Kommentar30. Mai 2019

Wir müssen den Kindern zuhören !

Ich will heute zum Vatertag den Streikaufruf der Friday for Future Bewegung teilen. In ihm steht unter anderem das (zum gesamten Aufruf gleich):

Heute kämpfen wir Kinder alleine für uns selbst, während so viele unserer Eltern damit beschäftigt sind zu diskutieren, ob unsere Noten gut sind, ob wir unsere Ernährung umstellen sollen oder was im „Game of Thrones“-Finale passiert ist – während unser Planet brennt.

Und da steht auch das:

Wir haben das Gefühl, dass viele Erwachsene noch nicht ganz verstanden haben, dass wir jungen Leute die Klimakrise nicht alleine aufhalten können. Tut uns leid, wenn Sie das nicht wahrhaben wollen. Aber das ist keine Aufgabe für eine einzelne Generation. Das ist eine Aufgabe für die gesamte Menschheit. 

Die Süddeutsche Zeitung hat den Aufruf letzte Woche abgedruckt (zusammen mit einer überaus peinlichen Solidaritätsadresse der US-amerikanischen Intelligentia, in der es nicht darum geht, was zu tun ist, Punkt! Sondern welche ökonomischen Chancen in einem grünen Wandel liegen: Wenn wir es klug anpacken, werden wir nämlich GAR NICHTS ändern müssen. Dann haben wir alle Solarpaneele auf dem Dach statt Kohlekraftwerke vor der Tür. Dann ändert sich alles zum Guten, ohne dass wir uns selbst ins Gesicht schauen müssen. Ohne dass wir unser ökonomisches und soziales Betriebssystem neu denken müssen. Ohne dass wir uns Fragen dazu stellen müssen, wer eigentlich die Welt gestaltet und in wessen Interesse.

Jedenfalls, wenn das die Unterstützung der „Erwachsenen“ für die Friday for Future Bewegung ist, ja, dann bleibe ich bei meiner alten Sorge: Nämlich dass wir Erwachsenen den letzten Baum, den wir fällen, dann doch benutzen werden, um unseren Kindern zu zeigen, wie man Bäume fällt.

Verkehrte Welt

Denn an dem Aufruf fällt mir genau das auf: Die „Kinder“ argumentieren rationaler als die „Erwachsenen“ mit ihrem Kinderglauben, nach dem es „die Märkte“ irgendwie schon richten werden:

Wenn uns das wirklich wichtig ist, müssen wir mehr tun, als zu sagen, dass das wichtig ist. Wir müssen handeln.

Wir müssen unser Verhalten ändern. Und wir müssen die Regeln ändern.

Die Haftung für die Zukunft muss neu geregelt werden

Wenn diese Bewegung  es schafft, sich nicht von denen vereinnahmen zu lassen, die dann doch lieber alles beim Alten lassen wollen (eben mit Solarpaneelen auf dem Dach, siehe oben), und wenn es ihr gelingt das Untrennbare zusammenzudenken – ökologische Instandhaltung, soziale Verantwortung und die überfällige Zähmung einer vom Allgemeinwohl abgekoppelten Wirtschaft – dann wird sie echte Wirkung haben. Dann wird sie zu einem neuen politischen Quellcode beitragen, in dem auch die Haftung für die Zukunft neu definiert und geregelt wird – auch für diejenigen, die  „nur“ ihr Geld für sich arbeiten lassen wollen.

Deshalb: ich habe mir den 20. September dick angestrichen. An diesem Tag soll ein weltweiter Generalstreik ein Signal setzen.

Wir Erwachsenen müssen dabei sein.

WEIL ES WICHTIG IST, DASS WIR DEN „KINDERN“ ZUHÖREN:

Streikt mit uns!

„Am Freitag gehen wir in großer Zahl in 110 Ländern bei mehr als 1350 Veranstaltungen auf die Straße und fordern, dass Regierungen umgehend einen sicheren Weg beschreiten, die Erderwärmung unter 1,5 Grad Celsius zu halten. Wir haben Wochen und Monate damit verbracht, diesen Tag vorzubereiten. Wir haben zahllose Stunden organisiert und mobilisiert, in denen wir auch einfach mit unseren Freunden herumhängen oder für die Schule hätten lernen können.

