Kommentar8. Juni 2020

I can´t breathe

Der am Boden liegende, um Atem flehende George Floyd steht für den alltäglichen Rassismus in den USA. Und doch sind die USA kein durchgehend rassistisches Gebilde. In manchen Bundesstaaten ist er ein durchgängiges Phänomen, in anderen eine Randerscheinung. Ich habe mir diese Landkarten genau angeschaut - und beschreibe den Boden, auf dem der Rassismus wächst.

In den letzten Tagen ist ein Bruch der Zivilisation zu einem Bild geworden: der am Boden liegende, um Atem flehende George Floyd. Wie damals die vor GIs fliehenden Kinder aus Vietnam.

»Ich werde Waterboarding wieder einführen. Und ich werde verdammt viel schlimmere Dinge als Waterboarding einführen.«

Donald Trump setzt seine Agenda tatsächlich in immer schnellerem Tempo um. Zu kurz kommt dabei das: Das I can´t breathe hat eindeutig auch eine gesellschaftliche Dimension. I can´t breathe – das steht auch für ein Land, das bis heute nicht einmal einen Mutterschutz einrichten kann. In dem 45 Millionen Einwohner unter der Armutsgrenze leben. Und noch mehr Bürger ohne jede Krankenversicherung. In dem 2,2 Millionen Menschen hinter Gittern leben. In dem jedes Jahr mehr amerikanische Bürger erschossen werden als in den Kriegen in Afghanistan, dem Irak und den Golfkriegen insgesamt gestorben sind. Dem einzigen westlichen Land, in dem die Lebenserwartung sinkt statt steigt. Und in den letzten Jahren immer weiter sinkt. Einem Land, das in allen für die Lebensqualität wichtigen Parametern wie Säuglingssterblichkeit, Frühgeburtlichkeit, Müttersterblichkeit, Zugang zu Gesundheitsversorgung, Menschenhandel, Drogenabhängigkeit, häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch auf einem der letzten Plätze in der „entwickelten“ Welt steht. Einem Land, in dem die Mehrheit der Bevölkerung bei dem Wort Fürsorge die Nase rümpft. Einem Land also, das nach menschlichen Kriterien nur als failed state zu bezeichnen ist. I can´t breathe, das ist ein Teil und Ursache dieser Gesellschaft.

Dieser Gesellschaft?

Gleichzeitig, das weiß ich nach sieben Jahren in den USA aus eigener Anschauung, sind die USA in anderen Teilen eben KEIN rassistisches, waffen- und gewaltverherrlichendes Land. Es gibt zwei Amerikas – das Amerika der Küstenmetropolen, und das Amerika des Heartlands und des Südens.

Und so sehr es stimmt, dass Donald Trump seine Agenda auf den Flügeln einer breiten rechtsautoritären Strömung umsetzt (sie ist um ein Vielfaches breiter als in Mittel- und Nordeuropa), so greift es eben doch zu kurz auf Donald Trump und die seinen zu verweisen. Ja, sie mögen die Schleusen geöffnet haben. Aber das Wasser, das durch sie strömt, war auch zu Obamas Zeiten schon da.

Die gesellschaftliche Dimension

Statt die derzeitige, schäbige und unmenschliche Führungsriege zum Zentrum der Diskussion zu erheben sollten wir uns jetzt dringend fragen: Wo kommt diese in den USA so weit verbreitete – und doch in unterschiedlichen Milieus so unterschiedliche Haltung her? Wo ist der Wurzelgrund? Wo entsteht dieses menschliche Versagen?

Als Antwort will ich heute einige Landkarten beschreiben. Ich entnehme sie meinem Buch „Erziehung prägt Gesinnung“. Ich will mit ihnen zeigen, dass der jetzt zutage tretende Zivilisationsbruch nicht „oben“ entsteht. Nicht bei Donald Trump und den schrillen Köpfen dort oben. Sondern „unten“, tagtäglich, mitten in den Familien, mitten in der Gesellschaft.

