Kommentar30. August 2018

Gestern in Chemnitz – und in Erfurt

Chemnitz, dazu muss ich jetzt nicht viel sagen: Rechtsextremisten verbreiten Angst und Unsicherheit, Zorn und Hass. All das eben, was in ihnen steckt: Zorn und Hass, Angst und Unsicherheit. Das ganze Elend, das ihnen in ihrem Leben entgegengeschlagen ist. Jetzt schlägt es uns aus diesen Bildern entgegen. Nein, hier brüllen nicht einfach die von der Globalisierung Verwundeten – hier brüllen die in ihrem Aufwachsen Verwundeten. Hätten sie doch nur öfter in der warmen Kuhle des Lebens liegen dürfen! Hätten sie die Welt doch als freundlich kennenlernen dürfen! Und ihre Menschen als zuverlässig, stark und gütig.

Erfurt am gleichen Tag. Die Mutter auf dem Bild ist Landtagsabgeordnete und will an einer ihr wichtigen Abstimmung teilnehmen, sie bringt ihren wenige Wochen alten Säugling in einem Tragegestell mit. Sie wird vom Thüringer Landtagspräsident, Herrn Christian Carius, des Saales verwiesen. Mütter mit Kindern seien im Plenarsaal nicht vorgesehen. Wenn sie ihr Baby in den Armen dabei habe, müsse sie gehen. Herr Carius fügt dann noch das hinzu: Er würde „jedem Abgeordneten aus Kinderschutzerwägungen empfehlen, sich um eine Betreuung für sein Kind zu kümmern.“

Das muss man sich jetzt einmal zu Herzen nehmen: eine Mutter geht mit ihrem kleinen Baby ihrer Arbeit nach (für Abgeordnete gibt es keine offizielle Elternzeit), eine Arbeit, die ihr wohl wichtig ist. Sie hat alles dabei, was ihr Baby braucht: Nahrung, Wärme, die Fähigkeit, das kleine Geschöpf zu schützen und zu beruhigen. Für sein Wohergehen und sein Wohlbefinden zu sorgen. Sie ist auf dem Weg das zu tun, was sich viele Mütter wünschen: Das eigene Leben gestalten und dabei gleichzeitig für ihr Baby sorgen. Etwas was in der Gesellschaft zum Beispiel Vereinbarkeit genannt wird. Etwas was Mütter betrieben haben, seit die erste Sammlerin ihr Baby durch die afrikanischen Savannen getragen hat.

Von einem der Entscheider unserer Gesellschaft muss sie sich nun das anhören:

… sie setze ihr Kind durch ihr Verhalten Gefahren aus

… es sei besser für ihr Baby, wenn es von ihr getrennt von anderen versorgt werde.

Klare Ansagen: Schutz kommt nicht von der Mutter, sondern von Einrichtungen. Mütter sind nicht entscheidend, Krippen sind entscheidend. Familienfreundliche Arbeitgeber sind nicht entscheidend, die arbeitgeberfreundliche Familie ist entscheidend.

Was haben die beiden Orte Chemnitz und Erfurt gemeinsam?

Am einen Ort wird einem Kind die Fürsorge zuteil, die es stark und sicher machen kann. Es erfährt Verlässlichkeit, Schutz und Liebe – gute Voraussetzungen, um einmal im Leben bestehen zu können. Um später einmal in Mündigkeit statt Hörigkeit zu leben.

Am anderen Ort zeigt sich, was aus Kindern werden kann, denen all das verweigert wird.

Herr Carius, ich weiß, dass man als Politiker nicht unbedingt Lehrbücher der Entwicklungspsychologie liest. Ich habe das mein ganzes Berufsleben lang getan und will die Bücher für Sie so zusammenfassen:

Wo die Bedürfnisse der Kinder nicht ernst genommen werden, entstehen die Bedürftigen von morgen.

Kurz, wir können uns die kalte Mutwilligkeit, mit der Sie Ihr Amt ausüben, im Namen der Zukunft unseres Landes gar nicht mehr leisten.

Und keine Angst. Ein Parlament, das in Vertretung des Volkes seine Arbeit macht, wird nicht von einem Baby davon abgehalten.

