines weiteren Kindes wieder Schnupfen. Und wieder habe auch ich leichten Schnupfen. Nun quälen mich Horrorszenarien, dass es noch schlimmer werden könnte und ich, wenn ich Husten bekomme, was ja auch sonst bei einem Schnupfen passiert, im Krankenhaus Probleme bekomme. Oder noch schlimmer: Mein Mann, der ohnehin dazu neigt, bei den üblichen Erkältungen Husten zu bekommen, zeigt Symptome und wir werden getrennt. Wir hatten genau aus diesem Grund schon seit Wochen keinen Kontakt mehr zu irgendwem, aber dann sind die Kinder einmal zu lang im Planschbecken und da haben wirs. Mittlerweile ist es so weit, dass ich mich mehr vor den Gefahren fürchte, wenn man denkt, ich hätte Corona als vor Corona selbst. Jeder Schnupfen führt kurz vor der Geburt zu einer enormen Stresssituation.

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