Kommentar5. Juni 2020

Elternschule – Therapie oder Ideologie?

Elternschule – gibts die überhaupt noch?

Das werden sich manche jetzt vielleicht fragen. Offenbar schon. Vor Kurzem jedenfalls, mitten im Corona-Lockdown, lief im WDR wieder einmal der einschlägige Kinofilm über die Arbeit der psychosomatischen Abteilung an der Kinderklinik Gelsenkirchen-Buer, die ich hier schon mehrfach kommentiert habe.

Und so bin ich der Einladung der Deutschen Hebammen Zeitung gefolgt und habe mir noch einmal die Frage gestellt: Was läuft da eigentlich im Hintergrund? Wo kommt diese Therapieform her? Wo nimmt diese befremdliche Geschichte ihren Anfang?

Und das habe ich herausgefunden:

https://www.dhz-online.de/das-heft/aktuelles-heft/heft-detail-abo/artikel/elternschule-therapie-oder-ideologie/

 

 

9 Kommentare

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  • Jana

    Ich kann Ihnen gar nicht genug danken, dass Sie immer wieder auf diese *** [geändert, HRP] Methoden hinweisen, lieber Herr Renz-Polster! Ich konnte Ihren Beitrag gar nicht in einem Rutsch durchlesen, ich musste zwischendrin pausieren und mich beruhigen. Den Film musste ich abbrechen, ich konnte ihn nicht bis zum Schluss ansehen. Wie verzweifelt müssen Eltern sein, um ihr Kind dem auszusetzen? Und wie wenig verständnisvoll war wohl das Umfeld mit den Familien, die eben „auffällige“ Kinder haben (bewusst in Anführungszeichen), dass diese sich genötigt sahen, ihr Kind in dieser Einrichtung wieder „in die Spur zu bringen“?
    Mein Mitgefühl gilt den zerstörten Familien, die nie die tiefe Verbundenheit erleben, die zwischen Eltern und Kindern möglich ist. Der Irrglaube, dass Kinder einem auf der Nase rumtanzen, wenn man sie nicht zieht und zerrt und zeigt, wer der Chef ist, wo kommt der her? Wer sagt, dass man mit seinen eigenen Kindern kämpfen muss, ich verstehe es nicht!
    Bei unseren 3 Kindern haben wir es anders gehandhabt, uns war es herzlich egal, ob die Eltern vorgehen oder wer am Tisch neben wem sitzt….so ein Blödsinn. Eine liebevolle Sichtweise auf die Kinder, sie wahrnehmen, sich selber nicht vergessen und authentisch bleiben, das sind in meinen Augen die Dinge, die Kinder zum Wachsen brauchen. Dazu gehört auch, die eigenen Grenzen klar zu kommunizieren, das können viele Erwachsene nicht. Wer Respekt einfordert, muss selber respektieren. Ist das so schwer: Die Würde des Menschen ist unantastbar!

  • Welli

    Die Frage ist:

    In welcher Welt wollen wir leben?

    Darum geht es bei der Zuwendung, die wir jedem neuen kleinen Geschöpf angedeihen lassen. Um nichts Geringeres.

    Wollen wir ein Miteinander voller Güte und Liebe oder eine mit Zwangsmaßnahmen durchgreifende Machthierarchie?

    Wie wollen wir unser Zu Hause gestalten?

    Wollen wir ein Klima der Angst?

    Oder eine Insel der Geborgenheit?

  • Katharina

    Gruselig ist das, was da praktiziert wird. Würde das alles innerhalb einer Familie stattfinden (Nahrungsentzug bzw. Zwang, Vernachlässigung wenn Kind schreit, zwanghafte Untersuchung des Kinderkörpers) würde das als Kindeswohlgefährdung gelten. Hier zahlen es die Krankenkassen – das ist mir unbegreiflich!!!

  • Rebecca

    Selbst wenn es für einige der Methoden wissenschaftlich valide Belege für ihre Wirksamkeit gäbe (zB „Durchschlafen“ nach einem „ Schlaftraining“ das den Willen des Kindes bricht), bleiben negative Nebenwirkungen, die in vielen Fällen deutlich gravierender ausfallen dürften als die ursprünglichen Probleme, unberücksichtigt. Schon allein deswegen da sich einige vermutlich erst im Erwachsenenleben manifestieren. Wir wissen heutzutage, dass das Konzept „Schreien lassen“ der 50er und 60er eine Generation von Erwachsenen hervorgebracht hat, die häufiger als die Generationen davor und danach als Erwachsene unter massiven Bindungsstörungen leiden. Wieso also gibt es immer noch medizinisches Personal, das dieses Vorgehen empfiehlt?
    (Es ist ein bisschen so als würde man als Therapie gegen Daumenlutschen empfehlen die Daumen zu amputieren, um die Zahngesundheit zu gewährleisten. Ich bin sicher, auch bei dieser Therapie kann man einen großen Erfolg verzeichnen, wenn man die unbedeutenden Nebenwirkungen außer Acht lässt.)

