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Beratungsfrage11. Juni 2024

Mein Kind (3M) fremdelt beim Papa?

Mein Sohn ist 3 Monate alt, und ich habe das Gefühl, er fremdelt seit zwei Wochen. Selbst beim Papa, der jetzt wieder viel arbeitet und dazu noch auf Geschäftsreise war. Er weint dann mehr, wenn er mit Papa „gespielt“ hat und klammert mehr. Wir denken aber, es ist gut, wenn er beim Papa regelmäßig ist und unser Sohn wird drüber weg kommen. Zu anderen Menschen aber würde ich ihn gerade ungern auf den Arm geben, weil er dann abends mehr schreit. Ist das zu streng? Die gucken mich schief an.

Ja manchmal geht das mit dem „Fremdeln“ tatsächlich schon so früh los wie bei Euch. Und wie Du siehst, betrifft das Fremdeln eben nicht nur „Fremde“, sondern – ja wen eigentlich? Eine super spannende Frage! Beim Fremdeln liest das Baby nämlich nicht nur nach Grad der Bekanntheit aus (Dein Baby kennt seinen Vater ja sehr wohl), sondern auch nach einem anderen wichtigen Kriterium, nämlich: Kann ich diesem Menschen auch zutrauen, dass er das leistet, was ich jetzt so dringend brauche – nämlich dass er mich trösten kann, mich entspannen kann und eben diesen wunderbaren „Stress-lass-nach“-Zauber über mich ausschüttet? Und da wissen Babys dann genau, dass das nicht jede(r) der ihnen vertrauten Menschen gut kann – und wenden sich dann an diejenige Person, mit der sie bisher die besten Erfahrungen beim „Projekt Entspannung“ gemacht haben.

Babys sind also flexibel und gleichzeitig knallhart: Wenn sie gut drauf sind, lassen sie sich auf alle möglichen Menschen ein, mit denen sie regelmäßig Umgang haben (in den ersten Wochen und sogar Monaten akzeptieren sie da sogar auch fremde Menschen). Aber wenn sie in Stress geraten und Hilfe brauchen, dann verengt sich ihr Bindungshorizont, und sie wenden sich an ihre „number 1“! (dieser erste Platz im Bindungssytem kann dann aber auch wieder je nach Erfahrungen ausgetauscht werden).

Ach, die Säuglinge sind einfach Lebenskünstler!

Aber zu Deiner Frage: wie viel darfst Du Deinem Baby zumuten? Du willst ja beides: dass dein Baby keinen Stress hat – aber gleichzeitig eben auch, dass Dein Mann auch für Euer Baby sorgen kann und mit ihm gute Erfahrungen machen kann! Und genau das ist gerade im „Fremdelalter“ eine Gratwanderung – vor allem, wenn Du von Euren Alltagsabläufen her Eurem Baby so viel näher bist als Dein Mann. Mit diesem Kompass kann das aus meiner Sicht gelingen:

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Toll, wenn Dein Mann die entspannten Phasen des Babys nutzen kann, um bei ihm zu sein und Bindung aufzubauen. Da kann er dann auch eigene Routinen beim Trösten und Entspannen entwickeln, durch Tragen etwa oder überhaupt Körpernähe (da ist auch die Nähe Haut an Haut oft eine klasse Erfahrung).

2

Gut, wenn Dein Mann da dann auch selbst entspannt sein kann. Und das ist bei solch assymmetrischen Betreuungsverhältnissen gar nicht so einfach. Denn wie leicht bist Du als die „Expertin“ dann vielleicht angespannt, weil Dein Baby vielleicht beim Vater jetzt nicht ganz so tiefenentspannt ist wie bei Dir, oder auch mal knarzelt. Oder danach (wie Du schreibst) vielleicht bei Dir mehr klammert.

Da finde ich Deinen Ansatz super, dass Du sagt: Das ist mir egal, denn da passiert ja was Wichtiges zwischen den beiden! Und: mein Baby kann „gut darüber wegkommen“, wenn es beim Papa noch nicht so super läuft wie bei mir!

3

Und so ist es ja auch. Babys kommen damit klar, dass sie nicht immer die 100%ige Co-Regulation kriegen, sondern vielleicht eine Weile nur 80% – solange Ihr erkennt, wo Euer Kind wirklich in Not kommt und dann die Hilfe der primären Bindungsperson braucht.

Ich finde da das Bild von der Schokolade gut. Also: klar mag dein Kind vielleicht die süße Vollmilchschokolade ganz doll. Aber eine Weile arrangiert es sich auch mit Zartbitter ganz gut 😉 . Eine Weile, wie gesagt, und das ist dann das wahrscheinlich Entscheidende: dass Ihr ein Gespür dafür entwickelt, wo eine gute Balance ist. Und die findet ihr bestimmt! Zumal dein Partner ja auch spürt, wann der gemeinsame Tanz Euer Baby dann stresst.

(Ob Du auch anderen Menschen zutraust mit Deinem Baby und Dir eine solche gute Balance zu entwickeln und was Du dabei auf Dich nehmen willst, ist ganz Deine Sache (finde ich), das kannst nur Du entscheiden, und hängt vielleicht auch davon ab, wie wichtig Euch diese Menschen als Bindungspersonen bzw. im familiären Netz wären, oder?)

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Es ist also bei einem assymmetrischen Fürsorgesystem also ein bisschen wie beim Autofahren, wenn der eine der Geübte ist und der andere noch nicht (Du siehst, ich LIEBE Bilder!). Wenn jetzt immer nur der Geübte fährt, wie soll der Ungeübte sicherer werden? Also gib ihm Gelegenheit dazu. Aber eben auch unter den richtigen Bedingungen. Also vielleicht nicht unbedingt in der Rushhour, sondern auf Strecken, wo man lernen kann ohne zu schwitzen. Und besonders wichtig ist da natürlich die Stimmung und die Haltung. Wenn der Geübte jetzt kreidebleib auf dem Beifahrersitz hockt und mit Kommentaren und Besserwissen um sich wirft, wird das ebenfalls nichts. Und super wichtig für Eure Sicherheit – und die Intaktheit Eures Autos: Dass Ihr rechtzeitig erkennt, wann wieder ein Fahrerwechsel die richtige Entscheidung ist 😉

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Super wichtig dabei für Euch Eltern: Dass Ihr in keine „Liebeskonkurrenz“ geratet. Das hat sich manchmal schnell, denn dass kleine Kinder durchaus einen „ersten Platz“ vergeben, das kann ja schon lästig sein. Ich kann da nur das sagen, was ich in meinem Buch „Mit Herz und Klarheit“ geschrieben habe (in diesem Fall an die Väter):

"Mit Herz und Klarheit – Wie Erziehung heute gelingt und was eine gute Kindheit ausmacht" ist soeben erschienen. Dieses Buch ist ein Wegweiser für eine erfüllende und gelingende bedürfnisorientierte Familienzeit.
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