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Beratungsfrage5. Dezember 2023

Geschwister streiten ständig. Was tun?

Sehr geehrter Herr Renz-Polster, mich beschäftigen derzeit die andauernden Streitereien zwischen meinen Kindern (5 und 7 J.). Wie kann ich diese gut begleiten? Wie kann ich ihnen beibringen, schön miteinander zu spielen und sich gegenseitig respektvoll zu behandeln? Ich versuche schon seit Monaten ihre Geschwisterliebe in eine andere Richtung zu lenken, gefühlt wird es aber immer heftiger.

Puuh, ja, Streit unter Geschwistern gehört wirklich zu den Dauerbrennern in den Familien.

Warum? Weil auch Kinder unterschiedliche Interessen haben. Und noch nicht gelernt haben, diese immer konstruktiv und geräuschlos auszugleichen (wir Erwachsenen sind darin ja auch nicht perfekt).

Das erklärt, warum Geschwisterkinder umso häufiger in Streit geraten je jünger sie sind und je enger der Altersabstand ist. Sie konkurrieren dann eher mal um die gleichen Kuchenstückchen.

Wie damit umgehen? Wichtig ist mir das:

  • Erstens. Wenn sich Eltern bei mir über die ewigen Geschwisterkonflikte beklagen, gebe ich gerne den Rat, ganz bewusst auch die andere Seite zu betrachten: WIE TOLL, DASS IHR EUCH ALS GESCHWISTER HABT! Das ist eine riesen Chance, ein ganzes Leben lang. Ja, manchmal nervig, aber unter dem Strich: think positive! (Ich glaube, meine eigenen Eltern hätten sonst das Leben mit uns Zwillingen gar nicht überlebt, der Streit unter Zwillingen kann episch sein!)
  • Zweitens (um beim Positiven zu bleiben): Kinder machen ja beides: sie spielen miteinander, und sie streiten miteinander. Und weil sie unbedingt und immer wieder miteinander spielen wollen, fällt es ihnen auch leichter, immer wieder zusammenzufinden. The show must go on! Auch hier sind Zwillinge echte Meister. Diese endlosen Grabenkämpfe ohne Versöhnung und Widerannäherung, die sich manche Erwachsene leisten, sind bei Kindern ja die absolute Ausnahme. Wie schön!
  • Drittens: Wir Eltern können den Streit der Kinder nicht wirklich lösen. Denn: Niemand ist schuld. Der eine hat vielleicht begonnen, aber nicht ohne Grund. Kinder streiten „aus ihrem Kindsein heraus“, und jeder hat da aus seiner Sicht Recht, und wie! Es ist deshalb auch meist falsch, Partei zu ergreifen. Natürlich wird zuerst das offensichtliche Opfer versorgt (also das Kind, bei dem Blut läuft etc.). Dann aber gilt es verbindend zu sein, also: offen den Anschuldigungen *beider* Kinder zuzuhören, *beiden* Kindern Trost zu spenden, *beiden* Kindern einen Kakao anzubieten.
  • Viertens: Das heisst nicht, dass du als Mama oder Papa nicht das schwächere Kind schützen darfst, aber eben: ohne dem stärkeren (oder dem „aggressiven“) Kind deshalb die Schuld zu geben. Ja, das Krabbelkind wurde weggeschuckt, aber wer würde als Dreijährger nicht seinen Legoturm verteidigen, bitteschön? Also wieder: *beide* Kinder emotional versorgen und die Perspektive *beider* Kinder anerkennen. Und dann mit dem Großen überlegen, wie man das das nächste Mal besser regeln kann.
  • Fünftens: Generell halte ich es für richtig, nicht immer gleich einzugreifen, sondern Streit auch mal zuzulassen. Denn nur so können die Kinder ja üben und auch mal selbst wieder ins Spiel finden. Trotzdem muss jeder da selber „sein“ Maß finden, denn nur du kennst deine Kinder. Manche sind zart, andere sind echte „Selbstbehaupter“. Manche Eltern können Krawall ab, andere nicht, manche brauchen jetzt gerade Ruhe, weil sie vielleicht ein Stück im Kopf komponieren, andere stellen einfach die Musik lauter. Jeder möge seine Art der Streitbegleitung finden.
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5 Kommentare

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  • Lenina

    Wo ist denn die „normale“ Grenze? Also, wie heftig „dürfen “ Körperlichkeiten ausfallen? Sie erwähnen „Blut fließt “ – wie oft ist in dem o.g. Beispiel noch normal?

