Kommentar18. März 2020

Corona – die Stunde der Schwätzer

Ist das Coronavirus vielleicht gar nicht so gefährlich? In den letzten Tagen ist das immer wieder zu hören. Die Maßnahmen gegen die Corona-Epidemie seien deshalb überzogen, die Erkrankung sei doch eher so gefährlich wie eine Grippe. Womöglich stünden sogar üble Absichten hinter dem Shutdown der Gesellschaft, eine Einschränkung der Bürgerrechte vielleicht? Oder eben "Panikmache".

Dass Donald Trump und Richard David Precht einer Meinung sind, dürfte selten vorkommen. Tatsächlich aber vereint sie die feste Überzeugung, die Corona-Epidemie sei doch gar nicht so schlimm. Nicht schlimmer als die Grippe, meint The Donald.  Bei Richard David Precht klingt es ähnlich:

„Etwas vergleichsweise Harmloses, etwas, was so gefährlich ist wie eine Grippe.“

Die Coronavirus-Infektion habe ja nur eine Mortalitätsrate von 0,3 Prozent. Dasselbe hört man auch bei Medizinern, die jetzt Fachleute sind, weil sie schon einmal mit Grippe und Co zu tun hatten, wie etwa ein Dr. Wolfgang Wodarg, der sich nun gerne auch bei den bekannten Rechtsauslegern dieser Republik zu Wort meldet. Etwa bei Eva Herman, unter dem Titel „Krieg gegen die Bürger: Coronavirus, ein Riesenfake?“ Aber was soll man erwarten, wenn selbst der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Kinder- und Jugendärzte in einem Memo an uns Kinderärzte auf die „recht geringe Gefährlichkeit einer Covid 19 Infektion“ hinweist?

Auch in Elternblogs wird jetzt gerne vor „Panikmache“ gewarnt, das Virus sei doch eigentlich weniger ansteckend als die Grippe – mit den dazu gehörenden Tipps zur „Stärkung des  Immunsystems“. Wieder andere finden die Coronavirus-Epidemie komplett überbewertet, weil wir doch eigentlich ganz andere Probleme hätten: „Schaut doch mal auf die Lage in Syrien, in Afghanistan, in den Lagern in Griechenland. Wir haben vielleicht Sorgen!“, schreibt mir ein befreundeter Kinderarzt, dessen Namen ich hier nicht nennen will, weil er mir in wenigen Wochen dafür dankbar sein wird. Er weist gleichzeitig darauf hin, dass die Abfallwirtschaft jetzt schon mit der Entsorgung der vielen medizinischen Einmalartikel überfordert sei.

Ach Leute.

Nun lernt der kleine Donald gerade recht schnell und plant die Umwidmung von Turnhallen zu Krankenhäusern. Schliesslich werden ihm irgendwann auch mal die Todesfallstatistiken unter die Nase gehalten werden. Bei den Propheten der Stunde wird die Lernkurve mit den Fallzahlen auch noch ansteigen, da bin ich sicher. Einstweilen aber diagnostiziert ein Dr. Precht angesichts der „geringen Bedrohung“ eine „Erregungsgesellschaft“. Wenn man schon „keine echten Seuchen“ mehr erlebe, habe die Gesellschaft jetzt „einen gewissen Spaß und Grusel an solchen Ausnahmezuständen“.

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Verantwortungsloses Geschwätz

Ich will heute keinen langen Kommentar schreiben, will aber in aller Deutlichkeit das sagen:  Die Covid-Epidemie ist anders als die jährliche Grippe-Welle. Wer mit pauschalen Zahlen argumentiert, von wegen „die Sterblichkeit von Covid liege ja nur bei 0,3 Prozent“  hat wichtige Grundlagen nicht verstanden. Nicht einmal im Ansatz.

Erstens. Eine Sterblichkeit von „nur 0,3 Prozent“  ist allein schon ein sehr guter Grund, um rigorose Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung einzuleiten. Das Argument, dass die Sterblichkeit ja vor allem Alte und Kranke betrifft, muss ich nicht kommentieren. Wer in seiner Verwandtschaft einen Menschen kennt, der zu dieser Gruppe gehört, weiß warum.

Zweitens. Es geht bei der Covid-Epidemie nicht um die Sterblichkeit, die später einmal in den medizinischen Lehrbüchern stehen wird. Unter idealen Bedingungen wird sie in Deutschland tatsächlich in etwa im Bereich der Precht´schen Ansage liegen – vielleicht sogar ein bisschen tiefer. Und ja, die vielleicht zwei Menschen, die dann pro Tausend Bürgern an einer Coronavirus-Infektion sterben, werden zu 80 Prozent alte und chronisch kranke Menschen sein.

In Wirklichkeit geht es in den nächsten ein bis drei Jahren bei der Covid Epidemie aber um eine ganz andere Ziffer. Nämlich um die Frage, wie viele medizinisch versorgungspflichtige Menschen in einem bestimmten Zeitraum in einer bestimmten Region medizinische Hilfe brauchen. Es geht also nicht um den Nenner in der Gleichung, sondern um den Zähler pro Zeiteinheit. Liegt die Zahl der in einer bestimmten Region momentan Erkrankten über der Kapazität des regional momentan vorhandenen intensivmedizinischen Versorgungsangebots, so steigt die Sterblichkeit an Covid 19 an, und zwar rasch und deutlich. Und zwar auf bis zu 8 Prozent. Diese Zahlen sind nicht das Produkt von Philosophie, sondern sie ergeben sich aus den Erfassungen zum Verlauf der Covid-19-Epidemie in Wuhan und in Norditalien. Dort starben über mehrere Wochen von 100 Covid-19-Positiven Patienten bis zu 8 Menschen. Wer lesen will, was das heisst, kann das hier tun: „Sie spüren, wenn sie sterben. Es ist wie ertrinken. Nur langsamer.“ Natürlich lässt sich sagen: Vielleicht waren dort ja gar nicht alle Infizierten erfasst, und tatsächlich muss hier eine Dunkelziffer angenommen werden, die von der regionalen Test-Häufigkeit abhängt. Nur: dann wird aus der Zahl 8 von 100 auch nicht irgendeine kuschelige Zahl, bei der man sagen würde: ach, das kenne ich doch von der Grippe. Der allein zählende Fakt ist der: Die Zahl der medizinisch Bedürftigen war dort viel viel höher als das dortige Medizinsystem versorgen konnte. Weil die Maßnahmen zur Eindämmung unzureichend waren.