Wir, Kinder und junge Erwachsene, haben festgestellt, dass wir keine Wahl haben: Jahre sind mit Gerede vergangen, mit unzähligen Verhandlungen, mit nutzlosen Vereinbarungen zum Klimawandel. Firmen, die fossile Brennstoffe fördern, durften jahrzehntelang ungehindert in unseren Böden schürfen und unsere Zukunft abfackeln. Politiker wussten seit Jahrzehnten über den Klimawandel Bescheid. Sie haben ihre Verantwortung für unsere Zukunft bereitwillig Profiteuren überlassen, deren Suche nach schnellem Geld unsere Existenz bedroht.

Wir haben begriffen: Wenn wir nun nicht damit beginnen, für unsere Zukunft einzustehen, wird niemand anderes den Anfang machen. Wir selbst sind die, auf die wir gewartet haben.

Einmal mehr wird man unsere Stimmen auf den Straßen hören, aber es kann nicht nur an uns hängen bleiben.

Wir haben das Gefühl, dass viele Erwachsene noch nicht ganz verstanden haben, dass wir jungen Leute die Klimakrise nicht alleine aufhalten können. Tut uns leid, wenn Sie das nicht wahrhaben wollen. Aber das ist keine Aufgabe für eine einzelne Generation. Das ist eine Aufgabe für die gesamte Menschheit. Wir jungen Leute können unseren Beitrag für einen größeren Kampf leisten, und das kann einen großen Unterschied machen. Aber das funktioniert nur, wenn unser Aufschlag als Aufruf verstanden wird.

Deswegen ist dies unsere Einladung. Am Freitag, 20. September, werden wir mit einem weltweiten Streik eine Aktionswoche für das Klima beginnen. Wir bitten Sie, sich uns anzuschließen. Es gibt in verschiedenen Teilen der Welt viele verschiedene Pläne für Erwachsene, sich zusammenzuschließen, Farbe zu bekennen und sich für unser Klima aus der Komfortzone herauszuwagen. Lasst uns diese Pläne zusammenbringen; gehen Sie an diesem Tag mit Ihren Nachbarn, Kollegen, Freunden und Familien auf die Straße, damit unsere Stimmen gehört werden und dies ein Wendepunkt in der Geschichte wird.

Es geht darum, Linien zu überschreiten – es geht darum zu rebellieren, wo immer man rebellieren kann. Es geht nicht darum zu sagen, „Yeah, was die Kids da tun, ist großartig, wäre ich noch jung, würde ich so was von mitmachen“. Das hilft uns nicht weiter, aber jeder kann und muss mithelfen.

Während der Französischen Revolution sind Mütter in Scharen für ihre Kinder auf die Straße gegangen. Heute kämpfen wir Kinder alleine für uns selbst, während so viele unserer Eltern damit beschäftigt sind zu diskutieren, ob unsere Noten gut sind, ob wir unsere Ernährung umstellen sollen oder was im „Game of Thrones“-Finale passiert ist – während unser Planet brennt.

Dieser Moment muss kommen. Der Bericht über den Klimawandel des Weltklimarates hat deutlich gemacht, was die noch nie dagewesenen Gefahren einer Erwärmung über 1,5 Grad Celsius bedeutet. Emissionen müssen rapide sinken, damit wir in unseren Mitt- und Spätzwanzigern in einer vollkommen anderen Welt leben.

Aber um alles zu verändern, brauchen wir alle. Es ist Zeit für uns alle, massenhaften Widerstand zu leisten – wir haben gezeigt, dass kollektive Aktionen funktionieren. Wir müssen den Druck erhöhen, um sicherzustellen, dass der Wandel passiert. Und wir müssen ihn gemeinsam beschleunigen.

Dies ist also unsere Chance – schließt euch unseren Klimastreiks und -aktionen in diesem September an. Die Menschen haben sich schon oft zusammengetan, um Taten zu fordern und Wandel loszutreten, wenn wir das in großer Zahl tun, haben wir eine Chance. Wenn uns das wirklich wichtig ist, müssen wir mehr tun, als zu sagen, dass das wichtig ist. Wir müssen handeln.