    Ich habe ein chronisch krankes Kind (keine heilbare Krankheit), mit dem ich oft zu Untersuchungen muss. Hier wird auch immer Blut abgenommen. Mein Kind schreit wie am Spieß, nicht nur wegen der Schmerzen sondern auch wegen der Situation des Ausgeliefert seins und der Überwältigung durch Erwachsene. Würde irgendjemand bei meinem Kind unnötige Handgriffe wagen und ihm somit zusätzliches Leid – ja genau in Form von massivem Stress – zufügen, hoffe ich an mich halten zu können und die Person nicht an Ort und Stelle zu verprügeln. Ich würde mich beschweren, ich würde die Person bei der Ärztekammer anzeigen, ich würde ggf. Strafanzeige erstatten.
    Wie kann es sein, dass eine systematische Folter (so empfinde ich das!) von Kindern durch unnötige medizinische Untersuchungen, die ganz offensichtlich gut dokumentiert ist in einer deutschen Klinik stattfindet und hier keine rechtlichen Maßnahmen ergriffen werden?
    (Und was für ein Mensch muss man sein, um sowas durchzuführen?)

    • Antje Pukari

      Danke Rebecca, genau diese Frage (wieso tut niemand etwas dagegen, ja im Gegenteil warum wird dieser Film so hoch angepriesen und immer wieder im Fernsehen gezeigt?) stelle ich mir auch immer wieder.
      Wer sich mit der Entstehung von Gewalt- und Straftätern auseinandersetzt, dem wird es bei der “Behandlung” dieser Kinder wie Schuppen von den Augen fallen. Was hier passiert ist kriminell, wo bleibt der große Aufschrei???

  • Katharina

    Dass dieser Sadismus an Kindern in Deutschland im 21. Jahrhundert erlaubt und auch noch durch die Medien unterstützt wird, ist unfassbar! Dieser Professor und seine Handlanger müssen vor Gericht verurteilt werden!

  • Stefanie Zehender

    Ich bin beim Anschauen von dem Trailer schon total unter Stress geraten. Fürchterlich was sie den Kindern antun 😥völlig Krank. Das schlimme ist ich konnte so ein Verhalten schon im täglichen Leben, in einer Sonderschule von sog. Pädagogen beobachten. Das schlimme ist, dass da mitunter Leben richtig zerstört werden. Da solche Menschen, die Macht zu Urteilen und Diagnosen hatten.und Kinder abstempelten.
    Bei einem Projekt, das ich fotografierte viel mir ein Junge auf, der meist wie benommen abwesend war und.
    Irgendwann erfuhr ich, dass er (er war 9) Psychopharmaka bekam. Gleichzeitig wurde er ständig gemasregelt, weil er irgendwas anscheinend nicht richtig machte….. So schlimm, was Kinder erleben mit Erzieher Therapeuten… Andererseits auch so wundervoll was positiv sein kann, wenn Kinder positiven Menschen zu tun haben. Ich habe die gleichen Kinder bei unterschiedlichen Lehrern erlebt und es war wir Tag und Nacht. sogenannte schwierige Kinder blühen auf bei einer Therapeutin, die ihnen Raume und Liebe gab sich zu entfalten und und die durch ihre eigene Positive Präsenz wirkte.

  • Rebecca

    Zu meinem vorherigen Beitrag würde ich gerne noch eine Quelle ergänzen, um zu erklären, warum es sich (meiner ganz persönlichen Meinung nach) um Folter handelt, wenn ein Kind gegen seinen Willen wiederholt von einem Erwachsenen ohne medizinische Indikation untersucht wird und das ist die Definition von Gewalt auf Wikipedia, die da lautet:“ gezieltes Zufügen von Gewalt, Qualen, Schmerz oder Angst an Menschen durch andere Menschen„ (Kurzdefinition), nachzulesen hier: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Folter
    In der Langversion werden die Gründe thematisiert, warum Folter durchgeführt wird und natürlich ist das essentieller Bestandteil der Definition. Folter wird laut Wikipedia „[…] um Aussagen zu erpressen oder den Willen des Folteropfers zu brechen.“ durchgeführt. Über Gründe kann man bekanntlich nur spekulieren. Ich nehme an, in diesem Fall sind es Hilfeleistung, Heilung, Unterstützung und Förderung des Kindswohls oder ähnliche Dinge, die als Gründe genannt werden. In diesem Fall trifft die Definition der Folter natürlich nicht zu.
    Leider kenne ich das Wort nicht, das den Vorgang benennt, bei dem einem Kind zu seinem Besten Gewalt angetan wird.

  • Ksenja

    Die Methoden in diesem Film erinnern mich sehr stark an die propagierten Erziehungsideologien des Nazi-Deutschlands, unfassbar, dass sich solche irrgeleiteten „Therapiekonzepte“ ohne juristische Folgen und massenhafte Proteste seitens der Medienwelt und des Fachpublikums im 21.Jahrhundert halten. Ich bin erschüttert. Und die Opfer von heute werden wieder einmal die Täter von morgen…

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