So sieht Willkommenskultur aus: die Europaabgeordnete Licia Ronzulli mit ihrem Baby Vittoria (©European Parliament/Pietro Naj-Oleari)

31 Kommentare

  • Conny Richter

    Lieber Her Renz-Polster,
    Sie sprechen mir aus tiefstem Herzen! Danke für diese sehr gute Stellungnahme!

  • Ana

    O wow, Herr Renz-Polster, vielen, vielen DANK – genau dies ging mir bei all den Wortmeldungen der letzten Tage über ‚die Schlimmen‘ im Kopf herum. Aber, habe ich immer gedacht… Was passiert ist und passiert ist schlimm, ohne Frage, aber weshalb, das bringt uns weiter und nicht Schuldzuweisungen und Täterhetze, sondern genau wie Sie schreiben, mehr Aufmerksamkeit auf sicheres, lebendiges, Aufwachsen im Kreise fürsorglicher Menschen.
    Vielen Danke für diesen Text – ich lege ihn sogleich vielen mir Bekannten im privaten und öffentlichen Bereich ans Herz.

  • TheRi

    Also worum geht es hier eigentlich?
    Das jemand (ein Politiker) Verantwortung übernimmt und einer Mutter mit einem erst wenige Wochen alten Kind sagt, es sei unangemessen mit ihrem Kind zu diesem Zeitpunkt und an diesem Ort zu ARBEITEN ist hier das große Vergehen?
    Natürlich weiß ich weder wie der Mann das sagte, noch ob seine Motivation so nobel war – (meine einzige Informationsquelle ist Ihr Text). Dennoch, selbst wenn dieser Mann sich einfach in seiner Arbeit und seinen Idealen gestört gefühlt hat, kann ich ihn besser verstehen, als die hyperaktive Mutter, die allen oder vllt. nur sich selbst beweisen möchte wie sie Neugeborenes, Arbeit, am besten noch Haushalt und Beziehung – alles mit Leichtigkeit meistert; ohne Abstriche und Vernachlässigung einer Seite – oder ist sie wirklich so unersetzbar auf Arbeit, dass sie nicht wenigstens 1 Jahr ihres Lebens allein ihrem Kind widmen kann? Oder MUSS sie arbeiten wegen des Geldes und dem drohenden finanziellen Bankrott?
    Darüber möchte ich mir eigentlich gar kein Urteil erlauben, ich weiß nichts zu dieser Situation oder Person, und wer weiß, welch große Ausnahme das für sie persönlich war bei dieser Abstimmung trotz und mit Baby teilzunehmen.
    Allerdings scheint mir all das völlig fehl am Platz hier anzuführen. Ihr Thema, eine gesunde Entwicklung der Kinder (dem ich insgesamt zustimme) wird hier gar nicht berührt!

    • Lisa

      Inwiefern schadet es dem Kind, der Mutter oder den „Kollegen“ denn, wenn ein Säugling mit seiner Mutter an dieser Art von Arbeit teilnimmt?! Und warum darf darüber ein anderer entscheiden als die Mutter oder die Eltern? Warum wird es dieser Mutter denn nicht einfach leichter gemacht, „alles unter einen Hut“ zu bringen, statt sie völlig unnötig zum Verzicht auf das eine (arbeiten gehen) oder das andere (für ihr Kind da zu sein) zu nötigen?! Natürlich sollte sie genauso die Möglichkeit haben, selbst gewählt auf das eine oder andere zu verzichten, aber das hat verdammt noch mal niemand außer ihr (und evtl. ihrem Partner/ihrer Partnerin) zu entscheiden!