Drittens. Das heisst, dass bei dieser Epidemie Flaschenhalseffekte zu berücksichtigen sind. Anders gesagt, die Sterblichkeit ist „kontingent“ – abhängig von Randbedingungen. Zu denen zählt natürlich die Gesundheit und das durchschnittliche Alter der Bevölkerung, vor allem aber die medizinischen Möglichkeiten, Erkrankte ausreichend zu versorgen. Hier spielt vor allem die Anzahl der intensivmedizinisch nutzbaren Betten (vulgo „Beatmungsplätze“) in den Krankenhäusern eine Rolle. Es gibt einen Grund, warum Deutschland gerade 10 000 Beatmungsgeräte bei dem Hersteller Dräger geordert hat und auch die USA gerade alle Beatmungsmaschinen aufkaufen, derer sie habhaft werden können. Und es gibt einen Grund, warum Großbritannien jetzt erschrocken die anfangs versäumte Ernsthaftigkeit in der Seuchenbekämpfung nachzuholen versucht – Ziel sei es jetzt, „die Zahl der Toten unter 20.000 zu halten – das wäre ein gutes Ergebnis.“ Dass das Ziel erreicht wird, ist fraglich, denn: in ganz Großbritannien gibt es im von den Tories kaputtgesparten Gesundheitssystem nur 5000 Beatmungsplätze.

Man kann es auch anders ausdrücken: die Sterblichkeit an Covid 19 hat eine weite Spanne – und, noch einmal, das ist eindeutig anders als bei der normalen saisonalen Grippe. Sie liegt nicht „bei 0,3“ Prozent – sie liegt in einem Korridor zwischen 0,x Prozent und X Prozent – je nach Randbedingungen.

Viertens. Das bedeutet, dass Gesellschaften versuchen müssen, die Randbedingungen so zu verändern, dass die Sterblichkeit im Minimal- und nicht im Maximalbereich liegt. Dies kann NUR erreicht werden, indem die Ansteckungsrate so gut es geht gebremst wird – durch Containment/Quarantäne und durch soziale Distanzierung. Denn auch das ist bei Covid 19 anders als bei der normalen saisonalen Influenza: Weil das Virus auf eine zunächst zu 100% empfängliche Bevölkerung trifft, ist die Ansteckungsrate bei Covid 19 deutlich höher und die ungebremste Ausbreitung rasch. Das heisst, ohne bremsende Maßnahmen baut sich nicht eine Welle auf, und auch nicht eine Flut – sondern ein Tsunami. Und das bedeutet das, was uns die Kolleginnen und Kollegen aus der Lombardei schildern: dass Ärzte entscheiden müssen, wen sie behandeln, und wen nicht: „Ich hoffe, dass wir Mini-iPads bekommen, wenigstens drei oder vier, damit die Menschen nicht allein sterben müssen“, sagt die Chefin der Notaufnahme des Krankenhauses San Carlo Borromeo in der Nähe von Mailand.

Ich wünsche mir, dass alle Leser verstehen, was ein überlastetes Gesundheitssystem für die Mediziner und die Patienten bedeutet. Ich bin mir sicher, dass eine solidarische Gesellschaft bereit sein sollte, solche Szenarien mit aller Kraft zu verhindern, auch wenn der Preis hoch ist. Ich verstehe deshalb Kommentare wie die eines RDP in keiner Weise, ich finde sie verantwortungslos.

Deshalb, zum Schluss, weil manche es nicht anders verstehen werden. Wenn wir nicht mit allem Ernst und aller Konsequenz die exponentielle Covid-Ausbreitung bremsen, also auf eine möglichst kontinuierliche „Ausstreckung“ der Epidemie hinarbeiten, dann kann es so sein, dass eines Tages ein Herr Richard David Precht von seinen hustenden Eltern geweckt wird. Weil sie am Frühstückstisch Atemnot entwickeln fahren sie gemeinsam in die Klinik. Dort steht einer meiner Kollegen oder Kolleginnen, Ringe unter den Augen und bleich vor Übermüdung. Und stellt eine kurze Frage: Wen von beiden soll ich behandeln? Wir haben nur noch einen Beatmungsplatz.

Eine philosophische Frage? Nein. Sie kann Realität werden, wenn wir den Schwätzern glauben.

Die Fakten zu dieser Epidemie sind auf dem Tisch. Sie raten nicht zu Panik, aber zu verantwortungsvollem, konsequentem Handel. Nutzen wir die Zeit, die wir noch haben.

 

[Weitere Beiträge zu "Corona" hier auf meinem Blog]
Der Autor: Dr. med. Herbert Renz-Polster, geb. 1960, beschäftigt sich als Kinderarzt und Wissenschaftler seit langem mit der kindlichen Entwicklung und Gesundheit. Forschungstätigkeit im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung zunächst in den USA, dann am Mannheimer Institut für Public Health der Universität Heidelberg. Herausgeber und Autor diverser studentischer und ärztlicher Lehr- und Fachbücher. Einem breiten Publikum bekannt durch mehrere Sachbücher, u.a. das Standardwerk „Gesundheit für Kinder" und „Kinder verstehen - born to be wild!". Er hat 4 Kinder und lebt mit seiner Frau in der Nähe von Ravensburg.

68 Kommentare

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    • Barbara Schmuck

      Danke dafür. ?

  • Lisbeth

    Es geht also auch nach Ihrer Meinung nicht um die tatsächliche Gefahr des Virus‘ , sondern um die totale Überlastung des Gesundheitssystem, das die großen Welle nicht adäquat auffangen können, wenn viele gleichzeitig stark erkranken.
    Früher oder später werden ja eh fast alle durchseucht sein.
    Was mich immer stört, ist diese absolut emotionale und teils auch aggressive Stimmung, alle gegeneinander.
    5 Virologen, 6 Meinungen.
    Es ist nicht die BeulenPest, aber eben auch kein kleiner Schnupfen.
    Es ist einfach so: wo viel getestet wird, wird auch viel diagnostiziert.

    • Philipp Bornschlegl

      Also, dieser Kalauer „wo viel getestet wird, wird auch viel diagnostiziert.“ ist doch inzwischen wirklich durch!
      wo nicht getestet wird, sterben plötzlich Leute an einer unerklärlichen Lungenerkrankung. Könnte man genauso schreiben. Und das bisschen, was wir mit den Tests abdecken, sind sicherlich maximal 10-20%.
      Klar werden „früher oder später“ alle durchseucht sein, aber der Unterschied ist eben, ob die 5% intensivpflichtigen Fälle innerhalb von 4 Wochen oder 4 Monaten auftreten. Bei 60% Durchseuchung und 80 Millionen Einwohnern sind das 2,5 Millionen Menschen. Wie viele Intensivbetten haben wir? 25.000, von denen aktuell ca. 5.000 frei sind.
      Genau darum geht es. Gesundheitssystem überlastet heißt nicht „die armen Ärzte bekommen zu wenig Pause“, sondern „die Arme Oma bekommt kein Beatmungsgerät mehr und stirbt“.

      • M.S.

        Es darf aber auch nicht darauf hinauslaufen, dass die Wirtschaft zusammenbricht und infolgedessen (denn irgendwer muss es bezahlen) das Gesundheitssystem dann letztendlich auch. Dann heißt es irgendwann später „Ja, hätten Sie mal Ihre Erkrankung vor 2020 bekommen. Damals wäre eine Behandlung möglich gewesen.“ Das Problem an der derzeitigen Lage ist doch nicht, dass die Leute auf Fussballspiele und Biergarten verzichten müssen. Wir verlieren Arbeitsplätze, aber nicht wie sonst auf eine Branche oder eine Region konzentriert, nein, flächendeckend! Das ist auch kein Luxusproblem, das ist auch existenzbedrohend. Für uns alle.