Rätselhafte Landkarten in den USA

Die erste Landkarte, auf die ich dazu eingehen will, bildet die Gewalterfahrungen US-amerikanischer Kinder ab. Und zwar die Gewalterfahrungen, welche die Kinder im Rahmen ihrer Erziehung machen. Wer hier stutzt, sei daran erinnert, dass in den USA die körperliche Züchtigung von Kindern Teil des normalen erzieherischen Betriebs ist, sie ist nur in einem einzigen Bundesstaat verboten (nämlich in Minnesota, wobei auch da die Auslegung des Gesetzestextes umstritten ist). Die US-amerikanischen Erwachsenen (die Kinder wurden nicht gefragt) finden das auch mehrheitlich in Ordnung: Bis heute stimmen in repräsentativen Umfragen mehr als 70 Prozent der amerikanischen Bevölkerung folgender Aussage zu: »Manchmal ist es nötig, ein Kind mit ein paar guten, harten Schlägen zu disziplinieren.« Kein geringerer als Trumps ehemaliger Berater Stephen Bannon, der nach seinem Abgang aus dem Weißen Haus angekündigt hat, den Präsidenten weiterhin zu unterstützen, hält Prügelstrafen für die beste Methode, um Kinder mit psychischen Problemen zu behandeln. Man sollte solchen Kindern einfach öfter den Hintern versohlen:

»I’ve got a cure for mental health issue[s]. Spank your children more.«

Breite Erfahrung von Gewalt

Dass das nicht nur ein theoretisches Bekenntnis ist, zeigen die Daten. Werden drei- bis elfjährige US-amerikanische Kinder zu ihren Erfahrungen mit Strafen befragt, so geben drei Viertel von ihnen an, dass sie von ihren Eltern geschlagen wurden. Ein Drittel berichtet, dass die Eltern dabei einen Gegenstand verwendet hätten.

Die Gewalt macht dabei auch vor den ganz Kleinen nicht Halt. In einer repräsentativen Umfrage unter US-amerikanischen Eltern von Dreijährigen berichtete die Mehrheit der Mütter, ihr Kind mindestens einmal in dem Monat vor dem Interview geschlagen zu haben. Diese Statistiken bedeuten nicht, um einem möglichen Missverständnis gleich zuvorzukommen, dass in den USA nicht auch wunderbare Kindheiten möglich sind – sie sind es. Diese Zahlen belegen nur eines: dass viele Kinder in den USA häufig, intensiv und systematisch von ihren Eltern geschlagen werden. Oder, wie es der Erziehungswissenschaftler Michael MacKenzie von der Columbia-Universität ausdrückt: »Spanking remains a typical rearing experience for American children.« Bei amerikanischen Kindern stellen Schläge also nach wie vor eine »typische Erziehungspraxis« dar.

Erhalte neue Beiträge per E-Mail

Emotionale Gewalterfahrug

Wobei hier zu ergänzen wäre, dass in den USA auch unabhängig von direkter körperlicher Züchtigung ein kontrollierender, strenger Erziehungsstil weit verbreitet ist, der auch emotionale Gewalt teilweise mit einschließt, gerade gegenüber sehr kleinen Kindern (Babys schreien zu lassen und sie auf diese Weise etwa in den Schlaf zu zwingen, gehört zum Beispiel in weiten Teilen der US-Bevölkerung, auch und gerade in der weißen Mittelschicht, zum ganz normalen, als richtig und »gesund« erachteten Erziehungsprogramm.

Gewalt im pädagogischen System

Erzieherische körperliche Gewaltanwendung ist in den USA aber nicht nur im häuslichen Umfeld erlaubt. In fast der Hälfte der Bundesstaaten darf auch das Lehrpersonal seine Schüler körperlich bestrafen – und zwar sowohl in privaten als auch in öffentlichen Schulen. So kommen in den USA jährlich etwa 200 000 Fälle zusammen, in denen Lehrer aus disziplinarischen Gründen ihren Schülern rohe, körperliche Gewalt antun – gerne mit einem etwa einen Meter langen Holzpaddel auf das Gesäß, vor der ganzen Klasse. Jungs werden etwa dreimal so häufig geschlagen wie Mädchen. Im Staat Mississippi erfahren auf diese Weise zwischen 5 und 7,5 Prozent der Schüler von 3 bis 19 Jahren Gewalt durch ihre Lehrer. Und auch Trumps Lehrer waren nicht zimperlich:

»The instructors ›used to beat the shit out of you; those guys were rough‹.«

Als »harte Kerle« also, die »die Scheiße aus einem rausprügeln«, bezeichnet Donald Trump seine Lehrer an der New York Military Academy, auf die er als 13-Jähriger von seinem Vater geschickt wurde, um ihn zu disziplinieren.