      • TheRi

        Wie ich bereits schrieb, möchte ich die Situation dieser Mutter hier nicht beurteilen.
        Jedoch finde ich, sollte der für das Gelingen der Veranstaltung verantwortliche Politiker entscheiden dürfen, wenn etwas stört – dabei geht es um eine allgemeine Regel und nicht darum, dass dieses Kind in dieser Situation nicht geschrien hat. (Wird das in Zukunft bei häufigerem Arbeiten der Politikerin so bleiben? Wird ihr Kind noch lange in einer Trage verweilen? Sollten wir vielleicht eine Krabbelecke im Plenarsaal einrichten, wo Baby schlafen, schreien, spielen kann? Und wenn einem 6 Monatigen lanweilig ist, kann Mama eine kurze Spielpause machen? Oder lieber doch eine Fremd-Kinderbetreuung im Plenarsaal? … Damit bei den Abstimmungen jedoch alle anwesend sind, muss am Platz auf dem persönlichen Tisch gewickelt werden!
        Das war natürlich Ironie.
        Es war schon immer so, dass sich Mütter/Eltern ‚rausnehmen‘ mussten aus der Gesellschaft, wenn sie ein Baby hatten, um die gesunde Entwicklung ihres Kindes nicht zu gefärden – die Dauer/ der Zeitraum ist heute anders und nicht vergleichbar.)
        Die Aussage: eine Mutter weiß am besten was ihr Kind braucht, scheint mir zu stark verallgemeinert: scheinbar so viele Eltern sind so sehr mit sich beschäftigt und ihrer persönlichen Wunscherfüllung, viele sehen die (echten) Bedürfnisse ihres Kindes gar nicht – das ICH steht ganz vorn an. ‚Eltern sein‘ bedeutet nunmal AUCH sich selbst zurücknehmen zu können, die Bedürfnisse des Kindes vorn anzustellen.
        Wie wäre es also, wenn wir wieder Verantwortung – nicht nur für uns selbst – sondern auch in der Gesellschaft übernehmen, für das Funktionieren und Gelingen dieser und nicht nur unseres eigenen Lebens. VIELLEICHT gäbe es dann auch die Hetzjagden von Montag in Chemnitz nicht mehr, weil sofort mehrere Menschen den Mut gehabt hätten einzuschreiten … oder vielleicht wäre es auch gar nicht erst soweit gekommen.

        • Egon

          Sie werfen in Ihrem Argument Säuglinge, Kleinkinder und Kinder durcheinander. Solange das jemandem nicht auffällt, scheint Ihre Argumentation fast schlüssig. Das Ihre Ironie als rhetorischer Kunstgriff thematisch nicht gerade weiterführt, geschenkt.
          Bitte versuchen Sie es noch mal, damit klar wird, was sie sagen möchten.

    • Melanie Falkowski

      Die Verantwortung für das Kind hat ja wohl in erster Linie die Mutter. Sie hat sie offensichtlich auch übernommen, indem sie das Kind sicher und geborgen in einer Tragehilfe in ihrer Nähe hatte. Dabei bei einer Abstimmung anwesend zu sein scheint mir wenig schädlich/gefährlich für das Kind. Schon immer haben Mütter gearbeitet und gleichzeitig auf ihre Kinder geachtet und für sie gesorgt, das ist nichts Neues. Zu erwarten, dass eine Frau sich ausschließlich um das Kind zu kümmern hat, das ist neu. Kinder sind, genau wie Mütter, Teil der Gesellschaft und sollten auch als solche angesehen werden. Dann bräuchte es solche Diskussionen nicht zu geben. Und was für das Kind das Beste ist, das wissen in erster Linie die Eltern des Kindes und nicht irgendjemand von außen.