Dies wird nicht der letzte Tag sein, an dem wir auf die Straße ziehen müssen, aber es wird ein neuer Anfang sein.

Wir zählen auf Sie.“

Greta Thunberg (Schweden), Kyra Gantois (Belgien), Luisa Neubauer (Deutschland), Eslem Demirel (Schweiz), Noga Levy-Rapoport (Großbritannien), Isra Hirsi (USA), Angela Valenzuela (Chile), Martial Breton (Frankreich), Nurul Fitrah Marican (Malaysia), Asees Kandhari (Indien), Jessica Dewhurst (Südafrika), Alexandria Villasenor (USA), Jonas Kampus (Schweiz), George Bond (Großbritannien), Lena Bühler (Schweiz), Kallan Benson (USA), Linus Dolder (Schweiz), Beth Irving (Großbritannien), Zel Whiting (Australien), Marenthe Middelhoff (Niederlande), Lubna Wasim (Indien), Radhika Castle (Indien), Zhang Tingwei (Taiwan), Parvez Patel (Indien), Wu Chun-Hei (Taiwan), Anjali Pant (Indien), Tristan Vanoni (Frankreich), Luca Salis (Deutschland), Brian Wallang (Indien), Anisha George (Indien), Hiroto Inoue (Japan), Haven Coleman (USA), Maddy Fernands (USA), Feliquan Charlemagne (USA), Salomée Levy (USA), Karla Stephan (USA), Anya Sastry (USA), Claudio Ramirez Betancourt (Chile), Vicente Gamboa Soto (Chile), Julia Weder (Kanada), Lilly Platt (Niederlande), Balder Claassen (Niederlande), Kassel Hingee (Japan), Maria Astefanoaei (Japan), Pavol Mulinka (Slovakei).

9 Kommentare

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  • Eckhardt Gehde

    Danke für diesen Beitrag, den ich gern teile!,

  • Karin D

    Ich habe für den 20. September schon Urlaub beantragt. Und ich hoffe, noch viele, viele andere werden das tun, damit deutlich wird, dass hier eben NICHT faule Jugendliche einen Grund suchen, die Schule zu schwänzen, sondern dass sie es auf sich nehmen, in ihrer Freizeit all das nachzuholen, was sie in der Zeit der Streiks verpassen, weil es nämlich wirklich aller höchste Zeit ist, zu handeln.

    Danke an diese jungen Leute, dass sie uns Alten wachrütteln. Es wird Zeit, dass diejenigen von uns „Erwachsenen“, die den Jugendlichen ihr Anliegen abnehmen und es teilen, das auch mal deutlich zeigen. Das kriegt nämlich sonst niemand mit.

  • Julia

    Die Kinder haben Recht, Wir müssen handeln wenn wir in Zukunft noch eine lebenswerte Perspektive haben wollen…

  • Veronika Rampold

    Ich werde an jenem Freitag dasselbe tun wie immer:
    Garten pflegen, Haus und Hof in schuss halten, dann zum Nachtdienst.
    Denn ich bin dem Planeten und Klima mit meinem täglichen Leben nicht zur Last –
    wäre es aber durch eine Autofahrt zu ner Demo.
    Schweigt und handelt, sagten angeblich die Indianer.
    die Indianer unter uns haben schon vor Jahren, Jahrzehnten ihren Ökofußabdruck verkleinert, wo immer sie konnten.

    • Martina Rohrbach

      Es scheint so schwer ins Handeln und Wandeln zu kommen und könnte doch so einfach sein: das Bewusstsein einschalten und überhaupt merken, was man tut! Da anfangen, wo man steht. Bahn statt Flieger, wo immer es geht, Bio statt vergiftet etc., …aber vor allem ZEIT für die Kinder nehmen und nicht nur arbeiten, um dann sein Geld für die Vernichtung der zukünftigen Menschen „arbeiten“ zu lassen, für Statussymbole und überflüssigen Konsum, ohne Bewusstsein für die Konsequenzen auf dem Planeten und im Miteinander. Öffnet Eure Herzen, Leute, und geht in die Liebe zu Euren Kindern oder den Euch anvertrauten; dann fällt Euch das Richtige ein, was Ihr tun könnt!