Die politische Landschaft ist deckungsgleich

Was hat das nun mit Landkarten zu tun? Gar mit einem damit verbundenen Rätsel? Ganz einfach: Wenn man für die USA eine »Bestrafungslandkarte« erstellt – so deckt sich diese ziemlich genau mit den politischen Wahlergebnissen, die Donald Trump an die Macht gebracht haben.

Nehmen wir die Frage: »Meinen Sie, es ist okay, ein Kind zu schlagen?« und erstellt eine Reihenfolge der Bundesstaaten von Alabama (höchste Zustimmung mit 87 Prozent) bis Vermont (niedrigste Zustimmung mit 55 Prozent) – die ersten 22 Staaten auf dieser Liste gingen alle an Donald Trump. Ähnliches gilt für die Frage: »Glauben Sie es ist okay, wenn Lehrer einen Schüler schlagen?« Auch aus diesen Antworten lässt sich – treffsicher – eine politische Landkarte erstellen: Alle der Top-25-Bundesstaaten auf der Liste (Spitzenreiter dort ist Arkansas mit einer Zustimmungsrate 53 Prozent, Schlusslicht ist New Hamshire mit einer Zustimmungsrate von 8 Prozent) gingen an die Republikaner.

Landkarten widriger Lebenserfahrungen?

Bildet die Landkarte des Rechtspopulismus vielleicht in Wirklichkeit eine Landkarte der Strenge ab? Und wenn ja – worin besteht diese Strenge? In der Ausübung von Gewalt? In mangelnder Fürsorge?

Man kann den Vergleich der Landkarten noch weiter führen. Genau das hat der Kriminologe Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen getan. Setzt man die US-amerikanischen Bundesländer, in denen an den Schulen Körperstrafen gegen Kinder zugelassen sind, in Bezug auf die dort registrierten Gefängnisinsassen pro 100 000 Einwohner, so zeigt sich ein frappierender Zusammenhang: Die Zahl der Strafgefangenen ist umso höher, je öfter an Schulen Kinder geprügelt oder sonst wie körperlich bestraft werden. Und auch hier fügt sich die Rangfolge in der Statistik zum immer gleichen, politischen Bild: Die »Bestrafungslandkarte« ist von der politischen Landkarte praktisch nicht zu unterscheiden.

Fürsorge in Not

Aber selbst damit nicht genug. Auch wenn man Indikatoren betrachtet, die generell für widrige Entwicklungsbedingungen für die Kinder stehen – Indikatoren also, die neben Gewalterfahrungen zum Beispiel auch abgebrochene Schulkarrieren oder die in dem jeweiligen Bundesstaat gemessene Säuglingssterblichkeit berücksichtigen –, so begegnen einem wieder die »politischen« Zusammenhänge. Nimmt man etwa die in dem Bericht »Gestohlene Kindheiten« zusammengefassten Daten der Kinderschutzorganisation Save the Children, so findet sich unter den zehn bestplatzierten US-Bundesstaaten mit Ausnahme von Wisconsin kein einziger »Trump-Bundesstaat«. Die zehn Schlusslichter dagegen formieren sich zum genauen Spiegelbild: bis auf New Mexico gingen alle an Trump. Strenge Kindheiten, so lässt sich der Bericht zusammenfassen, gehen mit »strengen« politischen Überzeugungen einher.

 

So weit der Auszug aus „Erziehung prägt Gesinnung„. Der Text soll zum Nachdenken anregen. I can´t breathe – dieser Zusammenbruch der Menschlichkeit hat einen tieferen Grund. Dahinter steht ein Vakuum an Fürsorge, Vertrauen und menschlicher Anerkennung. Dieses Vakuum beginnt dort, wo dem werdenden, wachsenden Menschen sein Entwicklungsrecht versagt wird. Niemand wird als Rassist geboren, dazu wird man gemacht. Die Gestaltung einer menschlichen Gesellschaft beginnt deshalb auf dem Wickeltisch.

 

Dieser Beitrag beruht auf dem Buch „Erziehung prägt Gesinnung. Wie der weltweite Rechtsruck entstehen konnte – und wie wir ihn aufhalten können" des Kinderarztes und Wissenschaftlers Dr. Herbert Renz-Polster.
Hier kaufen

16 Kommentare

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass bestimmte Kommentare erst manuell freigeschaltet werden müssen (z. B. wenn Sie einen Link teilen).