    • Herbert Renz-Polster

      Ja, genau, darum geht es – es geht um die bei ungebremstem Verlauf zu erwartende Überlastung des Gesundheitswesens. Das ist in weiten Teilen unabhängig von der Sterblichkeit, auf die wir viel zu sehr blicken. Die Covid-Infektion zeichnet sich durch ein besonderes Charakteristikum aus, und das ist, dass die allermeisten Infizierten zwar einen sehr milden Verlauf haben (anders als die Influenza), dafür aber bei einem relativ großen Prozentsatz schwere Verläufe mit Komplikationen auftreten (von diesen Verläufen betroffen sind vor allem alte und kranke Menschen). Technisch gesprochen: die auf das Gesundheitssystem zukommende Krankheitslast ist relativ hoch – unabhängig von der Sterblichkeit. Das ist der Grund, warum die manische Debatte über die „geringe Sterblichkeit“ in die Sackgasse führt. Ja, selbst wenn „nur“ 0,3% sterben braucht es bei dieser Epidemie erhebliche medizinische Ressourcen, damit schwer Erkrankte wieder gesund werden können. Das ist der Grund, weshalb wir die Epidemie so gut es geht „ausstrecken“ müssen.

  • Mildi

    Ach, Herbert ❤️ Danke für Deine klaren, besonnenen Worte!

  • Klara

    Eine klare Aufschlüsselung der wesentlichen Fakten.
    Ich frage mich nur, ob die Maßnahmen aktuell wirklich zielführend und ausreichend sind.
    Es werden Kitas und Schulen geschlossen, obwohl Studien sagen, dass die Übertragung eher von Erwachsenem zum Kind und nicht umgekehrt geschieht. Es wird sich wahnsinnig viel Zeit gelassen, Ausgangssperren und Einreiserestriktionen zu erlassen. In Lateinamerika wurde binnen weniger Tage fast der ganze Kontinent runter gefahren.
    Bei uns kamen oder kommen noch lange Flüge aus Risikogebieten an, die Bahn ist noch in Betrieb, viele Fabriken laufen noch usw. Ich habe das Gefühl dass manche Maßnahmen noch zu halbherzig und nicht an der richtigen Strlle angesetzt sind.

    • Ana

      Ich schätze Ihre Kommentare meist wirklich sehr. Auch dieser zeugt von realen Überlegungen und Erfahrung.
      Ein wesentlicher Punkt jedoch fehlt mir:
      Wie viele Erkrankte sind nur erkrankt, weil ihnen gute Hoffnung, Zuversicht und Freude fehlten oder genommen wurden durch die prognostizierte Zukunft? Es ist landläufig bekannt, das zu einem guten Genesungsverlauf (oder gar zur Dämmung von Erkrankungen überhaupt) Faktoren wie Zufriedenheit, ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit wesentlich beitragen.

      Alleine durch die Hysterie und die Massnahmen erleben ich Kundinnen und Kunden, die alleine psychisch schwer mit den Folgen zu kämpfen haben, was wiederum eine Ansteckungswahrscheinlichkeit ernorm erhöht. Die Ungewisse Zukunft über Arbeitsplätze und der drohende Verlust des damit verbundenen notwendigen Einkommens einerseits und die Sorge, was bei einer Ansteckung passiert ist an und für sich schon eine ‚gesundheitsschädigende Mix‘.

      DIESE Zusammenhänge sind in einer dienlichen und sachlichen Diskussion nicht zu vernachlässigen, denn es ist u.U. ein Hauptfaktor für alle Zahlen, durch die sich Statistiker in Zukunft wühlen werden.

      • Herbert Renz-Polster

        Ja, das stimmt. Es ist entscheidend, dass wir den Grat zwischen (gerechtfertigter) Sorge und (kontraproduktiver) Panik finden. Dazu gehört für mich, dass wir den Fakten so ins Auge blicken wie sie sind: besorgniserregend, aber bei klugem Umgang mit der Epidemie kein Anlass zur Panik. Auch darf der Blick auf die „medizinsichen“ Gefahren den Blick nicht verstellen auf das was unsere langfristige Aufgabe ist: mit den sozialen Folgen (die wirtschaftliche Dimension gehört dazu) so gut und solidarisch wie möglich umzugehen. Denn: vor unseren Augen entsteht eine neue soziale Frage. Die „Wohlstandsklammer“, die unsere Gesellschaft bisher noch einigermaßen zusammengehalten hat, wird sich ein Stück weit lösen. Wenn wir jetzt in sozialer Hinsicht nicht das schaffen, was wir in medizinischer Hinsicht predigen (Kooperation, Zusammenhalt, Schutz der Schwachen), dann Gute Nacht. Das ist die eigentliche Herausforderung dieser Krise, sie wird uns über Jahre und Jahrzehnte beschäftigen.
        HRP

      • Andrea Herzog

        Gut, dass Sie drauf hinweisen! Das ist der Punkt, da sind wir als solidarische Gesellschaft echt gefragt.
        Jetzt und in der Zeit, die kommen wird. Vielleicht haben wir alle die Chance, daran zu wachsen? Nicht nur abends aus den Fenstern zu singen, sondern insgesamt ein bisschen mehr Empathie zu entwickeln?
        Ich rufe bestimmte Menschen jetzt jeden Tag an oder schreibe ihnen auf Whatsapp, darunter auch drei Geflüchteten und meine alten Tante, die das erstaunlich gefasst nimmt. Und freu mich total, wenn jemand sich bei mir meldet, bin nämlich auch schon Risikogruppe (was sich für mich total befremdlich anhört…)

  • Nadine

    Vielen Dank für die klaren Worte. Ich lese jede Menge Ärger heraus,zurecht wie ich finde. Was gesagt werden muss, MUSS gesagt werden. #stayhome nicht mehr und nicht weniger wird von uns erwartet. Bei Zeiten wäre ich gespannt, welche Auswirkungen diese Krise für uns und unsere Kinder hat. Ich bemerke positiv,dass wir einfach mehr Zeit in der Kern Familie füreinander haben und somit eine Verbesserung der Bindung innerhalb der Familie. Viele Grüße,Nadine

  • Stephan Böhme

    Es klingt schlüssig und liest sich gut. Allerdings würde ich andere Menschen, welche eine andere Meinung vertreten als ich, nie als „Schwätzer“ beleidigen. Ich denke, das hat niemand verdient und verletzt nur die Würde desjenigen, der die Beleidigung ausspricht.
    Die Gefahr kann ich nachvollziehen. Jedoch täte. Eine sachliche Darstellung uns allen gut. Ich habe genauso nachvollziehbar für mich von sehr uneinheitlichen Bewertungen der Todesfälle gelesen. Bei einem an Herzversagen verstorbenen 78jährigen Mann wurde im Nachhinein eine CoViD19-Infektion festgestellt. Er kommt in die Statistik der Coronaopfer, obwohl die Todesursache und mögliche Kausalität überhaupt nicht feststeht.
    Das Gesundheitssystem in Deutschland wurde erheblich reduziert und rein ökonomisch organisiert. Jetzt müssen wir mit den selbstproduzierten Unzulänglichkeiten leben.
    In Italien steigen die Infektionen trotz Lockdown.
    Ich gebe zu, dass dies alles keine Argumente sind, die Gefährlichkeit der Situation klein zu reden, aber ich würde mir Wünschen, dass wir nach wie vor wertschätzend miteinander umgehen und wenigstens jetzt auf die Nutzung irgendwelcher Superlative, wie wir sie hinlänglich aus der Boulevardpresse kennen, verzichten könnten.
    Aber dies scheint ein frommer Wunsch, wenn Herr Macron von Krieg spricht und unsere Bundeskanzlerin den Vergleich mit dem 2. Weltkrieg nicht scheut.
    Ich bleibe brav zu Hause und passe auf meine Familie auf. Und Ihnen wünsche ich, dass Sie niemand einen „Schwätzer“ nennt.