  • Freie Familie Dresden

    Es ist erschreckend, wie Kinder in Erwachsenenspielchen der völligen Idiotie benutzt werden.
    Klima, ein Computermodell hergestellt von Menschen ohne Skrupel. Was soll daran schützenswert sein?
    CO², das „Giftgas“, welches jeder Mensch täglich aus-, und die Pflanzen angeblich einatmen.
    Da trauert man um abgemagerte Eisbären, obwohl jeder wissen kann, dass Eisbärenmütter bis zu 6 Monate hungern und dazu noch den Nachwuchs aus ihren Reserven nähren!
    Oh ja, Menschen vernichten Natur, verdrecken und konsumieren ohne Sinn und Verstand, aber mit diesem Kindesmissbrauch für ein angebliches Klima hat all dies nicht das Geringste zu tun.

    • Veronika Rampold

      Was soll und wem nützt diese Polemik, dieser Unsinn?
      1) Was dem Klima wirklich hilft, geht immer auch mit weniger Konsumieren und allgemeinem „verdrecken“ einher.
      2) Niemand sagt innerhalb der aktuellen Klimadiskussion Giftgas zu CO2. Und dass es die Pflanzen einatmen, ist gesichert, daran ist nix „angeblich“!
      3) Beispiele wie das mit dem Eisbären mögen „hinken“, das Gesamtbild aber zeigt einen unleugbaren Klimawandel und daß der Mensch an ihm massgeblich beteiligt ist, wenn auch nicht NUR via CO2 und Methan, sondern genauso schlimm durch Zersiedeln und zubetonieren von Landschaft, ist ebenso gesichert wie daß Pflanzen Kohlendioxid einatmen.
      4) die jungen Menschen wollen sich für den Planeten engagieren, von sich aus, daran ist nichts von Missbrauch, es sei denn, man würde sie direkt anlügen und auf falsche Fährten schicken. Es fehlt ihnen aber noch an sachlicher Anleitung. Demonstrieren bringt nur Publicity. Den Ökofußabdruck bei sich selbst, der eigenen Familie und dem eigenen Betrieb verkleinern hilft tatsächlich. Aber das erfordert Kenntnis und Mühe. Alt-Ökos, geht hin und gebt den Kids Unterricht!

  • Freie Familie Dresden

    Kinder sollen mit diesem Wahn abgehalten werden zu erkennen, welche Rolle sie wirklich hier spielen.
    Sie werden abgehalten ihre wahre Macht zu erkennen und für eine nachhaltige Zukunft einzusetzen.
    Hier die Wahrheit und was wirklich für und durch die Kinder zu tun ist:
    ###bitte in Kommentaren keine Links zur Eigenwerbung###

    Liebe Grüße aus Dresden

  • Heidi Malzacher

    Ja, unsere Kinder – sie können uns vieles nahebringen! Das Entscheidende ist natürlich, dass sich die „Erwachsenen“ auch darauf einlassen – und dann kann man gemeinsam handeln! Ja, wir müssen zusammenfinden! Ich bin ja nun schon eine Großemutter und ich weiß aus meiner Lebenserfahrung, wie wichtig es ist, gemeinsam zu handeln.
    Die Männerherrschaft , die Männermacht, mit der wir heute regiert und von der wir abhängig gemacht werden, ist eine Macht über die andern, und jeder will diese Macht besitzen – jeder will der Größte sein, jeder will der Reichste sein…. und so entsteht Gewalt, Zerstörung und Krieg…….
    Eine andere Macht ist die weibliche Macht, und die bedeutet „gemeinsam machen“ – denn Macht kommt von machen, und da können wir zusammenfinden.
    Und da braucht es den gesunden und menschenwürdigen Ausgleich. Es will sich gerade viel entwickeln und es ist wichtig, dies zu unterstützen und mitzugestalten!!!

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