  • Rosebrock

    Der nun zur „Ikone“ erhobene Floyd hat schon Jahre seines Lebens wegen Drogenhandels und den Überfall auf eine Schwangere im Gefängnis verbracht. Er mag sich „gebessert“ haben – ich las auch, er habe sich „in der christlichen Gemeinschaft“ engagiert. Das wäre gut – es gibt Vergebung! Das Vorgehen mit ihm war nicht gut, es war Mord. Infolge der massiven Demos und Plünderungen danach wurde nun aber auch ein schwarzer Polizist und Weiße umgebracht. Enorme Schäden von Antifa und linken „Gutmenschen“ angerichtet. Dieser Fall von Polizeigewalt wird weltweit instrumentalisiert – und nun unsere Kinder und Jugendlichen mit hineingezogen. Die vom Leben noch relativ wenig wissen. Die leicht manipulierbar sind. Dass Drogen (die sie heute leichtfertig „probieren“, von „netten Kerlen“ dazu eingeladen, Afrikanern, Araber, u.ä., die davon nicht selten leben oder Zusatzgeschäft machen) sie herunterziehen können, ja, ihr kostbares Leben zerstören – sie glauben es nicht. Enthemmt (oder so gemacht durch Gabe von Alkohol, Drogen, GHB) lassen sie sich dann, modern und offen, wie wie man heute ist, zu „sexuellen Abenteuern“ verführen. Mit diesen charmanten Herren. Solllten sie am Ende mit Messer im Bauch nicht mehr aufwachen, haben sie eben „Pech gehabt“. Kommt vor. Es ist traurig, aber leider kein Einzelfall, auch in Deutschland nicht. Man hoffe, ich auch, so etwas möge nicht passieren… . Die Zeitungsberichte lassen allerdings anderes erkennen. Die Sicht auf Frauen im islamischen Kulturbereich ist einfach anders. Das werden wir auch nicht ändern können. Realität versus „Diskriminierung“svorwürfe. Schwieriges Thema – heikles Thema.

    • Lea

      Was sind denn das bitte für Aussagen? Und nein, das ist weder die allgemeine Realität, noch ist es ein Grund, sich nur auf „links“ zu beziehen, und das Thema Rassismus und Rechtspopulismus zu verharmlosen.

    • Olaf

      Da schreibt jemand einen Beitrag, der genau nicht beim aktuellen Geschehen halt macht, sondern die Hintergründe und die Vielschichtigkeit des Problems „Rassismus (insb. in den USA)“ beleuchtet… und was kommt im ersten Kommentar: Verallgemeinerungen, Fremdenfeindlichkeit und gefährlichste Vereinfachung! Auch das ist „geistige Brandstiftung“!
      Oder was genau möchten Sie sagen? Es war Mord, aber so ein bißchen schon auch verständlich und damit ok, weil „die Afrikaner“ ja alle mit Drogen handeln und auch G. Floyd schon kriminell aufgefallen ist? Geht’s noch?

    • René

      In den von mir frequentierten Medien wird Floyd nirgends zur Ikone erhoben. Berichte welche das Opfer als herausragende Persönlichkeit beschreiben sind mir nicht bekannt. Aber: das ist völlig irrelevant. Für diesen öffentlichen Mord durch einen Polizisten spielt dies keine Rolle. Ebenso wenig spielt es für den Rassismus innerhalb der Gesellschaft welcher durch die Demonstrationen thematisiert wird eine Rolle. Dieser ist unabhängig von der Person Floyd real und widerwärtig.

      Zum übrigen Geschwurbel von „Gutmenschen“, Arabern und Afrikanern welche zu „sexuellen Abenteuern“ verführen, gibt’s eigentlich nichts zu sagen.
      Unabhängig von hier transportierten Stereotypen bleibt in Bezug auf den Artikel nur: Thema verfehlt.

    • Rebecca

      Liebe(r) Rosebrock, es gibt afrikanische und arabische Straftäter und Drogendealer. Völlig korrekt. Die Frage ist ob sie wegen ihrer Herkunft, Nationalität, Ethnie, Hautfarbe dazu wurden?
      Welche Rolle spielen die Vorstrafen des Opfers bei der Beurteilung des Verhaltens der Polizisten?
      Ich bin Ihrer Meinung und missbillige die eskalierende Gewalt. Allerdings befürworte ich die Proteste.