    • Astrid

      Dankeschön Stefan Böhme.
      Ich sehe das ebenso wie Sie.

    • Eckhardt Gehde

      Ich sehe das überhaupt nicht so. Wäre das Virus nur etwas gefährlicher, drohte uns allen eine unabsehbare Katastrophe. Dass in Italien die Infizierten- und Todeszahlen weiter steigen, belegt die Gefahr der Epidemie und nicht, wie hier argumentiert wird, die Wirkungslosigkeit der Kontaktvermeidung. Und Herr Precht ist nicht nur bei diesem Problem, bei allen Verdiensten, gelegentlich ein eilfertiger Schwätzer.

    • Herbert Renz-Polster

      Ich will auf die eingehen, die mir einen unsachlichen Umgang vorwerfen („Schwätzer“-Vorwurf). Ich will dazu sagen, dass ich hier tatsächlich von meinen Emotionen getragen wurde – und werde. Ich habe mich seit Beginn der Covid-Epidemie intensivst mit deren epidemiologischen und medizinischen Hintergrund befasst, ich kenne die Presseberichte und die Fachartikel. Ich finde, dass die Berichterstattung es jedem einigermaßen gebildeten Menschen ermöglicht auch ohne medizinisches Vorwissen informierte, verantwortliche Folgerungen zu ziehen. Wer angesichts der jetzigen Corona-Epidemie darauf hinweist, unsere Gesellschaft sei halt eine „Erregungsgesellschaft“, die nun mal keine „echten Seuchen“ mehr kenne, oder wer von „Corona-Fake“ redet ist für mich ein SCHWÄTZER. In meiner Familie und in meinem Freundeskreis sind Erkrankte und da sind mir liebe Menschen, die zur Risikogruppe gehören. Und ja, ich will ehrlich sein: mir kommen die Tränen, wenn ich die Berichte meiner Kollegen aus Bergamo lese, die ich in meinem Artikel verlinkt habe. Denn anders als manch andere bin ich nicht geschützt vor den Assoziationen, die dann in mir aufsteigen. Ja, ich habe es erlebt, wie Patienten an dem Wasser in ihrer Lunge ersticken, ja ich weiss, welch gute Begleitung und medikamentöse Unterstützung sie brauchen. Ich weiss, wie viel Ressourcen der Kampf um ein Leben braucht, und wie viel Ressourcen ein guter Tod braucht. Und ja, ich kann mir vorstellen, was es bedeutet, wenn einem die Mittel fehlen, die Zeit, die Medikamente, die Ruhe. Ich habe die Bilder vor mir und in mir, die dazu gehören, wenn ein Gesundheitssystem unter Last zusammenbricht. ICH MUSS MICH GEGENÜBER DEN SCHWÄTZERN NICHT RECHTFERTIGEN.
      HRP

      • Internetstaziergaenger

        Diese Typen „Schwätzer“ zu nennen und ihr Reden „Geschwätz“ ist wohl noch sehr wohlwollend. Für mich sind das Kriminelle. Das, was sie betreiben (um ihren elenden Mist zu vermarkten) ist Sabotage und Volksverhetzung!

  • Kerstin Krebs

    Vielen Dank für Ihre Klarstellung!
    Mich wundert offen gesagt, dass sich Herr Precht in diesem medizinischen Thema derart bewandert fühlt, dass er die Fakten des RKI u.a. derart in Frage stellt!
    Grund genug sich zu ärgern und wütend zu sein, wenn dieses Verhalten Einfluss auf eine breite Öffentlichkeit hat. Ich habe endlose Diskussionen mit meinen (halb-)erwachsenen Kindern. Es ist so unglaublich schwer, ihnen die Disziplin abzuverlangen. Da kommen diese Fake-News auch noch dazu und befeuern seriöse Einschätzungen… warum?! Überheblichkeit? Verletztheit? Kränkung? Ist mir egal, solange wir uns davon nicht beeindrucken lassen!! Leider sind Fakes oft so ‚einleuchtend‘ aufgemacht, dass Menschen daran kleben bleiben, wie an Fliegenfallen und Geiz-ist-geil-Werbung Da hilft nur wiederholte Aufklärung…! Danke!

  • Diana

    Vielen Dank, für diese Info. Es ist schwer zu akzeptieren, was da noch alles auf uns zu kommt. Die Schwätzer können und müssen so genannt werden, damit sie als solche schnell erkannt werden können. Es sind so viele bescheuerte Videos im Umlauf von „Experten“, die lediglich einen Markt bedienen und bestimmt den Keller voller Klopapier und sonst. Vorräten haben. Alles Gute uns allen 🙂

  • Philipp Bornschlegl

    Danke! Danke! Danke!
    Grüße aus dem seit drei Wochen von durcharbeitenden Menschen betriebenen Gesundheitsamt Nürnberg!

  • Kathi

    Vielen Dank dass Sie so klare Worte finden! Im Moment scheinen viele Menschen die Lage noch nicht zu begreifen.

  • Silke

    Vielen Dank für diese Worte. Ich habe das gerade sehr gebraucht. Abgesehen von den Herausforderungen, die diese neue und sicher anhaltende Situation uns allen bringt, ist alles derzeit emotional sehr aufgeladen und verwirrt und verunsichert zusätzlich. Ich bin sehr dankbar für Ihre Einschätzung der Situation. Ich habe schon seit ein paar Tagen versucht, herauszufinden, ob Sie bereits etwas dazu gesagt oder geschrieben haben und freue mich daher nun umso mehr, diese klaren Worte nun von Ihnen lesen zu können. Ich habe gespürt, dass ich es genau so sehe aber in dieser Phase tut es gut, sich von geschätzten Menschen wie Ihnen bestätigt zu fühlen.

  • Dr. med. Eckhardt Gehde

    Exakt so! Sie schreiben mir aus der Seele. Ich sehe das ganz genauso. Deshalb habe ich ohne Aussicht auf Entschädigung meine Praxis für Psychotherapie ab 16.03. geschlossen, um Patienten wenigstens nicht selbst zu gefährden und um einen Beitrag zur Kontaktverminderung zu leisten.