      • TheRi

        Auch Sie scheinen nur Ihre persönliche Situation als Mutter zu sehen. Und nicht richtig verstanden zu haben, was ich meine.
        Natürlich kennt eine Mutter im Allgemeinen die Bedürfnisse ihres Kindes am Besten. Aber genauso wie ich der Mutter in ihrer Rolle große Kompetenz zugestehe, muss ich das auch für den Politiker tun, der seinem Beruf verantwortungsbewusst nachkommt. Auch er weiß im Allgemeinen am Besten was für das Gelingen der Arbeit nötig ist. Dort beginnt Rücksicht, die wir alle doch so kompetent unseren Kindern beibringen wollen – ja Herr Carius hätte Rücksicht üben können und eine Ausnahme machen, genau wie Frau Henfling auf Kind und/oder Arbeit Rücksicht hätte nehmen können. Aber die gut begründbare REGEL schließt Babys im Plenarsaal aus.
        Jetzt ein allgemeines Recht für Mütter rausschlagen zu wollen, eine Regelung mit der JEDER Mutter ALLES ermöglicht wird, finde ich falsch? Jedes dreijährige Kind versteht, dass es nicht gleichzeitig beim Kinderschminken und auf der Hüpfburg sein kann – das Schminken dann auf der Hüpfburg zu veranstalten ist unverantwortlich für beide Seiten!
        Vor allem diesen Artikel zu verfassen scheint mir sehr populistisch – ja damit macht man sich bei vielen Müttern beliebt, baut Vorurteile auf …
        Anstatt einfach mal weiter zu denken und sich in die Gegenseite einzufühlen. Vielleicht besteht handlungbedarf in dieser Sache in der Politik – aber viel zu schnell fühlen wir uns gut informiert und  können uns durch Medien und solche Artikel eine Meinung zu etwas bilden, wofür wir nicht kompetent sind!

    • M.

      Es gibt weder Mutterschutz noch Elternzeit für Parlamentarier…was soll sie ihrer Meinung nach tun?

    • Rabü

      TheRi, wenn du nix darüber weißt dann halte dich bitte mit deinen unqualifizierten Kommentaren zurück und überlass einer Mutter die Entscheidung was gut für ihr Kind ist!

      • TheRi

        Welche unqualifizierten Kommentare meinen Sie ganz konkret?
        Da fühlt sich wohl jemand betroffen?

    • Lui

      Ich finde es wichtig die Bedürfnisse unserer Kinder nach Nähe, Liebe und Beziehung als eine wichtige Grundlage unserer Gesellschaft in das Bewusstsein zu rufen. Daher halte ich den Artikel für gut und notwendig. Und natürlich ist die Geborgenheit, die wir unseren Kindern schenken nur ein Aspekt, der Einfluss auf fremdenfeindliches Verhalten als Erwachsener hat. Aber es ist ein Anfang.

      Aus unserem Bedürfnis nach Beziehungen passt das Beispiel der arbeitenden Mutter, die ihr Kind in den Plenarsaal mitnimmt perfekt rein. Warum? Weil Kinder von Geburt an Teil der Gesellschaft sein wollen. Es ist sogar so, dass ihr Überleben von der Gemeinschaft abhängt. Wer nur einmal ein Baby beobachtet hat, weiß genau was ich meine. Die Kleinen suchen Kontakt zu jedem Menschen, sie machen keinen Unterschied zwischen einem Kind, einer afrikanisch-stämmigen Frau, einem Mann mit schiefen Zähnen, einem schwulen Jungen, ich könnte endlos weiter Menschen beschreiben, denen mein Sohn bereits ein Lächeln entlockt hat. Und das alles weil er dazu gehören möchte und er damit sicherstellt, dass jemand sich um ihn kümmert, falls seine Eltern verhindert sind.

      Ich finde die Frau ein tolles Vorbild für das Vereinen von Mutterschaft und Arbeit. Und damit tut sie nicht nur das Beste für sich selbst, sondern auch für ihr Baby und auch für die Gesellschaft. Auch unterstelle ich der Mutter, dass sie die Kapazitäten und Grenzen von sich und ihrem Baby kennt und sehr gut selbst und als einzige wirklich beurteilen kann, ob sie an der Sitzung teilnehmen sollte oder nicht. Und ich finde es besser Menschen an Abstimmungen teilnehmen zu lassen, die unter dem Einfluss der mütterlichen Liebe stehen anstatt diesen Personenkreis (Mütter und Kinder) vom gesellschaftlichen Leben kategorisch auszuschließen. Wer sonst sollte die Rechte derjenigen besser vertreten können? Vor allem nur weil das Baby Töne von sich geben und damit das Plenum möglicherweise stören könnte(!). Und das alles unter dem Deckmantel der Sicherheit fürs Kind. Von wegen. Eine Mutter, die ihr Kind derart nah an sich hat, weiß was es braucht und muss tatsächlich auch nicht erst bis zum Schreien des Kindes warten um zugrunde liegende Bedürfnisse zu erfüllen. Sondern sie kann bereits auf die viel subtileren Zeichen reagieren und es beruhigen, sodass es nicht stören wird. Und man beachte, ein Kind das derart live Demokratie lernen darf, braucht nicht erst in der Schule davon ‚theoretisch unterrichtet‘ werden.