    • Lara

      Ich frage mich, wie ein solcher Kommentar die „Moderation“ passieren konnte… Kann nur mit dem Kopf schütteln oder weinen wenn ich so etwas lese 🙁

      • René

        Es ist meiner Meinung nach absolut wichtig solche Kommentare nicht zu blocken. Derlei auszublenden lässt diese Meinungen nicht verschwinden und die Reaktionen auf den Eintrag zeigen das ich hier richtig bin.

    • Melanie

      ‚die Sicht auf Frauen ist in islamischen Kulturbereich einfach anders’… Äh ja: und?

      Also mal angenommen das würde in in dieser Plattheit so stimmen: was genau hat das mit de Situation in den USA zu tun? Mit George Floyd? Mit der Gewalt durch Weisse (Christen)? Mit Polizeigewalt? Mit Gewalt von Männern gegen Männer? Mit Rassismus in der westlichen Welt?

    • Herbert Renz-Polster

      Ich habe mir viele Gedanken gemacht zu diesem Thema und wo die Gewaltbereitschaft ihre Wurzeln hat. Dass das eine Vorlage sein könnte, um als Kommentar mal einfach ein paar pauschale Worthülsen abzulegen, das hätte ich nicht gedacht. Linke „Gutmenschen“ – was sind linke Gutmenschen? Herr Floyd hatte Vorstrafen – und was tut das zur Sache? Was tut der Drogenhandel hier? Ja, er wird oft von Migranten verübt – sind deshalb Farbige schlechtere Menschen)
      Aber eines hat mir gefallen:
      Werden „unsere“ Kinder jetzt in diese Proteste „hineingezogen“?
      Ich hoffe doch!

      • Kristin

        Sehr geehrter Herr Renz-Polster,
        Sie schreiben, „Und doch sind die USA kein durchgehend rassistisches Gebilde. In manchen Bundesstaaten ist er ein durchgängiges Phänomen, in anderen eine Randerscheinung.“
        Auch das ist leider eine sehr privilegierte Sicht aus der Sie schreiben! Die USA – und jedes andere Land in dem es eine weiße Mehrheitsgesellschaft gibt – baut auf rassistischen Strukturen auf, die Gesellschaften sind rassistisch sozialisiert. Für Schwarze Menschen ist Rassismus nie eine Randerscheinung, denn sie erleben ihn tagtäglich. Auch in Deutschland.
        Desweiteren schreiben Sie, dass Drogenhandel oft von Migranten verübt werden. Dieser These möchte ich vehement widersprechen. Schwarze Menschen müssen tagtäglich Racial Profiling der Polizei über sich ergehen lassen. So werden Statistiken verfälscht. Manche Menschen werden auch in die Illegalität gedrängt. Das System ist rassistisch! Und wer gilt eigentlich als Migrant? Der migrierte, blonde Schwede? Wohl kaum…
        Zuletzt möchte ich Sie darauf hinweisen, dass „farbig“ ebenfalls eine rassistische Fremdbezeichnung ist.

    • Taway

      Schlecht recherchiert, simples Weltbild. Ich wünschte Sie hätten den Mut die Fenster zur Welt ausserhalb ein bisschen weiter aufzumachen und die eigene zu hinterfragen.

      Danke an Herrn Renz-Polster, für diesen wichtigen Kommentar und noch wichtigeres Buch.

      Viele Grüße (von mir und meiner arabischen attachment-parenting Familie)

  • René

    Ohne die Quellenangaben hätte ich nie geglaubt, dass der Artikel die aktuelle Situation beschreibt. Gedanklich hätte ich die Beschreibungen um ein paar Jahrzehnte zurück geschoben.

    Ich finde es unfassbar, dass eine moderne Zivilisation derart archaische Standards als Normalzustand praktiziert. Dass dies zusätzlich „meinen“ Kulturkreis betrifft (auch wenn die Voraussetzungen in Amerika teils signifikant von unseren abweichen, gehe ich eigentlich schon von einem gemeinsamen Wertekanon aus) macht es für mich noch schlimmer.

    Den im Artikel beschriebenen Zustand hätte ich nie erwartet. Arme Kinder. Allein die Vorstellung treibt mir Tränen in die Augen.