  • Martina

    Danke für die deutlichen Worte!

  • Martin

    Danke für die Klarstellungen und die Hinweise auf die Bedeutung von Sterberaten und welche Bedingungen auf sie wirken. Wirklich gut.

    Vielleicht hilft es bei all den Zahlen, sich nochmal klarer zu machen, dass es die eigenen Angehörigen treffen wird, dass wahrscheinlich jede Familie nach der Pandemie eine Corona-Tote oder einen Corona-Toten beklagen wird – eine Mutter, einen Vater, eine Oma, einen Opa, Tanten, Onkel, Töchter, Söhne, Brüder, Schwestern. Keine Zahlen. Menschen.

    Aber bei allem, was hier zurecht gerückt wird, möchte ich auf eines hinweisen – auch wenn es eine Kleinigkeit sein mag: „Soziale Distanzierung“ hat das Potenzial zum Unwort des Jahres. Das muss anders ausgedrückt werden. Um der Sprachkultur und ihrer Wirkung willen. Bitte.

  • Rolf Schälike

    In der DDR gab es nicht genug Dialyse-Geräte. Nierankranke mussten sterben, weil Geräte fehlten. Bei vielen Krankheiten ist es heute in Deutschland nicht anders. Viele Sterbende könnten ein halbes oder viele Jahre länger leben, wenn die Gesellschaft mehr Aufwand betreiben würde. Fängt mit der Zahnbehandlung an, betrifft Vorsorgeuntersuchungen, schlechte Ernährung und vieles mehr. Weshalb Corona hervorgehoben wird, bleibt für mich offen. Offenbar gut geeignet für Populisten und Diktatoren.

    • Herbert Renz-Polster

      Es ist immer eine Frage, wie die Gesellschaft aussehen soll in der wir leben wollen. Ich trete für keinen medizinischen Absolutismus oder Gesundheitsdiktatur ein. Ich setze mich für vernünftiges Verhalten ein, mit dem wir diese Krise so human wie möglich überstehen können.

  • Frank

    Lieber Dr. Renz-Polster,
    wer sich wie Frau von der Leyen hinstellt und behauptet, dass Virus unterschätzt zu haben, scheint vor dem Hintergrund einer bereits 2013 erschienen Risikoanalyse zu genau diesem Szenario, völlig unterbelichtet zu sein und hätte sich lieber mal die Zeit genommen, die damals von der Bundesregierung, u.a. beim RKI in Auftrag gegebene Analyse, zu lesen!
    Wozu werden solche Risikobewertungen in Auftrag gegeben, wenn sich letztlich doch niemand daran hält oder vorgibt nichts davon zu wissen. Nichts davon verstanden zu haben, trifft es wohl eher.
    Mögen uns Ascorbinsäure, Vitamin D3 und die Unmengen bevorrateter Klorollen und Nudeln vor der Pandemie schützen. Utopisch, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zum Schluß. Aber sie stirbt. Bleiben Sie gesund! .. Wobei ja erst das Durchleben dieser Infektion immunisiert, wie man sagt. Möge es sie daher nicht so hart treffen und Sie wohlbehalten und geläutert diese Pandemie überstehen. Die Welt wird eine andere sein, nach dieser Krise.
    Und hier nochmal die Drucksache, für all diejenigen die glauben, dieser Virus trifft uns unvermittelt. Ein Schelm, der Böses dabei denkt 😉
    http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/120/1712051.pdf

  • Kristin

    Ich schätze Ihre Beiträge sehr, auch diesen. Von daher kann ich nicht verstehen, wie Sie solche Aussagen/ unterschwellige Botschaften tätigen können.
    ‚wie etwa ein Dr. Wolfgang Wodarg, der sich nun gerne auch bei den bekannten Rechtsauslegern dieser Republik zu Wort meldet. Etwa bei Eva Herman‘
    Ebenso finde ich ihr ausgedachtes Szenario über RDP nicht gut. Klar, es verdeutlicht die Situation aber es ist irgendwie auch geschmacklos.
    Schwätzer wird es immer geben, man muss ihnen aber nicht zuhören! Jeder hat einen eigenen Verstand, den er benutzen sollte – oder besser MUSS.

  • Welli

    Danke von Herzen.

    Es gibt noch immer Zeitgenossen, die den Ernst der Lage verkennen – das macht mich fassungslos.

  • Stefanie Zehender

    Vielen Dank?

  • Petra

    Vielen Dank ??

  • Jessica

    Großartig, danke!

  • Tatiana

    Wow!!!! Vielen Dank!!!

  • alexandra köbele

    Danke, Lieber!!

  • Alexandra

    Ich melde mich hier als „Elternblogger“, weil ich mich angesprochen fühle. Ich denke zurecht. Ich möchte darauf hinweisen, dass mein Artikel vor 3 Wochen erschienen ist, und sich die Situation und die Einschätzung der Experten seither rasant verändert hat. Zu dem Zeitpunkt gab es gerad einmal 50 Erkrankte in Deutschland und mich haben zuvor viele sehr, sehr besorgte Mütter kontaktiert, die ich mit der Zusammenfassung aller bisherigen Erkenntnisse beruhigen wollte. Wie gesagt: zu diesem Zeitpunkt war die Einschätzung der Experten eine noch ganz andere. Ich bitte daher den Zeitpunkt der Veröffentlichung dringend zu beachten. Natürlich habe ich den Artikel der Entwicklung entsprechend Stück für Stück angepasst. Und (in der Annahme dass Sie meinen Artikel meinen) meinen Beitrag auf „Grippe ist ansteckeder“ und „Tipps fürs Immumsystem“ herunterzubrechen ist falsch. Vielen ist ist die Grippe ein Begriff und die Ansteckungswege sind ähnlich, sodass ein Vergleich nicht völlig falsch ist, um aus SARS CoV 2 überhaupt einen Begriff zu machen. Außerdem ist der Tenor: keine Panik, um unsolidarische Hamsterkäufe und den Engpässen bei Desinfektionsmittel und Co entgegenzuwirken. Ich bleibe auch jetzt dabei: Panik ist schlecht. Verantwortungsbewusstsein und Disziplin dringen notwendig. Wer in Panik verfällt, kann nicht mehr vernünftig handeln, wie wir alle wissen. Zu den Tipps fürs Immunsystem, die sie aus so Vielem! anderen herausgepickt haben: was unseren Einfluss auf gewissen Vorerkrankungen betrifft und den Einkauf von „Dosenfutter“ stehe ich nach wie vor dahinter, zumindest auch einmal das Augenmerk auf eine gesunde Lebensweise zu lenken. Neben all den anderen Aspekten, wie gesagt. Zu guter Letzt: aus heutiger Sicht ist es natürlich leicht, Artikel und Aussagen von vor 3 Wochen zu kritisieren. Gestern erst habe ich selbst einen sehr wütenden Bericht über die aktuelle Lage geschrieben, in der ich es scharf kritisiere, wie gedankenlos viele von uns noch immer mit der rasanten aber dennoch sehr ernsten Situation umgehen. Mit freundlichen Grüßen und bleiben Sie gesund! Alexandra von unterm-dreck-ists-sauber

    • Herbert Renz-Polster

      Hallo Alexandra, Danke, aber ich habe da wirklich nicht an Ihren Blog gedacht! Weder gedacht noch ihn gelesen. Und ja, auch ich gestehe jeder/jedem zu, seine Meinung zu revidieren, da sind wir alle im gleichen Boot. Danke!