      Warum ich mir das Recht herausnehme das zu beurteilen? Weil ich es eigens erleben durfte. Ich habe als Geschäftsführerin eines Unternehmens mein 2 Monate altes Baby bereits bei der ersten Messe dabei gehabt, danach bei diversen kleineren öffentlichen Veranstaltungen. Auf all diesen war mein Sohn ein Sonnenschein und hat Lächeln in die Gesichter der Teilnehmer gestreut. Er war immer um einiges ruhiger, wenn wir in diesen Gemeinschaften unterwegs waren. Im Gegensatz dazu ist er mir zu Hause, wenn wir zwei allein waren geradezu aufs Dach gestiegen. Sodass ich dann absichtlich mehr dieser Veranstaltungen eingeplant habe, als ich ohne ihn mitgemacht hätte. Einfach weil es gut für ihn war, unter Menschen zu sein. Vielleicht auch weil er es gespürt hat, dass es auch gut für mich ist, wenn wir unter Leuten sind. Anstatt alleine in die 4 Wände abgeschoben zu werden. Getreu nach dem Motto ‚aus den Augen aus dem Sinn‘ sollten wir uns fragen, wie können mehr Babys mit der Mutter bei deren Arbeit anwesend sein? Macht die Trennung von Arbeit und Kindern heutzutage bei der überwiegenden sicheren Büroarbeit tatsächlich noch Sinn? Können babys durch ihre Fröhlichkeit sogar zu einem besseren Arbeitsklima beitragen? Wie läuft das in Kulturen ab, deren Bevölkerung ein sehr hohes Wohlbefinden haben?

      Ich träume von einer Gesellschaft in der wir wieder alle zusammen leben, zusammen arbeiten, einfach zusammen sind. Anstatt Kinder in Krippe, Kindergarten und Schule und Großeltern in Pflegeheime abzuschieben sowie Eltern auf Arbeit zu schicken, sollten wir mal darüber nachdenken, wie wir alle wieder zusammen bringen können, oder?
      Wer mehr Infos und Alternativen für eine gemeinsame Zukunft sucht, dem sei das „artgerecht projekt“ sowie das Buch „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück“ empfohlen … sehr inspirierend. Übrigens die Veränderung, die wir im Leben sehen wollen fängt immer bei uns selbst an.

      Denn, dass wir auf die Politik warten, damit sich dort was dreht, ist vergebene Zeit. Da können wir lange warten. Schließlich sitzen da keine Menschen, die unsere Probleme als Mütter der heutigen Gesellschaftsstruktur kennen und vertreten können. Denn die werden ja dem Plenarsaal verwiesen. Was können wir dann tun als Mütter bzw. Eltern, die ein Kind in dieser Welt großziehen wollen? Es wird wohl an uns hängen bleiben, dass wir selbst unser Leben in die Hand nehmen. Ein Netzwerk aus Menschen aufbauen, die uns bei der Familienarbeit helfen. Und dazu gehört nun mühsam zu lernen, wie wir um Hilfe bitten. Und unsere Nachbarn, Familienmitglieder usw. einzubinden.
      Denn in der Schule haben wir Konkurrenzdenken gelehrt bekommen und dürfen nun auf Kooperationsbereitschaft umlernen. Vielen Dank, Schule. Von wegen dort lernt man fürs Leben.

      Aber ich denke es lohnt sich Hilfe zu suchen und umzulernen. Für alle Seiten. Schließlich lieben wir Menschen Beziehungen zu anderen Menschen und erst recht zu den niedlichen Kleinstbürgern.