    Streiten um des Streiten willens.
    Ärgern bis zur Explosion.

    Hilft räumliche Trennung?

    Hier ist manchmal echt Land unter (5&8,5 Jahre, Jungs, gemeinsames Kinderzimmer)

    • Jale

      Hm, ich denke, laut HRP wäre das „natürliche“ Habitat von 5 und 8,5jährigen größer als die Kernfamilie, so dass man sich besser aus dem Weg gehen kann und nicht immer nur 1:1 aufeinander hängt… und es sowohl genügend andere Kinder als auch andere Erwachsene gibt. Tja, die Umzusetzung, schwierig.. wir versuchen den Kindern jeweils typmässig so weit wie möglich gerecht zu werden, was Geselligkeits- und Ruhebedürfnis angeht und dann Ausgleich zu schaffen (Großes Kind, typischer „Extro“: Woanders Übernachten, selber Nachbarn besuchen, Omatag, Sportverein, Sportausfahrt mit einem Eltern – Kleines eher Intro: Ruheinseln, Exklusivzeit mit Mama und Papa. Insgesamt so oft wie möglich Treffen mit anderen Familien, so dass sich die Kinder frei spielend „verteilen“. Und im Zweifel raus in die Natur, das klappt irgendwie immer. Nur halt wieder die Umsetzung… Das körperliche Abreagieren im Rahmen eines Schultags ist schwierig und das Austoben grad im Winter zu ermöglichen echt eine Aufgabe.. Wir fragen auch nie „wer wars“ sondern „was ist passiert“, „was braucht ihr“ – ganze Bücher darüber gelesen. HRP gibt die oben quasi in a nutshell wieder und setzt noch einen drauf 😉

      • Lenina

        Ja, das wäre quasi der Idealzustand.
        Beide tun sich schwer mit Freundschaften. Dahin ist irgendwie seltene Entkommen.
        Dazu kein Rückzugsort.

        Und dazu siehe meine untere Antwort

    • Friedo Pagel

      Wenn es so krass ist, würde ich mich mal ganz unverbindlich über ADHS informieren. Wenn es für Eltern ohnehin schon schwierig ist, die Perspektive ihrer Kinder einzunehmen, so ist das bei Eltern von ADHS Kindern zumindest für denjenigen Elternteil, der deren Gefühlswelt nicht kennt, noch schwerer.

      In dem genannten Alter würden vor allem diese beiden Dinge für ein mögliches ADHS bei einem oder gar beiden Kindern sprechen:
      – Entwicklungsverzögerung in der sensorischen Integration, bei Jungen vor allem in der Feinmotorik => Ungeschicklichkeit, beim Schulkind eine miserable Handschrift
      – Vom Durchschnitt stark abweichende intellektuelle (1 Jahr voraus) und emotionale (gegenüber Gleichaltrigen 1 Jahr zurück) Entwicklung.