      • Alexandra

        Vielen lieben Dank für Ihre Rückmeldung, dann bin ich beruhigt. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend!

  • Erik

    Als Psychologe beobachte ich den gegenseitigen negativen Fingerzeig als sehr unangenehm. Jemanden als Schwätzer zu diffamieren hilft keinem, sondern wird nach der Krise dazu führen schwer wieder zu einem gemeinsamen Dialog zu kommen. Es sollten auch die verschiedene Fachrichtungen sich nicht abwerten. Auch Ärzte sprechen aktuell nicht in einem Tenor. Was in einer Ausnahmesituation wahrscheinlich auch nicht möglich erscheint. Ob Entscheidungen oder Einschätzungen voreilig getroffen wurden wird sich zeigen. Und wer mit dem Finger auf andere zeigt und diese als Schwätzer bezeichnet wird am Ende eventuell bemerken, dass er vor einem Spiegel stand.

    Mein Empfehlung, auf Wortwahl und Wertschätzung achten!

  • Wabse

    Klare Worte! Nur werden diese nicht bei jedem ankommen, weil jeder seiner eigenen Philosophie unterliegt.
    Und genau hier liegt der Hund begraben!

  • Monika

    Vielen Dank für den Artikel.
    Wir haben den Ernst der Lage auch erkannt und verlassen unser Grundstück nur noch zum Einkaufen, mein Mann hat Homeoffice und ich habe nochmal Elternzeit genommen und kümmere mich um unsere 3 jährige Tochter. Meine Tochter sieht keine anderen Menschen mehr außer meinen Mann und mich.
    Jetzt würde mich interessieren, wie sie als Kinderarzt, auf dessen Meinung in Entwicklungsfragen ich viel gebe, die Auswirkungen der Isolation auf die Psyche von Einzelkindern sehen. Meine Tochter war seit August im Kindergarten, seit dem Babyalter waren wir in Spielgruppen und sie hat den Kontakt zu anderen Kindern geliebt. Wenn die Maßnahmen noch Monate so weiter gehen, ab wann schadet der fehlende Kontakt zu anderen Kindern? Wäre es irgendwann vertretbar sich mit einer anderen Familie mit einem Kind zu treffen?
    Wäre sehr dankbar für eine Antwort.
    PS :Meine Tochter hat Infektasthma.

    • Sandra

      Haben Sie schon eine Antwort auf Ihre Fragen bekommen? Wenn ja, wo kann an diese lesen? Mfg

      • Monika

        Hallo Sandra,
        leider habe ich noch keine Antwort bekommen. Wahrscheinlich ist diese Situation bisher auch einmalig in der Geschichte, zur Zeit der Pest gab es wahrscheinlich weder nennenswert viele Einzelkinder noch Forschung dazu….
        Liebe Grüße, Monika

  • Ricarda

    Danke für den Beitrag. Ich frage mich die ganze Zeit, wie viele eigentlich sterben werden, selbst wenn es eine gute medizinische Versorgung gibt… Also wenn z.B. ein 65 Jahre alter Mann stark erkrankt, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit,
    dass dieser auch trotz Beatmungsgerät stirbt? Mnche Krankheitsverläufe sind ja anscheinend so rapide, dass es schnell zu spät ist. Oder ist man „sicher“ oder zumindest „sehr sicher“, sobald es früh genug erkannt und medizinisch begleitet wird? Wie viele schwer Erkrankte aus den Risikogruppen überleben? Gibt es auch milde Verläufe bei alten Menschen?

  • Robert

    Herr Dr. Renz-Polster,
    die Todesfälle in Europa sind aktuell historisch niedrig. Auch in Italien gibt es derzeit unterdurschnittliche Todesraten. https://www.euromomo.eu/
    Können Sie dies verstehen / interpretieren?
    Man bekommt langsam den Eindruck, dass es neben Corona gar keine anderen Todesursachen mehr gibt…

    • J. P.

      Jedes Jahr sterben ca eine Million Menschen in Deutschland. Da fallen die paar Coronatoten im Moment noch nicht ins Gewicht. Auch in Italien ist das Virus regional begrenzt, deswegen sterben nur in den Hotspots überdurchschnittlich viele. Wir stehen jedoch am Anfang der Pandemie, bei exponentiellem Wachstum wird aus „ein paar“ schnell „viele“. (Rechenbeispiel: Wenn heute 20 Menschen an Corona sterben, sterben bei der aktuellen Verdopplungszeit von 3 Tagen in 30 Tagen schon 22.000 Menschen AM TAG) Wir befinden uns am Anfang der Pandemie und müssen JETZT entschlossen handeln um das exponentielle Wachstum zu verhindern.

    • Herbert Renz-Polster

      Auch bei euromomo.eu gilt es das Kleingedruckte zu lesen, dort steht:

      „The number of deaths in the recent weeks should be interpreted with caution as adjustments for delayed registrations may be imprecise.“
      Man könnte verzweifeln, wie viele Menschen einem Dr. Wodarg in die Fänge laufen.
      Dr. Wodarg sagt, es gibt in Italien keine größere Sterblichkeit, ich frage mich allerdings, warum dann die Friedhöfe an Kapazitätsgrenzen kommen: https://www.theguardian.com/world/2020/mar/19/generation-has-died-italian-province-struggles-bury-coronavirus-dead

      Die 650 Todesfälle in Italien heute durch Covid 19 mögen nicht nach viel klingen, weil ja auch sonst jeden Tag in Italien etwa 1500 Menschen versterben. Aber es sind zum Beispiel heute eben 650 (und bald wahrscheinlich deutlich mehr), die ZUSÄTZLICH versterben (und bisher vor allem in der Lombardei…).

      Ja, und dass es vor allem alte Menschen sind ist richtig – aber ich persönlich würde zum Beispiel meine Mutter noch gerne eine Weile in der Welt wissen, auch wenn sie alt ist.
      Und schon mal bei Youtube geschaut, auf welchen Kanälen Herr Dr. Wodarf seine Botschaft verbreitet ?
      Hmmm.

  • Jogi

    Lieber Herbert, danke für dein klares Statement. ! Hoffentlich wachen jetzt auch die letzten, die ewig Gestrigen und Donalds dieser Welt endlich auf und erkennen worauf es ankommt: Solidarität, Verzicht des Einzelnen für das Wohl der Allgemeinheit! Den Tsunami gilt es zu verhindern! Packen wir es an! Wer nicht zum Arzt muss oder dessen Kühlschrank leer ist, bleibt zuhause! Basta! DANKE und herzliche Grüße! Jogi

  • Susanne

    Eins vorneweg: Ich verstehe, dass wir die Ausbreitung verlangsamen müssen. Aber ein „wir isolieren uns auf unbestimmte, möglicherweise sehr lange Zeit voneinander“, das ist mir zu kurz gesprungen.