    Geradezu beängstigend finde ich meine damit zusammenhängende Vorstellung (hoffentlich nur dunkle Phantasie), das irgendeine Untersuchung irgendwann zum Ergebnis kommen könnte, das diese Art der Erziehung auch Vorteile bringen kann. Dass die erfahrene und als normal empfundene Gewalt zu einer Rücksichtslosigkeit führt, welche in einigen Situationen zum Weiterkommen vorteilhaft ist …

  • Mastermind

    Vielen Dank für den Auszug aus Ihrem Buch. Ist schon erschreckend, und dennoch nicht überraschend, dass nun ausgerechnet ein Typ und ge-/verformter Charakter wie Trump nun Präsident ist. Wer wäre er mit einer normalen Kindheit ohne
    Militär-Akademie geworden? Nun, vielleicht nicht US-Präsident.
    Na ja, hauptsache die US sind das beste Land der Welt und dass Trump es great again machen will …

  • Caroline Keeling

    Ich lebe in Frankreich, wo die «violence éducative ordinaire (VEO)» weit verbreitet ist (trotz offiziellem Verbot körperlicher Bestrafung von Kindern seit 2019). Ich habe auch den Eindruck, dass manche Eltern beim öffentlichen Massregeln nun von der klassischen Ohrpfeiffe und dem Hinternversohlen in subtilere Formen übergehen, z.B. sah ich wie Eltern ihr 2 jähriges Kind zur Bestrafung buchstäblich am Arm hochreissen oder in die Wange kneifen. Und auch ohne physische Gewalt ist der Ton hier Kindern gegenüber oft recht scharf. Es gibt zwar Nicht-Regierungs-Organisationen wie StopVEO,die versuchen hier Aufklärungsarbeit zu leisten, aber insgesamt bin ich erstaunt, dass ich dieses Thema so wenig in der öffentlichen Debatte finde. Denn ich denke auch, der Effekt für die Gesellschaft könnte (zusammen mit anderen Faktoren wie z.B. unzureichende Qualität der institutionellen Kinderbetreuung) fundamental sein.

  • Alf

    die Menschheit hat längst vergessen, dass wir alle atmen müssen.
    einem wird der Atem genommen. Morgen sind wir es alle.
    der Reiche nimmt dem Atem der Armen.
    die Erde stirbt und wir sehen es nicht. Es wird wieder mehr geben, die nichts mehr zu atmen haben. Und die zehnfachen Ferrari-Besitzer scheissen drauf.
    Jeder sollte sich zurücknehmen. aber zuviel verlangt?
    macht einfach weiter so. kauft und lebt völlig sinnlos.
    die Reichen umsomehr.
    macht weiter so.
    man investiert nicht in die Zukunft und in gute Technik, weil man erst hohe Gehälter und hohe Gewinne bezahlen muss!
    so blind.
    ein Milliardär könnte investieren. Tut es nicht.
    Ausser mit dem höchstmöglichem Gewinn.
    wenn nicht der höchstmögliche Gewinn zu Milliarden, dann halt nichts.
    so einfach.
    ein Millionär kümmert sich gar nicht mehr um 100000 Euro
    wird langweilig…… das ist das Problem.
    weil es nicht hilft!
    für die Menschheit schon, aber nicht für ihn selber!
    ihr müsst es von der Sicht eines Millionärs sehen.
    mit viel Geld muss viel Geld reinkommen!!!!
    die Welt zu verbessern spielt niemals eine Rolle!
    wenn Du mal Millionen hast, vergisst Du sofort jede Armut.
    das ist so. Ich frage mich , wenn Buffet stirbt, ob er wirklich 99% seines Vermögens spendet, und noch schlimmer, wer es abgreift.
    alle in Startlöchern.
    eigentlich sollte man den Armen Tomaten geben und den Reichen Geld………. zum fressen.
    gibt den Armen Tomaten und Karotten und den Reichen Geld.
    wir werden es sehen, wo es hinführt.
    letztesmal habe ich einen Flüchtling aus dem Senegal kennengelernt.
    er hat schon ein Handy. Er WOLLTE EIN I-PHONE …..
    und hat dafür sein Leben riskiert!!!!!!!!!!
    krank!!!!!!!
    Lamborghini und Ferrari lässt grüssen.

    nicht dass die Menschen immer mehr wollen…….
    sondern weil Vorstände und Manager unfassbar reich werden.

    für unfassbare reiche Menschen , gehen andere ins Meer.
    ……….. Danke

Kommentar verfassen