      Und falls die Politik doch mal einen Impuls nutzen möchte, dann vielleicht zum Thema Schule:
      Würden wir nur ein Schuljahr in ein Betreuungsjahr umwandeln, dass die SchülerInnen für Familien mit bis zu 3 jährigen Babys unterstützt, hätten wir sicher sehr viel mehr Mütter, die Gelderwerb und Familienarbeit vereinen könnten ohne dabei Burnout zu erleiden und in soziale Isolation abgeschoben zu werden. Und obendrauf bekommen wir über so eine Maßnahme sicher noch in den nächsten 10 Jahren eine Generation von Kindern, die ganz nebenbei die so oft geforderten Softskills lernt, wie Empathie, Belastbarkeit, Verantwortungsgefühl … uvm.
      Ich bin wirklich dafür, Kinder raus aus der Schule und rein ins echte Leben. Sie werden so viel nebenbei lernen, dass es nur so kracht. Vom Impact auf die Gesellschaft, deren Babys mit bekannten Nachbarskindern aufwachsen dürfen, ganz zu schweigen. #artgerecht #schuelerReinInsEchteLeben #clanStattKleinfamilie #artgerechtprojekt

  • Kathrin

    Entschuldigen Sie bitte, ich bin auch in einer Kinderkrippe und in einem Kindergarten gewesen. Davon wird man nicht zum Nazi, der auf der Straße rumpöbelt und die Hand zum Hitlergruss hebt. Solche Verallgemeinerungen schüren doch die nächsten Konflikte.

  • Dr. Leoni Bönhof

    Sehr geehrter Herr Doktor Renz-Polster,
    ein riesiges Danke für diesen mit Abstand treffendsten, berührendsten, einfach besten Kommentar zur Lage- den würde ich gerne in der Tagespresse lesen.
    Und der einzige, der kausale Lösungsansätze aufzeigt.
    Das was eine Gesellschaft lebenswert, empathisch und warm macht, erwächst aus der unbezahlten, zumeist unerkannten und grundsätzlich unhonorierten Arbeit an den Kindern eine Generation zuvor.
    Nochmals herzlichen Dank!!!!

  • Theresa

    Genialer Text! Sachlich, fundiert, präzise, knackig!
    Herzlichen Dank!

  • Moni

    Danke! 💖🙏💖
    Sie sprechen mir aus der Seele!

  • C. Krusch

    Zitat „Am anderen Ort zeigt sich, was aus Kindern werden kann, denen all das verweigert wird.“

    Bissel zuviel Gesoffen oder? Was für eine diffamierung der realen Tatsachen! Sie haben einen Blog, in dem Sie vermitteln Kinder zu verstehen. Bedeutet aber auch, seinen Kindern zu vermitteln, das Sie selbst denken sollen und dinge hinterfragen sollen. Eine Medaille hat immer 2 Seiten. Wichtig ist auch, seinem Kind bei zubringen das Wissen, das eine große Macht ist. Die Probleme von verärgerten Bürgern auf deren Kindheit zu schieben ist eine reine Lachnummer, und lässt mich zweifeln an Ihrer Kompetenz, scheinbar liegen auch Realitätsstörungen vor.

    Denn wir sollten Lernen „Nicht alles was in Büchern steht“ ist die Wahrheit. Genau so sollte man der Wahrheit nachgehen, und die Wahrheit ist die einzigste Realität die Existiert. Und daher sollten Sie sich mal mit den Gesetzen des Landes sowie Europe vertraut machen, warum soviele Illegale Flüchtlinge hier sind. Das sollte aber klar sein, das man sich solch ein Wissen nur aneignen kann, wenn man nicht Dumm vor dem TV sitzt oder den ganzen Tag Youtube schaut oder Instagram.

    Und auch das Wort Demokratie sollte mal unter die Lupe genommen werden.

    Aber anscheinend brauchten Sie einen Artikel für Leser, Clicks und Aufmerksamkeit. Sie tun mir Leid, wobei Mitleid für solche Menschen wie Sie unnötig ist.

  • Daniela Schneider

    Danke für dieses klare Statement. Wie immer auf den Punkt getroffen.