    Aus meiner Sicht wäre es nötig, in Politik und Gesellschaft auch zu diskutieren: Wie lange sollen diese extremen Massnahmen gelten? Was sind die Kriterien, sie wieder zu lockern?

    Denn: Wenn ich das richtig verstanden habe, dann kommt mit der Aufhebung der Isolierung auch das exponentielle Wachstum zurück – und damit ist das Gesundheitssystem überfordert, nur halt paar Monate später.

    Aber können und wollen wir das durchhalten, bis es in vielleicht einem Jahr einen hoffentlich wirksamen Impfstoff gibt (was nicht unbedingt garantiert ist)? Ein Jahr lang alle Geschäfte zu? Ein Jahr lang Kontakte meiden?

    Auch das würde massive Nebenwirkungen haben und unsere Gesellschaft massiv verändern. Und da finde ich schon, dass eine lange Fortsetzung dieser Massnahmen nicht einfach beschlossen werden sollte, sondern einer gesellschaftlichen Diskussion bedarf, ob wir die Folgen so tragen wollen, oder ob es vielleicht Alternativen gibt. Oder einen Mittelweg.

    Folgende Fragen fallen mir z.b. ein:

    – Nehmen wir in Kauf, dass das Einkaufen dauerhaft ins Internet abwandert? Das Ende der Innenstädte und der kleinen Geschäfte insgesamt?

    – Wie viele zusätzliche Selbstmorde durch Insolvenz und wirtschaftliche Not ist uns das wert?

    – Wie lange kommen Familien mit Babys und kleinen Kindern ohne helfende Hände aus, ohne die es nicht geht? Eltern, die nicht mehr können, sind auch nicht gut für die allerkleinsten. Eltern mit Burnout-Zusammenbruch, Scheidungen, Kindsmisshandlung, zu Tode geschüttelte Babys, das wird zunehmen, wenn es nicht einmal mehr ein rudimentäres Dorf gibt, das bei der Kinderbetreuung hilft. Erst Recht, wenn dazu noch Existenznoete kommen. Was ist mit besonders belasteten Familien, Alleinerziehenden?

    – Was macht es mit kleinen Kindern, der Gesellschaft von morgen, wenn sie ein Jahr lang verinnerlicht haben: kein naher Kontakt mit Fremden? Wie lange dürfen wir Kindern das Zusammensein mit anderen Kindern verbieten? Wie lange die Spielplätze?

    – Was macht lange soziale Distanz mit Menschen allgemein, mit Freundschaft, was ist mit sich verlieben? Was mit den Jugendlichen?

    – Wie lange dürfen wir alte Menschen sozial isolieren? Wann ist Einsamkeit so schlimm, dass sie depressiv werden und sterben wollen? Was ist mit denen, die in diesem Jahr einfach so an was anderem sterben, die vorher aber durch die Isolierung kein Leben mehr hatten?

    Und ganz persönlich frage ich mich: Meine Mutter ist über 70, raucht stark und hatte schon zwei Lungenentzündungen, und ist damit sehr gefährdet. Unter Einsamkeit leidet sie schon lange (wir wohnen 300km weit weg). Ist es nun besser, sie nicht mehr zu besuchen, in der Hoffnung, dass sie nicht krank wird? Und wenn doch: Ist es wahrscheinlich, dass sie es mit Beatmungsmaschine schafft? Wenn nein, wäre es dann nicht besser, ihre Einsamkeit zu lindern und vorher wenigstens noch schöne Augenblicke miteinander zu verbringen? Und ihr Zeit mit ihren Enkeln zu ermöglichen?

    Ich finde ein „Kontaktsperre wird es schon richten“ bisschen einfach.

    • Andreas

      Das ist ein sehr kluger und reflektierter Beitrag, Susanne. Vielen Dank!
      Es reicht eben nicht, die derzeitigen Maßnahmen zur Lage nur mit medizinischer Fachliteratur unter dem Arm zu beurteilen. Sozialwissenschaftler, Psychologen, Pädagogen sollte man auch dazuholen, wenn man einer Bevölkerung in atemberaubendem Tempo solche Maßnahmen aufträgt. Die ganze Entwicklung wird momentan einseitig aus Sicht medizinischer Experten gesteuert und von Politikern, die überwiegend rezitieren und ausführen, was jene vorschlagen. Auch die Medien bilden meines Erachtens nicht die Vielfalt der Meinungen ab, wie man hier sieht.
      Da tut es gut, einen Beitrag zu lesen, der einerseits Bemühen und Bereitschaft um Eindämmung der Epidemie signalisiert, aber auch die Frage einer Güterabwägung anspricht. Sind „rigorose Maßnahme“, wie es Herr Renz fordert, immer gerechtfertigt, selbst wenn die Letalität nur 0,3 % betrüge? Wenn man das bejaht, setzt man die – immer noch statistische- Rettung eines jeden Lebens im Sinne einer deontologischen, also an Prinzipien orientierten Ethik, als absoluten Wert. Aber dann müsste man auch „rigorose Maßnahmen“ bei 0,2 oder 0,003 oder 0,001 Letalität % argumentativ so vertreten.
      Man darf bemüht sein, jedes einzelne Leben zu retten und jeden Todesfall betrauern, aber man darf auch mit ethisch gutem Gewissen die Frage nach den Folgenkosten eines möglicherweise über Wochen still gelegten Gemeinwesens stellen – und zwar nicht in erster Linie materielle Kosten, sondern soziale, psychische und auch gesundheitliche. Man denke an steigende Depressionen, Sucht, Suizide, Existenzverluste, Folgen für die Kinder – wird alles von Susanne gut reflektiert.
      Zur genauen Letalität kann man derzeit nichts Genaues sagen – auch das RKI verweist auf schwankende Zahlen. Derzeit verlaufen zwar 4 % aller Infektionen tödlich, aber man kann mit Sicherheit sagen, dass bei Weitem nicht alle Infektionen in dieser Statistik erfasst sind. Wenn man bedenkt, dass die meisten Infektionen harmlos verlaufen, dürfte die Zahl der Infizierten deutlich höher sein. Die meisten dieser Patienten waren zudem vorerkrankt und alt. Natürlich ist jeder Todesfall traurig und man sollte versuchen, möglichst viele Menschen zu retten. Aber man darf die Frage stellen: Wie hoch darf der Preis für die gesamte Zivilgesellschaft angesichts eines überschaubaren Risikos – für die Kinder nahe Null – sein?
      Unsere liberale, pluralistische Gesellschaft nimmt im Übrigen jeden Tag Tote in Kauf. Wer 2019 in sein Auto gestiegen ist, gehörte potenziell zu denjenigen, die ein von neun Todesopfern täglich zu verantworten. Ja, ich weiß, an dieser Stelle kommt der empörte Zwischenruf, dass dieser Vergleich unerhört sei – so etwas Plumpes wie einen Autounfall mit einer Seuche zu vergleichen. Das ist es aber nicht, wenn man abstrahierend formuliert und sich das zugrundeliegende ethische Prinzip des Utilitarismus vergegenwärtigt: Unserer mobilen, freien Gesellschaft gilt es offenbar als moralisch vertretbar, dass mit statistischer Gewissheit täglich Menschen durch den Straßenverkehr sterben – übrigens auch rechnerisch an Feinstaub oder Umweltverschmutzung. Der Einwand, Mobilität wäre aber systemrelevant, trifft nicht auf den Individualverkehr zu. Allerdings gibt es zu dem Verhältnis der Unfallzahlen nach Art des Verkehrs nach meinem Kenntnisstand keine Zahlen. Dennoch: Man darf sich im Sinn des Utilitarismus durchaus fragen, ob die Verhältnismäßigkeit der Mittel im Kampf gegen die Epidemie gegeben ist. Wie lange sollen diese Maßnahmen maximal bestehen, welche Folgen haben sie für alle Beteiligten und: Gibt es gar keine Alternativen? Man darf hier auch mal vor allem die Kinder denken. Die Verfasserin oben hat das oben gut beschrieben. Zwei Wochen hält das eine Gemeinschaft sicher durch, vielleicht auch drei oder vier, aber früher oder später kann man sich der Frage der Güterabwägung angesichts eines überschaubaren Risikos für die deutlich überwiegende Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr verweigern.