      Was steckt meist dahinter, dass ADHS Geschwister noch mehr und noch heftiger streiten als andere Kinder?
      – Diese Kinder brauchen sehr viel Energie, um im gesellschaftlichen Rahmen erwünschtes Verhalten zu zeigen. ADHS Kinder, die von zu hause gut gestützt sind, kriegen das i.d.R. (d.h. solange sie nicht auf eine Erziehungsperson stoßen, deren Ablehnung sie spüren) ganz gut hin. Kommen sie dann aus Kita oder Schule nach hause, sind sie total ausgelaugt und fallen in ein mentales Loch, in eine Art „innere Leere“ (typische Aussage dann „mir ist langweilig“), aus der sie sich durch „Zoff machen“ zu befreien versuchen. — Und wer kein Geschwisterkind hat, pisakt dann die Mutter, bis sie endlich an die Decke geht.
      Versucht man das durch Erklärungen zu korrigieren, verstärkt man dadurch das Verhalten noch und es wird immer schlimmer. Besser ist es, dem Kind dann eine Ruhephase (wenn die Räumlichkeiten es zulassen, allein im Zimmer) zu gönnen. Am besten durch ein tägliches Ritual, denn das Kind muss sich dabei angenommen und nicht wie in der Schule vor die Tür gesetzt fühlen.
      – Kinder mit ADHS (insbesondere die mit H) suchen stets nach Nervenkitzel, denn Nervenkitzel ist wohl eine Art „unspezifische Selbstbehandlung“. Wie und warum das „funktioniert“ wird hier z.B. sehr schön erläutert: https://www.youtube.com/watch?v=axrywDP9Ii0&t=64s (Bei ADHS geht die medizinische Forschung und medikamentöse Therapieansätze ja heute von einem Mangel an Verfügbarkeit von Dopamin im Ruhezustand aus.)
      Grenzüberschreitungen wie das Verbot, die persönlichen Sachen der Geschwister anzulangen, sind natürlich immer mit Nervenkitzel verbunden. Entsprechend fühlen sie sich gerade davon wie magisch angezogen, während das davon betroffene Kind das als bedrohlichen Angriff auf seine Person erlebt.
      Auch hier wieder, nicht erklären! Regeln (bitte sehr sparsam einsetzen und die Kinder dabei wenn es geht mitnehmen) sind nicht dazu da, um von den Eltern erklärt zu werden, sondern im Notfall durchgesetzt zu werden. Erfolgreiche Ansprache geht nicht über Erklärungen über deren Sinn, sondern über die Akzeptanz und Annahme von Gefühlen! Auch wenn es klar nach „Täter und Opfer“ ausschaut, hat der „Täter“ Gefühle, die ihn dazu veranlasst haben. Und die gilt es erst einmal wahrzunehmen und anzuerkennen. Nur so, durch dieses Vorbild, kann er lernen, auch die Gefühle des anderen zu beachten und zu berücksichtigen.
      – Dann die andere Zeitwahrnehmung bei ADHS. Für uns alle vergehen schöne Stunden viel zu schnell und Warten zieht sich unangenehm lang hin. Bei ADHS ist das geradezu potenziert. D.h. wenn man sich obigen beiden Kindern z.B. jeweils 1 Stunde ganz allein widmet, werden bei ADHS Kindern hinterher beide behaupten: „Mit mir spielst Du nie und mit dem anderen immer.“ Und wieder, mit einer Stoppuhr, um sie zu widerlegen, kommt man nicht weiter. In ihrem subjektivem Erleben haben sie tatsächlich beide recht. Und ihre Behauptung ist kein billiger Trick, um Druck auf die Eltern auszuüben.
      – Und last but not least, viele ADHS Kinder haben es schwer, von sich heraus konstruktive Spielideen für sich allein zu entwickeln, möchten am liebsten ständig (von Erwachsenen) „bespielt werden“. Im Umgang mit Gleichaltrigen sind sie wenig flexibel und geraten schnell in Konflikte.
      Hier ist es oft am günstigsten, ihre Spezialneigungen zu entdecken und zu fördern. Denn komischerweise können Kinder, die sich fast nicht auf äußere Anleitungen einlassen können, dabei unkonzentriert und nervös von einer Tätigkeit zur anderen hüpfen, sich total in etwas vertiefen, ja sich geradezu darin verlieren und die Welt drum herum zu vergessen, wenn die entsprechende intrinsische Motivation dafür vorhanden ist.

      Und Lelina, selbst wenn Du Deine Kinder in meinen Worten wiederfinden solltest, keine Panik. Deine Kinder sind in Ordnung so wie sie sind, und sie haben das Recht, so wie sie sind angenommen, unterstützt und geliebt zu werden. Sicher, eine Erziehung dieser Kinder ist nicht einfach, aber immer „mit der Veranlagung“, denn Versuche „gegen die Veranlagung“ sind in der Regel zum Scheitern verurteilt.

      Ich wünsche Dir und Deinen Kindern viel Erfolg und eine glückliche Zeit.

      • Lenina

        Friedo, du triffst den Nagel auf den Kopf.
        Ich hab due Adhs-Diagnose seit 1 Jahr (endlich), der Große ist Grad dabei, der kleine kommt hoffentlich bald auf die warteliste.

        Einiges wusste ich schon,aber Grad der Punkt mit Nervenkitzel und Zeitempfinden hatte ich nicht so auf dem Schirm. Das ist sehr interessant. Werde ich genau hinschauen.

        Und ja, ärgern ist des Großen Ventil…

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