  • Karina

    also bislang habe ich Sie ja wirklich geschätzt als Autor. Angst und Hass verbreiten ja wohl in erster Linie solche Taten, wegen denen die Menschen aktuell auf die Strasse gehen. fahren Sie doch einfach mal nach Chemnitz und Dresden und schauen sich an, wer dort auf die Strasse geht.

  • Dr. Philipp Bornschlegl

    Lieber Herr Kollege Renz-Polster,
    vielen Dank für Ihre Darstellung. Dem Erfurt-Teil stimme ich voll und ganz zu. Ein Säugling braucht die Nähe zur Mutter, egal ob sie jetzt in einem Parlament sitzt oder zu Hause RTL schaut..
    Ihre Ausführungen zu Chemnitz sind nachvollziehbar und richtig, aber wir sollten aufpassen, es uns hier nicht zu einfach zu machen. Heißt es denn im Umkehrschluss, dass man nach einer tollen liebevollen herzlichen Kindheit mit erfüllten Bedürfnissen nicht rechts werden oder massive „Ressentiments“ gegenüber Ausländern/Einwanderern usw. haben kann ? Das wage ich leider zu bezweifeln.
    Weiterhin sollten wir aufpassen, die wertvolle Diskussion nicht in eine andere, wenn auch nicht falsche Richtung zu verschieben. Es geht hier doch auch um ene generelle Sicht auf die Welt und politische Aufklärung, und nicht nur um Folgen einer möglicherweise problematischen Kindheit.
    Ich arbeite gerade als Kinderarzt in einer ländlichen Region in Tanzania und erlebe hier, wie aus kulturellen Gründen einer ganzen Generation von Kindern jegliche Empathie und Nähe verweigert (eine „Kindheit“ in unserem Sinne gibt es hier nicht) und institutionalisiert in den Schulen Autorität durch Gewalt (corporal punishment ist offiziell erlaubt und wird regelmäßig auch regelwidrig ausgeführt) vermittelt wird.
    Die Folge dieses hier seit Jahrzehnten, wahrscheinlich schon immer bestehenden Systems kann man im beruflichen und privaten Alltag sehen: proaktives Handeln ist unbekannt, da Transfer-Denken niemals gelehrt und gelernt wurde. Dies führt zu einem wenn überhaupt nur sehr sehr langsamen Weiterentwickeln, auch die gesellschaftlichen und lokalen staatlichen Strukturen treten eher auf der Stelle.
    Um den Bogen zurück zu Chemnitz zu spannen: ich mache mir Sorgen, dass große Bereiche der Gesellschaft, bedingt möglicherweise durch einseitige Bildungsquellen und leider durch das Internet einfach zu verteilende Propaganda eine ähnliche Entwicklung zeigen und auch kein proaktives oder kritisch-reflektierendes Handeln mehr zeigen.
    In einer immer komplexer werdenden Welt wächst die Sehnsucht nach einfachen Lösungen und einfachen Schuldzuweisungen. Das kann man leider durch eine gute Kindheit nicht vermeiden – aber immerhin schenkt man Kindern eine gute Kindheit!
    Oder in den Worten anderer Ärzte:
    „Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe
    Deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit
    Du hast nie gelernt dich zu artikulieren
    Und deine Eltern hatten niemals für dich Zeit“

    In diesem Sinne, PB

    • Julia

      Ich stimme Ihnen da volkommen zu!

    • Ulrike Niebuhr

      Sehr guter Kommentar, Herr Dr. Philipp Bornschlegl !

  • Marianne

    Vielen Dank für diesen großartigen Beitrag! Ohne in unzulässige Pauschalisierungen zu verfallen, kann ich mir vorstellen, dass die höhere Quote an AFD-Wählern und anderen Rechtsextremen im Osten auch noch mit dem Betreuungssystem in der ehem. DDR zusammen hängt. So viele Jahre nach der Wende merkt man in einigen Einrichtungen immer noch, wie eben nicht auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen wird. Wie die Gruppe als Ganzes funktionieren muss – und damit auch die einzelnen Kinder funktionieren müssen. Und Kinder, die im Kleinkindalter nicht gehört werden, versuchen dann als Erwachsene vielleicht eher sich Gehör zu verschaffen.
    Es wird keinem Deutschen irgendetwas weggenommen, weil ein paar Flüchtlinge aufgenommen werden – aber wie Kleinkinder, die Angst haben, dass sich die Erzieherin nur noch um die neuen kümmert, verjagen sie die Anderen.