      • Welli

        WoW.
        Ihren Kommentar gebe ich mir später noch einmal in Ruhe.

    • Boris

      Vielen Dank Susanne für diese Fragen ! Können sie Herr Renz Polster gerade als ,,Kindervesteher‘‘ bitte Rückmeldung zu diesen Themen geben ?
      Mich als Kinderpsychologen treiben diese Fragen ebenso um , (wie lächerlich wenn jetzt noch die Therapeuten aus falscher Rücksicht stolz darauf sind dass sie die Praxen schließen , gerade wo sie die Menschen am meisten brauchen …) Ein Dr. Raphael Bonelli versucht Antworten hinsichtlich der Verhältnismäßigkeit zu geben !

    • Katrin

      Sunsanne, das sind auch genau meine Gedanken…

  • Irene Krüger

    Können Sie bitte Bundespräsident werden?!
    Danke für diesen Artikel! ?

  • Florian

    Lieber Herr Dr. Renz-Polster, RDP ist sicher ein hochintelligenter, aber sicher kein unfehlbarer Übermensch. Ihn wegen eines einmaligen Fauxpas pauschal als Schwätzer zu verunglimpfen und ihn damit als Person und sein gesamtes Werk zu diffamieren, wird seiner sonstigen Rolle kaum gerecht.
    RDP hat da im Interview definitiv Quatsch erzählt. Keine Frage. Das Korrektiv gibt es dutzendfach durch Virologen und Epidemiologen parallel. Es besteht keine Gefahr – auch auch keine Veranlassung, RDP mit dem irregewordenen Dr. Wodarg gleichmachen zu wollen. Das ist vollkommen unverhältnismäßig. RDP war ganz klar desinformiert. Es verlangt aber ein Paradoxon, wenn jemand desinformiert ist, sich aber informiert wähnt, dass er dies im selben Moment reflektieren kann und relativiert. Längst wird RDP sein Statement bedauern. Das Angenehme an RDP ist seine Unprätentiosität, Fehleinschätzungen einräumen und sich auch eines Besseren belehren lassen zu können. Dies wird längst geschehen sein – dazu muss er aber nicht öffentlich um Absolution bitten. Die Ereignisse und inzwischen auch populärwissenschaftlich etablierten Erkenntnisse stehen für sich. Vielleicht ärgert Sie die Lockerheit und Unverkrampftheit von RDP überhaupt. Da war es jetzt vielleicht eine schöne Gelegenheit, einfach mal draufzuschlagen. Das fände ich bedauernswert.

    • Welli

      RDP ist viel. Aber hochintelligent mit Sicherheit nicht.

  • Susanne Körner

    Danke ♥

  • Dietmar Brach

    Bitte, bitte verbreiten Sie Ihren großartigen Text, sachliche Aufklärung ist jetzt so wichtig. Danke, auch das ist ein wichtiges und leider im Augenblick knappes Mittel zur Bekämpfung der Krise Ich wünsche Ihnen alles gute.

  • Neumann

    Schwätzer – Begriffe
    Es ist schon sehr selbsterklärend, wenn seit langen Jahren das Gesundheitssystem SYSTEMATISCH mit wirtschaftlichen Ertragsvorgaben auch in D zurecht geschrumpft wurde und dieser BEKANNTE Missstand jetzt genau von der Gruppe für den Panik Hype missbraucht wird, die an dieser Entwicklung maßgeblichen Anteil haben: Durch falsche Entscheidungen, Eigennutz, Ignoranz, Wegducken oder mangelndes Interesse. Seit Jahren kämpfen u.a. die unterbezahlten Alten- und Kranken-Pfleger/innen mit geringem Erfolg um angemessene Gehälter und gesellschaftliche Anerkennung. Häufigster Ablehnungrund: Kein ausreichendes Geld in den öffentlichen Kassen! Und jetzt plötzlich sind es unsere Helden und Hunderte von Milliarden EURO sind kein Problem mehr, um u. a. durch den zwztl. PANIK AKTIONISMUS ruinierte Existenzen SOLIDARISCH ZU stützen. Was hätte mit diesen Summen alles zur rechten Zeit und mit Augenmaß strukturiert umgesetzt werden können. Und obwohl Corona spätestens seit Januar Thema war, haben wir aktuell weder genügend medizinische Grundartikel wie Desinktionsmittel etc. verfügbar, noch sind die VERORDNETEN Maßnahmen halbwegs plausibel. Was andererseits in dieser Zeit plötzlich alles von JETZT AUF SOFORT möglich wird, sollte jeden ernsthaft um eine sachliche Auseinandersetzung Bemuehten zum Nachdenken bringen. Kritisches Hinterfragen als SCHWAETZEREI und WIRRES GEREDE abzuqualifizieren, hat weder etwas mit sachlicher Aufklärung zu tun, noch werden dadurch die vielen berechtigten Fragen beantwortet. Was sagen Sie z. B. den Angehörigen der mehr als 25.000 Grippetoten allein in D aus 2017 auf 2018, die trotz flaechendeckenler Impfungen ohne grosses Solidaritätsgedusel in die Statistik gegangen sind? Wie jedes Jahr eine ähnlich hohe Anzahl! Heutzutage lassen wir uns von den Pochers und sonstigen Medienkaspern täglich eintrichtern, was ein angemessenes Verhalten und wer zu den Unbelehrbaren zu zählen ist. Soviel zu Schwätzern, Herr Doktor und Allen, die sich nicht zu schade sind, kritisches Nachdenken zu stigmatisieren. Übrigens: interessiert die breite „solidarische“ Masse eigentlich noch die Fluechtlingsproblematik oder die Obdachlosen im eigenen Land?

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