  • Dr. Maschel

    Inadäquate Pauschalisierungen ohne Ende. Woher weiß Renz-Polster so genau, dass den Teilnehmern der Demonstrationen ich Chemnitz “Verlässlichkeit, Schutz und Liebe” verweigert wurden? Zeugt von Klischees, die mit der Realität nicht viel gemein haben.

  • Inga

    Meiner Meinung nach kommen viele der Handlungen, die wir in Chemnitz, Dresden,… eben im ehemaligen Osten sehen, von der noch immer präsenten DDR-Erziehung. Das war unser Grund, um Dresden zu verlassen – wir haben uns nicht wohl gefühlt in einer Stadt, in der ein Großteil aller Kinder mit spätestens 12 Monaten für mehr als 8 Stunden in die Krippe kamen. Schreien lassen, zeitig abstillen, das Kind jedes Wochenende im Säuglingsalter zu Oma und Opa abschieben – alles normal. Man darf sich bloß nicht wegen des Kindes einschränken lassen.. Wo käme man da hin. Ich finde, das sieht man aktuell sehr gut.

  • Charlotte

    Ihre Worte sind Lichtsäulen in dieser Zeit. Ich vertrete ihre Haltung zu 100% und empfinde sie als zutiefst wahr und heilend. Allerdings erlebe ich auch, wie schwer es ist, sich im Alltag in dieser Gesellschaft danach auszurichten, ohne als anders, alternativ oder schwierig zu gelten… umso wichtiger, diese Haltung klar und mit Rückgrat zu leben und zu vertreten, ungeachtet derer, die sich daran stoßen und ggf sogar die eigenen Kinder schneiden (Schule) da sie Fragen stellen und dss System als unrecht und nicht artgetecht empfinden. Der Mittelweg ist schwer. In dieser Gesellschaft zu leben, sich dort zu zeigen, die herzgerichtete Lebenshaltung zu verbreiten und damit anzuecken, belächelt und teils geschnitten oder sogar gemieden zu werden. Der Impuls, sich und die Kinder in eine Blase aus Gleichgesinnten zu flüchten, in der alle auf einer freien Schule sind und die Eltern die gleichen Themen haben ist da. Doch geht es vielleicht mehr darum, diese Haltung mit Liebe und Rückgrat in die Gesellschaft und die Regelschulen zu tragen, in der Hoffnung dass sich dort nach und nach ENDlich was ändert… ich bin noch nicht sicher, was der richtige Weg ist, um meine Kinder sich zu mündigen, klaren, mutigen und herzgesteuerten Erwachsenen entwickeln zu lassen…

    • Madlen

      Das klingt ganz wunderbar und es ist der Weg, der auch notwendig ist zu einem friedlichen Miteinander. Ich habe auch Angst, dass ich in meine alte Heimat zurückkehre und dort auf massiven Widerstand treffen werde.

  • Markus Müller

    Was hat das Bild bzw. die Einleitung mit dem Artikel zu tun?

  • Madlen

    Ich finde es gut, diese beiden Themen miteinander zu verbinden. Da ich aus beruflichen Gründen mit der Entwicklungspsycholgie vertraut bin kann ich nur jedem ans Herz legen wenigstens zu versuchen, zu verstehen, was ein Kind, eine werdende Persönlichkeit braucht, um gut zu gedeihen.

  • ANJA

    Wahnsinn! Was soll der Scheiß mit dem Osten? Glauben Sie, Herr Renz-Poklster, Marianne, Inga… wirklich, NUR im Osten gibt es solche Bekloppten, die immer noch nicht begriffen haben, daß es KEINE menschlichen Rassen gibt??? Wow, herzklichen Glückwunsch, da haben Sie ja ganz großartig einen Sündenbock gefunden! Der Osten – klar. Willkommen im 21. Jahrhundert.

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